Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Das ist nicht wahr.«
Jetzt zogen sich MacKenzies schwarze Brauen zusammen.
»Wir sind durch Handfasting getraut, sie und ich. Hat sie Euch das nicht erzählt?«
Das hatte sie nicht – doch er hatte ihr auch kaum eine Gelegenheit gegeben, es ihm zu erzählen. Zu wütend über die Vorstellung, dass sie bereit war, mit einem Mann ins Bett zu gehen, zu tief getroffen, weil er glaubte, sie hätte ihn zum Narren gemacht, stolz wie Luzifer und mit Höllenqualen dafür gestraft, dass er sie sich perfekt wünschte und feststellte, dass sie nur genauso menschlich war wie er selbst.
»Wann?«, fragte Jamie.
»Anfang September, in Wilmington. Als ich – kurz bevor ich mich von ihr getrennt habe.« Das Eingeständnis kam unfreiwillig, und durch den schwarzen Schleier seiner eigenen Schuld hindurch sah er, wie sich auch in MacKenzies Gesicht die Schuld widerspiegelte. Genauso verdient wie seine eigene, dachte er wütend. Wenn der Feigling sie nicht alleingelassen hätte …
»Das hat sie mir nicht erzählt.«
Jetzt sah er den Zweifel und den Schmerz in MacKenzies Augen ganz deutlich. Der Mann hatte Angst, dass Brianna ihn nicht wollte – oder dass sie mitgekommen wäre, wenn sie ihn wollte. Er wusste sehr gut, dass keine Macht auf der Erde oder unter ihr Claire von ihm fernhalten konnte, wenn sie glaubte, dass er in Gefahr war – und er spürte, wie ihn bei diesem Gedanken erneut die Furcht durchfuhr; wo war sie nur?
»Ich nehme an, sie hat wohl nicht geglaubt, dass Ihr Handfasting als eine legale Form der Eheschließung anseht«, sagte MacKenzie ruhig.
»Oder vielleicht hat sie es selbst nicht so gesehen«, spekulierte Jamie grausam. Er hätte dem Mann Erleichterung verschaffen können, indem er ihm einen Teil der Wahrheit erzählte – dass Brianna nicht mitgekommen war, weil sie ein Kind bekam –, doch er war nicht in Gönnerlaune.
Es wurde jetzt ziemlich dunkel, doch er konnte trotzdem sehen, wie MacKenzies Gesicht bei diesen Worten rot wurde und wie seine Hände sich um das zerlumpte Hirschfell ballten.
»Ich habe es so gesehen«, war alles, was er sagte.
Jamie schloss die Augen und sagte nichts mehr. Die letzten Kohlen erloschen langsam im Feuer und ließen sie in der Dunkelheit zurück.
Kapitel 61
Das Amt eines Priesters
Brandgeruch lag in der Luft. Wir kamen dicht an der Feuergrube vorbei, und ich konnte es nicht vermeiden, aus dem Augenwinkel den Haufen verkohlter Fragmente anzublicken, deren zersplitterte Enden mit Asche überzogen waren. Ich hoffte, dass es Holz war. Ich hatte Angst, direkt hinzusehen.
Ich stolperte auf dem gefrorenen Boden, und meine Eskorte fing mich am Arm auf. Zog mich kommentarlos hoch und schob mich auf ein Langhaus zu, vor dem zwei Männer Wache standen, vermummt zum Schutz gegen den kalten Wind, der die Luft mit dahintreibender Asche erfüllte.
Ich hatte nicht geschlafen und nicht gegessen, obwohl man mir etwas angeboten hatte. Meine Füße und meine Finger waren kalt. In einem Langhaus am anderen Ende des Dorfes erklangen Klagelaute, und darüber der laute, rituelle Gesang eines Totenliedes. War es das Mädchen, für das sie sangen, oder jemand anders? Ich zitterte.
Die Wachen warfen mir einen Blick zu und traten beiseite. Ich hob die Lederklappe vor der Tür und trat ein.
Es war dunkel, das Feuer im Innenraum genauso tot wie das im Freien. Doch durch den Rauchabzug fiel graues Licht, das den Boden ausreichend erleuchtete, dass ich einen unordentlichen Haufen aus Fellen und Stoff sehen konnte. Ein roter Tartanfleck leuchtete in dem Durcheinander auf, und Erleichterung durchfuhr mich.
»Jamie!«
Der Haufen regte sich und zerfiel. Jamies zerzauster Kopf fuhr hoch, hellwach, aber ziemlich mitgenommen. Neben ihm war ein dunkler, bärtiger Mann, der mir merkwürdig bekannt vorkam. Dann bewegte er sich ins Licht, und ich sah ein Paar grüne Augen im Gestrüpp aufblitzen.
»Roger!«, rief ich aus.
Er erhob sich wortlos aus den Decken und nahm mich in die Arme. Er hielt mich so fest, dass ich kaum atmen konnte.
Er war furchtbar dünn; ich konnte seine Rippen einzeln spüren. Doch nicht unterernährt; er stank, doch es waren die normalen Gerüche nach Schmutz und abgestandenem Schweiß, nicht die hefeartige Ausdünstung eines Verhungernden.
»Roger, geht’s dir gut?« Er ließ mich los, und ich betrachtete ihn von oben bis unten auf der Suche nach Anzeichen einer Verletzung.
»Ja«, sagte er. Seine Stimme war heiser vom Schlaf und seinen Emotionen. »Brianna? Geht’s ihr gut?«
»Bestens«, versicherte ich ihm. »Was ist mit deinem Fuß passiert?« Er trug nur ein zerlumptes Hemd und einen fleckigen Lappen, den er um den einen Fuß gewickelt hatte.
»Ein Riss. Nichts. Wo ist sie?« Er klammerte sich ungeduldig an meinen Arm.
»An einem Ort namens River Run, bei ihrer Großtante. Hat Jamie es dir nicht gesagt? Sie ist –«
Ich wurde unterbrochen, weil Jamie meinen anderen Arm ergriff.
»Alles in Ordnung, Sassenach?«
»Ja, natürlich ist – mein Gott, was ist denn mit dir passiert?« Jamies Anblick lenkte meine Aufmerksamkeit für den Augenblick von Roger ab. Es war nicht die hässliche Quetschung an seiner Schläfe oder das getrocknete Blut auf seinem Hemd, das mir auffiel, sondern die unnatürliche Weise, wie er seinen rechten Arm hielt.
»Möglicherweise ist mein Arm gebrochen«, sagte er. »Tut ziemlich weh. Kannst du dich darum kümmern?«
Er drehte sich um und schritt davon, ohne eine Antwort abzuwarten. Er setzte sich schwerfällig neben das zerbrochene Bettgestell. Ich drückte Roger kurz und ging hinter ihm her, während ich mich fragte, was zum Teufel … Jamie würde nicht einmal dann vor Roger Wakefield zugeben, dass er Schmerzen hatte, wenn ihm der nackte Knochen zersplittert aus der Haut ragte.
»Was hast du denn vor?«, brummte ich und kniete mich neben ihn. Ich befühlte den Arm vorsichtig durch das Hemd – keine komplizierten Brüche. Ich rollte es sorgsam auf, um es mir genauer anzusehen.
»Ich habe ihm das mit Brianna nicht gesagt«, flüsterte er. »Und ich glaube, es ist besser, wenn du es auch nicht tust.«
Ich starrte ihn an.
»Das können wir nicht tun! Er muss es wissen.«
»Leise. Aye, vielleicht sollte er von dem Baby erfahren – aber nicht das andere, nicht Bonnet.«
Ich biss mir auf die Lippe und betastete vorsichtig die Schwellung seines Bizeps. Er hatte eine der schlimmsten Prellungen, die ich je gesehen hatte; einen großen, lila-blau melierten Fleck – doch ich war mir ziemlich sicher, dass der Arm nicht gebrochen war.
Was seinen Vorschlag anging, war ich mir nicht so sicher.
Er konnte den Zweifel in meinem Gesicht sehen; er drückte mir fest die Hand.
»Nicht jetzt; nicht hier. Lass uns warten, wenigstens bis wir in Sicherheit sind.«
Ich überlegte einen Augenblick, während ich seinen Hemdsärmel aufriss und ihn zur Herstellung einer groben Schlinge benutzte. Zu erfahren, dass Brianna schwanger war, würde ihn genug schockieren. Vielleicht hatte Jamie recht; es war nicht zu sagen, wie Roger auf die Nachricht von der Vergewaltigung reagieren würde, und wir waren noch lange nicht aus dem Schlimmsten heraus. Besser, wenn er den Kopf klar hatte. Schließlich zuckte ich zögernd mit den Achseln.
»Na gut«, sagte ich laut und stand auf. »Ich glaube nicht, dass er gebrochen ist, aber die Schlinge wird helfen.«
Ich ließ Jamie auf dem Boden sitzen und ging zu Roger. Ich kam mir vor wie ein Pingpongball.
»Wie geht’s dem Fuß?« Ich kniete mich hin, um ihn aus dem unhygienisch aussehenden Lappen auszuwickeln, doch er bremste mich mit einer Hand auf meiner Schulter.
»Brianna. Ich weiß, dass etwas nicht stimmt. Ist sie –«
»Sie ist schwanger.«
Was für Möglichkeiten er auch immer in seinem Gehirn gewälzt hatte, diese war nicht darunter gewesen. Es ist nicht möglich, pures Erstaunen zu verkennen. Er blinzelte und machte ein Gesicht, als hätte ich ihn mit einer Axt am Kopf getroffen.