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Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]

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Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen.
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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„Hier spricht das Raumschiff … Hier spricht das Raumschiff ‚SSSR-KS 3‘!.. Antworten! Bitte, antworten!.. Ich gehe auf Empfang!“ Ehe die ‚Männer begriffen hatten, was geschehen war, erklang aufs neue, allerdings schon bedeutend leiser, dieselbe Stimme.

„Hier spricht das Raumschiff!.. Hier spricht das Raumschiff ‚SSSR-KS3‘!..“ Das wiederholte sich mehrere Male. Immer leiser.

Dann wurde es still.

Erbleichend griff der Ingenieur instinktiv nach den Stöpseln, sah jedoch im selben Augenblick die Sinnlosigkeit seines Versuches ein, winkte hoffnungslos ab und blickte flehentlich Belopolski an, als könnte der ihm helfen.

In der Funkkabine trat bedrückendes Schweigen ein. Es gab keinen Zweifel — die Erde konnte die Stimme der Venus nicht hören. Die Funkverbindung war abgebrochen. Im Zweikampf zwischen menschlicher Technik und den Naturgewalten hatte diesmal die Natur den Sieg davongetragen. Und obwohl dieser Sieg nur vorübergehend war, fiel es den Menschen schwer, sich damit abzufinden.

Die Möglichkeit, wieder zu starten, die Venusatmosphäre zu verlassen und von jenseits ihrer Grenzen der Erde zu berichten, schied aus. Es war für das Schiff in der schmalen Bucht nicht so einfach, zum Start zu wenden. Die Steilufer und der hundert Meter hohe Wald störten. Es würde viel Zeit kosten, die Gegend in eine Art Raketenstartplatz zu verwandeln, von dem eine Maschine mit den Ausmaßen von „SSSR-KS 3“ starten konnte. Desgleichen war es nicht möglich, die kleinen, an Bord mitgeführten Düsenflugzeuge zu verwenden. Sie waren nicht für große Höhen gebaut und konnten daher die schwere Last der Funkstation sowie die massive Antenne nicht in die oberen Schichten der Atmosphäre befördern.

Es blieb den Männern nichts anderes übrig, als sich dem Schicksal zu beugen. Die Menschen auf der Erde würden von dem Raumschiff nichts wieder hören, bevor nicht die Arbeiten auf der Venus beendet waren und das Schiff die Rückreise angetreten hatte. Freunde und Angehörige waren zu quälender Ungewißheit verdammt.

„Haben Sie die ganze Energie eingeschaltet?“ fragte Belopolski in das Schweigen hinein.

Seine Stimme klang nüchtern und ruhig wie immer. Ihm beleitete anscheinend nur die technische Seite der Frage Sorgen.

„Ja, auch die letzten Reserven.“ Igor Dmitrijewitsch stieß einen schweren Seufzer aus.

Belopolskis Miene verdüsterte sich, aber er sagte nichts mehr.

Alle schwiegen.

Paitschadse machte dem drückenden Schweigen ein Ende.

„Laßt den Kopf nicht hängen, Freunde!“ sagte er. „Die Genossen auf der Erde werden sich schon denken können, warum sie nichts von uns hören. Mit diesem unerfreulichen Umstand haben wir ja schon vorher gerechnet.“ Die Unterbrechung der Funkverbindung konnte diejenigen, die auf der Erde Nachricht von dem Raumschiff erwarteten, tatsachlich nicht sonderlich überraschen. Wie Paitschadse sagte, hatte man schon vor dem Start damit gerechnet. Die Erfahrungen im Funkverkehr zwischen dem Mond und den Erdtrabanten hatten längst gelehrt, daß sich die Radiowellen mitunter sträuben, ionisierte Schichten zu durchlaufen, wie sie in der Atmosphäre durch Sonneneinstrahlung geschaffen werden. Bei verstärkter Sonnentätigkeit war die Verbindung mit den Himmelsstationen ausgefallen. Die Heaviside-Schicht, die sich neunzig bis hundertdreißig Kilometer über der Erdoberfläche befindet, bildet eine schwer durchdringbare Barriere; nur Ultrakurzwellen können sie überwinden und in den interplanetaren Raum gelangen. Und auch diese nur mit Hilfe von Richtantennen. Es galt als wahrscheinlich, daß auf der Venus, die der Sonne bedeutend näher ist als die Erde, die Sonneneinstrahlung noch weitaus aktiver war und in der dortigen Atmosphäre eine mächtige ionisierende Schicht bildet, die sogar für Ultra-Hochfrequenzwellen unüberwindlich sein konnte — trotz der ganzen Kraft der Generatoren, die „SSSR-KS 3“ mit sich führte. Manche, besonders Toporkow, glaubten, es würde dennoch glücken, aber die Skeptiker hatten recht behalten. Als die Radiowellen auf die unsichtbare Hülle stießen, mit der die Sonne die Schwester der Erde umgibt, wurden sie, kaum daß sie die Antenne des Raumschiffes verlassen hatten, auf die Venus zurückgeworfen, die sie abermals hinaufstrahlte. So umkreisten die Wellen, allmählich schwächer werdend, mehrmals den ganzen Planeten, bis die Energie erschöpft war.

Jedesmal, wenn das Radioecho die Antenne des Schiffes wieder erreichte, gab es das nicht beförderte Radiogramm zurück.

„Eins verstehe ich nicht“, sagte Toporkow, als er mit Belopolski allein war, „wie ist es zu erklären, daß wir das Echo so gut hören konnten? Die Laute hätten doch ineinanderfließen und das eine Echo hätte sich mit dem anderen mischen müssen.

Der Umfang der Venus beträgt doch bloß siebenunddreißigtausend Kilometer. Um diese Strecke zurückzulegen, braucht die Radiowelle eine zehntel Sekunde.“ „Darüber habe ich mir auch sofort Gedanken gemacht“, antwortete Belopolski. „Offenbar kommen die Radiowellen in der Atmosphäre der Venus sehr langsam vorwärts. Das ist ein neues Rätsel, das wir lösen müssen. Es mag Sie darüber hinwegtrösten, daß wir nicht mit der Erde sprechen können.“ „Aber wäre es nicht möglich …“ „Nein!“ entgegnete Belopolski schroff. „Wir dürfen nicht daran denken. Das Schiff darf jetzt nicht gestartet werden. Wir werden jeden Tag Radiogramme zur Erde schicken. Vielleicht gelingt es, durch glückliche Umstände trotzdem noch aus der Gefangenschaft auszubrechen.“ „Meinen Sie, die sitzen die ganze Zeit am Empfänger?“ Belopolski warf einen Blick auf Toporkow und verließ, ohne auf die Frage zu antworten, achselzuckend die Kabine.

Er hat recht, sagte sich der Ingenieur im stillen. Ich habe eine törichte Frage gestellt.

Die Unterbrechung der Funkverbindung war für die Menschen auf der Erde bedeutend qualvoller als für die Sternfahrer, die ja wußten, daß es auf der Erde kaum überraschende Zwischenfälle geben würde, für die Erde aber konnte das Schweigen des Schiffes bedeuten, daß auf der Venus eine Katastrophe eingetreten war. Waren bislang in der Funkstation die Empfänger nur zu den vereinbarten Stunden besetzt, wurde nun pausenlos gewacht. Anders konnte es nicht sein.

Sobald Andrejew das Ergebnis seiner Analyse ermittelt und Belopolski mitgeteilt hatte, konzentrierten sich aller Gedanken aiif die Entsendung der ersten Erkundungsgruppe. Aus Vorsicht sollte sie nur aus vier Mann bestehen: Belopolski, Balandin, Korzewski und natürlich Wtorow mit seiner Filmkamera.

Die Luftanalyse war wenig trostreich. Es gab so viel Kohlensäure und Formaldehyd, daß von einem Aussteigen ohne Atemmaske nicht die Rede sein konnte.

Die Temperaturmessung der Außenluft während des Fluges hatte unterschiedliche Ergebnisse erbracht. Von vierzig bis zu zweiundneunzig Grad über Null. An der Oberfläche der Bucht zeigte das Thermometer dreiundfünfzig Grad Wärme an. Wahrscheinlich würde die Temperatur im Laufe des Tages steigen, aber vorläufig konnten die Männer noch ohne ihre Kühlanzüge auskommen.

Belopolskis Gruppe sollte die Ufer untersuchen und feststellen, ob ein Geländewagen eingesetzt werden könnte, außerdem sollte sie die eigentümliche Vegetation ergründen.

Die Atemmasken, die eigens für den Aufenthalt in der Venusatmosphäre nach einem kombinierten Filter- und Isolierverfahren konstruiert worden waren, boten ausreichenden Schutz. Ein Filter aus dem Salz des schwefelsauren Natrons reinigte die Luft von Kohlenoxydgasen und Formaldehyd. Ein Behälter, den jeder Forscher auf dem Rücken trug, reicherte die Luft außerdem mit Sauerstoff an, der jedoch dank diesem Verfahren in verhältnismäßig geringer Menge gebraucht wurde.

Der Helm war eine durchsichtige Quarzhaube, die hermetisch mit dem Kragen der Kombination abschloß. In den Helm waren ein Mikrofon, ein Lautsprecher sowie eine winzige automatische Apparatur zum Luftgeben und zur Ableitung der Atemrückstände eingebaut.

Eine Miniaturfunkstation trug jeder am Gürtel, eine starre Antenne auf dem Rücken neben dem Sauerstoffbehälter. Sie war absichtlich ziemlich lang gehalten und endete über dem Kopf.

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