Eiswelt
- Автор: Клемент Хол
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Год: Bastei-Lübbe
- ISBN: 978-3-404-22060-1
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eiswelt». Краткое содержание книги:
Als Sallman die Rauschgiftwelt im Sichtschirm seines Raumschiffs auftauchen sieht, stockt ihm der Atem. Auf einem solchen Planeten soll es tatsächlich intelligentes Leben geben? Denn was er sieht, muß ihm als Bewohner einer Hitzewelt wie die Hölle erscheinen. So existiert Schwefel dort nicht als Gas, sondern in fester Form, und Wasser ist in flüssigem Zustand vorhanden.
Kalt. Viel zu kalt zum Wohlfühlen. Die Heizschlangen hätten dieser Kälte entgegenwirken können, doch hatten sie nicht funktioniert. Auf dem Recorder war ein Stück Band mit der Aufzeichnung, die automatisch in Gang gesetzt worden war, und zwar durch eine Schaltung, die vom Druckanzeiger im Torpedo durch einen der Funkkontakte im Anzug hergestellt wurde, sobald der Atmosphärendruck nachweisbar war. Dieses Band erzählte eine deutliche Geschichte. Temperatur und Druck waren wenige Minuten stabil gewesen. Bei der Landung auf der Planetenoberfläche oder kurz danach waren beide Werte sprunghaft abgefallen, besser gesagt sehr sprunghaft. Die Temperatur war einen Augenblick lang sogar über den Normalwert hinausgegangen. Der Recorder war zum Stillstand gekommen, als der Gefrierpunkt des Schwefels erreicht war, vermutlich durch das Festwerden der Luft um die beweglichen Teile. Er hatte seine Arbeit nicht wieder aufgenommen. Der Planet war schlicht und einfach eine Wärmefalle.
Anzeichen dafür, daß der Anzug irgendwo ein Leck hatte, durch das Gas eingeströmt war, gab es nicht, doch vermutete Ken, daß es irgendwo eines geben mußte. Die Blaufärbung an gewissen Stellen mochte von Flammeneinwirkung stammen – von flammendem Sauerstoff, der sich an Lecks im Anzug entzündete, aus denen Schwefel unter hohem Druck austrat. Schwefel und Sauerstoff sind leicht brennbar, wie Ken wußte, und gehen miteinander eine Verbindung ein. Er durfte nicht vergessen, die Entstehungswärmewerte aller Sulfide des Sauerstoffs nachzuschlagen.
Schließlich wandte er dem Debakel den Rücken.
»Feth soll sich die Sache ansehen, wenn wir zurück sind«, erklärte er. »Er wird vielleicht einleuchtendere Gründe dafür finden, wie und warum die Isolierung ausfiel. Wir können gleich weiter zu Planet Vier, nachsehen, ob dort etwas vorkommt, das man als Pflanzerde nehmen könnte.«
»Wir müssen ihn schon eine ganze Weile umkreisen«, gab Drai zurück. »Lee hatte Auftrag, Planet Vier anzufliegen, sobald Ihr Anzug an Bord war. Er hatte ebenso Auftrag, mit der Landung zu warten, bis ich wieder im Kontrollraum war.«
Die beiden glitten weiter, indem sie ihre gewichtslosen Körper an den eigens dafür angebrachten Wandgriffen weiterhangelten. In Sekundenschnelle waren sie durch die Kontrollraumtür – Ken hatte sich gut an die neue Schwerkraft, notfalls sogar an eine gar nicht vorhandene, gewöhnt.
Drais Vermutung erwies sich als richtig. Der Antrieb war auf Null, und der Mars hing vor den Fenstern. Für sarrianische Augen war er noch matter erhellt als die Erde. Und es war deutlich sichtbar, daß er eine Atmosphäre hatte. In diesem Fall aber war die atmosphärische Hülle viel dünner. Sie waren schon zu nahe dran, um die sogenannten Kanäle ausmachen zu können, die sich bei Einsatz geeigneter Beobachtungsmittel als Flußtäler entpuppen, aber sogar Flüsse waren für die Sarrianer etwas Neues. Sie waren auch schon zu nahe, um die Polkappen zu sehen. Erst als die Karella südwärts trieb, kam ein ausgedehntes weißes Gebiet in Sicht. Die Polkappe war nicht annähernd so groß wie zwei Monate zuvor, stellte aber auch in ihrer gegenwärtigen Größe für die staunenden Beobachter ein unbekanntes Phänomen dar.
Genauer gesagt ein fast unbekanntes Phänomen. Ken umfaßte mit einem Tentakel jenen Drais.
»Auf Planet Drei war ein ähnlicher weißer Fleck! Ich erinnere mich ganz genau! Also besteht doch irgendeine Ähnlichkeit.«
»Zwei weiße Flecken«, erwiderte Drai. »Möchten Sie dort Bodenproben entnehmen? Wir wissen ja nicht, ob das die Stellen sind, wo auf Planet Drei Tafak wächst.«
»Ich glaube nicht, daß dies die Stellen sind. Aber ich möchte trotzdem wissen, wie das Zeug aussieht. Wir können am Rand des weißen Gebietes niedergehen und Proben von allem mitnehmen, was wir finden. Lee?«
Der Pilot hatte seine Zweifel, zeigte sich dann aber doch einverstanden und drang vorsichtig in die Atmosphäre ein. Eine Landung wollte er erst wagen, wenn er festgestellt hatte, wie schnell die Luft dem Schiffsrumpf Wärme entzöge. Weder Drai noch Ken widersetzten sich dieser Forderung, und plötzlich nahmen die weißen, braunen und grünlichen Flächen unter ihnen das Aussehen von Landschaften an anstatt von einer bemalten, vor dunklem Hintergrund hängenden Scheibe.
Die Atmosphäre sollte sich sozusagen als Täuschung erweisen. Als das Schiff knapp dreißig Meter über der Oberfläche schwebte, zeigten die Druckmesser keine Neigung, sehr weit über Null hinauszugehen. Der Druck betrug ein Fünfzigstel Sarr normal. Ken gab dem Piloten diesen Wert an, Ordon Lee aber weigerte sich zu landen, ehe er nicht volle fünfzehn Minuten seine Pyrometer beobachtet hatte. Nachdem er festgestellt hatte, daß der Wärmeverlust nur so groß war, daß er ausgeglichen werden konnte, ging er auf einem mit dunklem Sand bedeckten Fleck nieder. Er hörte mit gemischten Gefühlen, wie der Rumpf sich ächzend dem veränderten Ladegewicht und dem begrenzten Wärmeverlust anpaßte. Befriedigt wandte er sich Ken zu.
»Also, wenn Sie eine Besichtigungstour machen wollen, dann los. Ich glaube nicht, daß Ihr Anzug mehr leiden wird als das Schiff. Am ehesten werden Sie mit den Füßen Ärger bekommen. Der Wärmeverlust durch die Luft ist nicht der Rede wert. Aber wenn Sie kalte Füße kriegen sollten, verlieren Sie bloß keine Zeit – dann nichts wie rein.«
Ken warf Drai einen boshaften Blick zu. »Zu schade, daß wir nicht zwei Raumanzüge dabei haben. Sicher wären Sie gern mitgekommen.«
»Nie im Leben!« stieß Drai hervor. Da lachte Ken lauthals los. Seltsamerweise war seine anfängliche Angst vor der fürchterlichen Kälte dieser Solar-Planeten wie weggeblasen. Im Gegenteil, er konnte es kaum erwarten, den Test zu machen. Mit der Hilfe Drais und Lees stieg er in den Anzug, den sie von Merkur mitgebracht hatten, verschloß ihn luftdicht und unterzog die verschiedenen Arbeitseinheiten einer Probe. Dann betrat er die Luftschleuse der Karella. Er behielt nun seine Instrumente genau im Auge, während die Schleuse leergepumpt wurde. Alles in Ordnung. Er betätigte den Schalter, der den Motor der Außentür steuerte.
Während er die Marslandschaft nun vor sich sah, war er in Gedanken bei der sonderbaren Verfärbung des Anzugs, der der Atmosphäre von Planet Drei ausgesetzt war. Er fragte sich, ob hier etwas Ähnliches passieren würde.
Seltsamerweise versuchte in einer Entfernung von über zweihundert Millionen Kilometer ein dreizehnjähriger Junge sich einen Reim auf ein Feuer zu machen, das an einem Abhang sechs Kilometer vom Haus entfernt ein von blankem Fels isoliertes Gebüsch verbrannt hatte.
XI
Auch für Erdenbewohner stellt der Mars keine Welt dar, die einen zu Begeisterungsstürmen hinreißen könnte. Er ist zu seinen besten Zeiten viel zu kalt, viel zu trocken, und es mangelt dort an Luft, an atembarer und anderer. Der erste und der letzte dieser Punkte trafen Ken am heftigsten.
Das Gelände vor ihm war völlig eben. Und es war von uneinheitlicher Beschaffenheit. An manchen Stellen trat blanker Fels zutage, doch waren diese Stellen selten und kamen in großen Abständen vor. Der Großteil des Geländes war von dunklem, nacktem Erdreich bedeckt, mit grünen, braunen, roten und gelben Flecken durchsetzt. Ebenso häufig waren die weißen Flecken, die aus dem All wie eine feste Masse ausgesehen hatten. Ken merkte nun, daß sie zur Mitte der weißen Region hin eine zusammenhängende Decke bildeten. Das Schiff war wie geplant am Rande dieser Region gelandet.
Vorsichtig tat er einen Schritt vom Schiff weg, Die Schwerkraft war geringer als auf Sarr, aber eindeutig größer als auf Merkur. Der Raumanzug drückte ihn wie eine schwere Last. Die zwei Tentakel innerhalb des rechten ›Ärmels‹ brachten das Stahlrohr fast bis zum Boden hinunter und bewegten die Greifhaken. Mühsam scharrte er ein wenig von der dunkelbraunen Substanz los, um sie auf Augenhöhe zu heben. Er blockierte die ›Knie‹ seines Anzugs und ließ sich auf die schwanzähnliche Stütze nieder, die rückwärts aus dem Metallrumpf ragte, damit er in aller Ruhe die Probe begutachten konnte.