Die drei Musketiere
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Zoller
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die drei Musketiere». Краткое содержание книги:
Mylady jedoch ist Athos’ Ex-Frau, die sich zu einem intrigenreichen Kampf gegen die Musketiere rüstet: Sie soll im Auftrag Richelieus die Königin Anna von Österreich und spanische Gemahlin Ludwigs XIII. bloßstellen. Ihr wird ein Liebesverhältnis mit dem Herzog von Buckingham nachgesagt. Dieser soll auf Geheiß des eifersüchtigen Richelieu durch Mylady de Winter ermordet werden, weil er sich zuvor mit den Protestanten von La Rochelle, wo die Musketiere zu Helden aufgestiegen waren, verbündet hatte. Richelieu fädelt daraufhin weitere Intrigen ein …
Die junge Frau ging indessen immer vorwärts, und zählte die Häuser und Fenster. Das war übrigens weder schwierig noch langwierig. Es gab in diesem Theil der Straße nur drei Hotels und zwei Fenster, welche auf die Straße gingen. Das eine war das eines Pavillons, welcher mit der Wohnung von Aramis parallel lag, das andere das von Aramis selbst.
«Bei Gott, «sprach d'Artagnan, dem die Nichte des Theologen einfiel, zu sich selbst,»bei Gott es wäre drollig, wenn diese verspätete Taube das Haus unseres Freundes aufsuchte. Aber, bei meiner Seele, es sieht so aus. Ah, mein lieber Aramis, diesmal wollen wir Dir auf die Sprünge kommen.«
D'Artagnan machte sich so schmal als möglich und verbarg sich auf der dunkelsten Seite der Straße bei einer steinernen Bank, welche im Hintergrund einer Nische stand.
Die junge Frau schritt immer vorwärts; abgesehen von dem leichten Gang, der sie verrathen hatte, ließ sie ein leichtes Husten vernehmen, das eine äußerst frische Stimme offenbarte. D'Artagnan hielt es für ein Signal. Aber ob nun das Husten durch em gleichbedeutendes Zeichen erwiedert wurde, das der Unentschlossenheit der nächtlichen Sucherin ein Ende machte, oder ob sie ohne fremde Hülfe erkannt hatte, daß sie am Ziele ihrer Wanderung angelangt war, — sie näherte sich entschlossen dem Fensterladen von Aramis und klopfte dreimal in gleichen Zwischenräumen mit gekrümmtem Finger daran.
«Das ist allerdings bei Aramis, «murmelte d'Artagnan.»Ah, mein Herr Heuchler, ich ertappe Euch bei den theologischen Studien!«
Die Unbekannte hatte kaum dreimal geklopft, als der innere Kreuzstock sich öffnete und ein Licht durch den Laden sichtbar wurde.
«Ah, ah!«flüsterte der Horcher,»nicht durch die Thüren, sondern durch die Fenster, ah, ah! der Besuch war erwartet. Schön! der Laden wird sich öffnen und die Dame einsteigen. Sehr gut!«
Aber zum großen Erstaunen d'Artagnans blieb der Laden geschlossen, das Licht, welches einen Augenblick geflammt hatte, verschwand wieder, und Alles versank abermals in die frühere Dunkelheit.
D'Artagnan dachte, dies könne nicht lange so dauern, und horchte und schaute mit gespannten Ohren und weit geöffneten Augen. Er hatte Recht. Nach Verlauf einiger Sekunden ertönten zwei dumpfe Schläge im Innern.
Die junge Frau auf der Straße antwortete durch ein einmaliges Klopfen und der Laden öffnete sich.
Man kann sich leicht denken, mit welcher Gier d'Artagnan schaute und horchte.
Zum Unglück hatte man das Licht in ein anderes Zimmer gebracht. Aber die Augen des jungen Mannes waren an die Nacht gewöhnt. Ueberdieß haben die Augen der Gascogner, wie man versichert, die Eigenschaft, daß sie, wie die Katzen, in der Finsterniß sehen.
D'Artagnan bemerkte also, wie die junge Frau aus ihrer Tasche einen weißen Gegenstand herausholte, den sie lebhaft auseinanderwickelte, und der sodann die Gestalt eines Sacktuches annahm. Sobald dieser Gegenstand entwickelt war, zeigte sie der Person im Hause eine Ecke desselben.
Dies erinnerte d'Artagnan an das Taschentuch, das er zu den Füßen der Frau Bonacieux gefunden, und welches ihn an das zu den Füßen von Aramis gefundene erinnert hatte.
«Was Teufel konnte denn dieses Taschentuch bedeuten?«
Auf der Stelle, wo er stand, vermochte d'Artagnan das Gesicht von Aramis nicht zu sehen. Wir sagen, von Aramis, weil d'Artagnan nicht im Geringsten zweifelte, daß sein Freund es sei, der von innen mit der Dame außen sprach. Die Neugierde trug den Sieg über die Klugheit davon, und den Umstand benutzend, daß die zwei Personen, welche wir in Scene gesetzt haben, ganz von der Aufmerksamkeit gefesselt zu sein schienen, die sie dem Anblick des Taschentuchs widmeten, verließ er sein Versteck und drückte sich, rasch wie ein Blitz, aber mit gedämpften Tritten, an eine Mauerecke, von wo aus sein Auge vollkommen in's Innere von Aramis Wohnung dringen konnte.
Hier angelangt, stieß d'Artagnan beinahe einen Schrei des Erstaunens aus. Nicht Aramis sprach mit dem nächtlichen Besuche, sondern eine Frau. D'Artagnan sah wohl genug, um die Form ihrer Kleidung zu erkennen, aber nicht genug, um ihre Züge zu unterscheiden.
In demselben Augenblick zog die Frau in der Wohnung ein zweites Taschentuch hervor, und vertauschte es mit dem, welches man ihr gezeigt hatte. Dann wurden einige Worte zwischen den zwei Frauen gewechselt, der Laden verschloß sich wieder, die Frau, welche sich außen befand, wandte sich um und ging auf vier Schritte, die Kappe ihres Mantels niederschlagend, an d'Artagnan vorüber; aber letztere Vorsichtsmaßregel war zu spät genommen worden, d'Artagnan hatte bereits Frau Bonacieux erkannt.
Frau Bonacieux! Dieser Verdacht hatte sich schon in seinem Geiste geregt, als sie das Taschentuch hervorzog; aber welche Wahrscheinlichkeit war vorhanden, daß Frau Bonacieux, die nach Herrn de la Porte geschickt hatte, um sich nach dem Louvre zurückführen zu lassen, allein um halb zwölf Uhr in der Nacht, auf die Gefahr, abermals verhaftet zu werden, in den Straßen umhergehen würde?
Es mußte also eine sehr wichtige Angelegenheit im Spiele sein, und was für wichtige Angelegenheiten gibt es für eine Frau von fünfundzwanzig Jahren? Die Liebe.
Aber setzte sie sich für eigene Rechnung oder für Rechnung einer andern Person solchen Zufällen aus? Das war es, was sich der junge Mann selbst fragte; denn der Dämon der Eifersucht nagte nicht mehr und nicht minder an seinem Herzen, als wenn er bereits ein in volles Recht eingesetzter Liebhaber gewesen wäre.
Es gab übrigens ein sehr einfaches Mittel, sich zu überzeugen, wohin Frau Bonacieux ging. Er brauchte ihr nur zu folgen, und dieses Mittel war so einfach, daß d'Artagnan es ganz von selbst und instinktmäßig anwandte.
Aber bei dem Anblick des jungen Mannes, der von der Mauer hervortrat, wie eine Statue aus ihrer Nische, und bei dem Geräusch der Tritte, die sie hinter sich erdröhnen hörte, stieß Frau Bonacieux einen kurzen Schrei aus und entfloh.
D'Artagnan lief ihr nach. Es wurde ihm nicht schwer, eine Frau zu erreichen, die durch ihren Mantel im Laufe gehemmt wurde. Er hatte sie also schon innerhalb des ersten Drittels der Straße eingeholt, in die sie sich flüchtete. Die Unglückliche war erschöpft, nicht vor Ermüdung, sondern vor Schrecken, und als ihr d'Artagnan die Hand auf die Schulter legte, stürzte sie auf die Kniee und schrie mit erschreckter Stimme:
«Tödtet mich, wenn Ihr wollt, aber Ihr sollt nichts erfahren.«
D'Artagnan schlang seinen Arm um ihren Leib und hob sie auf. Da er aber an ihrem Gewichte bemerkte, daß sie einer Ohnmacht nahe war, so beeilte er sich, sie durch Betheuerungen seiner Ergebenheit zu beruhigen. Diese Betheuerungen galten der Frau Bonacieux Nichts, denn man kann solche mit den schlimmsten Absichten der Welt geben, aber die Stimme war Alles. Die junge Frau glaubte den Klang dieser Stimme zu erkennen; sie öffnete die Augen, warf einen Blick auf den Mann, der ihr so bange gemacht hatte, erkannte d'Artagnan und stieß einen Freudenschrei aus.
«Ah, Ihr seid's, Ihr seid's, «sprach sie,»Gott sei gelobt!«—»Ja, ich bin's, «erwiederte d'Artagnan,»Gott hat mich gesandt, über Euch zu wachen.«—»Seid Ihr mir in dieser Absicht gefolgt?«fragte mit kokettem Lächeln die junge Frau, deren etwas spöttischer Charakter wieder die Oberhand gewann, und deren Furcht gänzlich verschwunden war, seit sie in dem vermeintlichen Feind einen Freund erkannt hatte. — »Nein, «sprach d'Artagnan,»nein, ich gestehe es, der Zufall hat mich Euch in den Weg geführt. Ich sah eine Frau an das Fenster eines meiner Freunde klopfen.«—»Eines Eurer Freunde?«unterbrach ihn Frau Bonacieux. — »Allerdings; Aramis ist einer meiner besten Freunde.«—»Aramis? wer ist dies?«—»Geht doch! wollt Ihr etwa behaupten, Ihr kennet Aramis nicht?«—»Ich höre zum ersten Mal seinen Namen aussprechen.«—»Ihr kommt also auch zum ersten Mal an dieses Haus?«—»Allerdings!«—»Und Ihr wußtet nicht, daß es von einem jungen Menschen bewohnt war?«—»Nein.«—»Von einem Musketier?«—»Keineswegs.«—»Ihr habt also nicht ihn aufgesucht?«—»Durchaus nicht. Ueberdieß habt Ihr wohl gesehen, daß die Person, mit der ich sprach, eine Frau war.«—»Allerdings; aber diese Frau gehört wohl zu den Freundinnen von Aramis?«—»Ich weiß es nicht.«—»Da sie bei ihm wohnt.«—»Das geht mich nichts an.«—»Aber wer ist sie denn?«—»Oh! das ist nicht mein Geheimniß.«—»Liebe Frau Bonacieux, Ihr seid reizend, aber zugleich die geheimnißvollste Frau…«—»Verliere ich dabei?«—»Nein, Ihr seid im Gegentheil anbetungswürdig.«—»Dann gebt mir den Arm.«—»Sehr gerne; und nun?…«—»Nun führt mich.«—»Wohin?«—»Wohin ich gehe.«—»Aber wohin geht Ihr?«—»Ihr werdet es sehen, da Ihr mich an der Thüre verlassen müßt.«—»Soll ich Euch erwarten?«—»Das wird unnöthig sein.«—»Ihr werdet also allein zurückkehren?«—»Vielleicht ja, vielleicht nein.«—»Aber wird die Person, die Euch sodann begleitet, ein Mann oder eine Frau sein?«—»Ich weiß es noch nicht.«—»Das werde ich wohl erfahren.«—»Wie dies?«—»Ich werde Euch erwarten, um Euch herauskommen zu sehen.«—»In diesem Falle adieu!«—»Wie so?«—»Ich bedarf Eurer nicht.«—»Aber Ihr erbatet Euch ja…«—»Die Hülfe eines Edelmannes und nicht die Überwachung eines Spions.«—»Das Wort ist etwas hart.«—»Wie nennt man diejenigen, welche den Leuten ungeheißen folgen?«—»Indiscrete.«—»Das Wort ist zu weich.«—»Nun, Madame, ich sehe wohl, daß man alles thun muß, was Ihr haben wollt.«—»Warum habt Ihr Euch des Verdienstes beraubt, es sogleich zu thun?«—»Gibt es nicht Menschen, welche zu bereuen wissen?«—»Ihr bereuet also ernstlich? — »Ich weiß dies selbst nicht. Ich weiß nur so viel, daß ich Euch Alles zu thun verspreche, was Ihr haben wollt, wenn Ihr mich Euch bis dahin begleiten laßt, wohin Ihr geht.«—»Und Ihr verlaßt mich sodann?«—»Ja.«—»Ohne mich bei meinem Austritt zu bespähen?«—»Nein.«—»Auf Ehrenwort?«—»So wahr ich ein Edelmann bin!«—»Gebt mir Euren Arm und dann vorwärts!«