Wer die Wahrheit sucht
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #12
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet
- ISBN: 3-7645-0099-9
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
Es dauerte nur ein paar Minuten, die richtige Nummer in Guernsey festzustellen und den ermittelnden Polizeibeamten ausfindig zu machen, der die Morduntersuchung dort leitete. Mord war auf der Insel etwas so Ungewöhnliches, dass Tommy nur das Wort auszusprechen brauchte, um augenblicklich mit dem zuständigen Mann verbunden zu werden.
Aber der Anruf brachte ihnen nichts ein. Von New Scotland Yard ließ man sich in St. Peter Port offensichtlich nicht beeindrucken. Als Tommy erklärte, wer er war und warum er anrief, und anbot, die
Kollegen zu unterstützen, soweit das in der Macht der Metropolitan Police stünde, bekam er zu hören — wie er Deborah und Cherokee gleich nach Ende des Telefongesprächs berichtete — , auf den Kanalinseln sei alles unter Kontrolle. Und im Übrigen würde man sich, wenn Unterstützung tatsächlich gebraucht werde, an die Kollegen in Cornwall oder Devon wenden wie sonst auch.
«Wir sind etwas in Sorge, weil es sich bei der verhafteten Person um eine Ausländerin handelt«, sagte Tommy.
Tja, hm, das sei mal eine interessante Abwechslung, nicht wahr, mit der die Polizei von Guernsey aber ohne weiteres allein fertig werden könne.
«Tut mir Leid«, sagte er nach dem Gespräch zu Deborah und Cherokee.
«Ja, und was, zum Teufel, sollen wir jetzt tun?«Cherokee stellte die Frage mehr sich selbst als den anderen.
«Ihr müsst euch jemanden suchen, der bereit ist, mit den Betroffenen zu sprechen«, sagte Tommy.»Wenn einer meiner Leute gerade Urlaub hätte, würde ich euch vorschlagen, ihn zu bitten, sich ein wenig umzuhören. Ihr könnt das natürlich auch selbst tun, aber es wäre hilfreich, wenn ihr eine Polizeibehörde im Rücken hättet.«
«Was muss denn unternommen werden?«, fragte Deborah.
«Zuerst muss mal jemand Fragen stellen«, antwortete Tommy,»um herauszubekommen, ob es vielleicht einen Zeugen gibt, der unbeachtet geblieben ist. Ihr müsst herausfinden, ob dieser Brouard Feinde hatte: Wie viele, wer sie sind, wo sie leben, wo sie sich zum Zeitpunkt seines Todes aufgehalten haben. Ihr braucht jemanden, der das Beweismaterial auswerten kann. Ihr könnt mir glauben, dass die Polizei jemanden hat, der das für sie erledigt. Und ihr müsst sicherstellen, dass keine Spuren oder Hinweise übersehen worden sind.«
«In Guernsey gibt es niemanden«, sagte Cherokee.»Wir haben es versucht. Debs und ich. Bevor wir zu Ihnen gekommen sind.«
«Dann denkt mal über Guernsey hinaus. «Tommy sah Deborah an, und sie wusste, was dieser Blick bedeutete.
Sie hatten bereits, was sie brauchten.
Aber sie würde ihren Mann auf keinen Fall um Hilfe bitten. Er hatte ohnehin so viel zu tun. Außerdem hatte sie das Gefühl, dass der größte Teil ihres Lebens von den zahllosen Gelegenheiten gekennzeichnet war, da sie bei Simon Hilfe gesucht hatte: Angefangen bei jenen fernen Tagen, als die kleine ABC-Schützin, die von den Schulkameraden gnadenlos drangsaliert wurde, von ihrem Mr. St. James — einem Neunzehnjährigem mit einem stark ausgeprägten Sinn für Fairness — gerettet wurde, indem der ihren Peinigern einen Riesenschrecken einjagte, bis zum heutigen Tag, da die Ehefrau die Geduld ihres Mannes, der nichts weiter wollte, als sie glücklich zu sehen, häufig auf eine harte Probe stellte. Nein, sie konnte ihm das nicht aufbürden.
Sie würden es allein versuchen, sie und Cherokee. Das schuldete sie China, aber weit mehr noch: Sie schuldete es sich selbst.
Zum ersten Mal seit Wochen fiel Sonnenlicht zart wie Jasmintee auf eine der beiden Waagschalen der Justitia vor dem Old Bailey, als Deborah und Cherokee dort ankamen. Sie hatten beide weder Tasche noch Rucksack bei sich und daher keine Schwierigkeiten, hineinzukommen. Ein paar Fragen brachten ihnen die Auskunft, die sie brauchten: Gerichtssaal 3.
Die Besuchergalerie war oben und im Moment nur spärlich besetzt von drei Touristen in durchsichtigen Regenmänteln und einer Frau, die ein Taschentuch in ihrer Hand zusammenknüllte. Unten bot sich der Gerichtssaal wie eine Szene aus einem historischen Drama dar. Der Richter — rote Robe, strenge Stahlrandbrille und mächtige Perücke, deren Haarpracht in Schafslocken auf seine Schultern herabfiel — thronte in einem grünen Ledersessel, einem von fünf auf einem Podium am Kopf des Saals, das ihn über seine unbedeutenderen juristischen Kollegen erhob. Diese, die schwarz gekleideten Anwälte für die Verteidigung und die Anklage, saßen auf einer der vorderen Bänke, die im rechten Winkel zum Richterpodium standen. Hinter ihnen hatten ihre Mitarbeiter Platz genommen. Gegenüber waren die Geschworenen und dazwischen saß wie ein Schiedsrichter der Protokollführer. Die Anklagebank befand sich direkt unterhalb der Gale- rie, und hier saß der Angeklagte mit einem Gerichtsbeamten. Gegenüber war der Zeugenstand, und auf den richteten Deborah und Cherokee ihre Aufmerksamkeit.
Der Kronanwalt, der die Anklage vertrat, kam soeben zum Ende seines Kreuzverhörs des sachverständigen Zeugen der Verteidigung, Mr. Allcourt-St.-James. Er bezog sich auf ein umfangreiches Schriftstück, und wenn er auch Simon mit» Sir «ansprach und» Mr. Allcourt-St.-James, wenn Sie gestatten «sagte, war nicht zu überhören, dass er jegliche Meinung, die nicht mit den Schlussfolgerungen der Polizei und damit der Kronanwaltschaft übereinstimmte, anzweifelte.
«Mir scheint, Sie wollen unterstellen, dass die Laborarbeit von Dr. French zu wünschen übrig lässt, Mr. Allcourt-St.-James«, sagte er gerade, als Deborah und Cherokee sich auf einer Bank vorn auf der Galerie niederließen.
«Keineswegs«, entgegnete Simon.»Ich unterstelle lediglich, dass die Menge an Rückständen, die auf der Haut des Angeklagten gefunden wurde, mit seiner beruflichen Arbeit als Gärtner durchaus zu vereinbaren ist.«
«Wollen Sie dann auch behaupten, dass es Zufall ist, dass man bei Mr. Casey«- mit einer Kopfbewegung deutete er zu dem Mann in der Anklagebank, von dem Deborah und Cherokee nur den Hinterkopf sahen — »Spuren genau der Substanz gefunden hat, mit der Constance Garibaldi vergiftet wurde?«
«Da Aldrin zur Beseitigung von Garteninsekten verwendet wird und da dieses Verbrechen in eben der Zeit verübt wurde, zu der diese Insekten weit verbreitet sind, kann ich nur sagen, dass die Aldrinspu- ren auf der Haut des Angeklagten durchaus mit seiner beruflichen Arbeit zu erklären sind.«
«Ungeachtet seines fortdauernden Streits mit Mrs. Garibaldi?«
«Ganz recht. Ja.«
Der Kronanwalt machte noch einige Minuten so weiter, wobei er sich auf seine Aufzeichnungen bezog und einmal kurz mit seinen Mitarbeitern auf der hinteren Bank sprach. Schließlich entließ er Simon mit einem» Danke, Sir «aus der Vernehmung, und da auch die
Verteidigung keine weiteren Fragen hatte, konnte Simon den Zeugenstand verlassen.
Als er aufstand, erblickte er oben auf der Galerie Deborah und Cherokee.
Sie erwarteten ihn vor dem Gerichtssaal.»Also, wie ist es gelaufen?«, fragte er.»Können die Amerikaner helfen?«
Deborah berichtete, was sie von Rachel Friestat gehört hatten.»Und Tommy kann uns auch nicht weiterhelfen, Simon«, fügte sie hinzu.»Es ist eine Frage der Zuständigkeit. Und selbst wenn dieses Problem nicht wäre, würde sich die Polizei von Guernsey Hilfe aus Cornwall oder Devon holen, wenn sie welche brauchte. Sie wenden sich nie an Scotland Yard. Ich hatte den Eindruck — du nicht auch, Cherokee? — , dass sie ein bisschen gereizt reagierten, als Tommy das Wort Unterstützung auch nur erwähnte.«
Simon nickte und rieb sich nachdenklich das Kinn. Um sie herum nahmen die Geschäfte am Strafgericht weiter ihren Lauf, Justizangestellte eilten mit Akten durch den Flur, Anwälte schlenderten, in Diskussionen über Strategie und Taktik vertieft, gemächlich vorüber.
Deborah beobachtete ihren Mann. Sie sah, dass er eine Lösung für Cherokees Probleme zu finden suchte, und war ihm dankbar dafür. Wie leicht hätte er sagen können: Tja, das wär's dann wohl. Wir können nur noch die Dinge ihren Lauf nehmen lassen und abwarten, wie es ausgeht. Aber das entsprach nicht seinem Naturell. Dennoch wollte sie ihn wissen lassen, dass sie nicht ins Old Bailey gekommen waren, um ihm eine zusätzliche Last aufzubürden, sondern lediglich, um ihm Bescheid zu sagen, dass sie nach Guernsey fliegen würden, sobald Deborah zu Hause ein paar Sachen gepackt hatte.