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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Loial erhob sich, wischte sich den Schweiß von seinem breiten Gesicht und nahm Rand die Zügel wieder ab. Seine langen Augenbrauen hingen zerknirscht herunter, als könnten sie glauben, daß er hätte angeben wollen. »Ich habe niemals zuvor so stark gesungen. Das hätte ich auch nicht geschafft, wenn nicht ein Rest des Baumbruders noch hier zurückgeblieben wäre. Meine Baumlieder haben nicht seine Urgewalt.« Als er sich in den Sattel setzte, lag Befriedigung in dem Blick, mit dem er die Eiche und die Blumen musterte. »Wenigstens dieser kleine Fleck wird der Fäule nicht zum Opfer fallen. Die Fäule bekommt den Baumbruder nicht.«

»Ihr seid ein guter Mann, Ogier«, sagte Lan.

Loial grinste. »Ich nehme das als Kompliment, aber ich weiß nicht, was der Älteste Haman dazu sagen würde.«

Sie ritten in einer Linie los, Mat hinter dem Behüter, wo er seinen Bogen, falls notwendig, wirksam einsetzen konnte, und Perrin ganz hinten mit seiner Axt, die er quer über den vorderen Teil des Sattels gelegt hatte. Sie überquerten einen Hügel, und kaum waren sie über den Kamm, da befanden sie sich wieder mitten in der Fäule mit ihren gequälten, faulenden Pflanzen in giftigen Regenbogenfarben. Rand sah nach hinten, doch man konnte den Garten des Grünen Mannes nirgends mehr erkennen. Nur die Fäule, die sich hinter ihnen genau wie vor ihnen erstreckte. Und doch glaubte er, einen kurzen Moment lang den mächtigen Wipfel der Eiche — grün und üppig — aufragen zu sehen, bevor er verschwamm und endgültig weg war. Dann gab es nur noch die Fäule.

Er erwartete so halb, daß sie sich ihren Weg hinaus genauso erkämpfen müßten wie den hinein, aber die Fäule lag ruhig und totenstill da. Nicht ein einziger Ast zitterte, als wolle er nach ihnen schlagen, nichts schrie oder heulte, weder in ihrer Nähe, noch in der Ferne. Die Fäule schien sich zu ducken, nicht über sie herzufallen, als sei sie von einem schweren Schlag getroffen worden und erwarte den nächsten. Sogar die Sonne schien weniger rot.

Als sie an der Halskette von Seen vorbeikamen, stand die Sonne nicht weit hinter dem Zenith. Lan ließ sie in einer guten Entfernung an den Seen vorbeireiten und blickte nicht einmal hin, aber Rand schien es, als seien die sieben Türme höher als beim ersten Mal, wo sie sie erblickt hatten. Er war sicher, daß sich die zerklüfteten Turmspitzen höher über dem Boden befanden, und über ihnen konnte man fast die fugenlosen Türme in der Sonne schimmern sehen, wie sie einst gewesen waren, und Flaggen mit dem Goldenen Kranich wehten darüber im Wind. Er blinzelte und sah noch mal hin, aber die Türme verschwanden nicht ganz. Sie befanden sich dort an der Sichtbarkeitsgrenze und verblieben auch dort, bis die Fäule das Seengebiet wieder verbarg.

Vor dem Sonnenuntergang suchte der Behüter einen Lagerplatz aus, und Moiraine ließ sich von Nynaeve und Egwene dabei helfen, Amulette als Wächter rundherum aufzustellen. Die Aes Sedai flüsterte den anderen Frauen etwas ins Ohr, bevor sie damit anfing. Nynaeve zögerte, aber als Moiraine dann die Augen schloß, taten sie es ihr gleich.

Rand bemerkte, wie Mat und Perrin gafften, und fragte sich, wieso sie eigentlich so überrascht waren. Jede Frau ist eine Aes Sedai, dachte er — ohne einen Anflug von Heiterkeit. Licht hilf mir, ich bin es ja auch. Der trübe Gedanke ließ ihn den Mund halten.

»Warum ist jetzt alles anders?« fragte Perrin, während Egwene und die Seherin Moiraine auf ihr Bett halfen. »Es ist ein Gefühl...« Er zuckte seine mächtigen Schultern, als fehlten ihm die richtigen Worte.

»Wir haben dem Dunklen König einen gewaltigen Schlag versetzt«, antwortete Moiraine und ließ sich mit einem Seufzer nieder. »Der Schatten wird lange brauchen, um sich zu erholen.«

»Wie?« wollte Mat wissen. »Was haben wir denn getan?«

»Schlaft«, sagte Moiraine. »Wir sind noch nicht aus der Fäule heraus.«

Aber am nächsten Vormittag änderte sich auch nichts, soweit Rand erkennen konnte. Natürlich war die Fäule auf dem Weg nach Süden langsam schwächer ausgeprägt. Verkrüppelte Bäume wurden durch gerade gewachsene abgelöst. Die erdrückende Hitze wurde geringer. Fauliges Laub machte anderem — lediglich kränklichen — Platz; und schließlich gesundem, wie ihm bald klar wurde. Der sie umgebende Wald färbte sich rot mit neuen Trieben. Die Äste waren dicht belaubt. Am Unterholz waren Knospen zu sehen, grüne Ranken bedeckten die Steine, und frische Blumen bildeten kräftige, leuchtende Farbflecken im dichten Gras, ebenso schön wie dort, wo der Grüne Mann gewandelt war. Es schien, als wolle der bisher vom Winter abgehaltene Frühling nun alles auf einmal aufholen.

Er war nicht der einzige, der das verwundert feststellte. »Ein harter Schlag«, murmelte Moiraine. Mehr wollte sie nicht sagen.

Kletterrosen umrankten die Steinsäule an der Grenze. Männer traten aus den Wachtürmen und begrüßten sie. Ihr Lachen klang irgendwie überwältigt, und ihre Augen leuchteten überrascht, als könnten sie nicht glauben, daß unter ihren stahlgeschützten Füßen neues Gras wuchs.

»Das Licht hat den Schatten besiegt!«

»Ein großer Sieg am Tarwin-Paß! Wir haben die Botschaft erhalten! Sieg!«

»Das Licht ist uns wieder gnädig!«

»König Easar steht voll im Licht«, antwortete Lan auf alle ihre Rufe.

Die Wächter wollten sich um Moiraine kümmern oder ihnen wenigstens eine Eskorte mitschicken, aber das lehnte sie alles ab. Selbst im Liegen auf der Bahre war die Persönlichkeit der Aes Sedai so stark, daß die bewaffneten Männer einen Schritt zurücktraten, sich verbeugten und ihrem Wunsch Folge leisteten. Ihr Lachen folgte ihnen, als Rand und die anderen weiterritten.

Am Spätnachmittag erreichten sie Fal Dara und fanden die von trutzigen Mauern geschützte Stadt im Taumel einer Siegesfeier vor. Es läutete überall. Rand bezweifelte, daß irgendeine Glocke in der Stadt stillstand. Sie erklangen alle — vom kleinsten Silberglöckchen am Pferdegeschirr bis zu dem großen Bronzegong auf der Spitze jedes Turms. Die Stadttore standen weit offen, und Menschen rannten lachend und singend durch die Straßen. Die Männer hatten sich Blumen in die Haarknoten und die Scharniere ihrer Rüstungen gesteckt. Die übrigen Bewohner der Stadt waren noch nicht aus Fal Moran zurückgekehrt, aber die Soldaten waren gerade vom Tarwin-Paß her angekommen, und ihr Jubel reichte aus, um die Straßen zu füllen.

»Sieg am Paß! Wir haben gewonnen!«

»Ein Wunder am Paß! Das Zeitalter der Legenden ist zurückgekehrt!«

»Frühling«, lachte ein ergrauter alter Soldat, als er eine Girlande aus Morgensternchen um Rands Hals hängte. Sein Haarknoten war ein einziges Bündel der kleinen Blümchen. »Das Licht segnet uns wieder mit einem Frühling!«

Als sie hörten, daß sie zur Festung unterwegs waren, umringte sie eine Gruppe von Männern, die in Stahl und Blumen gekleidet waren, und bahnten ihnen einen Weg durch die Feiernden.

Rand erblickte zum erstenmal ein Gesicht, das nicht lachte, als er Ingtar erspähte. »Ich kam zu spät«, sagte Ingtar enttäuscht und ernst zu Lan. »Eine lumpige Stunde zu spät, um alles mit anzusehen. Friede!« Seine Zähne knirschten hörbar, doch dann entspannte sich sein Gesichtsausdruck. »Vergebt mir. Der Schmerz läßt mich meine Pflichten vergessen. Willkommen, Erbauer. Ein Willkommen Euch allen. Es ist gut, zu sehen, daß Ihr der Fäule heil entkommen seid. Ich werde die Heilerin zu Moiraine Sedai in ihre Räume schicken und Lord Agelmar informieren... «

»Bringt mich zu Lord Agelmar«, befahl Moiraine. »Uns alle.« Ingtar öffnete den Mund, um zu protestieren, aber dann verbeugte er sich unter ihrem dominierenden Blick.

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