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Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:

Durch ein Unglück wurde eine Familie zerrissen, und nun sucht die Tochter als Erwachsene ihren vermißten Vater, der sie wiederum für tot hält -mitten im Quellgebiet des unerforschten Orinoco findet man die ersten Spuren. Ein mächtiger Indianderstamm lebt unter der Herrschaft eines weißen Häuptlings, und eine Bande Verbrecher bedroht diesen Stamm, als die Expedition gerade eintriftt. Es kommt zum Kampf, und die Verbrecher werden glücklich besiegt.
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An Bord der »Maripare« herrschte unter den Passagieren wie unter der Mannschaft dasselbe Erstaunen.

Herr Miguel und seine beiden Freunde, die auch herausgetreten waren, versuchten vergeblich, die Ursache der auffallenden Erscheinungen zu ergründen.

Auch als man sich zwischen beiden Piroguen darüber aussprach, gelangte man zu keiner annehmbaren Erklärung.

Wurde die Bewegung des Wassers in den beiden Falcas wahrgenommen, so machte sich auch eine Unruhe auf dem Uferlande bemerkbar.

Fast in derselben Minute stürzten die Einwohner la Urbanas aus ihren Hütten und Häusern und eilten nach dem Ufer hin.

Herr Marchal und der Beamte erschienen auch unter der Volksmenge, der sich ein nicht geringer Schrecken bemächtigt hatte.

Es war jetzt einhalbfünf Uhr früh und der Tag begann allmählich zu grauen.

Die Passagiere der beiden Fahrzeuge gingen ans Land, um den Beamten über die seltsame Erscheinung zu befragen.

»Was geht denn vor? fragte Herr Miguel.

- Offenbar handelt es sich hier um ein Erdbeben in der Sierra Matapey, erwiderte der Beamte, und die Erschütterungen davon pflanzen sich bis unter das Flußbett fort.«

Herr Miguel war derselben Ansicht. Es ließ sich kaum bezweifeln, daß die ganze Gegend unter seismischen Erschütterungen stand, die in den Ilanos ja so überaus häufig vorkommen.

»Es muß indeß noch etwas andres mit im Spiele sein, meinte Herr Miguel. Hören Sie nicht das grollende Geräusch von Osten her?«

Bei scharfem Lauschen bemerkte man in der That eine Art tiefes Grollen, über dessen Natur sich niemand klar werden konnte.

»Trotz alledem, sagte Herr Marchal, glaube ich nicht, daß für la Urbana irgendetwas zu fürchten ist.

- Das meine ich auch, erklärte der Beamte, man könnte ohne Gefahr in die Häuser zurückkehren.«

Das mochte richtig sein, dennoch folgten nur sehr wenige von den Anwesenden diesem Rathe. Uebrigens wurde es jetzt schon heller, und vielleicht konnte man dann mit den Augen die Erklärung einer Erscheinung finden, die mittelst des Gehörs nicht zu erlangen war.

Drei volle Stunden nahm das ferne Geräusch ohne Unterlaß zu. Es schien so, als ob die Bodenschichten übereinander hinglitten. Dumpf und taktmäßig setzte sich das Phänomen auch noch nach dem Stromufer fort, als wäre der Erdboden torfmoorartig elastisch. Daß die Erschütterungen von einem Erdbeben herrührten, dessen Centrum sich in der Sierra Matapey befand, war höchst wahrscheinlich, da die Stadt schon wiederholt unter gleichen Umständen zu leiden gehabt hatte. Was freilich das rollende Geräusch, ähnlich dem Lärmen von einer auf dem Marsch befindlichen Armee, anging, konnte niemand dessen wirkliche Ursache errathen.

Der Beamte und Herr Marchal begaben sich, begleitet von den Passagieren der beiden Falcas, nach den ersten Abhängen des Cerro von la Urbana, um die Umgebung in weiterem Kreise überblicken zu können.

Aehnlich einem mit leuchtendem Gase gefüllten Ballon, der vom Winde nach den Ufern des Orinoco getrieben würde, stieg die Sonne am völlig klaren Himmel empor. Nirgends war eine Wolke, nirgends ein Vorzeichen zu erblicken, daß sich ein Unwetter entwickeln könnte.

Als die Herren etwa dreißig Meter hinauf gelangt waren, richteten sie die Blicke nach Osten hinaus.

Vor ihren Augen lag das ganze grenzenlose Land, die ungeheure grünende Ebene, jenes »schweigsame Gräsermeer. wie die poetische Bezeichnung Elisee Reclus' lautete.

Dieses Meer erschien freilich nicht völlig ruhig, es mußte unter der Oberfläche mächtig erschüttert werden, denn in fünf bis sechs Kilometer Entfernung wälzte sich eine Sandwolke darüber hin.

»Das ist dichter Staub, meinte Herr Marchal, Staub, der vom Erdboden aufsteigt.

- Vom Winde wird er aber nicht aufgewirbelt, erklärte Herr Miguel.

- Nein, denn der ist kaum fühlbar, antwortete Herr Marchal. Sollten nur die Erderschütterungen daran schuld sein?. Nein, eine solche Erklärung wäre nicht annehmbar.

- Und dann, setzte der Beamte hinzu, jenes Geräusch, das wie von schwerfälligen Maschinen herzurühren scheint.

- Ja, was bedeutet das?« rief Herr Felipe.

Da vernahm man, gleich einer an ihn gerichteten Antwort, ein Krachen, das Krachen einer Feuerwaffe, das an dem Cerro von la Urbana und an andern Stellen ein Echo wachrief.

»Flintenschüsse! platzte der Sergeant Martial heraus. Das sind doch Schüsse, oder ich will Hans Taps heißen!

- Da müssen draußen Jäger sein, meinte Jean.

- Jäger, junger Freund? antwortete Herr Marchal. Die würden nicht eine solche Unmasse Staub verursachen, sie müßten denn gleich zu Tausenden sein.«

Immerhin war nicht zu bezweifeln, daß die Knalle von Feuerwaffen, von Revolvern oder Gewehren herrührten. Bald stieg auch wirklicher Dampf über die mehr gelblich gefärbten Sandwolken auf.

Uebrigens vernahm man noch neue Schüsse, und in so weiter Ferne sie auch fielen, genügte doch die leichte Brise, den Schall davon bis zu der Ortschaft zu tragen.

»Ich bin der Ansicht, meine Herren, sagte da Herr Miguel, daß wir uns bemühen sollten, zu sehen, was nach jener Seite hin vorgeht.

- Und Leuten Hilfe bringen, die deren vielleicht nothwendig bedürfen, setzte Herr Varinas hinzu.

- Wer weiß, meinte Jean von Kermor, ob das nicht meine Landsleute sind.

- Dann müßten sie es gerade mit einer ganzen Armee zu thun haben, erwiderte der alte Herr. Nur Tausende von Menschen könnten eine derartige Staubwolke aufwirbeln. Doch, Sie haben recht, Herr Miguel, wir wollen uns nach der Ebene hinunter begeben.

- Aber wohl bewaffnet!« ermahnte Herr Miguel.

Das empfahl sich gewiß, falls die Ahnung Jeans von Kermor diesen nicht betrog, wenn es die beiden Franzosen waren, die sich gegen den Angriff von Indianern der Umgegend mit Gewehrschüssen vertheidigten.

In wenigen Augenblicken hatten die einen ihre Wohnung, die andern ihre Pirogue erreicht. Der Beamte, mehrere Ortsbewohner, die drei Geographen, der Sergeant Martial und sein Neffe begaben sich, mit dem Revolver im Gürtel und dem Gewehr über der Schulter, um den Fuß des Cerro von la Urbana herum, in der Richtung nach den Ilanos hinaus.

Auch Herr Marchal schloß sich ihnen an, da er ungeduldig war, zu erfahren, was draußen vorging.

Die kleine Gesellschaft schritt tüchtig darauf los, und da sich die Staubwolke ihnen entgegenwälzte, mußten die drei oder vier Kilometer, die sie jetzt noch davon trennten, bald genug zurückgelegt sein.

Auch in dieser Entfernung hätte man übrigens, wenn der dichte Staub nicht gewesen wäre, menschliche Gestalten erkennen können. Vorläufig sah man nur das Aufblitzen der sich von Zeit zu Zeit wiederholenden Schüsse, die immer deutlicher hörbar wurden.

Auch das dumpfe, rhythmische Geräusch nahm mehr und mehr zu, je mehr sich eine niedrige Masse, die jetzt noch nicht sichtbar war, näherte.

In der Entfernung von einem Kilometer blieb Herr Miguel, der zur Seite des Beamten voraus marschierte und das Gewehr schußfertig hatte, plötzlich stehen. Ein Ausruf größten Erstaunens entfuhr seinen Lippen.

Wahrlich, wenn je ein Sterblicher Gelegenheit fand, seine Neugierde befriedigt zu sehen, wenn je einer von seiner

Ungläubigkeit curiert wurde, so war es der Sergeant Martial. Der alte Soldat hatte an das Vorkommen vieler Tausende Chelidonier nicht glauben wollen, die zur Legezeit die Ebenen am Orinoco, zwischen der Mündung des Auraca und den Sandbänken von Cariben, buchstäblich bedecken.

»Schildkröten!. Das sind Schildkröten!« rief Herr Miguel und täuschte sich damit nicht.

In der That, Schildkröten, wohl hunderttausend, vielleicht noch mehr, kamen auf das rechte Ufer des Stromes zu. Doch warum dieser außergewöhnliche Auszug, der ihren Gewohnheiten widersprach, da jetzt ja nicht die Zeit des Eierlegens war?

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