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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Jedermann, der eine Aussage zu dieser ausgesprochen ernsten Angelegenheit machen möchte, kann sie mir getrost anvertrauen«, verkündete Hayes, dessen rundes Gesicht nichts als offizielle Ausdruckslosigkeit zeigte. »Ich bleibe für den Rest des Tages mit meinem Schreiber in meinem Zelt. Gott erhalte den König!«

Er überreichte seinem Korporal die Proklamation, verbeugte sich abschließend vor der Menge und wandte sich zackig einem großen Zelt aus Segeltuch zu, das in der Nähe der Bäume errichtet worden war. Die Regimentsbanner an der Standarte, die daneben aufgepflanzt war, flatterten heftig im Wind.

Zitternd ließ ich eine Hand durch den Schlitz von Jamies Umhang auf seinen Ellbogen gleiten, und durch seine Körperwärme ging es meinen kalten Fingern gleich besser. Jamie nahm meinen frostigen Griff zur Kenntnis, indem er den Ellbogen kurz an seine Seite presste, doch er sah nicht zu mir nieder; die Augen gegen den Wind zusammengekniffen, sah er zu, wie sich Archie Hayes’ Rücken von uns entfernte.

Der Leutnant war ein kompakter, solide gebauter Mann, der nicht besonders groß war, aber sehr viel Ausstrahlung besaß, und er bewegte sich in aller Seelenruhe, als bemerkte er die Menge auf dem Berg über ihm gar nicht. Der Leutnant verschwand in seinem Zelt und ließ die Eingangsklappe einladend hochgesteckt.

Nicht zum ersten Mal bewunderte ich widerstrebend Gouverneur Tryons politische Instinkte. Diese Proklamation wurde gegenwärtig zweifellos in den Städten und Dörfern der ganzen Kolonie verlesen; er hätte einen örtlichen Beamten oder Sheriff damit betrauen können, diesem gathering seine offizielle Entrüstungsbotschaft vorzutragen. Stattdessen hatte er sich die Mühe gemacht, Hayes zu entsenden.

Archibald Hayes hatte im Alter von zwölf Jahren an der Seite seines Vaters auf dem Schlachtfeld von Culloden gekämpft. Er war im Kampf verwundet, gefangen genommen und nach Süden geschickt worden. Als man ihn vor die Wahl stellte, deportiert zu werden oder in die Armee einzutreten, war er ein Söldner des Königs geworden und hatte das Beste daraus gemacht. Die Tatsache, dass er es in einer Zeit, in der man Offizierspatente fast ausnahmslos kaufte, anstatt sie sich zu erdienen, mit Mitte dreißig zum Offizier gebracht hatte, zeugte hinreichend von seinen Fähigkeiten.

Er war so umgänglich, wie er professionell war; auf die Einladung hin, unser Essen und unser Feuer zu teilen, hatte er den halben Abend im Gespräch mit Jamie verbracht – und sich dann den Rest der Zeit unter Jamies Schutz von Feuer zu Feuer bewegt und sich den Oberhäuptern aller wichtigen anwesenden Familien vorstellen lassen.

Und wessen Idee war das gewesen?, fragte ich mich und sah zu Jamie auf. Seine lange, gerade Nase war von der Kälte gerötet; seine Augen zum Schutz vor dem Wind halb geschlossen, doch sein Gesicht ließ nicht den geringsten Schluss auf seine Gedanken zu. Und das, dachte ich, war ein verdammt sicheres Zeichen dafür, dass er gerade etwas ziemlich Gefährliches dachte. Hatte er von dieser Proklamation gewusst?

Kein englischer Offizier in Begleitung einer englischen Truppe hätte einer Zusammenkunft wie dieser derartige Neuigkeiten vortragen können und dabei auf die geringste Kooperation hoffen können. Doch Hayes und seine unerschütterlichen Highlander in ihrem Regimentstartan … Es war mir nicht entgangen, dass Hayes sein Zelt mit dem Rücken zu einem dichten Kiefernhain hatte errichten lassen; jeder, der im Verborgenen mit dem Leutnant sprechen wollte, konnte sich ungesehen vom Wald aus nähern.

»Rechnet Hayes etwa damit, dass jemand aus der Menge hervorschießt, in sein Zelt rennt und sich auf der Stelle ergibt?«, murmelte ich Jamie zu. Ich allein kannte schon mindestens ein Dutzend Männer unter den Anwesenden, die an den Unruhen von Hillsborough beteiligt gewesen waren; drei von ihnen standen eine Armeslänge von uns entfernt.

Jamie sah, in welche Richtung mein Blick wanderte, und legte seine Hand über die meine, um mich schweigend zur Diskretion zu ermahnen. Ich sah ihn stirnrunzelnd an; er dachte doch wohl nicht, dass ich unabsichtlich jemanden verraten würde? Er schenkte mir ein schwaches Lächeln und einen jener ärgerlichen ehelichen Blicke, die deutlicher als Worte sagten: Du kennst dich doch, Sassenach. Jeder, der dein Gesicht sieht, weiß sofort, was du denkst.

Ich schob mich ein wenig näher heran und trat ihm diskret gegen den Knöchel. Möglich, dass ich ein Gesicht aus Glas hatte, doch in einer Menge wie dieser würde es wohl kaum Kommentare provozieren! Er zuckte nicht einmal, doch sein Lächeln wurde etwas breiter. Er ließ einen Arm in meinen Umhang gleiten und zog mich enger an sich, die Hand auf meinem Rücken.

Hobson, MacLennan und Fowles standen direkt vor uns und unterhielten sich leise. Sie kamen alle drei aus einer winzigen Siedlung namens Drunkard’s Creek, etwa fünfzehn Meilen von Fraser’s Ridge entfernt. Hugh Fowles war Joe Hobsons Schwiegersohn. Er war noch sehr jung, kaum älter als zwanzig. Er tat sein Bestes, um die Fassung zu wahren, doch sein Gesicht war weiß und starr geworden, als die Proklamation verlesen wurde.

Ich wusste nicht, was Tryon den Leuten anzutun gedachte, denen man nachweisen konnte, dass sie daran beteiligt gewesen waren, doch ich konnte spüren, wie die Strömungen der Unruhe, die die Proklamation des Gouverneurs hervorgerufen hatte, durch die Menge liefen wie das Wasser, das nebenan im Bach über die Steine wirbelte.

In Hillsborough waren mehrere Gebäude zerstört worden, und mehrere öffentliche Würdenträger waren auf die Straße gezerrt und misshandelt worden; dem Gerücht nach hatte einer der ironischerweise so genannten Friedensrichter durch einen kräftigen Hieb mit einer Reitpeitsche ein Auge verloren. Der Oberste Richter Henderson hatte sich diese Demonstration zivilen Ungehorsams so zu Herzen genommen, dass er aus dem Fenster gesprungen und aus der Stadt geflohen war, womit er die Gerichtssitzung erfolgreich verhindert hatte. Der Gouverneur war eindeutig sehr verärgert über das, was sich vor sechs Wochen in Hillsborough ereignet hatte.

Joe Hobson sah sich nach Jamie um, dann wandte er sich ab. Leutnant Hayes’ Anwesenheit an unserem Feuer war gestern Abend nicht unbemerkt geblieben.

Falls Jamie seinen Blick sah, so erwiderte er ihn nicht. Er zog eine Schulter zu einem Achselzucken hoch, dann neigte er den Kopf, um mir zu antworten.

»Nein, ich glaube nicht, dass Hayes erwartet, dass sich jemand ergibt. Es mag ja seine Pflicht sein, um Informationen zu bitten; ich danke Gott, dass es nicht die meine ist, seiner Bitte zu entsprechen.« Er hatte nicht laut gesprochen, aber so laut, dass seine Worte Joe Hobson erreichten.

Hobson wandte den Kopf und nickte Jamie sarkastisch zu, um anzuzeigen, dass er ihn gehört hatte. Er berührte den Arm seines Schwiegersohns, und sie drehten sich um und kletterten zu den oben verstreuten Lagerstätten hinauf, wo ihre Frauen sich um die Feuer und die kleineren Kinder kümmerten.

Es war der letzte Tag des gatherings; heute Nachmittag würden die Eheschließungen und Taufen stattfinden, die offizielle Segnung der Liebe und ihrer ungezügelten Früchte, die im Laufe des vergangenen Jahres den Lenden der kirchenlosen Masse entsprungen waren. Am Abend würden die letzten Lieder gesungen und die letzten Geschichten erzählt werden, und man würde zwischen den züngelnden Flammen der zahlreichen Feuer tanzen – ob es regnete oder nicht. Am Morgen würden die Schotten und ihre Familien in ihre Ansiedlungen zurückkehren, die von den dicht besiedelten Ufern des Cape Fear River bis weit in die wilden Berge des Westens verstreut lagen – und sie würden die Nachricht von der Proklamation des Gouverneurs und den Ereignissen von Hillsborough mitnehmen.

Ich wackelte in meinen feuchten Schuhen mit den Zehen und fragte mich beklommen, wer es hier wohl für seine Pflicht halten mochte, Hayes’ Einladung zu einem Geständnis oder zu einer Anschuldigung zu folgen. Jamie nicht, nein. Aber andere vielleicht. Während des einwöchigen gathering hatte es viele Angebereien über den Aufruhr von Hillsborough gegeben, doch waren längst nicht alle Zuhörer geneigt, die Aufrührer als Helden zu betrachten.

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