Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
„Ausgezeichnete Arbeit“, sagte er schließlich. „Ihr habt etwas, wenn auch nicht alles gelernt. Die Frage wegen der Stabilität ist gut. Ich schlage vor, daß ihr einen Rahmen aus Holz baut — ungefähr so groß wie die Wand einer Hütte, aber mit mehreren Querstreben. Dann könnt ihr die Säcke an den Ecken befestigen; wenn eine Ecke tiefer als die anderen liegt, erhöht sich der dort wirkende Auftrieb, so daß die ganze Konstruktion ziemlich stabil sein dürfte.“
„Aber Holz sinkt doch. Wie kann man daraus ein Boot bauen?“
„Du mußt dir vorstellen, daß die Säcke — vielleicht bezeichnen wir sie lieber als Luftkissen — einfach ein zusätzliches Gewicht tragen müssen. Deshalb werden vermutlich ziemlich viele Luftkissen erforderlich sein, aber deswegen braucht ihr euch keine Sorgen zu machen. Ich schlage vor, daß ihr schon jetzt mit dem Bau des Rahmens beginnt; vielleicht werdet ihr allein damit fertig, nachdem es hier genügend Holz gibt. Dann könnt ihr ein Luftkissen nach dem anderen daran befestigen; ihr erlegt jeden Tag einige Raubtiere, die der Herde gefährlich werden könnten, so daß die Herstellung nicht schwierig sein dürfte.
Während ihr damit beschäftigt seid, könntet ihr jedoch über ein anderes Problem nachdenken. Es besteht daraus, daß der Bathyskaph nicht auf dem offenen Meer bleibt, sondern auf die Küste zutreibt.“
„Aber das ist doch kein Problem; das ist die Lösung unseres Problems! Auf diese Weise brauchen wir nur an der Küste entlang nach Süden zu marschieren, bis wir das Schiff gefunden haben. Es liegt doch südlich von uns, nicht wahr?“
„Richtig. Aber Swift scheint mit seinem Stamm an der Küste zu stehen und darauf zu warten. Genau genommen hat Easy Swift noch nicht erkannt, weil sie ihn nicht kennt und weil die Entfernung vorläufig noch zu groß ist, aber ich kann mir nicht vorstellen, wer sonst dort warten sollte. Dadurch ergibt sich die Frage, ob Swift unseren Vorschlag angenommen hat, oder ob er den Bathyskaphen mit den beiden Insassen als seine Beute ansieht, über die er nach Belieben verfügen kann. Seine Antwort kann noch unterwegs sein; aber wenn sie nicht im Laufe des Tages eintrifft, müssen wir annehmen, daß wir auf uns allein gestellt sind, und entsprechend handeln.“
„Wie?“
„Das ist das Problem, mit dem ihr euch beschäftigen sollt. Ich nehme an, daß das Boot bei jeder möglichen Lösung eine Rolle spielen wird; macht euch also sofort an den Bau und arbeitet zunächst an dem Rahmen.“
Als der Lehrer schwieg, machten seine Schüler sich an die Arbeit. Wie Fagin gesagt hatte, lag überall reichlich Holz da das Lager sich noch nicht lange an dieser Stelle befand. Zum Teil war es für den vorgesehenen Zweck nicht geeignet, weil es wie viele andere Pflanzen auf Tenebra zu spröde war; aber einige Arten hatten lange, biegsame Stengel oder Zweige, die allen Ansprüchen genügten. Innerhalb einer Stunde hatten Nick und Betsey das benötigte Holz herangeschafft und konnten mit dem Bau des Rahmens beginnen, der allerdings erheblich mehr Zeit in Anspruch nahm.
Schließlich war ein Geflecht mit einer Seitenlänge von sechs Metern entstanden, das an den Kreuzungspunkten mit jungen Trieben umwunden und verknüpft war. Weder Nick noch Betsey waren allerdings mit dieser Konstruktion völlig zufrieden, die überall große Lücken aufwies, durch die man leicht mit dem Fuß rutschen konnte. Dann einigten sie sich jedoch darauf, daß der Rahmen genügen müßte, und befaßten sich mit dem Problem der Beschaffung weiterer Luftkissen.
Sie erstatteten dem Lehrer Bericht, der die bisher getroffenen Vorbereitungen billigte, ohne sich allerdings näher damit zu befassen, denn Raekers Aufmerksamkeit konzentrierte sich im Augenblick auf eine andere Frage. Easy hatte berichtet, daß der Bathyskaph sich der Küste bis auf fünfzig Meter genähert hatte, wo er auf einer Untiefe festgelaufen war.
Das Mädchen konnte sich nicht vorstellen, was diese Bewegung verursacht hatte, und selbst die Wissenschaftler an Bord der Vindemiatrix, die den Planeten nun seit sechzehn Jahren beobachteten, konnten keine Erklärung dafür finden.
Easy ließ sich jedoch von dieser Überlegung nicht aus dem Konzept bringen; sie versuchte jetzt eine Verständigung mit den Eingeborenen über die wenigen Meter hinweg, die Swifts Leute noch von dem Bathyskaphen trennten. Raeker bedauerte, daß er diese Unterhaltung nicht verfolgen konnte, aber die Mikrophone für die Außenlautsprecher waren an den Bullaugen angebracht, so daß Easy hätte schreien müssen, um sich gleichzeitig auch Raeker verständlich machen zu können.
Sie sprach jedoch nicht lauter als gewöhnlich und verschwendete die ganze Zeit über kaum einen Gedanken an Raeker oder selbst ihren Vater. Sie war keineswegs an biologischen, geologischen oder klimatologischen Informationen über Tenebra interessiert; die Rettungsmaßnahmen, die sie von Anfang an verfolgt hatte, waren an einem Punkt angelangt, an dem sie nur noch geduldig abwarten konnte; aber hier waren wenigstens Leute, und mit Leuten war bestimmt eine Unterhaltung möglich. Deshalb versuchte sie zu sprechen und ließ sich nur gelegentlich lange genug ablenken, um Raeker Bericht zu erstatten.
Sie stellte fest, daß Swift sich tatsächlich unter den Eingeborenen befand, die an der Küste warteten, und Raeker gab diese Information an Nick weiter; aber auf die Fragen, ob Swift auf den unterdessen übermittelten Vorschlag eingehen wollte, oder wie er den Bathyskaphen so schnell gefunden hatte, war keine befriedigende Antwort zu erhalten. Raeker konnte nicht beurteilen, ob die Ursache dafür in Easys ungenügenden Sprachkenntnissen lag, oder ob Swift absichtlich ausweichende Antworten gab.
Jedenfalls war es nicht leicht, sich mit der neuen Situation abzufinden, wenn man sechzehn Jahre lang die Entwicklung auf Tenebra dirigiert hatte. Raeker befand sich in der unangenehmen Lage, daß seine Schüler zum größten Teil nicht erreichbar waren, während der einzige Mensch auf diesem Planeten seine Zeit mit Nebensächlichkeiten vertat. Andererseits konnte es sein, daß Easy Swift doch in ihrem Sinn beeinflußte, aber das blieb noch festzustellen.
Gegen Nachmittag des gleichen Tages hatte Raeker Grund zum Aufatmen. Jim und Jane kamen früher als erwartet zurück und verstärkten die Schiffsbaumannschaft. Sie hatten keinerlei Schwierigkeiten gehabt, ihr Gebiet in kürzester Zeit zu erreichen, hatten auch das zweite durchquert und waren in Eilmärschen zurückgekommen. In den beiden Suchgebieten war nichts zu sehen gewesen; die beiden hatten den Lichtschein im Norden bemerkt, der aber in John und Nancys Gebiet lag, so daß sie lieber bei ihrer Aufgabe blieben, um möglichst bald Bericht erstatten zu können.
Selbstverständlich war dem Roboter nicht anzumerken, was der Mann dahinter dachte, und Raeker hatte seine Stimme so gut unter Kontrolle, daß die beiden nicht ahnten, wie unbefriedigend ihr Bericht im Grund genommen war. Raeker überlegte kurze Zeit, ob er sie nicht nochmals fortschicken sollte, damit sie die Lichtquelle untersuchten; aber dann fiel ihm ein, daß John und Nancy sie bestimmt nicht übersehen haben konnten. Außerdem stand bereits fest, wo sich der gestrandete Bathyskaph befand, so daß Jim und Jane sich eher nützlich machen konnten, indem sie Leder herbeischafften. Der bedauerliche Mangel an Entschlußfreudigkeit, den die beiden an den Tag gelegt hatten, ließ eine Verwendung dieser Art ohnehin eher geraten erscheinen. Raeker erteilte ihnen seine Anweisungen, und die beiden machten sich auf die Jagd.
„Ich nehme an, daß dir etwas aufgefallen ist, Nick“, sagte Raeker, als Jim und Jane verschwunden waren.
„Was soll mir aufgefallen sein, Lehrer?“
„Die beiden haben im Süden einen Lichtschein gesehen. Meiner Meinung nach bedeutet das, daß die Küste nach Westen ausweicht, wenn man ihr nach Süden folgt; und da Swifts Höhlen in der gleichen Richtung liegen, ist es möglich, daß sie näher als angenommen an der Küste liegen. Das könnte der Grund dafür sein, daß Swift das Schiff so rasch gefunden hat.“