Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Es war ein junges Mädchen, das höchstens fünfzehn bis sechzehn Jahre zu zählen schien.
»Wer ist dieses Kind?« fragte Cornelia.
»Sie war es, deren Rufe wir hörten,« antwortete Jean; »sie befand sich bei dem Verwundeten.«
Letzterer war ein Mann von etwa fünfundvierzig Jahren, mit bereits ergrauendem Haar und Barte, von hoher, kräftig gebauter Gestalt und sympathischen Zügen, die, obgleich sein Gesicht bleich war und die geschlossenen Lider seinen Blick verhüllten, einen energischen Charakter bekundeten. Von Zeit zu Zeit entrang sich seinen Lippen ein Seufzer; aber er sprach kein Wort, aus dem man auf seine Nationalität hätte schließen können.
Als seine Brust entblößt worden, konnte Cornelia konstatieren, daß sie von einem Dolchstoße zwischen der dritten und vierten Rippe durchbohrt worden sei. War diese Verwundung tödlich? Nur ein Arzt hätte das beurteilen können. Jedenfalls schien es unzweifelhaft, daß sie sehr ernster Natur sei.
Da die Intervention eines Arztes indessen unter den gegenwärtigen Umständen unmöglich war, so mußte man sich mit der Pflege, welche Cornelia dem Verwundeten angedeihen lassen konnte, und mit den in der kleinen Reise-Apotheke enthaltenen Heilmitteln begnügen.
Das geschah denn auch und es gelang, die Blutung, welche einen schnellen Tod herbeizuführen drohte, zu hemmen. Man würde später sehen, ob es möglich sei, den Mann in diesem Zustande absoluter Entkräftung in den nächsten Marktflecken zu transportieren. Diesmal würde Herr Cascabel nicht lange fragen, ob es ein britisch-kolumbischer sei, oder nicht.
Nachdem sie die Wunde sorgfältig mit frischem Wasser ausgewaschen, legte Cornelia mit Arnika getränkte Kompressen darauf. Dieser Verband genügte, um das Blut zu stillen, von dem der Verwundete seit dem Augenblick des Mordes bis zu seiner Ankunft im Lager sehr viel verloren hatte.
»Und was können wir jetzt thun, Cornelia?.« fragte Herr Cascabel.
»Wir werden den Unglücklichen auf unser Bett legen,« antwortete Cornelia, »und ich werde bei ihm wachen, um die Kompressen nach Bedarf zu erneuern.«
»Wir werden alle bei ihm wachen!« sagte Jean. »Wir können ja sowieso nicht schlafen. Und dann müssen wir auch auf unserer Hut sein, da sich Mörder in der Umgegend befinden.«
Herr Cascabel, Jean und Clou trugen den Mann auf das Bett in der innersten Abteilung.
Während Cornelia an seinem Lager blieb und vergeblich auf ein Wort von ihm harrte, erzählte die junge Indianerin, deren
Chinouk-Dialekt Herr Cascabel mit einiger Mühe verstand, ihre Geschichte.
Sie war wirklich eine Eingeborene, von einer der autochthonen Rassen Alaskas. In dieser Provinz, nördlich und südlich von dem großen Flusse Youkon, stößt man auf zahlreiche wandernde sowohl, als auf ansässige Indianerstämme, unter anderen auf die Co-Youkons, welche vielleicht die bedeutendsten und wildesten von allen Stämmen bilden, dann die Newicargouts, die Tananas, die Kotcho-a-Koutchins und auch, insbesondere gegen die Mündung des Flusses zu, die Pastoliks, die Haveacks, die Primsker, die Melomuten und die Indgeleten.
Diesem letzteren Stamme gehörte die junge Indianerin an, welche sich Kayette nannte.
Kayette hatte weder Eltern noch Verwandte mehr; es sind nicht nur Familien, welche auf diese Weise aussterben, sondern ganze Stämme, von denen man keine Spur mehr auf alaskischem Gebiete findet.
So z. B. die »Leute der Mitte«, die früher nördlich vom Youkon wohnten.
Allein, ohne Eltern zurückgeblieben, hatte Kayette sich nach Süden auf den Weg gemacht, durch Gegenden, welche ihr von früheren Wanderungen mit ihrem Stamme her bekannt waren. Ihr Plan war, nach der Hauptstadt Sitka zu gehen, wo sie in den Dienst irgend eines russischen Beamten zu treten gedachte. Und wahrlich, man würde sie schon auf ihre ehrliche, sanfte und gewinnende Miene hin engagiert haben. Sie war sehr hübsch, von nur leicht ins Braune spielender Hautfarbe, mit schwarzen, lang bewimperten Augen und reichem braunen Haar, das von einer Pelzkapuze zurückgehalten wurde.
Von mittelgroßer Gestalt, schien sie trotz ihres schweren Überrockes anmutig und geschmeidig zu sein.
Bekanntlich entwickeln diese nordamerikanischen IndianerRassen, Burschen und Mädchen, von lebhaftem und fröhlichem Charakter, sich sehr schnell. Mit zehn Jahren handhaben die Knaben bereits geschickt die Flinte und das Beil. Mit fünfzehn Jahren verheiraten die Mädchen sich und sind trotz ihrer Jugend vortreffliche Familienmütter. Kayette war denn auch ernster und entschlossener als man es bei ihrem Alter erwartet hätte, und die lange Reise, die sie angetreten, bewies zur Genüge die Energie ihres Charakters. Sie war bereits einen Monat unterwegs, dem Südwesten Alaskas zustrebend, und hatte jenen engen, an die Inseln grenzenden Küstenstreifen erreicht, durch den man nach der Hauptstadt gelangt, als sie, längs des Waldrandes dahinschreitend, einige hundert Schritte vor sich zwei Schüsse und verzweifelte Hilferufe gehört hatte.
Es waren dieselben Rufe, welche bis in das Lager der Belle-Roulotte gedrungen.
Kayette war sogleich beherzt auf die Waldlichtung zugeeilt.
Ohne Zweifel hatte ihr Nahen die Mörder aufgescheucht, denn sie erblickte eben nur noch zwei Männer, welche durch das Dickicht davonflohen. Aber offenbar würden jene Elenden bald erfahren haben, daß sie sich vor einem Kinde gefürchtet; sie kehrten in der That bereits in die Lichtung zurück, um ihre Opfer zu plündern, als das Erscheinen des Herrn Cascabel und der Seinigen sie - diesmal endgültig - verscheuchte.
Angesichts der beiden auf dem Boden liegenden Männer, von denen der eine eine Leiche war, während das Herz des anderen noch schlug, hatte Kayette um Hilfe gerufen, und wie man weiß, nicht umsonst. Herr Cascabel hatte sowohl die Rufe der angefallenen Reisenden, als auch die der jungen Indianerin vernommen.
Die Nacht verfloß. Die Belle-Roulotte hatte keinen Angriff von den Mördern zurückzuschlagen, die sich ohne Zweifel schleunigst von dem Schauplatze des Verbrechens geflüchtet.
Am folgenden Morgen konstatierte Cornelia keine Veränderung in dem Befinden des Verwundeten, das noch immer gleich beunruhigend erschien.
Unter diesen Umständen erwies Kayette sich als sehr nützlich, indem sie gewisse Kräuter sammeln ging, deren antiseptische Eigenschaften ihr bekannt waren. Sie bereitete einen Aufguß daraus, in welche neue Kompressen getaucht und dann auf die Wunde gelegt wurden, aus der kein Blutstropfen mehr floß.
Im Laufe des Morgens bemerkte man, daß der Verwundete zu atmen begann; aber es kamen nur Seufzer, nicht einmal undeutliche, abgerissene Worte, über seine Lippen.