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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Doch ein französisches Bataillon, das sich den Abruzzen näherte, ohne dass Fra Diavolo davon wusste, erfuhr, dass er sich mit seiner Bande im Wald nahe einem Dorf aufhielt, das es durchquerte; das Bataillon machte halt, nahm sich einen Führer, überfiel die Banditen und tötete an die hundert Mann.

Major Hugo hörte die Gewehrschüsse und eilte mit seiner Kolonne herbei. Fra Diavolo, der sich umzingelt sah und sich von einem Gefecht nichts erhoffen konnte, musste sich mit einer List retten.

Er versammelte seine Leute. »Teilt euch auf«, sagte er zu ihnen, »bildet kleine Einheiten von etwa zwanzig Mann; jede dieser Einheiten soll so tun, als wäre ich bei ihr, und auf die ihr am sichersten erscheinende Weise den Seeweg suchen. In Sizilien wollen wir uns wieder zusammenfinden.«

Gesagt, getan; die Bande teilte sich in Grüppchen auf, die sich wie Rauch oder Nebel in alle Richtungen zerstreuten; Major Hugo wurde von allen Seiten gemeldet, man habe Fra Diavolo gesehen, was ihn in größte Ratlosigkeit stürzte, denn die Berichterstatter wollten den Gesuchten ebenso in die Abruzzen fliehen gesehen haben wie zum linken oder rechten Ufer des Biferno, nach Apulien ausweichen oder die Flucht nach Neapel antreten.

Nach kurzem Überlegen erriet Major Hugo die Kriegslist des Banditen: Es war die gleiche List, deren sich Marschall von Rantzau bedient hatte.

Aber in welchem der Grüppchen war Fra Diavolo zu finden?

Um dies zu ergründen, musste man sie zwingen, allesamt die gleiche Richtung einzuschlagen. Und deshalb ließ Major Hugo am rechten Ufer des Biferon neapolitanische Truppenkontingente vorrücken, ließ die korsische Legion aus Isernia kommen und machte sich mit der königlichen Garde und dem afrikanischen Korps nach Cantalupo und zum Bojanotal auf.[10]

107

Der letzte Kampf

Als die Verfolger die Grafschaft Molise erreichten, sah die Landschaft aus, als hätte eine unvorstellbare Katastrophe sie heimgesucht, denn einige Zeit zuvor hatte ein Erdbeben die Provinz erschüttert; die geflohenen Bewohner kehrten nach und nach in ihre zerstörten Häuser zurück; andere hatten in hastig errichteten Baracken Schutz gesucht; doch Major Hugo, der schon oft mit ihnen zu tun gehabt hatte, wusste, wie gutwillig und gastfreundlich sie waren; er zweifelte keinen Augenblick lang daran, dass sie alles tun würden, um ihm zu helfen, und die Bauern, die er als Kuriere beschäftigte, waren ohne Ansehen der Gefahr Tag und Nacht unermüdlich unterwegs, um Fragen zu überbringen und Antworten zurückzubringen. Überall boten sich die Nationalgardisten als Führer und als Kundschafter an, ohne sich darum zu scheren, dass ihre Häuser dem Erdboden gleichgemacht waren oder welches Unglück ihnen widerfahren war; dies erstaunte Fra Diavolo nicht wenig, und es erschreckte ihn zu sehen, dass seine Landsleute zu seinen Feinden wurden.

Einer unbezwingbaren Macht gehorchend, sah der Bandit sich genötigt, nicht dem eigenen Plan zu folgen, sondern dem Willen seines Widersachers, und schon bald erfuhr Major Hugo, dass die Briganten, denen seine Truppen von allen Seiten nachsetzten, in das Bojanotal hinunterstiegen.

Das Wetter war abscheulich; Bäche und Flussläufe strömten wild und unberechenbar. Bei jedem Schritt traf man auf einen Wasserlauf, den es zu überqueren galt, und oft reichte das Wasser den Soldaten bis zum Gürtel. Der Biferno, der normalerweise nicht mehr als zwei Fuß Wasser führt, war so gestiegen, dass Fra Diavolo in der Falle gesteckt hätte, wenn die Nationalgarde von Cinchiaturo rechtzeitig eingetroffen wäre, um die Brücke zu halten, denn den Fluss konnte man unmöglich durchwaten.

An einem Tag, der aus Regenguss um Regenguss bestand, trafen die Soldaten des afrikanischen Korps und die Männer Fra Diavolos zwischen Bojano und dem Dorf La Guardia aufeinander; die Soldaten Major Hugos, von ihm befehligt, kämpften gegen eine vierfache Übermacht. Glücklicherweise stießen die anderen Kolonnen, die Fra Diavolo verfolgten, eine nach der anderen hinzu und mischten sich in die Kampfhandlungen; doch die anhaltenden Regenstürme führten dazu, dass nur noch mit Gewehrkolben, Bajonetten und Dolchen gekämpft wurde.

Dieser scheußliche Kampf oder eher dieses gewaltige Duell, in dem jeder seinen Gegner tötete oder von ihm getötet wurde, währte länger als zwei Stunden; nach wahren Wundern an Mut und Hartnäckigkeit konnten die Banditen zuletzt zerstreut werden; von den fünfzehnhundert Männern waren nur hundertfünfzig übrig, und diese überquerten die Brücke von Vinchiaturo und flohen das Tal von Tammaro bis nach Benevent entlang; die Soldaten machten etwa dreißig Gefangene, und tausend Gefallene bedeckten das Schlachtfeld oder ertranken in den reißenden Wasserläufen. Hätte Major Hugo seine Dragoner bei sich gehabt, wäre die ganze Bande zersprengt und Fra Diavolo gefasst worden.

Auf dem Weitermarsch näherte sich einer der Gefangenen dem Major und bot an, ihm im Tausch gegen seine Freiheit die Stelle zu zeigen, wo zehntausend Dukaten beziehungsweise fünfundvierzigtausend Francs aus dem Besitz der Banditen vergraben waren.

Major Hugo ging auf diesen Handel nicht ein; seine Aufgabe war nicht, Beute zu machen, sondern Fra Diavolo zu verfolgen.

Als die Vorhut der Kolonne, die Fra Diavolo auf den Fersen war, den Calore erreichte, musste man feststellen, dass der Fluss bis zu einer Höhe von fünfzehn, sechzehn Fuß gestiegen war; die Kolonne kehrte nach Benevent zurück, wo sie Major Hugo mitteilte, auf welches Hindernis sie gestoßen war. Fra Diavolo gewann so einen Vorsprung von vierundzwanzig Stunden gegenüber seinen Verfolgern, die nun befürchten mussten, dass es ihm gelingen würde, das Ufer zu erreichen und nach Capri überzusetzen, wenn sie seine Fährte verloren.

Major Hugo ließ Schuhe an seine Leute verteilen und zwang sie, trotz vereinzelten Murrens eine Stunde nach Mitternacht wieder aufzubrechen.

In Montesarchio erfuhr er, dass Fra Diavolo sich zwischen seinen Kolonnen hindurchgeschlängelt und den jenseitigen Abhang des Monte Vergine erreicht hatte.

Montesarchio liegt an der Straße von Neapel nach Benevent; an dieser Straße befinden sich die berühmten kaudinischen Pässe, unter denen vorbeizuziehen die römische Armee im Krieg gegen die Samniten gezwungen wurde. Der Engpass, den sie bilden, wird auf der einen Seite vom Monte Taburno und auf der anderen vom Monte Vergine abgeschlossen, der seinen Namen einem prachtvollen Kloster am gegenüberliegenden Hang verdankt; doch nach Benevent hin sind die Berge so steil, dass nur Hirten auf der Suche nach ihren Ziegen sich in diese Höhen wagen.

Major Hugo ließ seine Soldaten den unbesteigbaren Berg erklettern; so holte er nicht nur die vierundzwanzig Stunden Vorsprung des Gejagten auf, sondern hatte sogar die Chance, ihn einzuholen; obwohl die Führer nichts unversucht ließen, den Major von seinem Vorhaben abzubringen, beharrte er darauf, und bei Tagesanbruch begann er mit der Besteigung; als Führer dienten nur Hirten, die als Einzige bereit waren, an einem solchen Wagnis teilzunehmen; Hugos Soldaten folgten murrend, doch sie folgten.

Den immensen Schwierigkeiten dieser Bergbesteigung gesellte sich feiner Schneefall hinzu, der den Pfad, der über nacktes Felsgestein führte, noch unwegsamer machte. Das Glück wollte es, dass verstreut Bäume wuchsen, an deren Zweigen man sich festhalten konnte. Und nach drei Stunden unvorstellbarer Mühen gelangten die Soldaten, in denen die Erschwernisse der Bergwanderung Ehrgeiz geweckt hatten und die nun über ihre Stürze und ihr Stolpern lachen konnten, auf ein Hochplateau im Nebel, dessen Lage sich nicht einmal erraten ließ.

Doch kaum hatten sie ihre schneegetränkte Kleidung geschüttelt, fuhr ein Windstoß über die Gipfel, zerriss den Wolkenschleier, der sie einhüllte, und als höbe sich ein Vorhang im Theater, erblickten sie den Golf von Neapel in all seiner Pracht und Größe.

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10

General Hugo, der beauftragt war, die gefürchtetsten Banditen Italiens und Spaniens zu fangen, fing zuerst in Italien Fra Diavolo und danach in Spanien El Empecinado; er hat uns höchst lesenswerte Erinnerungen hinterlassen, denen wir diese Einzelheit entnehmen.

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