Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Es war gegen neun Uhr, als Herr Cascabel seinem Personal den Befehl zum Schlafengehen erteilte. Am folgenden Tage würde man beim ersten Morgengrauen aufbrechen. Die Belle-Roulotte würde auf dem Wege zurückkehren, auf dem sie von Sakramento gekommen und der auch ohne Führer leicht zu finden war. Sobald man die Quellen des Fraser erreichte, brauchte man nur das Thal desselben bis an die Grenze des Territoriums von Washington zu verfolgen.
Nachdem er den beiden Hunden gute Nacht gewünscht, schickte Clou sich eben an, die Thür des äußersten Raumes zu
schließen, als ein Knall aus geringer Entfernung herüberdröhnte. »Das tönt wie ein Schuß!« rief Herr Cascabel. »Ja. man hat geschossen.« antwortete Jean. »Vermutlich irgend ein Jäger.« meinte Cornelia. »Ein Jäger. in dieser finstern Nacht?.« warf Jean ein. »Das ist nicht recht wahrscheinlich.«
Da krachte ein zweiter Schuß und Rufe schollen aus dem Dunkel.
X. Kayette
Bei diesen Rufen stürzten Herr Cascabel, Jean, Xander und Clou aus dem Wagen.
»Dort muß es sein!« sagte Jean, nach dem Waldrande deutend, der sich längs der Grenze hinzog.
»Horchen wir noch!« entgegnete Herr Cascabel.
Das war vergeblich. Kein weiterer Schrei scholl durch den Raum, kein weiterer Schuß erfolgte.
»Sollte es ein Unfall gewesen sein?.« fragte Xander.
»So viel ist jedenfalls sicher,« antwortete Jean, »daß die Rufe Hilferufe waren, und daß jemand da drüben in Gefahr schwebt.«
»Man muß ihm zu Hilfe eilen!« sagte Cornelia.
»Ja, Kinder, gehen wir,« antwortete Herr Cascabel; »und nehmen wir Waffen mit!.«
Schließlich war es ja möglich, daß es sich hier nicht um einen bloßen Unfall handelte. Vielleicht war irgend ein Reisender einem Verbrechen an der alaskischen Grenze zum Opfer gefallen. So mußte man denn vorsichtshalber bereit sein, sich selber sowohl als andere zu verteidigen.
Binnen wenigen Sekunden hatten Herr Cascabel und Jean, Xander und Clou, die ersteren mit Flinten, die beiden letzteren mit Revolvern bewaffnet, die Belle-Roulotte verlassen, welche Cornelia und die beiden Hunde bis zu ihrer Rückkehr hüten sollten.
Fünf bis sechs Minuten lang schritten sie am Waldrande dahin. Von Zeit zu Zeit blieben sie stehen, um zu lauschen: kein Geräusch unterbrach die Stille des Waldes. Trotzdem wußten sie bestimmt, daß die Rufe aus dieser Richtung und aus ziemlich geringer Entfernung gekommen waren.
»Wenn wir nicht etwa von der Sinnentäuschung genarrt worden sind?.« bemerkte Herr Cascabel.
»Nein, Vater,« antwortete Jean, »das ist nicht möglich! Ah!. hörst Du.«
Diesmal vernahm man deutlich einen Hilferuf, - nicht mehr von einer Männerstimme, wie der erste, sondern von der Stimme einer Frau oder eines Kindes.
Die Nacht war sehr dunkel und im Schatten der Bäume sah man kaum einige Meter weit. Clou hatte zwar vorgeschlagen, eine der Wagenlaternen mitzunehmen; aber dem hatte Herr Cascabel sich aus Vorsicht widersetzt, da es jedenfalls besser war, nicht von weitem gesehen zu werden.
Übrigens erschollen die Rufe von neuem und wurden so deutlich, daß man sich leicht danach zurechtfinden konnte. Es schien nicht einmal nötig zu sein, in den Wald einzudringen.
In der That erreichten Herr Cascabel, Jean, Xander und Clou in fünf Minuten den Rand einer kleinen Lichtung, wo sie zwei Männer auf der Erde liegen sahen. Neben dem einen kniete eine Frau und stützte dessen Kopf in ihren Armen.
Es waren die Rufe dieser Frau, die man zuletzt vernommen hatte. Jetzt rief sie in der Chinouksprache, welche Herr Cascabel ein wenig verstand:
»Kommt!. Kommt!. Sie sind ermordet!.«
Jean eilte zu der Frau, die von dem Blute des Unglücklichen, den sie ins Leben zurückzurufen suchte, überströmt war.
»Dieser atmet noch!« sagte Jean.
»Und der andere?« fragte Herr Cascabel.
»Der andere. ich weiß nicht!.« antwortete Xander.
Herr Cascabel kam herbei, um zu horchen, ob kein Herzschlag, kein Hauch des Mundes noch einen Rest von Leben verrate.
»Er ist wirklich tot!« sagte er.
Das war er in der That; eine Kugel hatte seine Schläfe durchbohrt und ihn auf der Stelle getötet.
Aber wer war jene Frau, deren Sprache auf indianischen Ursprung deutete? War sie jung oder alt? In der Dunkelheit, unter der über ihren Kopf gezogenen Kapuze, konnte man ihre Züge nicht unterscheiden. Aber diese Fragen drängten nicht; sie würde später schon sagen, woher sie komme und unter welchen Umständen dieser Doppelmord verübt worden sei. Jetzt mußte man vor allem den Mann, der noch atmete, in das Lager transportieren und ihm die schnelle Pflege angedeihen lassen, von der vielleicht seine Rettung abhing. Was die Leiche seines Gefährten betraf, so würde man am folgenden Tage wiederkommen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.
Von Jean unterstützt, hob Herr Cascabel den Verwundeten bei den Schultern auf, während Xander und Clou ihn bei den Füßen hoben. Dann sagte er, zu der Frau gewendet:
»Folgen Sie uns.«
Und diese schritt ohne Zaudern neben dem Körper her, indem sie das noch immer aus seiner Brust fließende Blut mit einem Tuche zu stillen suchte.
Man konnte nicht schnell vorwärts kommen. Der Mann war schwer und man mußte ihm jede Erschütterung ersparen. Herr Cascabel wollte einen Lebenden ins Lager bringen, keinen Toten.
Endlich, nach Verlauf von zwanzig Minuten, trafen alle dort ein, ohne durch irgend eine unliebsame Begegnung aufgehalten worden zu sein.
Cornelia und die kleine Napoleone, welche befürchteten, daß die Ihrigen einem feindlichen Angriffe zum Opfer gefallen sein könnten, erwarteten sie in tödlicher Unruhe.
»Schnell, Cornelia,« rief Herr Cascabel, »Wasser, Leinen, alles Nötige, um eine Blutung zu hemmen; sonst geht der Unglückliche am Blutverlust zu Grunde!«
»Gut, gut!« antwortete Cornelia. »Du weißt, daß ich mich darauf verstehe, Cäsar. Nicht so viele Worte und laß mich gewähren!«
In der That verstand Cornelia sich darauf, da sie während der Ausübung ihres Berufes mehr als eine Wunde zu pflegen gehabt hatte.
Clou brachte eine Matratze in die erste Abteilung, auf welche der Verwundete gelegt wurde, den Kopf von einem flachen Polster gestützt. Beim Schein der Hängelampe erblickte man sein, bereits von den Schatten des nahen Todes entfärbtes Gesicht und zugleich auch die Züge der Indianerin, die neben ihm auf die Kniee gesunken war.