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Mary Poppins [с иллюстрациями]

Электронная книга - «Mary Poppins [с иллюстрациями]». Краткое содержание книги:

P. L. TRAVERS MARY POPPINS BUCHGEMEINSCHAFTS-AUSGABE Titel des Originals: Mary Poppins Berechtigte Übertragung aus dem Amerikanischen von Elisabeth Kessel Illustrationen von Emanuela Delignon
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»Das ist alles ganz verrückt!« seufzte Jane. »Wer hat wohl Geburtstag?«

»Nun, ihr beiden, kommt schon, kommt schon! Sicher wollt ihr eure Aufwartung machen, weil ja Geburtstag ist, und überhaupt!« sagte hinter ihnen eine Stimme. Als sie sich umdrehten, sahen sie den Braunbären, der ihnen am Eingang die Billetts gegeben hatte.

»O natürlich!« sagte Jane. Ihr schien es am sichersten, darauf einzugehen, obwohl sie nicht im mindesten wußte, wem sie ihre Aufwartung machen sollten.

Der Braunbär legte einen Arm um jedes der Kinder und schob sie vorwärts. Sie spürten sein warmes, weiches Fell an ihrer Haut und hörten das Brummen, das beim Sprechen aus seinem Magen heraufdrang.

»Da sind wir! Da sind wir!« Der Braunbär hielt vor einem kleinen Haus, dessen Fenster alle so hell erleuchtet waren, daß man, wäre nicht gerade Vollmond gewesen, hätte meinen können, die Sonne schiene. Der Bär machte die Tür auf und schob die beiden Kinder sacht hinein.

Zuerst waren sie von dem Licht geblendet, aber bald gewöhnten sich ihre Augen daran, und sie sahen, daß sie im Schlangenhaus standen. Alle Käfige waren offen und die Schlangen herausgekrochen — die einen lagen zu großen, schuppigen Klumpen zusammengerollt, andere wiederum glitten lautlos über den Boden. Und mitten unter den Schlangen saß auf einem Klotz, den man anscheinend aus einem Käfig geholt hatte, Mary Poppins. Jane und Michael trauten kaum ihren Augen.

»Geburtstagsgäste, Madam!« meldete der Bär respektvoll.

Die Schlangen wandten neugierig ihre Köpfe nach den Kindern. Mary Poppins rührte sich nicht. Aber sie sprach!

»Darf ich fragen, wo du deinen Mantel gelassen hast?« sagte sie und sah Michael verdrießlich, aber keineswegs überrascht an. »Und du deinen Hut und die Handschuhe?« fuhr sie bissig auf Jane los. Aber ehe eines von ihnen antworten konnte, ging eine Bewegung durchs Schlangenhaus!

»Hsssst! Hsssst!«

Mit leisem Zischeln richteten sich die Schlangen auf und verneigten sich vor jemand hinter Janes und Michaels Rücken. Der Braunbär nahm seine Schirmkappe ab. Und langsam stand auch Mary Poppins auf.

»Mein liebes Kind! Mein sehr geliebtes Kind!« sprach eine leise, zart zischelnde Stimme. Und aus dem größten Käfig kroch mit langsamen, weich schlängelnden Bewegungen eine Brillenschlange. Sie glitt in anmutigen Bogen an den sich verneigenden Schlangen und an dem Braunbären vorbei auf Mary Poppins zu. Und als sie sie erreicht hatte, richtete sie ihren langen, goldenen Leib auf, blähte ihre goldene, schuppige Haut und küßte sie zärtlich erst auf die eine, dann auf die andere Wange.

»So!« zischelte sie sanft. »Das ist eine Freude — wirklich eine große Freude. Es ist lange her, seit dein Geburtstag auf einen Vollmond fiel, meine Liebe.« Sie wandte den Kopf. »Setzt euch, Freunde!« sagte sie, gnädig den Kopf neigend, zu den anderen Schlangen, die bei dieser Aufforderung wieder zu Boden sanken, sich zusammenringelten und ihre Blicke unverwandt auf die Brillenschlange und Mary Poppins hefteten.

Die Schlange wandte sich nun Jane und Michael zu. Mit leisem Schauder erkannten die beiden, daß sie noch nie in ein so winziges und verwittertes Antlitz geblickt hatten wie in dieses hier. Sie traten einen Schritt näher, angezogen von den tiefen, seltsamen Schlangenaugen. Lang und schmal waren sie, umschleiert vom Ausdruck einer geheimnisvollen Schläfrigkeit, auf deren Hintergrund zuweilen ein wachsames Licht aufblitzte wie ein Edelstein.

»Und wer ist das, wenn ich fragen darf?« erkundigte sich die Schlange mit ihrer weichen, erregenden Stimme und sah die Kinder fragend an.

»Miß Jane Banks und Master Michael Banks, wenn Sie erlauben!« erwiderte der Braunbär heiser, als sei er ein wenig besorgt. »Ihre Freunde!«

»Ah, ihre Freunde. Dann sind sie willkommen. Setzt euch, bitte, meine Lieben!«

Jane und Michael, die das Gefühl hatten, vor einer Königin zu stehen — bei dem Löwen hatten sie dieses Gefühl nicht gehabt —, lösten ihre Augen nur schwer aus dem zwingenden Blick und sahen sich um, wo sie sich setzen könnten. Der Braunbär half ihnen aus der Verlegenheit. Er hockte sich nieder und bot jedem Kind ein pelziges Knie.

Jane sagte flüsternd: »Sie spricht, als sei sie eine große Herrscherin!«

»Das ist sie auch! Sie ist die Herrscherin unserer Welt — die Klügste und Furchtbarste von uns allen!« sagte der Braunbär leise und voller Ehrfurcht.

Die Schlange lächelt ein leichtes, lässiges, geheimnisvolles Lächeln und wandte sich dann an Mary Poppins.

»Kusine!« begann sie, leise zischelnd.

»Ist sie wirklich ihre Kusine?« raunte Michael.

»Kusine ersten Grades — von der Mutter Seite«, gab der Bär, hinter seiner Tatze hervor flüsternd, Auskunft. »Aber gebt acht, gleich wird sie das Geburtstagsgeschenk überreichen.«

»Kusine«, wiederholte die Brillenschlange. »Es ist lange her, seit dein Geburtstag auf einen Vollmond fiel, und lange, seit uns erlaubt war, das Ereignis so zu feiern wie heute nacht. Ich habe daher Zeit gehabt, über dein Geburtstagsgeschenk nachzudenken. Und ich bin zu der Einsicht gelangt...«, sie hielt inne, und kein anderer Laut war im Schlangenhaus zu hören als der angehaltene Atem vieler Geschöpfe, »daß ich dir nichts Besseres schenken kann als eine von meinen eigenen Häuten.«

»Das ist wirklich lieb von dir...«, begann Mary Poppins, doch die Schlange gebot durch Aufblähen ihrer Haube Schweigen.

»Durchaus nicht, durchaus nicht. Du weißt, daß ich meine Haut von Zeit zu Zeit wechsle, und daß eine mehr oder weniger mir nicht viel bedeutet. Bin ich nicht...?« Sie machte eine Pause und blickte sich um.

»... die Herrin des Dschungels«, zischelten alle Schlangen im Chor, als seien Frage und Antwort Teil einer wohlbekannten Zeremonie.

Die Schlange nickte. »Nun«, fuhr sie fort, »was für mich paßt, paßt auch für dich! Die Gabe ist nicht groß, liebe Mary, aber sie mag dir für einen Gürtel oder ein Paar Schuhe dienen, sogar für ein Hutband — solche Sachen sind immer zu gebrauchen, wie du weißt!«

Bei diesen Worten begann sie sich sacht hin und her zu wiegen, und Jane und Michael, die ihr zusahen, schien es, als liefen kleine Wellen über ihren Körper vom Schwanz bis zum Kopf. Plötzlich machte sie eine lange, drehende, ruckartige Bewegung — da lag ihre goldene Haut auf dem Boden, und sie trug statt dessen eine neue aus glitzerndem Silber.

»Warte!« sagte die Schlange, als Mary Poppins sich bückte, um die Haut aufzuheben. »Ich will eine Widmung daraufschreiben.«

Und sie strich mit ihrem Schwanz über die abgeworfene Haut, wand die goldene Hülle geschickt zu einem Ring, steckte den Kopf hindurch, daß sie wie eine Krone aussah, und überreichte sie anmutig Mary Poppins. Diese nahm sie mit einer Verbeugung entgegen.

»Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll. . .«, begann sie und stockte. Sie war sichtlich hocherfreut, denn sie drehte die Haut in der Hand hin und her und betrachtete sie bewundernd.

»Laß nur!« wehrte die Schlange ab. »Hsssst!« machte sie und spreizte ihre Haube, als lausche sie mit ihr. »Hör ich da nicht das Signal für die große Kette?«

Alle horchten auf. Eine Glocke läutete, und es ertönte eine tiefe, rauhe Stimme, die immer näher kam und rief:

»Zur großen Kette! Herbei! Herbei! Aufstellen zur großen Kette!«

»Das dachte ich mir!« sagte die Schlange lächelnd. »Du mußt gehen, meine Liebe. Sicher warten sie schon darauf, daß du deinen Platz auf der Wiese einnimmst. Leb wohl bis zu deinem nächsten Geburtstag!« Und wie zuvor richtete sie sich auf und küßte Mary Poppins leicht auf beide Wangen.

»Laß dich bitte nicht aufhalten!« sagte sie. »Auf deine jungen Freunde werde ich aufpassen.«

Jane und Michael spürten, daß sich der Braunbär unter ihnen rührte, und standen auf. An ihren Füßen fühlten sie die Schlangen entlanggleiten, die jetzt, sich drehend und windend, aus dem Schlangenhaus fortstrebten.

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