Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Henker von Paris - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Henker von Paris

Электронная книга - «Der Henker von Paris». Краткое содержание книги:

Charles-Henri Sanson fühlt sich zum Arzt berufen. Doch auf seiner Familie lastet ein Fluch, der ihm bereits in der Schule zum Verhängnis wird: Man erkennt ihn als Sohn des Henkers, eine medizinische Laufbahn bleibt ihm verwehrt, er muss in die Fußstapfen seines Vaters treten. Töten statt heilen. Sanson wird zum Gefangenen seines Schicksals, die Qualen der Todeskandidaten werden zu seinen eigenen. Tagsüber richtet er auf dem Schafott, abends spielt er Klavier, und nachts seziert er die Leichen, um die menschliche Anatomie zu erforschen. Während der Terrorherrschaft im Gefolge der Französischen Revolution guillotiniert Monsieur de Paris über 3000 Menschen. Die Stadt ertrinkt im Blut, und Sanson verliert allmählich den Verstand. Verzweifelt sucht er nach Menschlichkeit und Anerkennung. Die Liebe einer Siamesin, die er gleichwohl nicht heiraten darf, gibt ihm Halt. Bis sie selbst auf die Todeslisten der Revolutionäre gerät ...
Der Autor
Claude Cueni, geboren 1956 in Basel. Nach dem frühzeitigen Abbruch der Schule reiste er durch Europa, schlug sich mit zwei Dutzend Gelegenheitsjobs durch und schrieb Geschichten. Mittlerweile hat er über fünfzig Drehbücher für Film und Fernsehen sowie Theaterstücke, Hörspiele und Romane verfasst, u.a. den Bestseller Das Grosse Spiel über den Papiergelderfinder John Law, der bisher in zwölf Sprachen übersetzt wurde.
Coverfoto: Pierre-Antoine Demachy,
Une exécution capitale, place de la Révolution
(um 1793)
1 ... 22 23 24 25 26 27 28 29 30 ... 72
Перейти на страницу:

Kaum hatte Damiens die Worte ausgesprochen, schlug Frémy den zweiten Nagel durch die Metallplatte. Er schlug ihn so wuchtig, dass er den Knochen des Schienbeins zersplitterte. Damiens schrie, brüllte, flehte, doch Frémy schlug auch den dritten und vierten Nagel in Damiens’ Unterschenkel. Dessen Schreie schienen unter der hohen Kuppel abzuprallen und wie Katapultgeschosse auf alle niederzuprasseln. Er hielt nun keine Sekunde mehr still. Er schrie und brüllte wie von Sinnen seinen Schmerz heraus, und Charles sah, dass nun selbst Richter Molé, der sich Damiens genähert hatte, um ihm die erste Frage zu stellen, am ganzen Körper bebte und zitterte. Molé wollte Namen hören, wollte wissen, ob es eine Verschwörung gegeben habe, ob noch andere Leute daran beteiligt waren. »Ja«, schrie Damiens mit beinahe fröhlicher Stimme, »die Strassen von Paris sind voll davon. Ihr habt nicht genug Soldaten, um sie alle zu töten, denn es gibt Hunderttausende von Damiens.« Molé schien nun sehr aufgeregt. Er hoffte, Namen zu hören. »Namen!«, insistierte er. Doch Damiens lachte böse, erzählte wieder von der Hexe und behauptete, sie sei nicht auf einem Besen geritten, sondern auf einem Riesenpenis, weil es Satan war. »Satan!«, brüllte er. »Geht hinaus in die Strassen, und ihr werdet sehen, dass ich die Wahrheit sage. Überall werdet ihr die Kröten sehen, die ihrer Fotze entsprungen sind. Und ihr hört sie von weitem, denn sie furzt wie ein Blasorchester, und die nasse Luft, die aus ihrem Arsch pfeift, hinterlässt überall Tod und Verwüstung.«

Beim siebten Nagel stiess Damiens nur noch einen einzigen gellenden und nicht mehr enden wollenden Schrei aus und erbrach sich über Frémys Nacken. Damiens zitterte am ganzen Leib. »Nehmt ihm den Stiefel ab«, sagte jemand. Es war Maupeou. Fassungslos sass er hinter dem Tisch und starrte ins Leere. Zu seiner Rechten sass Molé, der von Boyer verarztet wurde. Er hatte offenbar einen Schwächeanfall erlitten. Frémy nahm Damiens den spanischen Stiefel ab, und seine Gehilfen legten Damiens auf eine Bahre und trugen ihn in den Hof hinaus.

Dort standen die zwei mit Pferden bespannten Karren der Sansons. Eine riesige Menschenmenge stand bereits vor dem Tor der Conciergerie und wartete auf das Bündel Mensch, das nun in einer langen Prozession der Hinrichtung zugeführt werden sollte. Die Karren waren offen und mit zwei gegenüberliegenden Sitzbänken bestückt. Sie wurden von Bewaffneten eskortiert. Es waren Angehörige der Maréchaussée, der französischen Nationalpolizei. Alle warteten auf Damiens. Auf dem ersten Karren sass bereits Pater Gomart. Er hatte den Kopf gesenkt und wirkte so betrübt und mitgenommen, als hätte seine eigene letzte Stunde geschlagen. Die Gehilfen hievten Damiens in den ersten Wagen. Frémy wischte sich das Blut an den Hosenbeinen ab und sagte frei von jeglicher Gefühlsregung: »Er gehört jetzt euch.« Charles folgte seinem Onkel Nicolas auf den ersten Wagen. Einige Gerichtsmitglieder setzten sich zu ihnen. Damiens lag auf dem Bretterboden zwischen ihren Füssen. Im zweiten Karren sassen die Henkersgehilfen. Die Wagen setzten sich in Bewegung. Doch sie kamen gleich wieder ins Stocken, weil die zahlreichen Angehörigen der Maréchaussée das Tor versperrten. Schliesslich machten sie den Weg frei, frei für Damiens’ Fahrt zum Schafott.

Tausende von Menschen begrüssten lautstark die Karren. Sie schrien, grölten, johlten, sangen und lachten. Hunderte von Soldaten, Polizisten und eine schier unvorstellbare Menge von Schaulustigen säumten die Strassen, als hätte sich das Gerücht verbreitet, dass man heute Brot zu einem vernünftigen Preis erhalten würde. Die Rue du Pont Saint-Michel, der Quai du Marché Neuf, die Rue du Marché Palu, sie waren alle rabenschwarz von Menschen. Alle Geschäfte hatten geschlossen. Ganz Paris wollte den Mann sehen, der es gewagt hatte, das Blut des Königs zu vergiessen. Die beiden Karren quälten sich durch die unruhige Menge, die sich wie eine gewaltige Flutwelle durch die Strassen ergoss. Vor der Kathedrale Notre-Dame ritten Gendarmen auf und ab und hielten so die Treppe zum Gotteshaus frei. Doch es war fast unmöglich, den wogenden Menschenstrom aufzuhalten. Immer wieder preschten die Reiter auf die Schaulustigen zu und versuchten sie zurückzudrängen, doch sie konnten kaum zurückweichen, denn hinter ihnen wurden sie von Zehntausenden unaufhaltsam nach vorn gedrängt. Die Nationalpolizisten, die die Wagen begleitet hatten, bildeten nun eine Kolonne und feuerten einige Schüsse in die Luft. Für kurze Zeit kam der Menschenstrom zum Erliegen.

Die beiden Wagen hielten vor der Treppe von Notre-Dame. Der Gerichtsdiener forderte Nicolas Sanson auf, Damiens aus dem Karren zu hieven. Gemeinsam hoben einige Henkersknechte den Unglücklichen aus dem Karren. Seine Beine waren derart zugerichtet, zerrissen und zerfetzt, dass jede Berührung und Bewegung unvorstellbare Schmerzen bereitete. Charles wollte vermeiden, Damiens’ Beine anzuschauen, aber es war nicht möglich. Der Gerichtsdiener wartete ungeduldig auf der Treppe der Kathedrale. »Auf die Knie!«, sagte er und schaute über die Menge hinweg. Auch er wagte keinen Blick mehr auf Damiens. Die Gehilfen versuchten, Damiens abzusetzen, auf die Knie zu zwingen, doch er stiess einen derart markerschütternden Schrei aus, dass die Menschen urplötzlich verstummten. Fast andächtig verharrte die Menge in diesem Schweigen, als sei sie sich erst jetzt bewusst geworden, dass sie einen Menschen vor sich hatte. Die Henkersknechte hievten Damiens hoch und hielten ihn an den Armen fest. Seine Füsse berührten den Boden nicht. Er sollte nicht unnötig leiden. Damiens sprach die Worte des Gerichtsdieners mit leiser Fistelstimme nach. Es waren Worte der Reue. Er bat Gott und den König um Vergebung. Als ihn die Knechte in den Wagen zurückbrachten, liess er seinen Tränen freien Lauf. Er schien nun derart zerrüttet und ob der Schmerzen nahe am Wahnsinn, dass er keine Kontrolle mehr über seinen Körper hatte. Er urinierte und kotete unkontrolliert.

Die Karren setzten ihren Weg fort. Je näher sie der Place de Grève kamen, desto bedrohlicher wurde die Menschenmenge, die Damiens’ letzte Fahrt sehen wollte. Einige beschimpften und verspotteten ihn, andere warfen mit Abfällen nach ihm, doch es gab auch solche, die stumm am Strassenrand standen und ihn bemitleideten. An allen Kreuzungen stand ein massives Aufgebot von Polizisten und Soldaten. Als der Konvoi endlich in die Place de Grève einbog, empfing ihn die seit Stunden ausharrende Menschenmenge mit einem orkanartigen Gejohle. Instinktiv warf Charles den Kopf zur Seite und suchte den Blickkontakt zu Onkel Nicolas. Selbst er, der Henker von Versailles, hatte noch nie eine derartige Menschenansammlung gesehen. An allen Häusern entlang des Platzes waren die Fenster weit geöffnet. Dahinter drängten sich Schaulustige, und an ihren Kleidern konnte man erkennen, dass die besten Plätze von Adligen besetzt waren. Fünfzig Sou kostete ein Fensterplatz. Auch Menschen, die man sich aufgrund ihres Auftretens, ihrer Kleidung und ihrer Manieren eher in einem literarischen Salon vorstellen konnte, harrten seit Stunden auf den Balkonen der Stadtpaläste aus, um die grausamste Hinrichtung des Jahrhunderts zu sehen. Sie lasen Voltaire, Rousseau, Montesquieu und wollten dennoch diesen Damiens leiden und sterben sehen.

1 ... 22 23 24 25 26 27 28 29 30 ... 72
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)