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Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]

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Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen.
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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In die sekundenlange Stille hinein, die dem folgte, sagte Wtorow plötzlich: „Jetzt weiß ich es!“ Niemand reagierte darauf. Von der drohenden Gewalt der Elemente umklammert, harrten die Männer schweigend der kommenden Minuten. Das Boot war noch tiefer gesunken, als zöge es eine unsichtbare Hand auf den Meeresgrund.

Und plötzlich, wie im Film, wenn eine Szene von einer anderen abgelöst wird, war das Gewitter vorübergeeilt. Verhallender Donner grüßte abschiednehmend aus der Ferne, und der dunkle Regenvorhang verzog sich rasch und verschwand hinter dem Wald am anderen Ufer. Alles sah wieder so aus wie vorher. Sogar der vom Steilhang herabstürzende Wasserfall versiegte schlagartig.

Das Boot schnellte in die Höhe, als freue es sich, daß es einer drückenden Last ledig war, und wiegte sich auf den sanften Wellen des Fjordes. Man hätte glauben können, die Sonne wäre aufgegangen, so hell wurde es im Gegensatz zu der eben noch herrschenden Finsternis.

„Sehen Sie nur — hier, was mit dem Kompaß geschieht!“ rief Balandin.

Der Zeiger auf dem Zifferblatt zuckte krampfartig nach allen Richtungen.

„Es war ein Magnetsturm“, sagte Belopolski.

Wie zur Bestätigung seiner Folgerung tanzte der Zeiger noch mehrmals hin und her und beruhigte sich allmählich, indem er sich wieder in Richtung auf den Magnetpol der Venus orienr tierte.

„Jetzt weiß ich es“, sagte Wtorow zum zweiten Male. „Die Ursache für das Funkecho muß in den elektrischen Eigenschaften der Gewitterfronten gesucht werden.“ „Da haben Sie völlig recht“, bestätigte Toporkow per Sprechfunk vom Schiff aus. „Unsere Meßgeräte haben während des Gewitters eine ungewöhnliche Ionisierung angezeigt.“ „Alles in Ordnung?“ fragte Melnikow.

„Wenn das Gewitter nicht so schnell aufgehört hätte, wäre wohl nicht alles in Ordnung“, erwiderte Balandin. „Dann wären wir auf Grund gegangen.“ „Das Boot kann nicht sinken“, beruhigte ihn Belopolski trocken.

Zweifellos war die Funkverbindung infolge des Gewitters unterbrochen worden. Die Radiowellen hatten die ionisierte Luft und den elektrisch geladenen Regen nicht durchdringen können.

„Auf der Venus gewittert es dauernd“, sagte Toporkow. „Wir werden häufig Gelegenheit haben, diese sonderbare Erscheinung zu studieren, und wir werden auch das Rätsel des Echos lösen.“ Es gab keine Garantien dafür, daß die Stille lange dauern würde. Jeden Augenblick konnte ein neues Unwetter heraufziehen. Aber niemand dachte daran, an Bord zurückzukehren.

Das Boot setzte seine Fahrt fort, und alle suchten nach einer Stelle, an der man an Land gehen könnte. Aber soviel sie auch umherspähten — nirgends war an eine Landung zu denken. Das Steilufer zeigte sich überall unzugänglich.

Da beugte sich Korzewski, der das Boot steuerte und weniger nach dem Ufer sah, plötzlich weit vor und legte das Ruder hart backbord.

„Was ist los?“ fragte Belopolski.

Wortlos wies der Biologe auf einen Gegenstand, der im Wasser schwamm.

Wtorow hielt die Hand außenbords und zog ein langes, flaches Brett aus dem Wasser.

Es war — ein Lineal mit einer Maßeinteilung.

Die Koralleninsel

Wäre ein fremdes Tier zu den Männern ins Boot gesprungen, hätten sie sich wahrscheinlich nicht so sehr gewundert. Ein Lebewesen war sogar auf der Venus, wo man nicht damit rechnete, hochorganisiertes Leben zu finden, noch etwas Verständliches, denn es konnte hier trotz allem möglicherweise doch existieren.

Aber ein totes Stück Holz, dem ein Unbekannter die Form des vertrauten Meßinstrumentes gegeben hatte — das war ein unwiderleglicher Beweis für das Vorhandensein von Vernunft und völlig unerklärlich. Daß die Schwester der Erde nicht von vernunftbegabten Geschöpfen bevölkert war, schien unwiderleglich bewiesen. Der Planet hatte ein zu extremes Klima, als daß sich Leben hätte entwickeln können, welches dem auf der Erde glich. „SSSR-KS 2“ hatte keine Spuren vernunftgelenkter Tätigkeit und keine Beweise für menschliches Leben auf der“!

Venus gefunden. Die Besatzung von „SSSR-KS 3“ hatte bislang ebenfalls nichts gesehen, was auch nur entfernt an bewußtes Leben erinnerte. Auch die leidenschaftlichsten Optimisten hatten auf der Venus lediglich die Existenz von niederen Formen der Tierwelt für möglich gehalten.

Und da hielt Wtorow nun einen Gegenstand in der Hand, der von einem hohen geistigen Entwicklungsstand zeugte. Ein Holzlineal beweist die Fähigkeit, Holz zu bearbeiten, beweist das Vorhandensein von Werkzeug für eine solche Bearbeitung, beweist mathematisches Können, das Bedürfnis, Körpergrößen zu messen, und folglich einen gewissen Grad wissenschaftlicher Kenntnisse.

„Vielleicht ist ein anderes Raumschiff auf der Venus gewesen?“ äußerte Korzewski mutmaßend.

Ein derartiger Gedanke tauchte bei allen auf, sobald sie sich davon überzeugt hatten, daß sie wirklich ein Lineal und kein Stück Holz vor sich hatten.

Aber was für ein Raumschiff könnte die Venus erreicht haben?

Die Expedition von William Jenkins war noch auf dem Mars.

Sie hatte auf dem Weg dorthin die Venus nicht besuchen können.

Die englischen, französischen und schwedischen Raumschiffe hatten alle auf der Erde geankert, als „SSSR-KS 3“ seine Fahrt antrat, und über den Bau von Raumschiffen in anderen Ländern war nichts bekanntgeworden.

Belopolski nahm Wtorow das Lineal aus der Hand und betrachtete es aufmerksam.

„Das ist nicht auf der Erde gemacht worden“, sagte er. „Die Einteilung entspricht keinem auf der Erde gebräuchlichen Maßsystem. Wir kennen die Maßeinheit nicht, die der Herstellung dieses Instruments zugrunde liegt. Wenn Kosmonauten das Lineal verloren haben, so sind sie nicht von der Erde gekommen.“ Seine Begleiter sahen sich schweigend an.

Nicht von der Erde?!

Hatten etwa Bewohner einer anderen Welt den Planeten besucht? Vielleicht lag ihr Schiff immer noch auf der Venus? Das Lineal schwamm in einer Bucht, in die es die Meereswellen nicht hineingetragen haben konnten. Also befand sich dieses Raumschiff vielleicht ganz in der Nähe.

Alle drehten sich fast gleichzeitig zum Ufer um, als erwarteten sie, aus dem orangeroten Dickicht würde sogleich ein fremdartiges Geschöpf heraustreten, ein Besucher von einem anderen Planeten.

Doch die Umgebung lag unverändert, niemand kam, und nichts rührte sich auf dem steilen Hang.

An Bord des Raumschiffes hatten die Genossen anscheinend diese Unterhaltung mitgehört, aber sie konnten sich kein Bild daraus machen. Melnikow fragte, was vorgefallen sei, und ihm wurde ausführlich berichtet.

Niemand dachte an die weitere Erforschung der Bucht. Das Boot kehrte um. Alle fieberten vor Ungeduld, den überraschenden Fund gründlich zu untersuchen und genau zu bestimmen, woraus er hergestellt war. Das Lineal schien aus Holz zu sein, aber das mußte genau geprüft werden.

Die Prozedur der Einschleusung in das Schiff kam den vier Männern diesmal quälend lang vor.

Sobald sich die Außentüren geschlossen hatten, begann ein Luftfilter zu arbeiten. Die aus der Kammer abgesaugte Luft wurde in einen Doppelbehälter geleitet, der Spiritus nebst einer Beimischung von Schwefelsäure enthielt, und kehrte, nachdem sie noch einen Filter mit aktivierter Kohle durchlaufen hatte, von Formaldehyd gereinigt in die Kammer zurück. Diese Operation dauerte zehn Minuten. Anschließend mußten die Kombinationen, die Helme und die Spezialschuhe ausgezogen und in einen hermetisch verschließbaren Kasten gelegt werden. Dann wurde abermals die Luft fünf Minuten lang gefiltert. Erst nach diesen Vorsichtsmaßnahmen konnten die Türen geöffnet werden und durfte man das Innere des Schiffes betreten.

Die ganze Besatzung versammelte sich im Laboratorium.

Belopolski legte das Lineal auf den Tisch.

Früher waren Meteoriten lange Zeit das einzige gewesen, was an außerirdischen Objekten wissenschaftlich untersucht werden konnte. Seitdem die Epoche der interplanetaren Flüge angebrochen war, hatten die Wissenschaftler auch zahlreiche Objekte anderer Art erhalten: Gesteinsproben, die auf dem Mond gesammelt worden waren, Proben der Flora und Fauna des Mars.

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