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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Agelmar war in seinem Arbeitszimmer. Schwert und Rüstung standen wieder in ihrem Gestell, und sein Gesicht war das zweite, das nicht lächelte. Er trug eine besorgte Miene zur Schau, und das verstärkte sich noch, als er sah, daß Moiraine von livrierten Dienern auf einer Bahre hereingetragen wurde. Frauen in Schwarz und Gold regten sich darüber auf, daß die Aes Sedai zu ihm gebracht wurde, ohne Gelegenheit gehabt zu haben, sich vorher zu erfrischen und von der Heilerin behandeln zu lassen. Loial trug die goldene Truhe herein. Die Stücke des Siegels befanden sich noch in Moiraines Tasche. Lews Therin Telamons Flagge war in ihre Decken eingerollt und noch hinter Aldiebs Sattel geschnallt. Der Stallbursche, der die weiße Stute weggeführt hatte, hatte den strikten Befehl erhalten, dafür zu sorgen, daß die Deckenrolle unversehrt in die der Aes Sedai zugewiesenen Gemächer gebracht wurde.

»Friede!« knurrte der Herr von Fal Dara. »Seid Ihr verwundet, Moiraine Sedai? Ingtar, warum hast du nicht dafür gesorgt, daß die Aes Sedai in ihr Bett kommt und die Heilerin zu ihr gebracht wird?«

»Haltet ein, Lord Agelmar«, sagte Moiraine. »Ingtar hat mir lediglich gehorcht. Ich bin nicht so krank, wie jeder hier zu glauben scheint.« Sie bedeutete zweien der Frauen, ihr auf einen Stuhl zu helfen. Einen Augenblick lang rangen sie die Hände und riefen, sie sei zu schwach dafür, sie solle in einem warmen Bett liegen und ein heißes Bad nehmen und die Heilerin solle kommen. Dann hoben sich Moiraines Augenbrauen, und die Frauen hielten den Mund und beeilten sich, ihr in einen Stuhl zu helfen. Sobald sie bequem saß, gab sie einen Wink, daß die Frauen verschwinden sollten. »Ich muß mit Euch sprechen, Lord Agelmar.«

Agelmar nickte, und Ingtar schickte die Diener aus dem Raum. Der Herr von Fal Dara musterte die Verbliebenen erwartungsvoll, besonders, wie Rand zu bemerken glaubte, Loial und die goldene Truhe.

»Wir haben gehört«, sagte Moiraine, sobald sich die Tür hinter Ingtar geschlossen hatte, »daß Ihr am Tarwin-Paß einen großen Sieg errungen habt.«

»Ja«, sagte Agelmar bedächtig, und seine besorgte Miene kehrte zurück. »Ja, Aes Sedai, und nein. Die Halbmenschen und ihre Trollocs wurden bis zum letzten vernichtet, aber wir haben kaum gekämpft. Meine Männer nennen es ein Wunder. Die Erde verschlang sie: die Berge begruben sie. Nur ein paar Draghkar blieben übrig, und sie waren zu verängstigt, um irgend etwas anderes zu versuchen, als geradewegs und so schnell wie möglich nach Norden zu fliehen.«

»Also wirklich ein Wunder«, sagte Moiraine. »Und der Frühling ist auch eingekehrt.«

»Ein Wunder«, sagte Agelmar kopfschüttelnd, »aber...

Moiraine Sedai, die Männer erzählen sich vielerlei darüber, was am Paß geschah. Das Licht habe menschliche Gestalt angenommen und für uns gekämpft. Der Schöpfer sei zum Paß gekommen, um den Schatten zu schlagen. Aber ich habe einen Mann gesehen, Moiraine Sedai. Ich habe einen Mann gesehen, und was er tat, das kann nicht sein, das darf nicht sein.«

»Das Rad webt, wie es das Rad will, Herr von Fal Dara.«

»Wie Ihr meint, Moiraine Sedai.«

»Und Padan Fain? Ist er sicher verwahrt? Ich muß mit ihm sprechen, wenn ich ausgeruht bin.«

»Er wird verwahrt, wie Ihr es befahlt, Aes Sedai. Die Hälfte der Zeit jammert er seinen Wächtern etwas vor, und die andere Hälfte über versucht er, sie herumzukommandieren, aber... Friede, Moiraine Sedai, was war mit Euch in der Fäule? Habt Ihr den Grünen Mann gefunden? Ich sehe sein Werk in den neuen Dingen, die jetzt wachsen.«

»Wir fanden ihn«, sagte sie tonlos. »Der Grüne Mann ist tot, Lord Agelmar, und das Auge der Welt ist weg. Es wird keine jungen Männer mehr geben, die es aus Ehrgeiz suchen können.«

Der Herr von Fal Dara runzelte die Stirn und schüttelte verwirrt den Kopf. »Tot? Der Grüne Mann? Er kann doch nicht... Dann wurdet Ihr besiegt? Aber was ist mit den Blumen und den anderen Dingen, die jetzt wachsen?«

»Wir haben gesiegt, Lord Agelmar. Wir haben gesiegt, und der Beweis ist ein Land, das vom Winter befreit ist, doch ich fürchte, die letzte Schlacht ist noch lange nicht geschlagen.« Rand rührte sich, und die Aes Sedai blickte ihn scharf an, so daß er sich ruhig verhielt. »Die Fäule existiert immer noch und die Schmieden von Thakan'dar rauchen immer noch, unter Shayol Ghul. Es gibt noch viele Halbmenschen und unzählige Trollocs. Glaubt niemals, daß es in den Grenzlanden nicht mehr notwendig sei, Wachsamkeit zu üben.«

»Das habe ich auch nicht geglaubt, Aes Sedai«, sagte er verletzt.

Moiraine bedeutete Loial, die goldene Truhe zu ihren Füßen abzustellen, und als er das getan hatte, öffnete sie den Behälter und enthüllte das Horn. »Das Horn von Valere«, sagte sie, und Agelmar schnappte nach Luft. Rand glaubte beinahe, der Mann wolle auf die Knie niederfallen.

»Damit, Moiraine Sedai, spielt es keine Rolle mehr, wie viele Halbmenschen und Trollocs übrig sind. Wenn die Helden der alten Zeit aus ihren Gräbern steigen, um uns zu helfen, marschieren wir in das Versengte Land und walzen Shayol Ghul platt.«

»NEIN!« Agelmar öffnete überrascht den Mund, aber Moiraine fuhr ruhiger fort: »Ich habe Euch das nicht gezeigt, um Euch in Versuchung zu bringen, sondern um Euch wissen zu lassen, daß unsere Macht genauso groß sein wird wie die des Schattens, wenn wir vor neuen Schlachten stehen. Sein Platz ist jedoch nicht hier. Das Horn muß nach Illian gebracht werden. Dort muß es im Fall neuer Schlachten die Kräfte des Lichts zusammenrufen. Ich werde Euch um eine Eskorte Eurer besten Männer bitten, um dafür zu sorgen, daß es sicher nach Illian kommt. Es gibt immer noch Schattenfreunde und Halbmenschen und Trollocs, und diejenigen, die dem Ruf des Horns folgen, werden demjenigen gehorchen, der es bläst. Es muß nach Illian.«

»Es wird geschehen, wie Ihr sagt, Aes Sedai.« Aber als sich der Deckel der Truhe schloß, sah der Herr von Fal Dara aus wie ein Mann, dem man einen letzten Blick auf das Licht verweigert.

Sieben Tage später läuteten immer noch die Glocken in Fal Dara. Die Bewohner waren aus Fal Moran zurückgekehrt und feierten mit den Soldaten. Von dem langen Balkon aus, auf dem Rand stand, vermischte sich das Läuten der Glocken mit den Rufen und dem Singen der Menschen. Der Balkon befand sich über dem privaten Garten Agelmars, der kräftig grünte und blühte, aber Rand schenkte dem Garten keine Aufmerksamkeit. Obwohl die Sonne hoch am Himmel stand, war der Frühling in Schienar kühler, als er es gewohnt war, und doch glänzten seine nackte Brust und Schultern vor Schweiß, als er die Klinge mit dem Reiherzeichen schwang. Jede Bewegung war ganz präzise, doch er betrachtete sie aus einiger Entfernung, wo er im Nichts schwebte. Selbst hier aber fragte er sich, ob in der Stadt wohl genausoviel Jubel herrschen würde, wenn die Menschen die Flagge zu sehen bekämen, die Moiraine immer noch versteckte.

»Gut, Schafhirte.« Der Behüter lehnte mit vor der Brust verschränkten Armen am Geländer und beobachtete ihn kritisch. »Du machst es gut, aber treibe dich selbst nicht so! Man kann nicht in ein paar Wochen zum Schwertmeister heranreifen.«

Das Nichts zerplatzte wie eine angestochene Blase. »Ich will doch gar kein Schwertmeister werden.«

»Es ist das Schwert eines Meisters, Schafhirte.«

»Ich will nur, daß mein Vater stolz auf mich ist.« Seine Hand verkrampfte sich um das rauhe Leder des Schwertgriffs. Ich will doch nur, daß Tam mein Vater ist. Er schob das Schwert klatschend in die Scheide. »Und außerdem habe ich nicht einmal ein paar Wochen Zeit.«

»Dann bist du nicht von deinem Entschluß abgewichen?«

»Würdet Ihr das?« Lans Gesichtsausdruck hatte sich nicht verändert — die Flächen seines Gesichts wirkten, als könne sich da gar nichts verändern. »Ihr werdet nicht versuchen, mich aufzuhalten? Oder wird Moiraine Sedai es versuchen?«

»Du kannst machen, was du willst, Schafhirte, oder was das Muster für dich webt.« Der Behüter richtete sich auf. »Ich werde dich jetzt verlassen.«

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