Der Zahir
- Автор: Коэльо Пауло
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Der Zahir». Краткое содержание книги:
Erzählt wird Der Zahir aus der Perspektive eines mittlerweile überaus erfolgreichen Autors, der von den Lesern geliebt und der Kritik gehasst wird. Ersteres, weil er ganz nach dem Erfolgsprinzip Coelhos seine Leserschaft an seiner Erleuchtung teilhaben lässt, letzteres, weil er sich den angeblich üblichen Regeln des Literaturbetriebs verweigert, den er als ein schmieriges System von Gefälligkeiten und Abhängigkeiten beschreibt. Dass er aber überhaupt zu dem Schriftsteller geworden ist, der er immer hat sein wollen, hat er letztlich allein seiner Frau Esther zu verdanken, ohne deren ebenso kluge wie selbstlose Hilfe er seine inneren Schreibwiderstände niemals überwunden hätte. Und nun ist diese Frau plötzlich fort. Wurde sie entführt, hat sie ihn verlassen? Der Mann, dem ihre Bedeutung für sein Leben und Seelenheil immer deutlicher vor Augen tritt, macht sich auf eine zunächst völlig vergeblich erscheinende Suche um am Ende, wir ahnen es, zwar auch die Gesuchte, vor allem aber sich selbst zu finden.
Was soll man sagen? Der Zahir wird ganz sicher wieder ein Weltbestseller. Und, ganz ehrlich: Wir gönnen es ihm! Das Feuilleton freilich wird sich aller Voraussicht nach auch dieses Mal nur mäßig begeistert zeigen. Und die nicht ganz unberechtigte Kritik, der Autor habe sein immer gleiches Thema nun vielleicht doch einmal erschöpft, wird an Coelho abperlen, wie die Male zuvor. Schade eigentlich, es sollte ihm Ansporn sein. Doch, so wird er sich sagen, Millionen Leser können nicht irren. Er sollte es besser wissen.
Aber sie kennen Paris nicht und waren auch nicht im Louvre, sie haben nur eine Bootsfahrt gemacht und ein Bild angesehen, ein einziges Bild. Was ist der Unterschied zwischen einem Pornofilm und körperlicher Liebe? Es ist der gleiche Unterschied wie zwischen dem Blick auf eine Stadt und dem Versuch, zu erfahren, was in ihr passiert: indem man die Bars besucht, durch die Straßen geht, die nicht in den Reiseführern stehen, und sich in ihnen verläuft und verliert, um sich selber zu finden.«
»Ich bewundere Ihre Selbstbeherrschung. Sie reden über die Seineschiffe und warten auf den richtigen Augenblick, um die Frage zu stellen, die Sie zu mir geführt hat. Sie können mit mir völlig offen über alles sprechen, was Sie wissen wollen.«
Seine Stimme war kein bißchen aggressiv, und ich beschloß, mich vorzuwagen:
»Wo ist Esther?«
»Körperlich sehr weit weg, in Zentralasien. Spirituell ist sie sehr nah. Ihr Lächeln begleitet mich Tag und Nacht, ebenso wie die Erinnerung an ihre Worte und ihre Begeisterung. Sie hat mich hierher gebracht, einen mittellosen Einundzwanzigjährigen ohne Zukunft, den die Leute aus seinem Dorf für anormal, krank oder für einen Zauberer hielten, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte.
Und in dem die Leute aus der Stadt einen einfachen Landarbeiter auf der Suche nach Arbeit sahen.
Den Rest meiner Geschichte werde ich Ihnen ein andermal erzählen. Tatsache ist, ich konnte Englisch und war Esthers Dolmetscher. Wir waren an der Grenze zu einem Land, in das sie unbedingt wollte: Die Amerikaner bauten dort gerade viele Militärbasen, bereiteten sich auf den Krieg in Afghanistan vor. Es war unmöglich, ein Visum zu erhalten. Ich habe ihr geholfen, illegal durch die Berge zu kommen. Die Woche, die wir zusammen verbracht haben, hat mir gezeigt, daß ich nicht allein war, daß Esther mich verstand.
Ich habe sie gefragt, was sie so weit weg von zu Hause wolle. Nach ein paar ausweichenden Antworten erzählte sie mir schließlich, was sie Ihnen auch erzählt haben wird: Sie sei auf der Suche nach dem Ort, an dem das Glück verborgen ist. Ich erzählte ihr von meiner Mission, von der Wiederverbreitung der Energie der Liebe auf Erden. Im Grunde waren wir beide auf der Suche nach ein und demselben.
Esther ist zur französischen Botschaft gegangen und hat ein Visum für mich bekommen − als Dolmetscher für die kasachische Sprache, obwohl tatsächlich die meisten meiner Landsleute nur Russisch sprechen. Ich bin nach Paris gezogen. Wir haben uns immer getroffen, wenn sie von ihren Auslandsaufträgen zurückkehrte. Zweimal sind wir zusammen nach Kasachstan gereist. Sie war sehr an der TengriKultur interessiert, und an einem Nomaden, den sie kennengelernt hatte − und von dem sie glaubte, er habe die Antwort auf alles.«
Ich hätte gern gewußt, was Tengri war, aber die Frage konnte warten. Mikhail redete weiter, in seinem Blick lag die Sehnsucht, die auch ich nach Esther empfand.
»Wir haben hier in Paris eine gemeinsame Arbeit begonnen. Esther hat mich auf die Idee gebracht, einmal in der Woche Versammlungen abzuhalten. Sie sagte: »In jeder Beziehung zwischen Menschen ist das Wichtigste das Gespräch. Doch keiner führt mehr Gespräche, keiner setzt sich mit anderen zusammen, um zu reden und zuzuhören.
Die Leute gehen ins Theater, ins Kino, sehen fern, lesen Bücher. Wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir die Zeit wieder aufleben lassen, in der sich die Krieger um das Feuer versammelten und Geschichten erzählten.«
Ich erinnerte mich daran, daß Esther gesagt hatte, die wichtigsten Dinge in unserem Leben hätten sich aus langen Gesprächen an einem Tisch in einer Bar ergeben oder bei Spaziergängen durch Straßen und Parks.
»Meine Idee war, solche Treffen am Donnerstag abzuhalten, weil dies die Tradition verlangt, mit der ich groß geworden bin. Esthers Idee war das mit den Spaziergängen durch das nächtliche Paris. Sie meinte, nur die Bettler täten nicht so, als seien sie zufrieden − sie würden im Gegenteil ihre Traurigkeit zeigen.
Esther hat mir Ihre Bücher zu lesen gegeben. Ich begriff, daß Sie − wenn auch vielleicht nur unbewußt − in Ihren Büchern von der gleichen Welt schrieben, wie wir sie uns erträumten. Ich begriff, daß ich nicht allein war, obwohl nur ich die Stimme hörte. Je mehr Menschen regelmäßig zu meinen Treffen kamen, desto mehr begann ich ganz allmählich, zu glauben, daß ich meine Mission erfüllen könnte, dazu beitragen, die Energie zurückzuholen. Allerdings mußte ich mich zu diesem Zweck in die Vergangenheit zurückbegeben, zu dem Augenblick, in dem sie gegangen war − oder sich versteckt hatte.«
»Warum hat Esther mich verlassen?«
Konnte ich das Thema nicht endlich vergessen? Meine Frage irritierte Mikhail.
»Aus Liebe. Sie haben heute das Beispiel mit den Schienen angeführt. Esther ist keine Schiene an Ihrer Seite. Sie folgt nicht den Regeln und Sie vermutlich ebensowenig. Ich hoffe, Sie wissen, daß auch Sie ihr fehlen.«
»Ja aber...«
»Falls Sie Esther treffen wollen, kann ich Ihnen sagen, wo sie sich befindet. Ich hätte es Ihnen schon längst gesagt, aber die Stimme meint, der Augenblick sei noch nicht gekommen. Niemand dürfe Esther bei ihrer Begegnung mit der Energie der Liebe stören. Ich gehorche der Stimme, die Stimme schützt uns: mich, Sie, Esther.«
»Wann wird der Augenblick kommen?«
»Vielleicht morgen, vielleicht in einem Jahr − oder nie.
Und in diesem Fall müssen wir ihre Entscheidung respektieren. Die Stimme ist die Energie: Sie führt die Menschen zusammen, wenn beide wirklich für diesen Augenblick bereit sind. Dennoch versuchen wir alle, eine Sache zu forcieren − um dann den Satz zu hören, den wir niemals hören wollten: ›Geh weg!‹ Wer die Stimme nicht respektiert und früher oder später kommt, als er sollte, wird niemals erreichen, was er will.«
»Lieber höre ich von ihr ›Geh weg!‹, als Tag und Nacht mit dem Zahir zu verbringen. In dem Augenblick, in dem sie ›Geh weg!‹ sagt, hört sie auf, eine fixe Idee zu sein, sie wird zu einer Frau, die jetzt anders lebt und denkt.«
»Sie ist dann nicht mehr der Zahir, aber es wird ein großer Verlust sein. Wenn es einem Mann und einer Frau gelingt, diese Energie in sich zum Leben zu erwecken, dann helfen sie allen anderen auf der Welt.«
»Sie machen mir angst. Ich liebe Esther. Sie wissen, daß ich sie liebe, und Sie haben mir auch gesagt, daß Esther mich noch liebt. Ich weiß nicht, was es bedeutet, bereit zu sein. Ich kann nicht immer den Erwartungen der anderen entsprechen, nicht einmal denen Esthers.«
»Aus den Gesprächen mit ihr habe ich herausgehört, daß Sie sich irgendwann selbst verloren haben. Die Welt hat sich nur noch um Sie gedreht, ausschließlich um Sie.«
»Das stimmt nicht. Sie war frei, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie hat beschlossen, Kriegskorrespondentin zu werden, sogar gegen meinen Willen. Sie meinte, sie müsse herausfinden, warum die Menschen unglücklich sind, auch wenn ich dagegenhielt, daß man dies nicht wissen könne.
Möchte sie vielleicht, daß ich wieder eine Schiene an der Seite einer anderen Schiene bin, diesen dummen Abstand einhalte, nur weil es die Römer so bestimmt haben?«
»Ganz im Gegenteil.«
Mikhail setzte sich wieder in Bewegung, ich folgte ihm.
»Glauben Sie, daß ich eine Stimme höre?«
»Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Und wo wir schon hier sind, möchte ich Ihnen etwas zeigen.«
»Alle glauben, es seien epileptische Anfälle, und ich lasse sie in dem Glauben: es ist einfacher so. Aber diese Stimme spricht seit meiner Kindheit zu mir, als ich die Frau gesehen habe.«
»Was für eine Frau?«
»Erzähle ich Ihnen später.«
»Immer, wenn ich Sie etwas frage, antworten Sie: ›Erzähle ich Ihnen später.‹«
»Die Stimme sagt mir etwas. Ich weiß, daß Sie verwirrt oder erschrocken sind. In der Pizzeria, als ich den Luftzug spürte und die Lichter sah, wußte ich, daß dies die Symptome meiner Verbindung zur MACHT waren. Ich wußte, daß sie anwesend war, um uns beiden zu helfen.