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Mary Poppins [с иллюстрациями]

Электронная книга - «Mary Poppins [с иллюстрациями]». Краткое содержание книги:

P. L. TRAVERS MARY POPPINS BUCHGEMEINSCHAFTS-AUSGABE Titel des Originals: Mary Poppins Berechtigte Übertragung aus dem Amerikanischen von Elisabeth Kessel Illustrationen von Emanuela Delignon
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Auch Mary Poppins stand auf, verneigte sich feierlich vor der Brillenschlange und lief, ohne den Kindern auch nur einen Blick zu schenken, auf das große Viereck mitten im Zoo zu.

»Du kannst auch gehen«, sagte die Brillenschlange zum Braunbären, der, die Mütze in der Hand, eine demütige Verbeugung machte und lostrabte, dorthin, wo alle anderen Tiere sich um Mary Poppins scharten.

»Wollt ihr mit mir kommen?« fragte die Brillenschlange Jane und Michael freundlich. Und ohne eine Antwort abzuwarten, glitt sie zwischen die beiden und wies sie mit einem Blähen ihrer Haube an, neben ihr zu gehen.

»Es hat angefangen!« sagte sie und zischelte vergnügt.

Das laute Geschrei, das jetzt vom Rasenplatz herüberklang, verriet den Kindern, daß sie die große Kette meinte. Im Näherkommen hörten sie die Tiere singen und rufen, und dann sahen sie, wie sich Leoparden und Löwen, Biber, Kamele, Bären, Kraniche, Antilopen und viele andere um Mary Poppins im Kreis aufstellten. Dann setzte der Kreis sich langsam in Bewegung. Die Tiere sangen laut ihre Urwaldlieder, hüpften im Reigen hin und her und reichten einander, wie bei der großen Kette im Lancier, im Vorbeitanzen abwechselnd Hände und Flügel.

Eine kleine, piepende Stimme hob sich hell aus den übrigen:

»Oh, Mary, Mary,

Was Bess'res gab's nie,

Gab's nie und nie und nimmermehr!«

Und sie sahen den Pinguin herantanzen, der mit seinen kurzen Flügeln wedelte und begeistert aus vollem Halse sang. Auch er sah die Kinder, verbeugte sich vor der Schlange und rief:

»Es ist mir gelungen — habt ihr mein Lied gehört? Natürlich ist es noch nicht vollkommen, >gab's nie< reimt sich nicht genau auf Mary. Aber es geht, es geht!« und er hüpfte davon, um einem Leoparden seinen Flügel anzubieten.

Jane und Michael sahen dem Reigen zu, die Schlange blieb schweigend und unbeweglich zwischen ihnen. Als ihr Freund, der Löwe, beim Vorübertanzen sich bückte, um den Flügel eines brasilianischen Fasans in seine Pranke zu nehmen, versuchte Jane scheu, ihrer Verwunderung Ausdruck zu geben.

»Ich dachte, sehr verehrte...«, begann sie und zögerte verwirrt, ungewiß, ob sie sprechen dürfe oder nicht.

»Sprich, mein Kind. Was dachtest du?«

»Nun — daß Löwen und Vögel, und Tiger und kleine Tiere ...«

Die Schlange half ihr. »Du dachtest, sie seien von Natur Feinde, und der Löwe könne keinem Vogel begegnen, ohne ihn zu fressen. Und der Tiger keinem Hasen — nicht?«

Jane wurde rot und nickte.

»Da magst du recht haben. So etwas gibt es. Aber nicht am Geburtstag! Heut nacht sind die Kleinen sicher vor den Großen, und die Großen beschützen die Kleinen. Selbst ich —«, die Schlange hielt inne, um, wie es schien, tief nachzudenken. »Selbst ich kann bei dieser besonderen Gelegenheit einer Ringelgans begegnen, ohne Appetit zu verspüren. Und wenn man's richtig überlegt«, fuhr sie fort und züngelte beim Sprechen mit ihrer schrecklichen, gespaltenen, kleinen Zunge, »so ist Fressen und Gefressenwerden vielleicht dasselbe. Erfahrung lehrte mich, daß es wahrscheinlich so ist. Wir sind alle aus dem gleichen Stoff gemacht, vergiß es nicht, wir aus dem Dschungel und ihr aus der Stadt. Wir bestehen aus dem gleichen Stoff — der Baum über uns, der Stein neben uns, der Vogel, das Tier, der Stern — wir alle sind eins und gehen demselben Ende entgegen. Denke daran, mein Kind, auch wenn du mich längst vergessen hast!«

»Aber wie kann ein Baum gleich einem Stein sein? Ein Vogel ist nicht wie ich. Jane ist kein Tiger!« sagte Michael beherzt.

»Meinst du?« fragte die zischelnde Stimme der Schlange. »Schau hin!« Und sie wies mit dem Kopf auf die hüpfenden Tiere.

Die Vögel und alle anderen Tiere schwenkten nun ein, und die Kette zog sich um Mary Poppins zusammen, die sich leicht hin und her wiegte. Sich öffnend und wieder schließend bewegte sich die schwingende Kette, vor und zurück, wie ein Uhrpendel. Selbst die Bäume bogen und hoben sich sanft, und der Mond schien am Himmel zu schaukeln wie ein Schiff auf dem Meer.

»Vogel und Tier, Stein und Stern — wir alle sind eins, alle eins .. .«, murmelte die Schlange und glättete sanft ihre Haube, während sie selbst zwischen den Kindern hin und her schwang.

»Kind und Schlange, Stern und Stein — alles eins.«

Die zischelnde Stimme wurde leiser, das Geschrei der tanzenden Tiere ließ nach und verstummte. Während Jane und Michael zuhörten, war ihnen, als schaukelten sie selber leise . . .

Ein weicher, gedämpfter Lichtschimmer fiel auf ihr Gesicht.

»Schlafen und träumen — beides zugleich«, sagte eine flüsternde Stimme. War es die Stimme der Schlange? Oder die ihrer Mutter, die sie zudeckte bei ihrem gewohnten nächtlichen Besuch im Kinderzimmer?

»Gut!« War das des Braunbären verdrießliche Stimme oder die Mister Banks'?

Jane und Michael, weiter schaukelnd und schwingend, wußten es nicht. . . wußten es nicht.

»Ich hatte heute nacht einen seltsamen Traum!« sagte Jane beim Frühstück, während sie Zucker über ihren Haferbrei streute. »Mir träumte, wir waren im Zoo, und Mary Poppins hatte Geburtstag, statt der Tiere steckten Menschen in den Käfigen, und die Tiere selbst waren alle frei...«

»Was? Das ist mein Traum! Das hab ich geträumt!« rief Michael und sah ganz erstaunt aus.

»Wir können nicht beide dasselbe geträumt haben!« sagte Jane. »Weißt du's bestimmt? Erinnerst du dich noch an den Löwen, der seine Mähne hatte dauerwellen lassen, an den Seehund, der wollte, daß wir ...«

»Nach Orangenschalen tauchen?« unterbrach Michael. »Natürlich erinnere ich mich! Und an die kleinen Kinder im Käfig, und an die Schlange ...«

»Dann kann es kein Traum gewesen sein!« sagte Jane. »Es muß wahr gewesen sein. Und wenn es das war...« Sie blickte fragend auf Mary Poppins, die gerade die Milch abkochte und fragte: »Mary Poppins, können Michael und ich dasselbe geträumt haben?«

»Ihr und eure Träume!« sagte Mary Poppins. »Iß lieber deinen Haferbrei, oder du bekommst keinen Toast mit Butter!«

Aber Jane wollte sich nicht abweisen lassen. Sie mußte es wissen.

»Mary Poppins«, sagte sie und blickte sie eindringlich an, »warst du gestern nacht im Zoo?«

Mary Poppins sperrte vor Verblüffung den Mund auf.

»Im Zoo? Ich im Zoo — bei Nacht?! Ich? Eine ruhige, ordentliche Person, die weiß, was sich schickt und was nicht —?«

»Du warst also wirklich nicht dort?« bestand Jane auf der Antwort.

»Gewiß nicht. Was für ein Einfall! Ich wäre dir dankbar, wenn du jetzt deinen Haferbrei essen und keinen Unsinn mehr reden wolltest.«

Jane goß sich Milch ein.

»Dann muß es also doch ein Traum gewesen sein.«

Aber Michael starrte offenen Mundes auf Mary Poppins, die jetzt über der Flamme Brot röstete.

»Jane«, wisperte er mit überkippender Stimme, »Jane, sieh doch!« Er streckte den Finger aus, und nun sah auch Jane, was er anstarrte.

Um ihre Taille trug Mary Poppins einen Gürtel aus goldener, geschuppter Schlangenhaut, und auf ihm stand in runder, ge-schlängelter Schrift:

»Ein Geschenk vom Zoo!«

11. Kapitel. Weihnachtseinkäufe

»Es riecht nach Schnee!« sagte Jane, als sie aus dem Omnibus stiegen.

»Ich rieche Christbaumduft!« sagte Mary Poppins. Dann blieb keine Zeit mehr, noch irgend etwas zu riechen, denn der Bus hielt vor dem größten Kaufhaus der Welt, wo sie hinwollten, um ihre Weihnachtseinkäufe zu machen.

»Dürfen wir nicht erst die Schaufenster ansehen?« fragte Michael und hüpfte aufgeregt von einem Fuß auf den andern.

»Ich habe nichts dagegen«, sagte Mary Poppins mit überraschender Milde. Jane und Michael waren von soviel Güte nicht etwa überrascht. Sie wußten ja, für Mary Poppins gab es nichts Schöneres auf der Welt, als in Schaufenster zu gucken. Sie wußten auch, daß Mary Poppins nichts anderes sah als ihr eigenes Spiegelbild, während sie selbst Spielsachen und Bücher, Stechpalmenzweige und Rosinenkuchen entdeckten.

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