Die zwölf Gebote
- Автор: Шелдон Сидни
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die zwölf Gebote». Краткое содержание книги:
Der Meister schüttelte den Kopf. „Soviel ich weiß, ist sie nicht verkäuflich", sagte er. „Sie soll ein Geschenk für jemanden sein."
„Ich muß sie haben", sagte der Kurator. „Sie ist einfach perfekt für das Museum. Ich bezahle eine Million Dollar dafür." Der Meister riß die Augen auf. „Eine Million?" „Richtig."
Der Meister dachte nach. Er hatte zwar kein Recht, die Figur zu verkaufen, aber er kannte die Geschichte von Tony und Anna. Wenn Tony eine Million Dollar besaß, konnte er auch seine geliebte Anna heiraten.
„Also gut, abgemacht", sagte er.
„Sehr schön."
Sie gaben sich die Hand.
„Ich komme gleich heute mit dem Scheck und hole die Figur ab."
Der Meister dachte darüber nach, was er da getan hatte. Es war schon sehr eigenmächtig von ihm, aber er wußte auch, daß er das Richtige getan hatte. Er sorgte schon dafür, daß Tony seine Anna doch noch heiraten konnte.
Als der Mann vom Museum am Nachmittag wiederkam, hatte er den Scheck über eine Million Dollar bei sich. Er war mit zwei Männern gekommen, die ihm die Figur in ein Transportauto verladen halfen.
„Tony", sagte er, „darf sehr stolz darauf sein. Diese Figur macht ihn berühmt."
Als Tony am Nachmittag in die Werkstätte zurückkam, war das erste, was er bemerkte, daß die Figur nicht mehr da war. Er geriet in Panik.
„Wo ist die Figur?" fragte er. „Was ist mit ihr passiert?" „Ich habe sie verkauft", sagte der Meister. „Was haben Sie? Das können Sie doch nicht machen! Das ist das Hochzeitsgeschenk für Anna!"
Der Meister sagte kopfschüttelnd. „Nein, ist es nicht. Du hast ein viel besseres Hochzeitsgeschenk für Anna." „Wieso, was?"
„Dich selber!" sagte der Meister. Und er reichte Tony ein Flugticket nach Italien. „Dies ist mein Geschenk für dich. Du fliegst heute noch heim und heiratest Anna." „Sie sind verrückt", sagte Tony. „Ich bin doch nicht reich." „Bist du eben doch", sagte der Meister.
Und er gab Tony den Scheck über eine Million Dollar. „Du bist jetzt Millionär!"
Tony stand der Mund ungläubig offen. „Das ist ja wundervoll", stammelte er dann und umarmte den Meister. „Ich danke Ihnen. Ich werde Ihnen das nie vergessen!" Jetzt konnten er und Anna heiraten und viele Kinder haben, die alle schön werden würden.
Am selben Abend flog Tony mit dem Flugzeug nach Rom. Nach seiner Ankunft dort am nächsten Morgen nahm er den nächsten Zug zu seinem kleinen Heimatdorf. Und dort ging er direkt zu Annas Haus.
„Was machst du denn hier?" fuhr ihn Annas Vater an. „Ich dachte, du bist fortgegangen." „Ich bin zurückgekommen."
„Da hast du dir eine schlechte Zeit ausgesucht, Tony. Heute heiratet meine Tochter."
„Weiß ich", sagte Tony. „Nämlich, sie heiratet mich." Annas Vater lachte auf. „Du kleiner Verrückter. Du weißt doch ganz genau, daß ich sie niemals einen armen Schlucker heiraten lasse."
„Ich bin nicht mehr arm", sagte Tony. „Ich bin jetzt reich. Reicher als der Bankdirektor."
Und er zeigte Annas Vater seinen Scheck.
Dem fielen fast die Augen heraus. „Was denn, da bist du ja Millionär? Das ist also wahr, was sie immer über Amerika erzählen! Wer dorthin geht, wird Millionär."
„Jeder nicht gerade", sagte Tony. „Und jetzt will ich Ihre Tochter sehen."
„Aber natürlich!" Annas Vater war auf einmal sehr höflich und freundlich zu Tony. „Ich lasse sie sofort holen!"
Als Anna Tony sah, flog sie in seine Arme. Sie hatte bereits ihr wunderschönes weißes Hochzeitskleid an.
„O Liebling! Papa hat mir gesagt, was geschehen ist. Ich bin so stolz auf dich!"
„Und jetzt heiraten wir", sagte Tony. „Komm."
Sie wurden zur Kirche gefahren, und der dortige Pfarrer traute sie. Er hatte keinen blassen Schimmer davon, daß diese Hochzeit nur zustandegekommen war, weil der Bräutigam den zweiten Teil des Ersten Gebots übertreten hatte.
Und Tony und Anna lebten glücklich bis an ihr seliges Ende.
11. KAPITEL
ELFTES GEBOT: DU SOLLST NICHT LÜGEN.
Er hieß David und war wahrscheinlich der ehrlichste Mensch auf der ganzen Welt. Als er noch sehr klein war, hatte sein Vater ihm die Geschichte von George Washington und dem Kirschbaum erzählt.
„George Washington war der erste Präsident der Vereinigten Staaten. Als George acht Jahre alt war, ging sein Vater hinaus in den Garten und mußte feststellen, daß sein Lieblingskirschbaum umgeschlagen worden war. >Habt ihr den Kirschbaum umgeschlagen?< fragte er seine Dienstboten. >Nein<, sagten diese. >Hast du den Kirschbaum umgehackt?< fragte er seine Frau. >Nein<, sagte sie. Und schließlich schickte er auch noch nach dem kleinen George. >Hast du den Kirschbaum niedergehackt?< >Ja, Vater. Ich kann nicht lügen.<„
Diese Geschichte beeindruckte David so sehr, daß auch er beschloß, niemals zu lügen, nie und nimmer. Als er in die Schule kam, stellte er fest, daß alle anderen Kinder bei den Prüfungen spickten und mogelten. In einem Moment der Schwäche spickte auch David einmal bei seinem Banknachbarn. Er bekam die Note A dafür, das war die beste Note, die man bekommen konnte.
David ging aber dann zu seinem Lehrer und sagte: „Sir, ich kann nicht lügen. Ich habe bei der Prüfung gespickt." Der Lehrer gab David daraufhin eine Null und ließ ihn zur Strafe nachsitzen.
Als David mit der Schule fertig war, ging er zusammen mit einigen Freunden zu einer Fabrik, um dort Arbeit zu suchen.
„Habt ihr Erfahrung?" fragte der Fabrikleiter.
„Selbstverständlich", sagte einer von den anderen. „Eine ganze Menge", sagte ein zweiter.
David wußte natürlich, daß sie alle beide logen.
Der Werkleiter wandte sich nun auch an ihn. „Und du, hast du Erfahrungen?"
„Nein", sagte David.
Die anderen wurden eingestellt, David nicht.
Als David älter wurde, begann er bei einer Versicherung zu arbeiten. Eines Abends nahm er einige Büroklammern und etwas Schreibmaschinenpapier mit nach Hause.