Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Und obwohl seine Hände gefesselt waren, stieg er rückwärts die Leiter hinauf und sagte bei jeder Sprosse, die er verließ, um die nächste zu erklimmen, dreimaclass="underline" »Ave Maria.« Als er die Schlinge erreichte, legte der Henker sie ihm um den Hals und wartete einen Augenblick für den Fall, dass der Delinquent noch etwas sagen wollte.
In der Tat rief Fra Diavolo, so laut er konnte: »Ich bitte Gott und die Menschen um Vergebung für meine Verbrechen, und ich empfehle meine Seele der Jungfrau Ma-«
Er konnte nicht aussprechen, denn mit einem Fußtritt zwischen die Schulterblätter hatte Meister Donato ihn in die Ewigkeit befördert.
Der Bandit, der spürte, dass er stürzte, bäumte sich so heftig auf, dass er die Fesseln seiner Hände zerriss. Sogleich stieg der Henker mehrere Sprossen die Leiter hinauf, ergriff das Seil, als es sich näherte, und sprang dem Delinquenten auf die Schulter, um ihm das Rückgrat durch sein Gewicht zu brechen, falls es noch nicht gebrochen war; er schüttelte den Erhängten mehrere Male und ließ sich dann an seinem Körper entlang hinab, um sich an seine Füße zu hängen und von dort zu Boden zu springen.
Doch sei es, dass die Schlinge den Dienst versagt hatte, sei es, dass der Strick zu neu und nicht geschmeidig genug war, oder sei es, dass dieser kraftvolle Organismus schwerer zu zerbrechen war als ein schwächerer – in dem Augenblick, als der Henker die Brust des Gehängten erreichte, umschlang ihn dieser und drückte ihn mit aller Kraft an sich, die er zu Lebzeiten besessen hatte und die in seinem Todeskampf mit letzter Heftigkeit und Gewalt hervorbrach.
Das Volk rief wie aus einer Kehle: »Bravo, Fra Diavolo, bravo!«, während der Henker, der dem Tod fast so nahe war wie der Delinquent, vor Schmerz brüllte.
Die zwei Henkersknechte sprangen herbei, um ihrem Patron zu helfen; für einen Augenblick hingen die vier Männer als unförmige Masse am Ende des Stricks; dann riss das Seil, und alle vier stürzten auf das Schafott.
Bei diesem Anblick begann die Menge zu toben und zu schreien; Steine wurden geworfen, Händler schwenkten ihre Stöcke, die Lazzaroni zeigten ihre Messer, und alle rannten auf das Schafott zu und riefen: »Erschlagt Meister Donato! Erschlagt seine Helfer!«
Doch der neapolitanische Pöbel war nicht mehr der Pöbel, der er gewesen war, als er zu Zeiten König Ferdinands das Schafott demoliert und den Henker in Stücke zerrissen hatte, wenn dieser seinem Handwerk nicht gerecht geworden war.
Die Franzosen, die den Galgen umringt hielten, rückten mit gezückten Bajonetten gegen die Menge vor, drängten sie an den Rand des Marktplatzes zurück und hielten sie dort in Schach.
Unterdessen war dem Offizier, der die Hinrichtung beaufsichtigte, das Grüppchen aufgefallen, das Manhès, der Graf und die zwei Gefangenen in ihrem Wagen samt Postillion bildeten, und höflich hatte er von Offizier zu Offizier einige Fragen gestellt, die einsilbig beantwortet worden waren. Manhès hatte ihm erklärt, um was für Gefangene es sich handelte, und ihn gefragt, was er mit ihnen anfangen solle. Der Offizier hatte ihm geraten, sie im Vicaria-Gefängnis einsperren zu lassen.
Auf die Frage der jungen Männer, welches das beste Hotel der Stadt sei, hatte er ohne zu zögern gesagt: »Das Hotel La Vittoria von Martin Zir.«
»Hörst du«, sagte Manhès zu dem Postillion, nachdem er dem Offizier gedankt hatte.
Der Postillion brachte seine Passagiere zum Vicaria-Gefängnis. Beide stiegen aus und übergaben ihre Gefangenen dem Pförtner, der Name und Anschrift von ihnen verlangte; doch bevor Leo seinen Gefangenen übergab, bedachte er, dass die armen Teufel sicher nicht viel Geld bei sich hatten und sich mit dem Nötigsten versorgen mussten, und deshalb drückte er ihm verstohlen einen Louisdor in die Hand. Zehn Minuten später betraten er und sein Reisegefährte das Hotel La Vittoria, bezahlten den Postillion, bestellten ein heißes Bad und ein Mittagessen, zwei Dinge, die sie nach einer Nacht in den Pontinischen Sümpfen und nach zwölf Meilen in gestrecktem Galopp dringend benötigten.
Doch bevor er sich in das Bad begab, schrieb Manhès dem ersten Kammerherrn Joseph Bonapartes, während Graf Leo dem Polizeiminister Saliceti seine Karte schickte.
Als die beiden jungen Männer sich zu Tisch begaben, erhielt jeder von ihnen eine Antwort: Der erste Kammerherr des königlichen Palastes teilte Manhès mit, dass König Joseph ihn sobald wie möglich zu sehen wünsche und freudig etwaige Neuigkeiten des Kaisers und Murats erwarte.
Graf Leo erhielt ein Schreiben des Sekretärs des Polizeiministers, in dem ihm gesagt wurde, Seine Exzellenz werde ihn mit Vergnügen empfangen, sobald er im Palast vorstellig werde.
Das ließen sich beide gesagt sein, und sie gingen sich umkleiden.
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Christophe Saliceti, Polizeiminister und Kriegsminister
Von Natur aus elegante Männer brauchen nicht lange, um sich umzukleiden.
Graf Leo, in dem der Leser längst René erkannt hat, gehörte zu dieser Spezies. Da sein Rang als zweiter Leutnant bei Surcouf und als dritter Leutnant bei Kapitän Lucas nicht offiziell bestätigt war, wollte er sich weder in der Phantasieuniform zeigen, die er als Korsar trug, noch in der Uniform, die er als Seemann trug, sondern er entschied sich für die Kleidung eines jungen Mannes jener Zeit, das heißt Gehrock mit kleinem Kragen und Knebeln, enganliegende Kaschmirhose, Stulpenstiefel, weiße Krawatte, weiße Weste und Chapeau en Bateau. Um drei Uhr nachmittags ließ er sich bei seiner Exzellenz, dem Polizeiminister und Kriegsminister, als Graf Leo anmelden.
Zwei, drei Wartende hielten sich in dem Vorzimmer auf, doch der Minister ließ ihnen ausrichten, sie sollten am nächsten Tag wiederkommen, die Audienzen seien für diesen Tag beendet; Graf Leo ließ er zu sich bitten.
Polizeiminister und Kriegsminister Christophe Saliceti war Korse, und zu jener Zeit war er sechzig Jahre alt.
Bei Ausbruch der Revolution war er Rechtsanwalt in Bastia; er wurde als Abgeordneter des dritten Standes in die Verfassunggebende Versammlung gewählt, setzte sich dafür ein, dass die Korsen zu französischen Bürgern erklärt wurden, und war danach Mitglied des Nationalkonvents und des Rats der Fünfhundert. Nach dem 18. Brumaire von Napoleon kurzzeitig aufs Abstellgleis geschickt, weil er sich diesem Staatsstreich widersetzt hatte, wurde er bald wieder mit dessen Huld bedacht und erhielt von Joseph, sobald dieser den Thron von Neapel bestieg, das Portefeuille der Polizei und des Krieges. Er hatte ein schönes Gesicht, einen zierlichen Körperbau und genoss den Ruf, von der ganzen Familie Joseph Bonapartes geschätzt und unterstützt zu werden.
Er saß an seinem Schreibtisch; bei den Worten: »Graf Leo!« erhob er sich anmutig und bot dem Besucher einen Stuhl an.
Leo dankte Saliceti für sein Wohlwollen und für die schnelle Antwort auf sein Begehren.
»Monsieur«, sagte Saliceti, »dass ich Sie so bald empfange, ist umso verdienstvoller, als mich dazu unter anderem die Furcht bewog, Sie könnten nach Neapel gekommen sein, weil es Sie nach meinem Posten gelüstet.«
»Oh, Monsieur«, erwiderte lachend derjenige, den wir bald Graf Leo, bald René nennen, »dieser Posten ist weitaus zu gut besetzt, als dass ich auch nur eine Sekunde lang begehrliche Blicke auf ihn richten könnte.«
»Sind Sie es nicht«, fragte Saliceti, »der zusammen mit Hauptmann Manhès aus Rom gekommen ist?«
»Ja, Eure Exzellenz, und Sie geben mir soeben den Beweis, dass Ihre Polizei so gut organisiert ist, dass ich nicht nur jede Hoffnung, sondern sogar jeden Wunsch, Ihr Nachfolger zu sein, verabschieden muss.«
»Sie haben unterwegs im Vicaria-Gefängnis zwei Banditen abgegeben, die Sie gefangen haben, und hatten zuvor drei weitere Räuber erschossen.«
»Man zieht sich unter solchen Umständen so gut man kann aus der Lage«, erwiderte Graf Leo. »Wir haben getan, was wir konnten, Monsieur.«