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Wer die Wahrheit sucht

Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:

An einem frühen Dezembermorgen wird Guy Brouard — Millionär, Mäzen und Frauenheld — ermordet an einem Strand der englischen Kanalinsel Guernsey aufgefunden. Verdächtige und Motive gibt es mehr als genug. Nur die junge Amerikanerin China River hat keines. Doch alle Indizien weisen ausgerechnet auf sie. China hatte ihren Bruder aus Kalifornien nach Guernsey begleitet, um Guy Brouard die Architekturpläne für ein von ihm gestiftetes Museum zum Gedenken an die deutsche Besatzung der Insel im Zweiten Weltkrieg zu übergeben. Eine andere Verbindung existiert augenscheinlich nicht.
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
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«Wieso? Kommt sie nicht aus ihrem Zimmer heraus?«

Er blickte auf die Ampel, seine ganze Aufmerksamkeit auf den Moment gerichtet, da sie auf Gelb umspringen würde.»Ich meine, ich hab sie gesehen, aber nicht gesehen. Ich weiß nicht, wie sie damit fertig wird. Sie hat es mir nicht gesagt.«

Und es würde ihm natürlich nicht einfallen, sie zu fragen. So wenig wie es ihm einfallen würde, seiner Mutter eine klare Antwort zu geben, anstatt in Rätseln zu sprechen. Margaret sagte:»Aber gefunden hat nicht sie ihn?«

«Kevin Duffy. Der Hausmeister.«

«Es muss ein schrecklicher Schlag für sie sein. Die beiden waren ja — sie waren praktisch ihr Leben lang zusammen.«

«Ich verstehe nicht, warum du hierher kommen wolltest, Mutter.«

«Guy war mein Mann, Darling.«

«Nummer eins von vieren«, sagte Adrian überflüssigerweise. Margaret wusste sehr wohl, wie oft sie verheiratet gewesen war.»Ich dachte, man ginge nur zur Beerdigung, wenn sie sterben, solange man noch mit ihnen verheiratet ist.«

«Wie kannst du so vulgär sein, Adrian!«

«Ach, das ist vulgär? Um Gottes willen, das geht natürlich nicht.«

Margaret sah ihren Sohn an.»Warum benimmst du dich so?«

«Wie?«

«Guy war mein Mann. Ich habe ihn einmal geliebt. Von ihm habe ich dich. Wenn es mein Bedürfnis ist, ihm Respekt zu zollen, indem ich an seiner Beerdigung teilnehme, dann werde ich das tun.«

Adrian lächelte auf eine Art, die an seiner Ungläubigkeit keinen Zweifel ließ. Margaret hätte ihm am liebsten eine heruntergehauen. Ihr Sohn kannte sie zu gut.

«Du hast dir immer schon eingebildet, eine gute Lügnerin zu sein. Aber so gut bist du gar nicht«, sagte er.»Meinte Tante Ruth denn, ich würde etwas — hm, was käme in Frage? — Perverses, Verbotenes, schlicht Verrücktes tun, wenn du nicht hier bist? Oder glaubt sie, dass ich es schon getan habe?«

«Adrian! Wie kannst du nur — selbst im Scherz — «

«Ich scherze nicht, Mutter.«

Margaret wandte den Kopf zum Fenster. Sie wollte nichts mehr hören von der verdrehten Denkweise ihres Sohnes.

Die Ampel schaltete um, und Adrian donnerte über die Kreuzung.

Sie fuhren durch eine von Häusern gesäumte Straße. Nachkriegsbungalows standen neben heruntergekommenen viktorianischen Reihenhäusern, an die sich hier und dort kleine Hotels lehnten, die um diese Jahreszeit geschlossen waren. Nach einer Weile wichen die besiedelten Gebiete auf der Südseite der Straße offenem Land, wo noch die ursprünglichen, aus Stein erbauten Bauernhäuser erhalten waren. Am Straßenrand standen die weißen Holzkästen, in denen die Bauern zu anderen Zeiten des Jahres selbst gezogene Kartoffeln oder Gewächshausblumen zum Verkauf anzubieten pflegten.

«Deine Tante hat mich angerufen wie alle anderen«, sagte Margaret.»Es wundert mich sowieso, dass du es nicht getan hast.«

«Es kommt sonst kein Mensch«, sagte Adrian, in dieser für ihn typischen Art das Thema wechselnd, die einen wahnsinnig machen konnte.»Nicht mal JoAnna und die Mädchen. Bei JoAnna kann ich's verstehen — wie viele Geliebte hat Dad während seiner Ehe mit ihr verbraucht? Aber ich dachte, die Mädchen würden vielleicht kommen. Sie haben ihn zwar gehasst wie die Pest, aber ich war sicher, die reine Geldgier würde ihnen Beine machen. Das Testament, meine ich. Die wollen doch wissen, was sie bekommen. Vermutlich einen Haufen Geld, wenn es ihm jemals eingefallen ist, wegen dem, was er ihrer Mutter angetan hat, ein schlechtes Gewissen zu bekommen.«

«Bitte sprich nicht so über deinen Vater, Adrian. Du, als sein einziger Sohn, der hoffentlich eines Tages heiraten und Söhne in die Welt

setzen wird, die seinen Namen tragen, solltest meiner Meinung nach — «

«Aber sie kommen nicht«, fuhr Adrian störrisch und mit erhobener Stimme fort, als wollte er seine Mutter mundtot machen.»Obwohl ich fast damit gerechnet habe, dass JoAnna kommen würde, wenn auch nur, um dem Alten einen Pfahl ins Herz zu treiben. «Adrian lächelte vor sich hin, und Margaret wurde kalt bei diesem Lächeln. Es erinnerte sie allzu sehr an die schlimmen Zeiten ihres Sohnes, wenn er so tat, als wäre alles in Ordnung, während sich in seinem Inneren ein Orkan zusammenbraute.

Es wäre ihr lieber gewesen, nicht fragen zu müssen, andererseits aber wollte sie Bescheid wissen. Sie nahm ihre Handtasche, öffnete sie und tat so, als suchte sie nach einem Pfefferminzbonbon, während sie wie beiläufig sagte:»Die Salzluft hier tut wahrscheinlich gut. Wie sind deine Nächte, seit du hier bist, Darling? Waren schlechte dabei?«

Er warf ihr einen schnellen Blick zu.»Du hättest nicht darauf bestehen sollen, dass ich auf sein verdammtes Fest gehe, Mutter.«

«Ich habe darauf bestanden?«Margaret tippte sich mit den Fingern auf die Brust.

«>Du musst hingehen, Darling.<«Seine Stimme war der ihren plötzlich zum Verwechseln ähnlich.»>Du hast ihn seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen. Hast du seit September wenigstens mal mit ihm telefoniert? Nein? Na bitte, da siehst du es. Dein Vater wird tief enttäuscht sein, wenn du nicht kommst. < Und das konnten wir doch nicht zulassen«, sagte Adrian.»Guy Brouard darf nicht enttäuscht werden, wenn er sich etwas wünscht. Aber er hat es sich gar nicht gewünscht. Er wollte mich überhaupt nicht hier haben. Du wolltest das. Er hat es mir selbst gesagt.«

«Adrian, nein! Das ist nicht — ich hoffe — du — du hast dich doch nicht mit ihm gestritten?«

«Du hast geglaubt, er würde sich das mit dem Geld noch mal überlegen, wenn ich ihm in seinem großen Moment meine Referenz machen würde. Stimmt's?«, fragte Adrian.»Du hast geglaubt, er würde so glücklich sein, mich auf seiner blöden Party zu sehen, dass er endlich nachgeben und das Geschäft finanzieren würde. Darum ging's doch, du kannst es ruhig zugeben.«»Ich habe keine Ahnung, wovon du redest.«

«Du willst doch nicht behaupten, er hätte dir nichts davon gesagt, dass er es abgelehnt hatte, das Geschäft zu finanzieren? Im September? Bei unserem kleinen — Gespräch. >Du hast kein ausreichendes Erfolgspotenzial, Adrian. Tut mir Leid, mein Junge, aber ich werfe nun mal mein Geld nicht gern zum Fenster hinaus.< Dafür gibt er es an anderer Stelle mit vollen Händen aus.«

«Das hat dein Vater wirklich gesagt? Zu wenig Potenzial?«

«Unter anderem, ja. Die Idee ist gut, sagte er. Den Internetzugang kann man immer verbessern, und das scheint mir der richtige Weg zu sein. Aber bei dem, was du vorzuweisen hast, Adrian. nicht, dass du irgendetwas vorzuweisen hast, und das heißt, dass wir jetzt mal die Gründe für diese magere Bilanz unter die Lupe nehmen müssen.«

Margaret spürte, wie die Wut ätzend in ihren Magen schoss.»Hat er wirklich.? Wie konnte er.?«

«Komm, setz dich, mein Junge. Komm. So. Du hast einige Probleme gehabt, nicht wahr. Diese Geschichte im Garten des Schulleiters, als du zwölf warst? Und das Desaster mit deinem Studium, als du neunzehn warst? Das ist nicht gerade das, was man sich bei jemandem wünscht, dem man sein Geld anvertrauen möchte, mein Junge.«

«Das hat er tatsächlich gesagt? Er hat diese Dinge zur Sprache gebracht? Ach, Darling, das tut mir so Leid«, sagte Margret.»Ich könnte weinen. Und du bist danach trotzdem hergekommen? Zu ihm. Warum?«

«Weil ich ein Vollidiot bin.«

«Sag so was nicht!«

«Ich wollte es noch einmal versuchen. Ich dachte, wenn ich diese Sache irgendwie ins Rollen brächte, könnten Carmel und ich — ich weiß auch nicht — noch mal von vorn anfangen. Ich dachte, das wäre es wert, noch mal herzukommen und mich von ihm niedermachen zu lassen — wenn ich die Beziehung mit Carmel retten könnte.«

Er hatte seine Aufmerksamkeit ganz auf das Fahren konzentriert, während er seiner Mutter alles erzählte, und Margaret verspürte tiefes Mitleid mit ihm, trotz all seiner Eigenheiten, die ihr so oft auf die Nerven fielen. Er hatte ein viel schwereres Leben gehabt als seine

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