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Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:

Durch ein Unglück wurde eine Familie zerrissen, und nun sucht die Tochter als Erwachsene ihren vermißten Vater, der sie wiederum für tot hält -mitten im Quellgebiet des unerforschten Orinoco findet man die ersten Spuren. Ein mächtiger Indianderstamm lebt unter der Herrschaft eines weißen Häuptlings, und eine Bande Verbrecher bedroht diesen Stamm, als die Expedition gerade eintriftt. Es kommt zum Kampf, und die Verbrecher werden glücklich besiegt.
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Herr Marchal beantwortete die Frage in völlig einleuchtender Weise.

»Ich glaube, die Thiere sind durch die Erdstöße erschreckt worden. Durch die Fluthen des Tortuga oder Suapure, die aus ihrem Bette getreten sein werden, vertrieben, suchen sie jetzt, einem unwiderstehlichen Selbsterhaltungstriebe folgend, Schutz im Orinoco oder noch über diesen hinaus.«

Das war eine recht natürliche und selbst die einzig zulässige Erklärung. Die Sierra Matapey mußte allen Anzeichen nach von heftigen Erdstößen durchschüttert worden sein. Eine ähnliche Massenwanderung der Thiere war unter gleichen Umständen bereits, außer im Februar und im März, wo sie regelmäßig stattfindet, beobachtet worden, und die Uferbewohner konnten darüber eigentlich nicht so sehr erstaunt sein, wenn es sie auch in gewisser Hinsicht etwas beunruhigen mußte.

Ließ sich nun an dem Massenzuge der Schildkröten nicht mehr deuteln, so blieb noch die Frage, woher die Schüsse rührten, übrig. Wer mochte sich gegen die Chelidonier zu wehren haben, und was konnten Gewehrkugeln gegen deren undurchdringlichen Panzer ausrichten?

Bald darauf konnte man das durch einzelne Risse in der Staubwolke erkennen.

Hier bewegten sich Myriaden von Schildkröten, eine an die andre gedrängt, vorwärts. Das Ganze erschien wie eine ungeheure Fläche glänzender Schuppen, die, mehrere Quadratkilometer bedeckend, langsam wogend dahinglitt.

Auf dieser lebenden Fläche sprang eine Anzahl andrer Thiere umher, die sich, um nicht zermalmt zu werden, darauf hatten flüchten müssen.

Ueberrascht durch die Ueberfluthung der Ilanos, liefen und sprangen darauf eine Menge Heulaffen umher, die die Sache »sehr spaßhaft« zu finden schienen - so drückte sich wenigstens der Sergeant Martial aus. Ferner bemerkte man mehrere Paare von Raubthieren, die in Venezuela heimisch sind, nämlich Jaguare, Pumas, Tiger, Ocelote, die alle hier nicht minder gefährlich waren, als wenn sie frei im Walde oder auf der Ebene umherstreiften.

Gegen diese Bestien vertheidigten sich zwei Männer mit Gewehr- und Revolverschüssen.

Schon lagen einige getroffen auf den Rückenschildern, deren auf- und abwogende Bewegungen es Menschen fast unmöglich machten, sich darauf zu halten, während die Vierfüßler und die Affen sich darum wenig kümmerten.

Wer mochten die beiden Männer sein? Weder Herr Marchal noch der Beamte konnten sie, der Entfernung wegen, erkennen. Schon aus ihrer Tracht ging aber hervor, daß es weder Yaruros noch Mapoyos, noch überhaupt Indianer waren, wie sie im Gebiete des mittleren Orinoco vorkommen.

Vielleicht handelte es sich hier also doch um die beiden Franzosen, die nach den Ebenen im Osten hinausgezogen waren, und deren Rückkehr man schon so lange erwartete, vielleicht sollte Jean von Kermor - der ja gleich daran gedacht hatte - die Freude zutheil werden, seine Landsleute wiederzufinden.

Die Herren Marchal, Miguel, Felipe und Varinas, der Beamte und die ihn begleitenden Männer aus dem Orte waren stehen geblieben; es schien ihnen nicht rathsam, noch weiter vorzudringen. Von den ersten Reihen der Schildkröten nicht nur aufgehalten, sondern auch zum Rückzuge genöthigt, hätten sie zu den beiden Fremdlingen, die von den Raubthieren umschwärmt waren, doch nicht gelangen können.

Jean bestand zwar darauf, ihnen zu Hilfe zu eilen, da er gar nicht mehr daran zweifelte, daß die Beiden die halbverschollenen französischen Naturforscher seien.

»Es ist aber unmöglich, erklärte Herr Marchal, unmöglich und nutzlos obendrein! Wir würden uns großen Gefahren aussetzen, ohne ihnen Hilfe bringen zu können. Besser ist es, man läßt die Schildkröten ungestört bis zum Strome ziehen, wo sie sich von selbst zerstreuen werden.

- Gewiß, bestätigte der Beamte, doch wir sind von einer andern schweren Gefahr bedroht.

- Von welcher denn?

- Wenn diese Abertausende von Schildkröten auf ihrem Zuge nach la Urbana eindringen, wenn sie nicht bald nach dem Strome zu ablenken, so ist es um unsern Ort geschehen!«

Leider ließ sich gar nichts thun, eine solche Katastrophe abzuwenden. Nachdem sie um den Fuß des Cerro gezogen war, wälzte sich die langsame, unwiderstehliche Lawine auf la Urbana zu, wovon sie jetzt nur noch zweihundert Meter entfernt war. In der Ortschaft würde dann Alles zertrümmert und vernichtet werden. »Es wächst kein Grashalm wieder, wo die Türken vorübergezogen sind«, hat man früher oft gesagt -es wäre auch kein Haus, keine Hütte, kein Baum oder Strauch unversehrt geblieben, wo sich diese Unmasse riesiger Schildkröten vorüberschob.

»Macht Feuer!. Zündet Feuer an!« rief Herr Marchal.

Feuer. ja, das war die einzige Schranke, die man dieser Ueberfluthung entgegenstellen konnte.

Schon hörte man laute Schreckensschreie von den Bewohnern des Ortes, die die drohende Gefahr erkannten.

Herr Marchal war verstanden worden, und Alle beeilten sich, seiner Aufforderung nachzukommen.

Vor der Ortschaft lagen ausgedehnte Wiesenflächen mit dichtem Grase, das der zweitägige Sonnenbrand stark getrocknet hatte, und auf denen einige Goyaven und andre Bäume mit früchtebeladnen Zweigen aufragten.

Man durfte nicht zögern, diese zu opfern, und man zögerte damit auch nicht.

An zehn, zwölf Stellen, hundert Schritt vor la Urbana, wurde das Gras gleichzeitig in Brand gesetzt. Bald hüpften die Flammen dahin, als ob sie aus dem Erdboden aufschlügen. Ein dichter Rauch mischte sich mit der Staubwolke, die sich nach dem Strome zu hinabsenkte.

Das Heer der Schildkröten bewegte sich vorläufig noch weiter, was gewiß so lange fortdauerte, bis die ersten die Feuerlinie berührten. Wie aber, wenn die übrigen diese vorwärts und ins Feuer drängten, so daß die Flammen erloschen?

Es sollte jedoch anders kommen und das Mittel des Herrn Marchal sich bewähren.

Zunächst wurden die Raubthiere mit den Kugeln des Sergeanten Martial, des Herrn Miguel und seiner Freunde, sowie mit denen der Einwohner, die sich bewaffnet hatten, empfangen, während die beiden Männer auf der sich fortschiebenden Masse ihre letzte Munition erschöpften.

Von beiden Seiten angegriffen, brachen einige von den Raubthieren todt zusammen.

Erschreckt von den züngelnden Flammen, suchten andre nach Osten zu entfliehen, und es gelang ihnen auch, sich zu retten, indem sie den schon vorausgelaufenen Affen, die ein entsetzliches Geheul ausstießen, folgten.

Da sah man die beiden Männer nach der Feuergrenze springen, ehe die ersten Reihen der langsam weiter kriechenden Schildkröten diese erreichten.

Eine Minute später befanden sich Jacques Helloch und Germain Paterne - denn sie waren es - in Sicherheit neben Herrn Marchal, nachdem sie die Rückseite des Cerro ein Stück hinauf erklommen hatten.

Vor dem Flammengürtel, der sich einen halben Kilometer weit hinzog, zurückprallend, wendete sich die gewaltige Masse nach links von der Ortschaft ab und verschwand, sich über das Ufer hinunter wälzend, in den Fluthen des Orinoco.

Neuntes Capitel

Drei Piroguen beieinander

In Folge dieser außergewöhnlichen Invasion, die la Urbana vollständig zu zerstören gedroht hatte, erlitt die Abfahrt der Piroguen eine vierundzwanzigstündige Verzögerung. Wenn die beiden Franzosen die Absicht hatten, die Untersuchung des Verlaufes des Orinoco bis nach San-Fernando weiter fortzusetzen, erschien es am rathsamsten, vereint mit ihnen zu reisen. In diesem Fall mußte man ihnen aber Zeit zur Erholung, sowie zur Vollendung mancher Vorbereitungen gewähren und die Abfahrt also bis zum nächsten Tage verschieben.

Die Herren Miguel, Felipe und Varinas stimmten in ihrer Weisheit mit diesem Vorgehen überein. Man hätte sich wirklich erstaunt fragen müssen, warum der Onkel und der Neffe nicht auch hätten derselben Ansicht sein sollen. Jacques Helloch und Germain Paterne hatten ja ihre eigne Pirogue, konnten also niemand zur Last fallen, und wie der Sergeant Martial auch über die Sache denken mochte, jedenfalls gewährte es den drei Fahrzeugen mehr Sicherheit, wenn sie zusammen weiter fuhren.

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