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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Die Wallbrüder selber fanden zumeist, noch bevor sie ins Heilige Land kamen, ein klägliches Ende. Viele Tausende wurden von den Ungarn erschlagen, die Führer, Guillaume le Carpentier und Emicho von Leiningen, kehrten schmählich mit zerlumpten Resten ihrer Schar zurück. Guillaume, berichtet der Chronist, habe, bevor er auszog, den Rabbi von Troyes befragt, wie seine Fahrt enden werde. Antwortete der Rabbi: »Du wirst eine Weile in Glanz leben, dann aber besiegt und flüchtig mit drei Rossen hierher zurückkehren.« Guillaume drohte: »Wenn ich nur mit einem Rosse mehr zurückkehre, dann bringe ich dich um, und alle andern Juden Franciens dazu.« Als er zurückkehrte, hatte er drei berittene Begleiter, somit vier Rosse, und freute sich darauf, den Rabbi zu erschlagen. Als er indes durchs Tor einritt, löste sich ein Stein und erschlug von den Begleitern einen mitsamt seinem Roß. Daraufhin stand Guillaume von seinem Vorhaben ab und ging ins Kloster. Der Leiden, die damals ihre Väter hatten erdulden müssen und die aufgezeichnet sind in dem Buch »Tal der Tränen«, gedachten die Juden, als nun ein neuer Kreuzzug ausbrach, und sie waren voll Furcht.

Bald auch geschah ihnen wie früher. Doch waren es dieses Mal vor allem die Fürsten, die sie bedrängten.

Herzog Wratislaw von Böhmen zwang seine Juden zur Taufe, und als sie dann auswandern wollten, wohl um zum Judentum zurückzukehren, erklärte er ihren ganzen Besitz für verfallen. Sein Kämmerer, ein gebildeter Herr, hielt den Auswanderern im Auftrage des Herzogs eine Ansprache in lateinischen Hexametern: »Nichts von Jerusalems Schätzen brachtet ihr nach meinem Böhmen. / Nackende Bettler kamt ihr ins Land, nackt möget ihr ausziehn.«

Am meisten zu leiden hatten die Juden des Königreichs Francien. Dort hatten im vorigen Kreuzzug Ludwig der Siebente und Ellinor de Guienne sich ihrer angenommen. Der König aber, der jetzt in Francien regierte, Philipp August, stellte sich selber an die Spitze derer, die »das verfluchte Geschlecht« schlugen und ausraubten. »Die Juden haben«, erklärte er, »durch verbrecherische List die Mehrzahl der Häuser meiner Hauptstadt Paris an sich gebracht. Sie haben uns ausgeplündert wie ihre Vorväter die Ägypter.« Diesen Raub zu rächen, ließ er an einem Sabbat die Synagoge von Paris und die von Orléans von Kriegsknechten umstellen und gab die Juden nicht frei, ehe er ihre Häuser ausgeraubt hatte. Auch ihre Sabbatkleider mußten sie ausziehen und halbnackt in ihre nackten Häuser zurückkehren. Dann gab er Befehl, sie hätten mit Zurücklassung ihrer Habe sein Reich binnen drei Monaten zu verlassen.

Die meisten der Vertriebenen flüchteten in die benachbarten Grafschaften, die dem Namen nach Vasallenländer des Königs, in der Tat selbständig waren.

Allein die Hand König Philipp Augusts erreichte sie auch dort.

Da war etwa die Markgräfin der Champagne, Blanche, eine ältere Dame freien Geistes und freundlichen Herzens. Sie hatte viele der Auswanderer aufgenommen. Nun war es lange Zeit auf fränkischem Gebiet Sitte gewesen, in der Karwoche einen Vertreter der Juden, den Gemeindevorstand oder den Rabbiner, zum Andenken an die Marter Christi auf öffentlichem Platze zu ohrfeigen. Die Markgräfin hatte ihren Juden gestattet, diese Naturalleistung durch eine Zahlung an die Kirche abzulösen. König Philipp August, gereizt, weil seine Auswanderer bei der Markgräfin Blanche Zuflucht gefunden hatten, verlangte von seiner Vasallin, sie solle ihre Verfügung zurücknehmen. Er berief sich auf den Heiligen Krieg, sie mußte nachgeben.

Allein das Schicksal ersparte den Juden den Schimpf, freilich auf eine klägliche, ja, tragische Weise. Bevor nämlich die Karwoche herankam, erschlug ein Kreuzfahrer, ein Untertan König Philipp Augusts, auf dem Gebiete der Markgräfin, in der Stadt Bray-sur-Seine, einen Juden. Die Gräfin verurteilte den Mörder zum Tode und ließ die Hinrichtung vollziehen am Tage des Purimfestes, dem Tage, da die Juden den Sturz ihres Feindes Haman durch die Königin Esther und ihren Pflegevater Mardochai feiern. Die Juden der Stadt Bray wohnten der Exekution des Mörders bei, vermutlich nicht ohne Genugtuung. Dem König Philipp August wurde gemeldet, sie hätten dem Mörder, seinem Untertan, die Hände gebunden und ihm eine Dornenkrone aufs Haupt gesetzt, die Passion des Heilands verspottend. Der königliche Bösewicht, wie der Chronist ihn nennt, verlangte daraufhin von der Markgräfin, sie solle alle Juden der Stadt Bray festnehmen lassen. Sie weigerte sich. Der König schickte Soldaten nach Bray, die Juden wurden gefangengenommen und vor die Wahl gestellt zwischen Taufe und Tod. Vier ließen sich taufen, neunzehn Kinder unter dreizehn Jahren wurden ins Kloster verbracht, alle übrigen Juden wurden verbrannt, auf siebenundzwanzig Scheiterhaufen. Der Markgräfin Blanche sagte Philipp August: »Jetzt sind deine Juden ihrer Karfreitags-Ohrfeige ledig, Dame.« Dann zog er in den Heiligen Krieg.

Die Juden des gesamten nördlichen Frankreichs aber fühlten sich nicht mehr sicher und schickten Sendboten an ihre Brüder in glücklicheren Ländern, in der Provence und in Hispanien, sie um Hilfe zu bitten.

Ihre stärkste Hoffnung setzten sie auf die mächtige Gemeinde von Toledo. Dorthin schickten sie den Mann, der als der größte und frömmste unter den Juden Frankreichs galt, Rabbi Tobia Ben Simon. Kaum war Don Jehuda zurückgekehrt, so suchte Rabbi Tobia ihn auf.

Unser Herr und Lehrer Tobia Ben Simon, genannt Ha-Chasid, der Fromme, der Episcopus Judaerum Francorum, das Oberhaupt der Juden Franciens, war ein Gottesgelehrter, berühmt und umstritten in Israel. Er war von unansehnlichem Äußern und bescheidenem Gehabe. Er entstammte einer alten Familie gelehrter Juden, die vor einem kleinen Jahrhundert vor den Wallbrüdern aus Deutschland ins nördliche Frankreich geflüchtet waren.

Er sprach in dem langsamen, unreinen Hebräisch der deutschen Juden, der Aschkenasi; es klang sehr anders als das edle, klassische Hebräisch, an welches Don Jehuda gewöhnt war. Doch bald vergaß er die Aussprache Rabbi Tobias über dem, was er zu erzählen hatte. Es erzählte aber der Rabbi von den zahllosen, fein ausgeklügelten, grausamen Schikanen des Königs Philipp August und von den greulichen, blutigen Ereignissen in Paris, in Orléans, in Bray-sur-Seine, in Nemours und in der Stadt Sens. Er erzählte schwerfällig, und er erzählte von den geringfügigen Qualen, welche die Verfolger den Juden angetan hatten, ebenso genau und ausführlich wie von den ungeheuerlichen Metzeleien, und das Kleine erschien groß, und das Große war ein Glied in einer endlosen Kette. Und wieder und wieder kam der Refrain: »Und sie schrien: ›Höre, Israel, unser Gott ist einzig‹, und wurden umgebracht.«

Es war seltsam, den unscheinbaren Rabbi in dem stillen, prächtigen, geschützten Haus erzählen zu hören von den wilden Geschehnissen. Rabbi Tobia sprach lange und eindringlich. Aber Don Jehuda hörte mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu. Seine lebendige Vorstellungskraft sah leibhaft die Dinge, von denen der Rabbi berichtete. Eigene, grimmige Erinnerungen wurden ihm wach. Damals, vor anderthalb Menschenaltern, hatten es die Moslems in seinem Sevilla genauso getrieben wie jetzt die Christen in Francien. Auch sie waren zuerst über die nächsten »Ungläubigen« hergefallen, über die Juden, und hatten sie vor die Wahl gestellt, zu ihrem Glauben überzutreten oder zu sterben. Jehuda wußte genau, wie es in denen aussah, über die sie jetzt herfielen.

»Vorläufig«, sagte Rabbi Tobia, »helfen uns noch die Gaugrafen und Barone der unabhängigen Gebiete. Aber der gesalbte Frevler bedrängt sie, und sie werden ihm nicht lange widerstehen. Ihre Herzen sind nicht böse, doch auch nicht gut, und sie werden nicht Krieg führen gegen den König von Francien um der Gerechtigkeit und um der Juden willen. Nicht ferne ist die Zeit, da werden wir weiterwandern müssen, und es wird nicht leicht sein; denn wir haben nichts gerettet als unsere Haut und einige Thora-Rollen.«

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