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Untot

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Aus dem Amerikanischen übertragen von Angelika Weidmann
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Tränen rannen über das stille, ausdruckslose Gesicht des Mannes.

Mrs. Dorsay schrie auf, unfähig, ihre Kontrolle zu bewahren, und fuhr fort, in den Armen mehrerer Frauen, die hinzugeeilt waren, um sie zu trösten, verzweifelt zu schluchzen. Plötzlich flog die Eingangstüre auf und donnerte krachend gegen die Wand. Ein kleiner Junge stand auf der Schwelle, aufgeregt und außer Atem. Sein Blick fand Reverend Michaels als das Symbol der Autorität. »Er ist abgestürzt!« schrie er. »Der Bus! Er hat sich überschlagen! Ich war ganz in der Nähe! Er ist in den Abgrund gestürzt! Sie sind alle tot... glaube ich!« Die versammelten Trauergäste schrien alle gleichzeitig durcheinander. Ein Mann packte den Jungen bei den Schultern und schüttelte ihn, um mehr zu erfahren. »Wo ist es passiert? Wann?« brüllte er.

»An der Kreuzung. Vor ein paar Minuten. Der Bus geriet ins Schleudern und stürzte die Böschung hinunter«, erklärte der Junge atemlos.

Reverend Michaels machte ein strenges Gesicht. Er brüllte um Ruhe in der Versammlung. Die Trauergäste wandten sich ihm zu und erwarteten seine Anweisungen. Sie brauchten die Autorität seiner Stimme, auch wenn sie alle längst wußten, was er ihnen sagen würde. Wenn es Leichen bei dem Unfall gegeben hatte, und wenn andere ihren Verletzungen später erliegen würden, mußten ihnen die Bolzen in den Schädel getrieben werden, um sicherzugehen, daß der Frieden des Todes endgültig und vollständig sei, wie Gott, der Herr, es befohlen hatte.

»Ihr wißt alle, was zu tun ist«, verkündete Reverend Michaels feierlich. »Aber wir müssen uns beeilen. Es bleibt nicht viel Zeit.«

Die Trauergemeinde setzte sich in Bewegung, die Leute drängten und schoben sich aus dem Zimmer. Einige der Männer trugen Beutel mit langen Metallbolzen und Hämmern, die zum Symbol des Todes geworden waren und die man häufig zu Beerdigungen mitnahm. Andere hatten sich angewöhnt, diese Gegenstände immer im Auto bei sich zu führen.

Bert Miller wandte sich zu seinen Töchtern. Ann hatte ihr Gesicht völlig verängstigt in den Händen vergraben. Sie drückte sich an die Wand, als ihr Vater auf sie zuging. »Ich will nicht mitgehen!« schrie sie voller Verzweiflung und wich vor ihrem Vater zurück.

Bert packte ihr Handgelenk und schüttelte sie so, daß sie ihren Kopf heben und ihm in die Augen schauen mußte. »Du kommst mit! Und Sue Ellen auch! Die einzige, die nicht mitkommt, ist Karen! Und nur, weil sie schwanger ist. Sie bleibt hier und wartet, bis wir zurück sind!« Die anderen waren schon hinausgeeilt. Ann und Sue Ellen wurden von ihrem Vater nach draußen geschoben. Karen schaute ihnen verängstigt und zitternd nach.

Auszug aus einer Bürgerschutz-Radiosendung während des Notstands, der vor zehn Jahren in der ganzen Osthälfte der Vereinigten Staaten herrschte:

»... neueste Berichte informieren uns, daß sich die Invasion, die erst vor vierundzwanzig Stunden bekannt geworden ist, tatsächlich über den größten Teil der östlichen Vereinigten Staaten ausgebreitet hat. Medizinische und wissenschaftliche Berater sind ins Weiße Haus geladen worden, und Reporter berichten aus Washington, daß der Präsident plant, die Ergebnisse dieser Konferenz in einer Ansprache an die Nation über unser Bürgerschutz-Notstands-Rundfunknetz zu veröffentlichen...

... Die fremdartigen Wesen, die in alarmierender Zahl aufgetaucht sind, scheinen gewisse, vorhersagbare Verhaltensmuster an den Tag zu legen. In den wenigen Stunden nach den ersten Nachrichten über Gewalttaten, Morde und offenbar krankhafte Angriffe auf das Leben von völlig ahnungslosen Menschen wurde festgestellt, daß die fremden Wesen viele körperlich und verhaltensmäßig menschliche Eigenheiten aufweisen. Hypothesen über ihre Herkunft und ihre Absichten sind bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt so unterschiedlich und widersprüchlich, daß uns nur zu berichten bleibt, daß diese Faktoren bislang nicht erklärt werden können. Wissenschaftler und Ärzte untersuchen gegenwärtig mehrere Leichen von diesen Angreifern auf Hinweise, welche die vorhandenen Theorien widerlegen oder bestätigen. Die überwältigendste Tatsache ist, daß sich diese Geschöpfe sowohl in städtischen als auch ländlichen Gebieten über die ganze Osthälfte der Nation in unterschiedlicher Zahl ausbreiten, und wenn sie sich in Ihrem Gebiet noch nicht manifestiert haben sollten: Bitte treffen Sie sämtliche verfügbaren Vorsichtsmaßnahmen! Der Angriff kann jederzeit erfolgen, überall und ohne jede Vorwarnung! Hier noch einmal die wichtigsten Fakten aus unseren vorangegangenen Berichten: Eine aggressive Macht -eine Armee - unerklärter, unidentifizierter humanoider Wesen ist aufs Geratewohl in verschiedenen städtischen und ländlichen Gebieten in allen Oststaaten aufgetaucht. Diese Wesen sind absolut aggressiv und vernunftwidrig in ihrer Gewalttätigkeit. Bürgerschutzmaßnahmen sind eingeleitet worden, und Untersuchungen über Herkunft und Ziel der Angreifer sind im Gange. Alle Bürger werden dringend gebeten, die größtmöglichen Vorsichtsmaßnahmen zur Selbstverteidigung gegen diese heimtückische, fremde Macht wahrzunehmen. Diese Wesen sind körperlich ziemlich schwach und lassen sich wegen ihres verunstalteten Äußeren leicht von Menschen unterscheiden. Im allgemeinen sind sie unbewaffnet, doch können sie wahrscheinlich Waffen handhaben. Sie sind ohne irgendeinen Grund oder Plan aufgetaucht, ungleich organisierten Armeen, wie wir sie kennen. Sie erwecken den Eindruck, von Verzückung oder Besessenheit getrieben zu sein. Sie scheinen völlig irrational zu handeln. Sie können - ich wiederhole - sie können aufgehalten werden, indem sie bewegungsunfähig gemacht werden! Sie können durch Blendung oder Verstümmelung aufgehalten werden. Sie sind, denken Sie daran, körperlich schwächer als ein durchschnittlicher Erwachsener - aber ihre Stärke besteht in ihrer Überzahl, dem Überraschungseffekt und in der Tatsache, daß ihre Existenz jenseits unseres gewohnten Verstehens liegt. Sie scheinen irrationale, unkommunikative Wesen zu sein und müssen eindeutig als äußerst gefährliche Bedrohung angesehen werden, die uns in eine ernste Notstandssituation versetzt. Wenn man ihnen begegnet, ist ihnen auszuweichen oder man muß sie vernichten. Unter gar keinen Umständen sollten Sie oder Ihre Familienmitglieder allein oder unbeaufsichtigt bleiben, solange diese Bedrohung anhält.

... Diese Wesen sind Fleischfresser! Sie verzehren das Fleisch ihrer Opfer. Charakteristisch für ihre Attacken ist ihr hinterhältiges, wahnsinniges Verlangen nach menschlichem Fleisch. Ich wiederhole: Diese fremden Wesen ver-zehren das Fleisch ihrer menschlichen Opfer...«

Sheriff Conan McClellan schlürfte seinen Morgenkaffee in seinem Büro, als die Nachricht von dem verunglückten Bus über den Polizeifunk eintraf. Er kannte die Kreuzung und die Böschung, wo der Bus dem Bericht zufolge abgestürzt war. Die Meldung erwähnte nichts von einem Feuer, und die Böschung war nicht sehr tief. Je nach der Geschwindigkeit, mit welcher der Bus über den Straßenrand geraten war, und je nachdem, ob er eine Kollision mit den großen Bäumen hatte verhindern können, ehe er zum Stillstand gekommen war, konnte es Überlebende geben.

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