Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich konnte das Gemurmel der Unterhaltungen, das nach der Proklamation ausbrach, genauso gut spüren wie hören; Köpfe wandten sich, Familien sammelten sich dichter umeinander, Männer bewegten sich von Gruppe zu Gruppe, und der Inhalt von Hayes’ Ansprache wurde den Hügel hinaufgetragen und für jene wiederholt, die außer Hörweite gestanden hatten.
»Wollen wir gehen? Vor den Hochzeiten gibt es noch viel zu tun.«
»Aye?« Jamie sah zu mir herunter. »Ich dachte, Jocastas Sklaven kümmern sich um die Verpflegung. Ich habe Ulysses die Whiskyfässer gegeben – er ist der soghan.«
»Ulysses? Hat er denn auch seine Perücke dabei?« Ich lachte bei diesem Gedanken. Der soghan war der Mann, der bei einer Highlandhochzeit für die Verteilung von Getränken und Erfrischungen zuständig war; die Bezeichnung bedeutete eigentlich in etwa »freundlicher, jovialer Kerl«. Ulysses, Jocastas schwarzer Butler, war wahrscheinlich die würdevollste Person, die ich je gesehen hatte – selbst ohne seine Livree und seine gepuderte Rosshaarperücke.
»Wenn ja, dann klebt sie ihm wahrscheinlich bis heute Abend am Kopf.« Jamie blickte zu den tief hängenden Wolken auf und schüttelte den Kopf.
»Glücklich die Braut, der die Sonne lacht«, zitierte er. »Glücklich die Leiche, regnet’s mit Macht.«
»Das ist es, was ich an den Schotten so mag«, sagte ich trocken. »Für jede Gelegenheit ein passendes Sprichwort. Sag das bloß nicht, wenn Brianna es hören kann.«
»Wofür hältst du mich, Sassenach?«, wollte er mit einem halben Lächeln wissen. »Ich bin doch schließlich ihr Vater, oder?«
»Definitiv.« Ich verdrängte den plötzlichen Gedanken an Briannas anderen Vater und blickte hinter mich, um mich zu vergewissern, dass Brianna nicht in Hörweite war.
Es war kein Zeichen ihres flammenden Schopfes in der Nähe zu sehen. Eindeutig die Tochter ihres Vaters, war sie auf Strümpfen einsachtzig groß und in einer Menschenansammlung fast genauso leicht auszumachen wie Jamie selbst.
»Es ist sowieso nicht die Hochzeit, um die ich mich kümmern muss; ich muss Frühstück machen, und dann muss ich Murray MacLeod suchen und ihn bitten, mir bei der Morgensprechstunde zu helfen.«
»Oh, aye? Ich dachte, du hast gesagt, der gute Murray ist ein Scharlatan.«
»Ich habe gesagt, er ist unwissend und stur und stellt eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit dar«, korrigierte ich. »Das ist nicht dasselbe – nicht ganz.«
»Nicht ganz«, sagte Jamie grinsend. »Und hast du vor, ihn zu bekehren oder zu vergiften?«
»Je nachdem, was mir am wirksamsten erscheint. Vielleicht trete ich auch einfach nur aus Versehen auf seine Klinge und zerbreche sie; das ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, ihn davon abzuhalten, die Leute zur Ader zu lassen. Aber lass uns gehen, mir ist kalt!«
»Aye, dann los«, pflichtete Jamie mir mit einem Blick auf die Soldaten bei, die immer noch in Rührt-euch-Stellung am Bachufer formiert waren. »Sieht so aus, als hätte der gute Archie vor, seine Jungs da stehen zu lassen, bis sich die Leute zerstreut haben; sie sind schon ein bisschen blau angelaufen.«
Die Reihe der Highlander war zwar voll bewaffnet und uniformiert, doch ihre Haltung war entspannt; beeindruckend, kein Zweifel, doch nicht bedrohlich. Ein paar kleine Jungen – und auch das eine oder andere kleine Mädchen – hüpften zwischen ihnen auf und ab und zupften frech an den Säumen ihrer Kilts oder schossen ganz wagemutig vor, um die glänzenden Musketen, die baumelnden Pulverhörner und die Griffe der Dolche und Schwerter zu berühren.
»Abel, a charaid!« Jamie war stehen geblieben, um den dritten Mann aus Drunkard’s Creek zu begrüßen. »Hast du heute schon was gegessen?«
MacLennan hatte seine Frau nicht zum gathering mitgebracht und aß daher, wohin der Zufall ihn führte. Die Menge um uns zerstreute sich jetzt, doch er blieb ungerührt stehen und hielt die Ecken eines roten Flanelltaschentuchs fest, das er sich über den zunehmend kahlen Kopf gezogen hatte, um ihn vor dem prasselnden Regen zu schützen. Wahrscheinlich hoffte er darauf, eine Einladung zum Frühstück zu ergattern, dachte ich zynisch.
Ich betrachtete seine stämmige Figur und wog im Geiste seinen möglichen Konsum an Eiern, Porridge und Toast gegen die schwindenden Vorräte in unseren Beuteln auf. Nicht, dass simple Nahrungsknappheit einen Highlander daran hindern würde, jemandem Gastfreundschaft anzubieten – schon gar nicht Jamie, der MacLennan gerade einlud, sich uns anzuschließen, während ich in Gedanken achtzehn Eier durch neun anstatt acht Leute dividierte. Also keine Spiegeleier; ich würde sie mit geriebenen Kartoffeln zu Reibekuchen verarbeiten, und am besten borgte ich mir auf dem Weg bergauf auch noch etwas Kaffee von Jocastas Lagerplatz.
Wir wandten uns zum Gehen, und Jamies Hand glitt plötzlich an meinem Rücken hinunter. Ich machte ein Geräusch, das alles andere als würdevoll war, und Abel MacLennan machte kehrt, um mich anzustarren. Ich lächelte ihm fröhlich zu und unterdrückte das Bedürfnis, Jamie erneut zu treten, diesmal weniger diskret.
MacLennan wandte sich ab und kletterte mit Höchstgeschwindigkeit vor uns den Hang hinauf, und seine Rockschöße schwangen voller Vorfreude über seiner abgetragenen Kniehose. Jamie schob eine Hand unter meinen Ellbogen, um mir über die Felsen zu helfen, und bückte sich dabei, um mir ins Ohr zu knurren.
»Warum zum Teufel trägst du keinen Unterrock, Sassenach?«, zischte er. »Du hast ja unter deinem Rock nichts an – du holst dir noch den Tod bei der Kälte!«
»Da hast du gar nicht so Unrecht«, sagte ich, denn ich zitterte, obwohl ich meinen Umhang trug. Ich hatte zwar ein Musselinhemd unter meinem Überkleid an, doch es war dünn und zerschlissen, wunderbar geeignet für ein Sommerlager unter freiem Himmel, aber völlig unzureichend zur Abwehr der winterlichen Böen, die durch meinen Leinenrock wehten, als bestünde er aus Gazestoff.
»Du hattest gestern Abend einen wunderbaren Wollunterrock an, Sassenach. Was ist daraus geworden?«
»Frag mich lieber nicht«, riet ich ihm.
Jetzt fuhren seine Augenbrauen in die Höhe, doch bevor er weiter nachhaken konnte, erklang hinter uns ein Schrei.
»Germain!«
Ich drehte mich um und erblickte einen kleinen, blonden Kopf, dessen Haare im Gegenwind wehten, während sein Besitzer unterhalb der Felsen den Hang hinunterschoss. Der zweijährige Germain hatte die Tatsache, dass seine Mutter mit seiner neugeborenen Schwester beschäftigt war, dazu benutzt, ihrer Obhut zu entfliehen und einen Vorstoß zu der Formation der Soldaten zu unternehmen. Da er den Händen der Zuschauer immer wieder entwischte, raste er kopfüber den Abhang hinunter wie ein Stein und wurde dabei immer schneller.
»Fergus!«, schrie Marsali. Beim Klang seines Namens wandte sich Germains Vater gerade noch rechtzeitig von seiner Unterhaltung ab, um zu sehen, wie sein Sohn über einen Stein stolperte und kopfüber nach vorn flog. Seltsamerweise machte der Junge keinerlei Anstalten zum Selbstschutz, sondern stürzte elegant und kugelte sich wie ein Igel zusammen, als er mit der Schulter auf dem mit Gras bewachsenen Hang landete. Er rollte wie eine Kanonenkugel zwischen den Reihen der Soldaten hindurch, schoss über den Rand eines felsigen Überhangs hinweg und plumpste klatschend in den Bach.
Die Leute hielten hörbar die Luft an, und einige rannten bergab, um zu helfen, doch einer der Soldaten war schon zum Ufer geeilt. Er kniete sich hin, durchstieß die auf dem Wasser treibenden Kleider des Kindes mit der Spitze seines Bajonetts und zog das durchnässte Bündel ans Ufer.
Fergus rannte in die eisigen Untiefen hinein und streckte die Hände aus, um seinen triefenden Sohn in Empfang zu nehmen.