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Die zwölf Gebote

Электронная книга - «Die zwölf Gebote». Краткое содержание книги:

12 Geschichten vom Sinn und Unsinn der 12 Gebote: von Menschen, die erst durch die Nichtbeachtung der Gebote ihr Glück fanden, zum Beispiel von Tony, dem jungen sizilianischen Bildhauer, der entgegen dem heiligen Gebot ein Ebenbild Gottes fertigt, das ihm zu Reichtum und der Hochzeit mit seiner Geliebten verhilft.
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„Was hast du? Welchen Job?"

„Alle."

Sie starrte ihn an. Die eine Minute bestand er darauf, drei Jobs gleichzeitig zu haben, und in der nächsten gab er sie alle drei auf! Sie war wirklich mit einem Verrückten verheiratet! „Howard, du mußt zum Arzt gehen!"

„Dazu habe ich keine Zeit. Wir ziehen noch heute abend in das neue Haus um."

„Heute abend? Es ist schon fast zehn Uhr! Das wird doch wohl bis morgen früh warten können?" „Heute abend noch", beharrte Howard.

Dabei war er schon so schwach, daß er sich an einem Stuhl festhalten mußte, um noch stehen zu können. Sie beschloß, daß es besser sei, nachzugeben. „Also gut, heute abend noch."

Beide hatten sie bisher noch nie das Innere des Hauses gesehen. War es von außen schon schlimm, so war das gar nichts gegen drinnen. Das Haus war buchstäblich am Zusammenfallen, und in allen Räumen roch es modrig. Howards Frau brach bei diesem Anblick in verzweifelte Tränen aus.

„Hier kann man doch nicht wohnen!" sagte sie. „Es ist ja nur für kurze Zeit", entgegnete ihr Howard. Sie glaubte nicht richtig zu hören. „Was denn, du hast das Haus gekauft, damit wir gerade nur kurze Zeit darin wohnen können?" „Richtig."

„Howard, hör einmal zu -"

Aber er lag bereits auf dem Boden und schlief wie ein Murmeltier.

Er schlief vierundzwanzig Stunden lang am Stück. Seine Frau hatte nicht das Herz, ihn aufzuwecken.

Als er schließlich erwachte, sah er sich um und sagte: „Wo sind wir hier?"

„Na, in dem Haus, auf das du so scharf warst!" sagte seine Frau verbittert. „Und jetzt, da wir hier sind, wie soll es nun weitergehen?"

„Erfreue dich daran", sagte Howard.

Die nächsten beiden Tage verbrachte er weiter damit, sich nur auszuruhen.

Am dritten Tag ging er in ein Eisenwarengeschäft und kaufte einen Pickel und eine Schaufel.

„Was willst du denn damit?" fragte seine Frau. „Den Keller richten", sagte Howard.

Er ging hinunter in den Keller, und sie hörte ihn dort den ganzen Tag hacken und graben.

Am dritten Tag hörte sie ihn einen Schrei ausstoßen und eilte hinunter in den Keller, um nachzusehen, ob er sich vielleicht verletzt hatte. „Was ist?" fragte Sie.

Er stand vor einem großen Loch, das er in den Boden. gegraben hatte.

Sie kam näher und sah es. In dem Loch lag eine große Metallkiste. Sie sah zu, wie Howard sie herauszog und dann öffnete.

In der Truhe befanden sich große Stapel von Hundertdollarscheinen.

„Großer Gott", stammelte sie. „Was ist das denn?" Howard wandte sich ihr zu und lächelte. „Das ist eine Million", sagte er. „Die hat Bugsy Burton der First National Bank geraubt, aber ich habe ihn gefangen und für zehn Jahre ins Zuchthaus geschickt. Das Geld ist nie gefunden worden, aber Bugsy hat hier in diesem Haus gewohnt, und ich dachte mir immer schon, der einzige Ort, wo er es versteckt haben könnte, müßte hierin seinem eigenen Haus sein." „Ich glaube es einfach nicht", sagte seine Frau. „Morgen gehen wir zusammen mit unserer Tochter zum Einkaufen, und ich kaufe euch die schönsten Sachen, die es gibt. Dann gehen wir zum besten Essen, das du je hattest. Und anschließend machen wir gemeinsam eine Weltreise." Er grinste. „Was sagst du jetzt? Und soll ich dir noch etwas sagen? Wer immer das gesagt hat, daß man seines Nachbarn Haus und Hab und Gut nicht begehren soll, war ein Idiot!"

10. KAPITEL

DER ZWEITE TEIL DES ERSTEN GEBOTS: DU SOLLST DIR KEIN BILDNIS VON MIR MACHEN.

Es bleibt uns noch eine Geschichte zum zweiten Teil des Ersten Gebots: Du sollst dir kein Bildnis noch Gleichnis von mir machen. Dieses Gebot bedeutet einfach nur, man darf keine Statue anfertigen, die Gott darstellen soll. Einfacher geht es nicht, sollte man meinen? Nun, dazu muß man bedenken, daß es ein wichtiges Gebot sein muß, wenn Gott es gleich mit zum ersten machte, jedenfalls Moses zufolge. Aber ich werde jetzt die Geschichte von dem Mann erzählen, der dieses Gebot übertrat. Wurde er dafür bestraft? Hatte er zu leiden? Kam er in die Hölle? Nichts von alledem. Ganz im Gegenteil, eben weil er dieses Gebot übertrat, wurde er reich.

Es ist die Geschichte von einem armen italienischen Holzschnitzer, der auch in Italien lebte. Er hieß Tony, und alle Mädchen im Dorf wollten ihn heiraten. Aber Tony liebte die Tochter des Bürgermeisters. Da gab es aber natürlich ein Problem. Der Bürgermeister war reich und Tony arm. Und der Bürgermeister dachte selbstverständlich nicht daran, seine schöne Tochter so einen armen Schlucker und Nichtsnutz von Holzschnitzer heiraten zu lassen.

Tony war allerdings ein sehr guter Holzschnitzer. Er schnitzte Tiere und Kinder, war aber so gutmütig und freigebig, daß er sie alle statt verkaufte einfach verschenkte, und deswegen hatte er auch kein Geld.

Anna, die Bürgermeistertochter, war nun jedoch ganz wild in Tony verliebt.

„Ich will dich heiraten", sagte Tony zu ihr.

„Ich dich auch, mein Liebling", sagte Anna. „Aber Papa sagt, ich muß einen reichen Mann heiraten."

Tony sagte: „Reich werde ich nie. Ich mache mir nichts aus Geld."

„Aber Papa macht sich nur etwas aus Leuten mit Geld." „Vielleicht könnten wir durchbrennen und heiraten", schlug Tony vor.

„Nein, das würde Papa zu sehr verletzen. Außerdem will er, daß ich den Bankdirektor heirate. Der ist sehr reich." „Liebst du den denn?"

„Natürlich nicht. Du weißt doch, daß ich nur dich liebe."

„So wie ich dich. Was machen wir dann?"

„Kannst du dir denn nichts ausdenken, wie du reich wirst?"

„Ich will doch aber gar nicht reich werden, Anna!"

Da wurde Anna zornig. „Na gut, dann heirate ich eben den Bankdirektor." Aber als sie sah, wie traurig und verletzt Tony daraufhin dreinsah, umarmte sie ihn. „Das habe ich nicht so gemeint, Liebling. Wenn ich dich nicht kriegen kann, heirate ich gar keinen. Ist mir ganz egal, was Papa sagt."

Nun war dies kein Gespräch, das nur einmal stattgefunden hätte. Es fand fast jeden Tag statt. Die beiden Liebenden wollten einander ganz dringend heiraten, aber ohne Papas Zustimmung ging es nicht. Solange Tony kein ansehnliches Vermögen hatte, konnte er auch mit keiner Zustimmung rechnen.

Eines Vormittags kam schließlich der Bankdirektor zu Annas Vater. Er war alt und häßlich, aber reich.

Annas Vater begrüßte ihn herzlich. Er mochte reiche Männer.

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