Eiswelt
- Автор: Клемент Хол
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Год: Bastei-Lübbe
- ISBN: 978-3-404-22060-1
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eiswelt». Краткое содержание книги:
Als Sallman die Rauschgiftwelt im Sichtschirm seines Raumschiffs auftauchen sieht, stockt ihm der Atem. Auf einem solchen Planeten soll es tatsächlich intelligentes Leben geben? Denn was er sieht, muß ihm als Bewohner einer Hitzewelt wie die Hölle erscheinen. So existiert Schwefel dort nicht als Gas, sondern in fester Form, und Wasser ist in flüssigem Zustand vorhanden.
XII
»Man hat Sie also behalten.« Was da aus Feth Allmers Ton herauszuhören war, konnte Mitgefühl sein oder auch nicht. »Wundert mich eigentlich nicht. Als Drai mir die Hölle heiß machte, weil ich Ihnen angeblich sagte, wie weit entfernt Sarr wäre, da wußte ich, daß Sie auf eigene Faust geschnüffelt hatten. Na, wer hat Sie geschickt, die Rauschgiftabteilung oder die Handelskontrolle?«
Ken gab darauf keine Antwort. Ihm war nämlich gar nicht nach Reden zumute. An seinen Drogenschlaf konnte er sich nur soweit erinnern, daß ihm Dinge über sich bewußt geworden waren, die kein vernunftbegabtes Wesen zu wissen gezwungen werden sollte. Er hatte geträumt, daß er Anblicke und Vergnügungen genösse, die ihm jetzt bloß widerwärtig erschienen. Und doch lag unter dem Abscheu verborgen das Gefühl, daß er Wonnen genossen hatte, und daß es diese Wonnen wieder geben könnte. Die Empfindungen eines Rauschgiftsüchtigen zu beschreiben ist unmöglich, weder der Zustand unter dem Einfluß des Rauschgifts noch das tödliche Verlangen, ehe die Substanz zur physischen Notwendigkeit wird. Aber in diesem Augenblick, eine knappe Stunde, nachdem er dem Einfluß entglitten war, war sein Gemütszustand vielleicht nicht ganz unverständlich. Feth hatte sicher Verständnis dafür, ließ das Thema aber unberührt.
»Ist ohnehin egal, von wo Sie kommen oder ob es jetzt alle wissen«, fuhr er fort, als Kens Antwort auf sich warten ließ. »Jetzt spielt das keine Rolle mehr. Jetzt gehören Sie für immer zu uns, egal, was Sie im Moment denken mögen. Warten Sie nur, bis die Gier über Sie kommt… Sie werden schon sehen.«
»Wann wird das sein?« Dieser Punkt war so interessant, daß Ken seine Lethargie überwand.
»In fünf, sechs Tagen. Hängt vom Einzelfall ab. Lassen Sie sich eines gesagt sein: Kommen Sie Laj Drai niemals wieder in die Quere. Er hat hier das Sagen. Wenn er Ihnen den Tafak nicht gibt und Sie auch nur eine halbe Stunde unter diesem Verlangen leiden, werden Sie es niemals vergessen. Ich spüre es noch immer in den Knochen, daß er damals glaubte, ich hätte Ihnen unseren Standort verraten.«
Keri war platt. »Sie? Sind Sie…?«
»Süchtig? Ja, bin ich. Die haben mich vor Jahren geschnappt, genauso wie Sie. Damals dämmerte mir, was hier so alles lief. Ich wußte zwar nicht, wo dieses System lag, aber meine Arbeit machte es nötig, daß ich gelegentlich technische Bestandteile beschaffen mußte. Man wollte verhindern, daß ich etwas ausplauderte.«
»Deswegen haben Sie mit mir vor dem Observatorium nicht gesprochen, damals, gleich nachdem wir von den Höhlen zurückkamen?«
»Sie haben mich aus seinem Büro kommen gesehen? Ich wußte nicht, daß Sie da waren. Ja, das war der Grund.« Feths an sich schon mißmutige Miene wurde richtig grimmig. Ken selbst gab sich düsteren Gedanken hin, die sich allmählich zu einem Entschluß kristallisierten. Er zögerte zunächst, sie laut zu äußern. Es war aber nicht einzusehen, warum es ihm schaden sollte.
»Mag sein, daß Sie von dem Zeug nicht loskommen. Aber ich werde es zumindest versuchen.«
»Klar, werden Sie. Ich hab’s auch versucht.«
»Und auch wenn es mir nicht glückt, soll Drai bloß nicht glauben, ich würde mithelfen, eine Massenproduktion von dem Zeug aufzuziehen. Er kann mich zwar in seiner Gewalt halten, aber er kann mich nicht zwingen, meine Gedanken in Gang zu setzen.«
»Er könnte es sehr wohl, wenn er wüßte, daß Sie Ihre Gedanken nicht für ihn einsetzen. Denken Sie daran, was ich Ihnen sagte… nicht ein einziger Akt offenen Widerstands ist die Mühe wert. Ich weiß nicht, ob er nur so zum Spaß die Süchtigen quält, aber ich weiß sicher, daß er nicht davor zurückschreckt, wenn er es für notwendig hält – und man ist immer schuldig, ehe man nicht seine Unschuld beweisen kann. An Ihrer Stelle würde ich mich sofort an die Entwicklung dieser Höhlen machen.«
»Sie vielleicht. Na, ich werde wenigstens dafür sorgen, daß die Höhlen ihm keinen Nutzen bringen.«
Feth schwieg zunächst still.
Falls er sich über Kens Bemerkung geärgert hatte, ließ er sich nichts anmerken.
»Ja, natürlich, das ist der einzige Weg. Mich wundert übrigens, daß Sie bislang der Tatsache keine Bedeutung beimaßen, daß Drai in den siebzehn Jahren, die ich bei ihm bin, keine Fortschritte bei der Erforschung von Planet Drei gemacht hat.«
Ken starrte den Techniker an. Dabei mußte er schlagartig den Eindruck revidieren, den er von Feth bis zu diesem Zeitpunkt gewonnen hatte.
»Nein«, sagte er schließlich, »daran dachte ich kein einziges Mal. Hm, hätte mir auffallen müssen. Die Hindernisse, die sich einer Erforschung entgegenstellten, erschienen mir zwar seltsam. Soll das heißen, daß Sie das Versagen der Fernsehröhren und alles andere auf dem Gewissen haben?«
»Die Röhren schon. Das war furchtbar einfach. Man mußte bloß dafür sorgen, daß vor dem Start des Torpedos Spannungen im Glas auftraten.«
»Aber als die Originaltorpedos verlorengingen, waren Sie noch nicht da?«
»Nein, das waren echte Ausfälle. Auch die Radarimpulse, die wir empfangen, sind echt. Ob die Theorie von der feindseligen Rasse auf den blauen Ebenen von Planet Drei richtig ist, weiß ich nicht, aber sie scheint etwas für sich zu haben. Ein- oder zweimal war ich versucht, die Anti-Radar-Beschichtung des Torpedos zu dünn aufzutragen, damit die auf Drei merken sollten, daß wir kämen, bis mir einfiel, daß damit der Nachschub von Tafak gänzlich abgeschnitten würde. Warten Sie ein paar Tage, ehe sie deswegen schlecht von mir denken.«
Ken nickte verständnisvoll. Als ihm etwas einfiel, sah er mit einem Ruck auf.
»Sagen Sie mal, der Mißerfolg mit dem Testanzug war also beabsichtigt?«
»Leider ja.« Feth zeigte die Andeutung eines Lächelns. »Beim Schließen der Dichtungen an Knien, Hüften und Greifergelenken tat ich des Guten zuviel, als Sie mal nicht hinsahen. Die Dichtungen zogen sich so stark zusammen, daß Luft ausströmte. Ich könnte es mir jedenfalls vorstellen, ich habe den Anzug ja nicht gesehen. Ich wollte nicht, daß Sie auf dem Planeten rumlaufen. Sie hätten in kürzester Zeit für diese Gauner sehr nützlich werden können.«
»Das spielt doch jetzt keine Rolle mehr, oder? Könnten wir nicht einen Vorwand finden, damit der Test wiederholt werden kann?«
»Warum? Ich dachte, Sie wollten denen nicht mehr helfen.«
»Will ich auch nicht, aber es ist ein Riesenunterschied, ob ich selbst mich mal auf dem Planeten umsehen kann oder ob ich frische Proben Tafak dort mitgehen lasse. Wenn man jemanden auf Sarr landen ließe, wie groß wären dann seine Chancen, in Sichtweite eines Gree-Strauches zu landen? Und wenn ja, wie groß wären dann die Ihren, es gegen seinen Willen herauszubekommen?«
»Das erste Argument ist schwach… dieses Tafak könnte überall vorkommen, so wie Mekko bei uns. Viel schwieriger wäre es, das Zeug nicht zu sehen. Ihr zweiter Einwand aber hat Gewicht.« Jetzt lächelte er. Es war das erste Lächeln, seitdem Ken ihn kannte. »Sie sind doch ein waschechter Wissenschaftler. Kein Rauschgiftagent würde sich unter diesen Umständen einen Deut um den Planeten kümmern. Also, meiner Meinung nach könnte das Experiment erfolgreich wiederholt werden. Ich selbst möchte die Landung nicht machen, nicht um alles in der Welt.«
»Für eines schon, jede Wette«, antwortete Ken. Feths Lächeln war wie weggeblasen.
»Ja, nur für eines. Aber diese Möglichkeit sehe ich nicht. Selbst auf Sarr mit allen seinen Möglichkeiten bedürfte es jahrelanger Forschungsarbeit der Mediziner. Und hier… welche Hoffnung bleibt uns da?«