Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ich weiß, was er ist.« Jamie regte sich und brach seine Trance. »Aber was er außerdem vielleicht ist, ist der Vater des Kindes meiner Tochter.« Er warf Roger einen langen, kalten Blick zu. »Also frage ich Euch, MacKenzie; könnt Ihr zu ihr zurückgehen und mit ihr zusammenleben, auch wenn Ihr wisst, dass es wahrscheinlich Bonnets Kind ist, das sie bekommt? Denn wenn Ihr es nicht tut – dann sagt es jetzt, denn ich schwöre, wenn Ihr zu ihr geht und sie schlecht behandelt … dann töte ich Euch, ohne noch einmal darüber nachzudenken.«
»Du meine Güte!«, platzte ich heraus. »Lass ihn doch einen Augenblick überlegen, Jamie! Kannst du nicht sehen, dass er noch nicht die geringste Chance gehabt hat, es zu verdauen?«
Rogers Faust schloss sich fest um die Juwelen und öffnete sich dann wieder. Ich konnte ihn atmen hören, schwer und abgehackt.
»Ich weiß es nicht«, sagte er. »Ich weiß es nicht!«
Jamie bückte sich und hob einen der Steine auf, der Roger aus der Hand gefallen war. Er schleuderte ihn Roger vor die Füße.
»Dann geht!«, sagte er. »Nehmt Eure verfluchten Steine und sucht Euren verflixten Kreis. Fort mit Euch – denn meine Tochter braucht keinen Feigling.«
Er hatte die Pferde noch nicht abgesattelt; er ergriff seine Satteltaschen und hievte sie über den Rücken des Pferdes. Er band sein und mein Pferd los und stieg in einer fließenden Bewegung auf.
»Komm«, sagte er zu mir. Ich sah Roger hilflos an. Er starrte zu Jamie hinauf; seine grünen Augen glitzerten im Feuerschein und leuchteten wie der Smaragd in seiner Hand.
»Geht«, sagte er leise zu mir, ohne den Blick von Jamie abzuwenden. »Wenn ich kann – dann komme ich.«
Meine Hände und Füße schienen nicht mir zu gehören; sie bewegten sich problemlos, ohne dass ich sie steuerte. Ich ging zu meinem Pferd, steckte meinen Fuß in den Steigbügel, dann war ich oben.
Als ich mich umsah, war selbst der Schein des Feuers schon verschwunden. Hinter uns war nichts als Dunkelheit.
Kapitel 62
Der Dreidrittelgeist
River Run
April 1770
Sie haben Stephen Bonnet festgenommen.«
Brianna ließ die Kiste mit dem Spiel auf den Boden fallen. Spielsteine aus Elfenbein explodierten in alle Richtungen und rollten unter die Möbelstücke. Sprachlos stand sie da und starrte Lord John an, der sein Brandyglas abstellte und hastig an ihre Seite kam.
»Geht es dir gut? Musst du dich hinsetzen? Ich entschuldige mich vielmals. Ich hätte es nicht –«
»Doch, das hättest du. Nein, nicht das Sofa, dann komme ich nie wieder hoch.« Sie winkte ab, als er ihr die Hand anbot, und ging langsam zu einem einfachen Holzstuhl an der Fensterseite. Als sie sicher saß, blickte sie ihn lange und ruhig an.
»Wo?«, sagte sie. »Wie?«
Er vertat keine Zeit mit der Frage, ob er Wein oder angebrannte Federn kommen lassen sollte; offenbar würde sie nicht in Ohnmacht fallen.
Er zog einen Stuhl zu ihr herüber, überlegte es sich dann aber anders und ging zur Tür des Salons. Er blickte in den dunklen Flur hinaus; tatsächlich, eins der Dienstmädchen döste in der Biegung der Treppe auf einem Hocker vor sich hin für den Fall, dass sie irgendwelche Wünsche hatten. Bei seinem Schritt fuhr der Kopf der Frau hoch, und ihre Augen leuchteten weiß im Halbdunkel.
»Geh zu Bett«, sagte er. »Wir werden heute Abend nichts mehr brauchen.«
Die Sklavin nickte und schlurfte davon. Ihre zusammengesackten Schultern verrieten ihre Erleichterung, sie musste seit der Dämmerung wach sein, und jetzt war es beinahe Mitternacht. Auch er war nach dem langen Ritt von Edenton furchtbar müde, doch seine Nachrichten konnten nicht warten. Er war am frühen Abend angekommen, hatte aber erst jetzt eine Gelegenheit gefunden, sich zu entschuldigen und Brianna allein zu sehen.
Er schloss die Türflügel und stellte eine Fußstütze davor, um jeder Unterbrechung vorzubeugen.
»Er ist hier in Cross Creek gefangen genommen worden«, sagte er ohne Umschweife, während er sich neben sie setzte. »Ich kann nicht sagen, wie. Die Anklage lautete auf Schmuggel. Doch natürlich kamen noch andere hinzu, nachdem erst einmal seine Identität feststand.«
»Was für Schmuggel?«
»Tee und Brandy. Zumindest diesmal.« Er rieb sich seinen steifen Nacken und versuchte, die Folgen der vielen Stunden im Sattel zu lindern. »Ich habe in Edenton davon gehört; offenbar ist der Mann berüchtigt. Seine Reputation reicht von Charleston bis Jamestown.«
Er sah sie genau an; sie war bleich, aber nicht leichenblass.
»Er ist schon abgeurteilt«, sagte er ruhig. »Er wird nächste Woche in Wilmington hängen. Ich dachte, du würdest das vielleicht gerne wissen.«
Sie holte tief Luft und atmete langsam aus, sagte aber nichts. Verstohlen betrachtete er sie noch genauer. Er wollte sie nicht anstarren, doch ihr Umfang erstaunte sie. Bei Gott, sie war immens! In den zwei Monaten seit ihrer Verlobung war sie mindestens doppelt so dick geworden.
Eine Seite ihres enormen Abdomens beulte sich plötzlich aus, und er erschrak. Er zweifelte mit einem Mal daran, ob es klug war, es ihr zu erzählen; wenn der Schreck über die Nachricht ihre Niederkunft vorzeitig auslöste, würde er sich das niemals verzeihen. Jamie würde ihm auch nicht verzeihen.
Sie starrte ins Leere und zog konzentriert die Stirn kraus. Trächtige Stuten sahen manchmal bei der Geburt so aus; völlig absorbiert von ihrem Innenleben. Es war ein Fehler gewesen, die Sklavin gehen zu lassen. Er zog seine Füße an, um sich zu erheben und Beistand zu holen, doch seine Bewegung holte sie aus ihrer Trance.
»Danke«, sagte sie. Das Stirnrunzeln war immer noch da, doch ihre Augen hatten den abwesenden Blick verloren; sie waren mit einer enervierenden, blauen Direktheit auf ihn gerichtet – umso enervierender, weil sie ihm so vertraut war.
»Wann hängen sie ihn?« Sie beugte sich ein wenig vor, eine Hand gegen ihre Seite gepresst. Wie als Reaktion auf den Druck überlief eine erneute Welle ihren Bauch.
Er lehnte sich zurück und betrachtete beklommen ihren Bauch.
»Freitag in einer Woche.«
»Ist er jetzt in Wilmington?«
Ein wenig beruhigt durch ihr besonnenes Verhalten, griff er nach seinem Glas. Er trank einen Schluck und schüttelte den Kopf, während er spürte, wie sich die Wärme des Alkohols wohltuend in seiner Brust ausbreitete.
»Nein. Er ist immer noch hier; es war kein Prozess nötig, da er schon verurteilt war.«
»Also bringen sie ihn zur Exekution nach Wilmington? Wann?«
»Ich habe keine Ahnung.« Der abwesende Blick war zurückgekehrt; diesmal nahm er ihn mit bösen Vorahnungen zur Kenntnis – es war nicht mütterliche Konzentration, sondern Kalkulation.
»Ich will ihn sehen.«
Mit großem Bedacht schluckte er seinen restlichen Brandy hinunter.
»Nein«, sagte er entschlossen und stellte das Glas hin. »Selbst wenn dein Zustand es dir erlauben würde, nach Wilmington zu reisen – was er gewiss nicht tut«, fügte er mit einem Seitenblick auf das gefährliche Aussehen ihres Bauches hinzu, »könnte es die schlimmste Wirkung auf dein Kind haben, wenn du einer Exekution beiwohnst. Ich kann es dir vollständig nachfühlen, meine Liebe, aber –«
»Nein, das kannst du nicht. Du weißt ja gar nicht, was ich fühle.« Sie sprach ohne Erregung, aber mit völliger Überzeugung. Er starrte sie einen Moment lang an, dann stand er auf und ging die Karaffe holen.
Sie sah zu, wie die bernsteinfarbene Flüssigkeit in seinem Glas aufwirbelte, und wartete, bis er es ergriff, bevor sie fortfuhr.
»Ich will ihm nicht beim Sterben zusehen«, sagte sie.
»Gott sei’s gedankt«, murmelte er und nahm einen Schluck Brandy.
»Ich will mit ihm sprechen.«
Die Flüssigkeit nahm den falschen Weg, und er verschluckte sich und spuckte den Brandy über die Rüschen seines Hemdes.
»Vielleicht solltest du dich hinsetzen«, sagte sie und blinzelte ihn an. »Du siehst nicht besonders gut aus.«