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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Wenn er beichtete, durfte er guten Gewissens versichern, er habe nie eine Frau geliebt außer seiner Doña Leonor. Der ritterlichen Liebe, der »Minne«, konnte er keinen Geschmack abgewinnen. Da man die unverheirateten Töchter des Adels selten und immer nur in großer Gesellschaft zu Gesicht bekam, schrieb die Courtoisie vor, sich in verheiratete Damen zu verlieben und gekünstelte, gefrorene Liebesgedichte an sie zu richten. Dabei kam nichts heraus. So hatte er denn mit Weibern vom Troß geschlafen oder mit erbeuteten moslemischen Weibern; mit denen konnte man reden und umgehen, wie einem zumute war. Einmal auch hatte er etwas gehabt mit der Frau eines Ritters aus Navarra, aber es war eine unerfreuliche Affäre gewesen, und er hatte sich erleichtert gefühlt, als sie in ihre Heimat zurückkehrte. Auch die kurze Verbindung mit Doña Blanca, einer Hofdame Leonors, war quälend gewesen, und Doña Blanca war schließlich halb freiwillig, halb unfreiwillig in ein Kloster gegangen. Nein, glücklich war er nur mit seiner Leonor.

Das bedachte Don Alfonso nicht etwa in klaren Worten, doch ging es ihm deutlich durchs Gemüt, und er ärgerte sich, daß er sich in dieses Gespräch mit der Tochter des Juden eingelassen hatte. Dabei gefiel sie ihm nicht einmal, sie hatte nichts Mildes, Damenhaftes, sie war vorwitzig und maßte sich Urteile an, wiewohl sie doch eigentlich noch ein Kind war. Gar nichts war an ihr von der kühlen, stattlichen Blondheit der christlichen Damen, kein Ritter hätte ihr Verse gedichtet, und sie hätte sie auch gar nicht verstanden.

Er wollte nicht länger mit ihr sprechen, er wollte fort aus diesem Haus. Der stille Garten mit seinen gleichmäßig plätschernden Wassern und dem schweren, süßen Duft der Orangenblüten ging ihm auf die Nerven. Er wird nicht länger einen Narren aus sich machen und scharmutzierend neben der Jüdin hergehen, er wird sie jetzt stehenlassen und für immer.

Statt dessen hörte er sich sagen: »Ich habe ein Landgut hier vor der Stadt, genannt La Galiana. Das Haus hat sich ein moslemischer König bauen lassen, es ist sehr alt, und es gehen viele Geschichten darum.« Doña Raquel horchte hoch. Auch sie hatte von La Galiana gehört; war das nicht der Ort, wo jene Wasseruhr Rabbi Chanans stand? »Ich will den Palacio wiederherstellen«, fuhr Don Alfonso fort, »und so, daß das Neue nicht zu sehr absticht von dem Früheren. Dein Rat wäre mir da willkommen, Dame.«

Doña Raquel sah auf, betroffen, fast zornig. Niemals hätte ein moslemischer Herr gewagt, eine Dame so plump und verfänglich einzuladen. Aber sogleich sagte sie sich, mit den christlichen Rittern sei es wohl anders, und die Courtoisie mache sie übertriebene Sätze sprechen, die nichts bedeuteten. Sie sah Don Alfonsos Gesicht von der Seite und erschrak. Es war ein gespanntes, gieriges Gesicht. Was er gesagt hatte, war mehr als Courtoisie.

Sie zog sich scheu und gekränkt in sich zurück. Wurde ganz und gar Dame des Hauses. Höflich antwortete sie, jetzt arabisch: »Mein Vater wird sich gewiß freuen, o König, dir mit seinem Rate zu dienen.«

Don Alfonsos Stirn furchte sich jäh und tief. Was hatte er da gemacht! Er hatte die Zurückweisung verdient, er hätte sie erwarten müssen. Von Anfang an hätte er vorsichtig sein sollen; das Mädchen gehörte zu einem verfluchten Volk. Es war dieser verwünschte Garten, dieses ganze verwünschte, verwunschene Haus, das ihm solche Reden eingeblasen hatte. Er riß sich zusammen, ging etwas schneller, nach wenigen Schritten hatten sie die andern erreicht.

Sogleich wandte sich der Knabe Alazar an ihn. Er hatte erzählt von Rüstungen, deren Visier in allen Teilen beweglich war, so daß der Eisenschutz der Augen, der Nase, des Mundes nach Belieben verstellt werden konnte, und die Pagen des Königs hatten ihm nicht geglaubt. »Aber ich habe solche Rüstungen gesehen«, ereiferte er sich. »Der Waffenschmied Abdullah in Córdova stellt sie her, und der Vater hat mir versprochen, er schenkt mir eine, sowie ich zum Ritter geschlagen bin. Bestimmt hast du selber so eine Rüstung, Herr König.« Don Alfonso antwortete, er habe von solchen Rüstungen gehört. »Ich selber besitze keine«, schloß er trocken. »Dann muß mein Vater dir eine verschaffen«, sagte stürmisch Alazar. »Du wirst deine Freude daran haben«, versicherte er. »Erlaube meinem Vater, daß er dir eine verschreibt.«

Don Alfonso hellte sich auf. Er durfte den Knaben nicht entgelten lassen, daß die Schwester vorwitzig und empfindlich war. »Du siehst, Don Jehuda«, sagte er, »ich und dein Junge, wir verstehen uns gut. Willst du ihn mir nicht als Pagen auf die Burg schicken?«

Doña Raquel schien verwirrt. Auch die andern verbargen nur mit Mühe ihr Erstaunen. Alazar, beinahe stammelnd vor Freude, brach aus: »Ist es dein Ernst, Don Alfonso? Mein gnädiger Dienstherr willst du sein?« Don Jehuda aber, da ihm sein Wunsch so unerwartet erfüllt wurde, neigte sich tief und sagte: »Deine Majestät ist sehr gnädig.« »Der König Unser Herr«, sagte am Abend des gleichen Tages Jehuda zu Raquel, »hat sich, wie mir schien, freundlich mit dir unterhalten, meine Tochter.« Doña Raquel antwortete aufrichtig: »Ich glaube, der König war zu freundlich. Er hat mir angst gemacht.« Und sie erläuterte: »Er will sein Lustschloß La Galiana restaurieren und hat mich aufgefordert, ihm dabei zu raten. Ist das nicht – ungewöhnlich, mein Vater?« – »Es ist ungewöhnlich«, antwortete Jehuda.

Wirklich wurden wenige Tage später Jehuda und Doña Raquel eingeladen, an einem Ausflug des Königs nach La Galiana teilzunehmen. Dieses Mal hatte Don Alfonso eine große Gesellschaft geladen, und er richtete bei dem Rundgang kaum je das Wort an Doña Raquel. Wohl aber stellte er zur Belustigung seiner Gäste dem täppischen, redseligen Gärtner Belardo viele Fragen.

Nach dem Rundgang wurde am Ufer des Tajo ein Mahl serviert. Gegen Ende des Mahles, auf einem Baumstumpf sitzend, mit selbstspöttischem Hochmut, verkündigte der König: »Wir herrschen nun beinahe ein Jahrhundert in diesem Toledo, Wir haben es zu Unserer Hauptstadt gemacht, gut, groß und fest und gesichert gegen die Angriffe der Ungläubigen. Es ließen Uns aber die Geschäfte der Ehre, des Glaubens und des Krieges keine Zeit für andere Dinge, die überflüssig sein mögen, aber einem König anstehen, für Dinge der Schönheit und der Pracht. Unsere Freunde aus dem Süden zum Beispiel, Unser Escrivano und seine Tochter, die Unsere Städte und Häuser mit fremden, unbefangenen Augen anschauen, haben Unser Schloß in Burgos kahl und unbequem gefunden. Es ist Uns nun in einer Stunde der Muße die Laune gekommen, hier diesen Unsern vernachlässigten Palacio de Galiana wiederaufzubauen, und zwar schöner, als er früher war, auf daß die Welt sehe: Wir sind keine Bettler mehr, auch Wir können üppig bauen, wenn Uns der Sinn danach steht.« Das war eine lange und stolze Rede, wie sie Don Alfonso sonst höchstens bei Staatsakten zu halten pflegte, und die Herren, die noch vor den Resten der Mahlzeit saßen, waren erstaunt.

Der König ließ den hohen Ton fallen und wandte sich an Jehuda. »Was meinst du, mein Escrivano?« fragte er. »Du bist doch sachverständig in diesen Fragen.« – »Dein Lustschloß La Galiana«, antwortete bedächtig Don Jehuda, »liegt herrlich in der Kühle dieses Flusses und mit dem stolzen Blick auf deine hochberühmte Stadt. Ein solches Schloß wiederherzustellen, lohnte der Mühe.«

»Also stellen Wir es her«, entschied leichthin der König. »Hier ist eine Schwierigkeit«, sagte ehrerbietig Don Jehuda. »Du hast gute Soldaten, Herr König, und tüchtige Handwerker. Aber so geschickt sind deine Künstler und Handwerker noch nicht, daß sie dieses Schloß in der Art aufbauen könnten, wie es deiner Hoheit und deinem Wunsche entspricht.« Der König finsterte sich. »Hast du nicht selber«, fragte er, »ein großes Haus in sehr kurzer Zeit glanzvoll wiederaufgebaut?« – »Ich habe moslemische Baumeister und Handwerker kommen lassen, Herr König«, sagte sachlich still Don Jehuda.

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