Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1964
- Язык: немецкий
- Год: Verlag Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]». Краткое содержание книги:
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
Die Schuhsohlen waren mit Metallplatten benagelt, von denen elastische Drähte zum Anzug führten und am Fuß der Antenne endeten. Die Entfernung zwischen Antenne und Erdleitung, genau ein Millimeter, diente als Spannungsschutz. Der Spezialanzug schützte den Menschen weitgehend davor, vom Blitz getroffen zu werden.
Die Expeditionsmitglieder hatten schon auf der Erde ein Spezialtraining für den Aufenthalt auf der Venus absolviert. Sie hatten bei hoher Temperatur übungsweise gearbeitet. Daher fürchteten sie sich nicht vor der tropischen Hitze, die sie draußen erwartete.
Auch Ultraschalldolche waren nicht vergessen worden, mit denen man leicht und schnell Lianen und andere Hindernisse organischer Natur beseitigen konnte, wenn sie den Weg versperrten; außerdem rüsteten sich die vier Mann mit dicken Tauen und Bergstöcken aus, die zugleich als Elektrovibratoren dienten — sie brauchten bloß durch einen Draht mit der Batterie des Funkgeräts verbunden zu werden. Ebenso wie am Raumanzug war oben am Helm ein kleiner Scheinwerfer angebracht, für den Fall, daß man auf eine dunkle Höhle stieß. Die Nacht drohte nicht so überraschend hereinzubrechen wie auf der Arsena; die Bucht war gerade erst in den Bereich des Tages gerückt, und vor anderthalb Erdenwochen würde es nicht Abend werden.
So ausgerüstet, gingen die vier Sternfahrer in die Luftschleuse.
„Sind die Anzüge in Ordnung?“ fragte Belopolski. „Die Luftzufuhr?“ „Normal“, antworteten alle der Reihe nach.
„Anfrage an die Steuerzentrale! Wie steht‘s mit dem hermetischen Türverschluß?“ „Zeigt Grün“, antwortete Melnikow — er meinte die Farbe des Kontrollämpchens.
„Und die Treppe?“ „Ist ausgefahren.“ „Ich öffne!“ Die zweiflügelige Tür verschwand nach beiden Seiten. Sogar durch das dicke Gewebe der Kombination hindurch spürten die Männer, wie ihnen feuchtheiße Luft entgegenschlug. Eine Dunstwolke wälzte sich in die Schleusenkammer.
Dicht unter dem Ausgang plätscherte das Wasser des Fjordes, in dessen dunkler Tiefe sich verschwommen die Umrisse seltsamer Gebilde, Pflanzen oder Felsenklippen, abzeichneten. Durch den Helm hindurch waren von allen Seiten bald nahe, bald ferne ohrenbetäubende Donnerschläge zu hören. Von Zeit zu Zeit mußten die Männer vor grellen Blitzen, die in der Nähe einschlugen, die Augen schließen. In hundert Meter Entfernung zeichnete sich das ersehnte Ufer ab, ein hoher Steilhang, den malerisch der orangerote Wald krönte.
„Auf der Arsena wären wir mit einem Satz an Land gewesen“, sagte Wtorow.
Niemand antwortete auf die humorige Bemerkung. Voll verhaltener Erregung betrachteten die Sternfahrer stumm die Landschaft, die sich vor ihnen breitete.
Unterhalb der Luftschleuse öffnete sich die Tür eines Hangars, in dem ein Elektro-Motorboot hing. Es hatte ein durchsichtiges Plastedach, das sich beim Einstieg auseinanderschob.
Wtorow setzte die Treppe an, und die vier Mann gingen an Bord des kleinen Wasserfahrzeugs, das bequem acht Passagiere aufnehmen konnte. Vom Steuerpult aus wurden die Haltetrosse gefiert, und das Boot glitt behende ins Wasser.
Sogleich hielt Balandin seine Hand, die in einem dünnen Handschuh steckte, ins Wasser. Er empfand es weder als warm noch als kalt, also glich die Wassertemperatur annähernd der Körpertemperatur des Menschen. Das Thermometer bestätigte dies; es zeigte 37,2 Grad an. Der Professor füllte vorher bereitgestellte Flaschen und verschloß sie sorgfältig mit Glaskorken.
Korzewski übernahm die Aufgaben des Maschinisten. Er schaltete den Motor ein, und das Boot löste sich langsam vom Schiff.
Wtorow spähte emsig durch den Sucher seiner Kamera und filmte den historischen Augenblick: Die erste Expedition auf der Venus bricht auf.
Zwanzig Meter vom Ufer entfernt stoppte das Boot. Das Ufer fiel steil zum Wasser hin ab. Nirgends war eine Stelle zu entdecken, an der man hätte an Land gelangen können. Ganz oben waren die Ränder der gelben Büsche zu sehen, die auch vom Boot aus wie eine dichte, schwammige Masse wirkten. Über ihnen reckten sich die Stämme der Bäume himmelwärts; die Wolken schienen ihre reglosen Wipfel zu berühren.
Blendend hell zuckte ein Blitz auf und schlug am gegenüberliegenden Ufer ein; ohrenbetäubender Donner rollte über den Wald dahin. Die vier Forscher konnten gerade noch das Plastedach zusammenschieben, als auch schon ein ungeheurer Regenguß herniederprasselte. Eine Gewitterfront, wie das Raumschiff sie soeben erst durchflogen hatte, zog über der Bucht herauf und tauchte alles mit Augenblickes Schnelle in völlige Finsternis.
Das Schiff, das Ufer, der Himmel — alles entschwand den Blicken. Die Männer sahen weder das Wasser noch das Boot, sahen einander selber nicht mehr. Sie fühlten nur, wie ihr Boot unter der Last der stürzenden Wassermassen erbebte. Falls das Plastedach dem Ansturm des Wassers nicht standhielt, mußte das Boot augenblicklich untergehen.
Fast gleichzeitig flammten die Scheinwerfer an den Helmen Belopolskis und Balandins auf. Ihr Licht fiel auf gurgelnden, weißen Schaum rings um das Boot und auf die Sturzbäche des Wolkenbruches, der ununterscheidbar mit einem ungestümen Wasserfall verschmolz, der sich dicht neben ihnen von der Höhe des Ufers in die Bucht ergoß.
„Fahren Sie mit dem Boot etwas vom Ufer weg“, sagte Belopolski.
In seiner Stimme schwang nicht die geringste Erregung. Diesen Mann schien die gefahrliche Lage, in die sie geraten waren, nicht im geringsten zu beunruhigen.
Korzewski befolgte die Weisung, das Boot entfernte sich ein großes Stück vom Wasserfall.
„Wenn es uns nur nicht in den Ozean hinaustreibt“, bemerkte Wtorow.
„Hier ist ja kein Wind“, erwiderte Balandin.
„Als wir damals mit,KS 2‘ hierherflogen“, erklärte Belopolski im Ton eines Lektors, „stießen wir auf eine Gewitterfront von eintausend Kilometer Mächtigkeit. Wenn diese hier genauso ist, kann sie ein paar Stunden dauern. Dann müßten wir unter der Bordwand unseres Raumschiffes Schutz suchen.
Wenn es aber nur eine kleine Gewitterfront ist, haben wir sie bald überstanden. Auf der Venus sind die meisten Gewitterfronten nicht groß. Deshalb werden wir lieber vorerst hier bleiben und abwarten.“ „Wird das Plastedach halten?“ „Es ist für solche Belastung berechnet. Wenn es bis jetzt gehalten hat, wird es auch den Rest überstehen. Gefahr droht uns nicht.“ „Warum ruft uns niemand vom Schiff?“ fragte Balandin.
„Das ist doch sehr merkwürdig, Boris Nikolajewitsch!“ sagte er nachdrücklich.
Es erfolgte keine Antwort.
„Vielleicht ist keiner auf der Station“, sagte Korzewski unschlüssig.
„Das ist ganz ausgeschlossen. Genosse Melnikow!“ rief der Professor noch einmal.
Abermals Schweigen.
„Sie hören uns nicht!“ „Sie müssen uns hören!“ Lang anhaltendes Donnergrollen von erschütternder Gewalt unterbrach das Gespräch, als wäre selbst der Himmel der Venus in tausend Stücke zersprungen und wollte sogleich auf das feste Land stürzen. Wie ein märchenschönes Feuerwerk erhellten Dutzende von Blitzen gleichzeitig die Bucht mit flackerndem Licht. Ganz nahe vor dem Boot erhob sich inmitten einer Regenwand der riesenhafte Leib des Raumschiffes, auf dem wie ein feuriges Netz die Flammen von Entladungen zuckten, als ergössen sich nicht die Fluten eines Wasserregens, sondern eines elektrischen Regens auf die Bordwände.
Das Gewitter schien noch heftiger zu werden.
Das Boot begann krampfhaft zu zittern, und die Männer merkten, daß es allmählich tiefer sank. Die wild tosenden und schäumenden Wasser stiegen immer höher an der Bordwand empor, bis gegen den unteren Rand des Plastedaches.
Plötzlich schoß am metallenen Vorsteven eine blaue Flamme empor. Sie ballte sich zu einem leuchtenden Kugelblitz und zerbarst, blaue Funkenkaskaden ins Dunkel sprühend, mit ohrenbetäubendem Gepolter.