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Mary Poppins [с иллюстрациями]

Электронная книга - «Mary Poppins [с иллюстрациями]». Краткое содержание книги:

P. L. TRAVERS MARY POPPINS BUCHGEMEINSCHAFTS-AUSGABE Titel des Originals: Mary Poppins Berechtigte Übertragung aus dem Amerikanischen von Elisabeth Kessel Illustrationen von Emanuela Delignon
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Maja stellte sich leicht auf die Fußspitzen, hob ihre Arme empor und sprang in die Luft. Dann begann sie zu steigen, Schritt für Schritt, immer höher hinauf, als wären unsichtbare Stufen in den Himmel geschlagen. Sie winkte den Zurückbleibenden zu, während sie weiter stieg, und die drei winkten zurück.

»Was ist denn hier los?« fragte jemand neben ihnen.

»Das ist doch wohl nicht möglich!« ertönte eine andere Stimme.

»Unglaublich!« eine dritte. Plötzlich hatte sich eine Menschen-menge angesammelt, die das wunderbare Schauspiel von Majas Heimkehr genoß.

Ein Polizist bahnte sich einen Weg durchs Gedränge und trieb die Leute mit seinem Knüppel auseinander.

»Aber, aber! Was bedeutet das alles? Ein Unfall oder was?«

Er schaute nach oben, dem Blick der Menge folgend.

»He!« rief er wütend und drohte Maja mit der Faust. »Komm 'runter! Was machst du da oben? Hältst nur den Verkehr auf. Komm 'runter! So was ist nicht gestattet — nicht auf einem öffentlichen Platz. Und es geht auch nicht mit rechten Dingen zu!«

Ganz von fern hörten sie Maja lachen und sahen etwas Helles von ihrem Arm herabbaumeln. Es war das Sprungseil. Sicherlich war das Paket aufgegangen.

Noch einen Augenblick sahen sie sie die luftige Treppe hinauftänzeln, dann entzog eine Wolkenwand sie ihren Augen. Sie wußten trotzdem, daß sie sich dahinter befand. Der helle Schein verriet es, der durch die Wolkenwand brach.

»Jetzt schlägt's dreizehn!« sagte der Schutzmann. Er starrte immer noch zum Himmel hinauf und kratzte sich den Kopf unterm Helm.

»Das könnte schon sein!« sagte Mary Poppins so bissig, daß man hätte glauben können, sie ärgere sich über den Schutzmann. Aber Jane und Michael ließen sich durch den Tonfall nicht täuschen. Sie hatten in ihren Augen etwas glänzen gesehen: Hätte sich's nicht um Mary Poppins gehandelt, so hätte man es Tränen genannt.

»Haben wir uns das alles nur eingebildet?« fragte Michael, als sie heimkamen und die ganze wunderbare Geschichte ihrer Mutter erzählten.

»Vielleicht«, meinte Mistreß Banks. »Wir bilden uns oft recht seltsame Dinge ein, mein Liebling.«

»Aber was ist dann mit Mary Poppins' Handschuhen?« fragte Jane. »Wir haben doch gesehen, daß sie sie Maja geschenkt hat. Und jetzt hat sie sie nicht mehr. Also muß es doch wahr sein!«

»Was, Mary Poppins!« rief Mistreß Banks. »Deine besten

Handschuhe, die mit dem Pelzbesatz! Die hast du weggeschenkt?« Mary Poppins schnüffelte.

»Meine Handschuhe sind meine Handschuhe, und ich mache mit ihnen, was ich will!« erklärte sie von oben herab. Sie rückte ihren Hut gerade und ging in die Küche hinunter, um Tee zu trinken.

12. Kapitel. Westwind

Es war der erste Frühlingstag.

Jane und Michael wußten es sofort, als sie Mister Banks in seiner Badewanne singen hörten. Es gab nur einen Tag im Jahr, an dem er das tat.

Nun, an diesen Morgen würden sie sich ihr Lebtag erinnern. Zunächst durften sie zum erstenmal mit den Erwachsenen frühstücken — und dann konnte Mister Banks seine schwarze Mappe nicht finden.

»Wo ist meine Mappe?« rief Mister Banks und raste in der Diele herum wie ein Hund auf der Jagd nach seinem Schwanz.

Gleich darauf suchte das ganze Haus — Ellen und Mistreß Brill und die Kinder. Sogar Robertson Ay machte eine außergewöhnliche Anstrengung und rannte zweimal durch alle Räume. Schließlich entdeckte Mister Banks die Mappe in seinem Arbeitszimmer. Er stürzte damit in die Diele. In hocherhobenen Händen hielt er sie den andern entgegen.

»Hört!« sagte er, als wollte er eine Rede halten. »Meine Mappe liegt immer am selben Platz, nämlich hier! Auf dem Schirmständer! — Wer hat sie ins Arbeitszimmer gelegt?« fragte er wütend.

»Du selbst, mein Lieber, als du gestern abend die Papiere für die Einkommensteuer herausnahmst«, sagte Mistreß Banks.

Mister Banks warf ihr einen so tief verletzenden Blick zu, daß sie wünschte, sie wäre weniger taktlos gewesen und hätte gesagt, sie selbst habe sie dorthin gelegt.

»Hm — hmmmm!« machte er und schneuzte sich gründlich die Nase. Dann nahm er seinen Mantel vom Haken und ging zur Eingangstür.

»Hallo, die Papageientulpen haben angesetzt«, sagte er ein wenig versöhnlicher. Er ging in den Garten hinaus und schnup-perte in der Luft. »Hm, ich glaube, der Wind kommt vom Westen.« Er blickte zu Admiral Booms Haus hinunter, wo die Fernrohr-Wetterfahne kreiste. »Hab ich mir's doch gedacht«, sagte er. »Westwind! Lind und warm. Ich werde keinen Mantel anziehen.« Damit nahm er seine Mappe und fuhr zur Stadt.

»Hast du gehört, was er gesagt hat?« Michael packte Jane am Arm.

Sie nickte. »Es ist Westwind«, sagte sie langsam.

Weiter verloren sie darüber kein Wort, aber ein Gedanke hatte sich in ihnen geregt, den sie schleunigst wieder zu unterdrücken suchten. Tatsächlich vergaßen sie ihn bald wieder, denn alles schien wie immer, und die Frühlingssonne machte das Haus so wunderbar hell, daß es keinem mehr einfiel zu behaupten, es brauche einen neuen Anstrich und neue Tapeten. Ganz im Gegenteil, sie waren alle der Ansicht, es sei das schönste Haus am Kirschbaumweg.

Aber das Unheil begann nach dem Mittagessen.

Jane war unten im Garten, um Robertson Ay zu helfen. Eben hatte sie eine Reihe Radieschen gesät, als sie im Kinderzimmer Lärm hörte und auf der Treppe den Klang von eiligen Schritten. Gleich darauf erschien Michael, keuchend und mit hochrotem Gesicht.

»Sieh doch, Jane!« rief er und hielt ihr seine Hand hin.

Da lag Mary Poppins' Kompaß! Die Scheibe drehte sich wild um den Pfeil, weil Michael aufgeregt mit der Faust hin und her fuchtelte.

»Der Kompaß?« fragte Jane erstaunt.

Michael brach in Tränen aus.

»Sie hat ihn mir geschenkt«, schluchzte er, »und gesagt, ich könne ihn jetzt ganz für mich behalten. Oh, oh, da kann etwas nicht stimmen! Noch nie hat sie mir etwas geschenkt!«

»Vielleicht hat sie nur nett sein wollen«, sagte Jane, um ihn zu beruhigen. Aber im Herzen fühlte sie sich genauso verstört wie Michael. Sie wußte wohl, daß Mary Poppins auf Nettsein keine Zeit verschwendete.

Und doch entfuhr Mary Poppins seltsamerweise an diesem Nachmittag kein unwirsches Wort. Sie sah nachdenklich aus, und wenn man sie etwas fragte, antwortete sie völlig geistesabwesend. Schließlich konnte es Michael nicht länger ertragen.

»Ach, sei doch wieder ärgerlich, Mary Poppins! Bitte, sei doch wieder ärgerlich! Du bist so anders als sonst! Oh, mir ist so bang!« Wirklich, es drückte ihm das Herz ab, weil er spürte, im Kirschbaumweg Nummer 17 ist etwas Unvorhergesehenes im Gang.

»Mach dir Sorgen, dann hast du welche!« sagte Mary Poppins mit ihrer altgewohnten Stimme. Und gleich fühlte er sich besser.

»Vielleicht ist es nur so ein dummes Gefühl«, sagte er zu Jane. »Vielleicht ist alles in Ordnung, und ich bilde es mir nur ein — meinst du nicht, Jane?«

»Wahrscheinlich«, sagte Jane langsam. Aber auch sie war nachdenklich, und ihr Herz war schwer wie Blei.

Der Wind wurde gegen Abend stärker und blies in Stößen ums Haus. Er fuhr fauchend und pfeifend durch den Kamin, schlüpfte durch die Ritzen unter den Fenstern und wirbelte im Kinderzimmer die Ecken des Teppichs hoch.

Mary Poppins brachte ihnen das Nachtessen und legte sauber und ordentlich ihre Sachen zusammen. Dann räumte sie das Kinderzimmer auf und setzte den Wasserkessel auf den Rost am Kamin.

»So!« sagte sie und schaute sich im Zimmer um, ob auch alles in Ordnung sei. Schweigend blieb sie noch einen Augenblick stehen. Dann legte sie Michael sacht eine Hand auf den Kopf und die andere auf die Schulter. »So!« wiederholte sie. »Ich bringe Robertson Ay nur schnell noch die Schuhe zum Putzen. Seid schön brav, bis ich wieder zurück bin!« Damit ging sie hinaus und machte leise die Tür hinter sich zu.

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