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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Nach dem unzweideutigen Edikt des Papstes hatten alle jene, die nicht an dem Kreuzzug teilnahmen, den Saladins-Zehnten zu entrichten, also auch die Juden. Erzbischof Don Martín machte sich diesen Erlaß zunutze und forderte die Aljama auf, ihm diese Abgabe zu zahlen.

Don Ephraim brachte Jehuda das Schreiben des Erzbischofs. Es war scharf, drohend. Jehuda las; er hatte die Forderung Don Martíns seit langem erwartet.

»Die Aljama«, sagte mit dünner Stimme Don Ephraim, »wird zusammenbrechen, wenn sie zu den andern Steuern auch noch den Saladins-Zehnten zahlen soll.«

»Wenn ihr euch von der Zahlung drücken wollt«, antwortete unverblümt Jehuda, »rechnet nicht mit meiner Hilfe.«

Das Gesicht des Gemeindevorstehers wurde böse und entsetzt. Diesen Jehuda, dachte er bitter, kümmert es keinen Daumenbreit, was wir andern zahlen. Er streicht seine Kommission ein, der Wucherer: uns läßt er verderben.

Don Jehuda erriet genau die Gedanken des andern. »Winsele mir nicht um das Geld, mein Herr und Lehrer Ephraim«, wies er ihn zurecht. »Ihr verdient genug an der kastilischen Neutralität. Ich hätte euch den Saladins-Zehnten schon lange abfordern sollen. Es geht nicht um das Geld. Es geht um Wichtigeres.«

Dem Párnas Ephraim war vor der ungeheuren Höhe des Betrags, den da seine Aljama zahlen sollte, jede andere Sorge verdämmert; nun Jehuda ihn so unsanft weckte, konnte er sich nicht länger blind stellen vor der sehr viel schlimmeren Gefahr. Der Saladins-Zehnte war eine Steuer, die der Kirche zustand, nicht dem König. Schon als es darum ging, die Steuern von den Christen zu erheben, hatte der Erzbischof die Eintreibung als sein Recht beansprucht, und die Krone hatte ihm mancherlei Zugeständnisse machen müssen. Den Juden gegenüber wird Don Martín auf diesem seinem Privileg noch viel schroffer bestehen; wenn er aber durchdrang, dann war es mit der Unabhängigkeit der Aljama zu Ende.

Das machte jetzt Don Jehuda dem andern in brutalen Worten klar. »Du weißt doch so genau wie ich, worum es geht«, sagte er. »Kein Zwischenglied darf eingeschoben werden zwischen uns und den König. Unabhängig müssen wir bleiben, wie es niedergelegt ist in den alten Büchern. Unsere eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit müssen wir beibehalten, so wie die Granden. Der König muß das Recht bekommen, ich muß das Recht bekommen, diese Steuer einzuziehen, nicht Don Martín. Darauf werde ich hinarbeiten, nur darauf. Und wenn es mir gelingt, und wenn es euch nichts weiter kostet als das Geld, dann singt Halleluja!«

Don Ephraim, so hart angepackt, gab in seinem Innern Jehuda recht. Ja, er bewunderte, wie rasch und klar dieser erfaßte, worum es ging. Aber er wollte seinen widerwilligen Respekt nicht zeigen. Zu tief traf ihn der Kummer um das Geld. Er saß da, unbehaglich, fröstelnd, rieb sich die Fläche der einen Hand mit den Nägeln der andern und maulte weiter: »Dein Vetter Don Joseph hat erwirkt, daß die Juden Saragossas nur die Hälfte des Zehnten zu zahlen haben.« – »Vielleicht ist mein Vetter geschickter als ich«, entgegnete trocken Jehuda. »Sicher ist, daß er keinen Erzbischof Don Martín zum Gegner hat.« Er erhitzte sich. »Willst du denn immer noch nicht sehen? Ich werde zufrieden sein, wenn uns dieses Mal der Erzbischof nicht unters Joch kriegt. Dafür zahle ich gern den vollen Zehnten an den König, und es wird ein fetter Zehnter sein, Don Ephraim, verlaß dich drauf. Die Autonomie der Aljama ist mir das wert.« Er sprach unerwartet heftig, ja, er verhaspelte sich und lispelte.

»Ich weiß, daß du unser Freund bist«, beeilte sich Don Ephraim zu erwidern. »Aber du bist ein strenger Freund.«

Der Erzbischof, auf eine ehrerbietig ablehnende Antwort Don Ephraims, schickte keine zweite Mahnung. Wohl aber reiste er nach Burgos, offenbar um den König zu bestürmen, er möge ihm Vollmachten gegen die Juden erteilen.

Jehuda befürchtete, es könnte ihm gelingen. Alfonso und Leonor waren fromm, die kastilische Neutralität bedrückte ihr Gewissen, Don Martín konnte sich auf ein unzweideutiges Edikt des Papstes berufen und sie mahnen, nicht Sünde auf Sünde zu häufen. Jehuda fragte sich, ob er nicht selber nach Burgos fahren solle. Aber das Bedenken des alten Musa, er könnte gerade durch »Tun« alles verderben, hielt ihn ab.

Es war ihm ein Zeichen des Himmels, als ihn der König nach Burgos befahl.

In der Tat setzte der Erzbischof dem König hart zu. Er berief sich auf eine ganze Reihe von Erlassen des Heiligen Stuhles und auf Schriften höchster kirchlicher Autoritäten. Hatten nicht die Juden dem Pilatus erwidert: »Das Blut Christi komme über uns und unsere Kinder«, und so sich selber verurteilt? Damals hatte sie Gott zu ewiger Knechtschaft bestimmt, und Pflicht der christlichen Fürsten war es, die Nacken der Verfluchten gebeugt zu halten. »Du aber, Don Alfonso«, rief er ihn an, »hast während deiner ganzen Regierung die Juden verhätschelt und verwöhnt, und in dieser schweren Zeit, da das Grab des Heilands dem beschnittenen Antichrist von neuem in die Hände gefallen ist und da das päpstliche Edikt alle, also auch die Juden, eindeutig zum Saladins-Zehnten verpflichtet, weigerst du dich, es durchzuführen, und privilegierst die Ungläubigen vor deinen rechtgläubigen Untertanen.«

Die Ermahnungen des Erzbischofs machten den König mürb. Er versprach: »Gut, Don Martín. Auch meine Juden werden den Saladins-Zehnten zahlen.«

Don Martín jubelte: »Sofort schreib ich die Steuer aus.«

So hatte es Alfonso nicht gemeint. Der Papst konnte verlangen, daß er, der König, den Zehnten einfordere, auch daß er ihn für Zwecke des Krieges verwende; aber das Geld einzutreiben und über die Einzelheiten der Verwendung zu bestimmen, blieb seine, des Königs, Befugnis. Es war das ein alter Streit, er war wieder aufgelebt schon bei der ersten Ausschreibung des Saladins-Zehnten, und sosehr Alfonso den Erzbischof als treuen, ritterlichen Freund schätzte, er war nicht gewillt, ihm nachzugeben. »Verzeih, Don Martín«, sagte er, »das ist nicht deines Amtes.« Und da der Erzbischof auffuhr, begütigte er: »Du gierst nicht nach Geld, und ich giere nicht danach. Wir sind christliche Ritter. Wir machen Beute vom Feind, aber wir streiten uns nicht mit dem Freund um Gelddinge. Lassen wir auch dieses Mal die Juristen und Repositarii entscheiden.«

»Heißt das«, fragte argwöhnisch und streitbar Don Martín, »du willst deinen Juden bestimmen lassen über das Edikt des Heiligen Vaters?« – »Es trifft sich gut«, erwiderte Alfonso, »daß Don Jehuda auf dem Weg hierher ist. Gewiß werde ich auch von ihm ein Gutachten einholen.« Nun aber brach der Erzbischof los: »Den zwiefach Ungläubigen willst du befragen? Den Sendling des Teufels? Glaubst du, er wird dir tauglichen Rat erteilen gegen seinen Freund, den Emir von Sevilla? Wer bürgt dir dafür, daß er nicht heute noch mit ihm konspiriert? Schon Pharao hat gesagt: ›Wenn uns ein Krieg trifft, werden sich die Juden zu unsern Feinden halten.‹«

Don Alfonso mühte sich, ruhig zu bleiben. »Dieser Escrivano hat mir guten Dienst getan«, sagte er, »besseren als je einer vor ihm. Es herrscht mehr Ordnung in der Wirtschaft meines Reiches und weniger Unterdrückung. Du tust dem Manne unrecht, Don Martín.« Die Wärme, mit welcher der König für den Hebräer eintrat, erschreckte den Erzbischof. »Jetzt zeigt es sich«, sagte er, nun eher bekümmert als zornig, »der Heilige Vater hat guten Grund gehabt, die christlichen Fürsten vor jüdischen Ratgebern zu warnen.« Er zitierte das Sendschreiben des Papstes: »Hütet euch, ihr Fürsten der Christenheit. Wenn ihr die Juden mitleidig in zu nahe Nähe aufnehmt, dann danken sie es euch wie im Sprichwort: mus in pera, serpens in gremio et ignis in sinu – wie die Maus im Beutel, die Schlange im Wams, der Zunder im Ärmel.« Und er schloß betrübt: »Dieser Mensch ist dir furchtbar nahegekommen, Don Alfonso, er hat sich dir ins Herz gewurmt.«

Den König rührte die Trauer des Freundes. »Glaube nicht«, sagte er, »ich will der Kirche vorenthalten, was ihr zukommt. Ich werde deine Gründe abwägen und die seinen, und wenn er nicht sehr Gewichtiges, Triftiges, Uneigennütziges vorbringt, dann folge ich dir.«

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