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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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Rob besaß kein Geld, um sich für des Baders Geburtstagsgeschenk zu revanchieren. Doch spät am Nachmittag erspähte er eines Tages, als sie durch ein Feld fuhren, bestimmte Pflanzen. Am nächsten Morgen stahl er sich weg und ging eine halbe Stunde zu dem Feld zurück, wo er eine ordentliche Menge der Pflanzen pflückte. An des Baders Geburtstag schenkte ihm Rob dann Portulak, das Fieberkraut, das er mit sichtlicher Freude entgegennahm.

An ihren Vorstellungen merkte man, dass sie sich vertrugen. Sie gingen aufeinander ein, und ihre Vorführungen erhielten Glanz und eine Präzision, die ihnen rauschenden Beifall eintrugen. Rob hatte Tagträume, in denen er seine Brüder und seine Schwestern unter den Zuschauern sah; er stellte sich den Stolz und das Staunen von Anne Mary und Samuel Edward vor, wenn sie sahen, wie ihr älterer Bruder Zauberkunststücke vorführte und mit fünf Bällen jonglierte.

Sie werden gewachsen sein, sagte er sich. Würde sich Anne Mary an ihn erinnern? War Samuel Edward noch immer so wild? Jonathan Carter konnte inzwischen bestimmt schon gehen und sprechen und war ein richtiger kleiner Mann.

Es war ihm als Lehrling unmöglich, seinem Meister zu sagen, wohin sie ihr Pferd lenken sollten, doch als sie sich in Nottingham aufhielten, hatte er Gelegenheit, sich des Baders Karte anzusehen, und dabei stellte er fest, dass sie sich fast im Herzen der englischen Insel befanden. Um London zu erreichen, mussten sie nach Süden weiterfahren, sich zugleich aber auch nach Osten wenden. Er prägte sich die Städtenamen und die Orte ein, damit er erkennen konnte, ob sie dorthin reisten, wohin er so verzweifelt gern fahren wollte.

In Leicester hatte ein Bauer, der einen Felsblock auf seinem Feld ausgraben wollte, einen Sarkophag freigelegt.

Er hatte den Steinsarg rundherum ausgeschaufelt, aber er war zu schwer, um ihn herauszuheben: Sein Boden wurde von der Erde festgehalten wie ein Felsblock. »Der Herzog schickt Männer und Zugpferde, um ihn loszubekommen, und wird ihn in seinem Schloss aufstellen«, berichtete ihnen der Bauer stolz.

In den groben, weißkörnigen Marmor war eine Inschrift eingemeißelt: Dus MANIBUS Vivn MARCIANI MILITIS LEGIONIS SECUNDAE AUGUSTAE IANUARIO MARINA CONJUNX PIISSIMA Posurr MEMO-RIAM. >»Den Manen<«, übersetzte der Bader. »>des Vivius Marcianus, eines Soldaten der Zweiten Legion des Augustus errichtete seine liebende Frau Marina im Januar ein Denkmal.<« Sie sahen einander an. »Ich möchte wissen, was aus der süßen Marina geworden ist, nachdem sie ihn begraben hat, denn sie war weit von zu Hause fort«, sagte der Bader nüchtern. Und Rob dachte: Das sind wir alle.

Leicester war eine große Stadt. Ihre Vorstellung war daher gut besucht, und als der Verkauf des Heilmittels beendet war, hatten sie alle Hände voll zu tun. In rascher Aufeinanderfolge half er dem Bader mit der Lanzette, den Karbunkel eines jungen Mannes zu öffnen, den gebrochenen Finger eines Jungen zu schienen, eine fiebernde Matrone mit Portulak und ein Kind, das an Kolik litt, mit Kamille zu behandeln. Als nächstes führte er einen untersetzten Mann mit einer Glatze und milchigen Augen hinter den Wandschirm. »Wie lange bist du schon blind?« fragte der Bader. »Seit zwei Jahren. Es begann damit, dass ich alles verschwommen sah, und allmählich verschlimmerte es sich dann, bis ich jetzt kaum einen Lichtschimmer wahrnehmen kann. Ich bin Schreiber, kann aber nicht arbeiten.«

Der Bader schüttelte den Kopf, da er vergaß, dass der Blinde diese Geste gar nicht sehen konnte. »Ich kann dir ebenso wenig die Sehkraft wiedergeben wie deine Jugend.«

Der Schreiber ließ sich wegführen. »Es ist eine bittere Erkenntnis«, sagte er zu Rob, »nie wieder sehen zu können.« Ein in der Nähe stehender magerer Mann mit scharfgeschnittenem Gesicht und Adlernase hörte ihrem Gespräch zu und blickte sie an. Sein Haar und Bart leuchteten weiß, aber er war noch jung, etwa doppelt so alt wie Rob.

Er trat vor und legte dem Patienten die Hand auf den Arm. »Wie heißt Ihr?« Er sprach mit einem französischen Akzent, wie ihn Rob oft von Normannen im Londoner Hafen gehört hatte. »Ich bin Edgar Thorpe«, stellte sich der Schreiber vor. »Ich bin Benjamin Merlin, Medicus im nahegelegenen Tettenhall. Darf ich mir Eure Augen ansehen, Edgar Thorpe?«

Der Schreiber nickte blinzelnd. Der Mann hob die Lider mit dem Daumen hoch und studierte die weißliche Trübung. »Ich kann Euch den Star stechen und die trübe Linse entfernen«, versprach er schließlich. »Ich habe diese Operation schon durchgeführt, aber Ihr müsst stark sein, um den Schmerz zu ertragen.« »Den Schmerz fürchte ich nicht«, flüsterte der Schreiber. »Dann müsst Ihr Euch am nächsten Dienstag frühmorgens nach Tettenhall in mein Haus bringen lassen«, beschied ihm der Mann und wandte sich ab.

Rob stand wie vom Blitz getroffen da. Er war nie auf die Idee gekommen, dass jemand etwas versuchen könnte, was des Baders Können überstieg.

»Magister Medicus!« Er lief dem Mann nach. »Wo habt Ihr das gelernt... Augen zu stechen?« »Auf einer Akademie, einer Schule für Ärzte.«

»Wo gibt es diese Schule für Ärzte?«

Merlin sah einen großen Jungen in schlecht geschnittener Kleidung vor sich, die ihm zu klein war. Sein Blick erfasste den grellbunten Wagen und das Podium, auf dem Jonglierbälle lagen und Fläschchen standen mit einem Heilmittel, dessen Art er leicht erraten konnte.

»Eine halbe Welt von hier entfernt«, gab er freundlich Auskunft. Er ging zu einer angebundenen schwarzen Stute, schwang sich auf sie und ritt weg, ohne zurückzublicken.

Rob erzählte dem Bader später von Benjamin Merlin, während Tatus ihren Wagen bedächtig aus Leicester hinauszog. Der Bader nickte. »Ich habe von ihm gehört. Der Medicus von Tettenhall.« »Ja. Er sprach wie ein Franzose.« »Er ist ein Jude aus der Normandie.« »Was ist ein Jude?«

»Ein anderer Name für einen Hebräer, das biblische Volk, das Jesus getötet hat und von den Römern aus dem Heiligen Land vertrieben wurde.«

»Er hat von einer Schule für Ärzte gesprochen.« »Manchmal hält man so einen Lehrgang am College in Westminster ab. Er gilt allgemein als beschissener Lehrgang, der beschissene Ärzte hervorbringt. Die meisten von ihnen arbeiten als Gehilfen bei einem Medicus, um von ihm geschult zu werden, so wie du den Beruf eines Baders erlernst.«

»Ich glaube nicht, dass er Westminster gemeint hat. Er hat gesagt, dass die Schule weit entfernt ist.«

Der Bader zuckte mit den Achseln. »Vielleicht befindet sie sich in der Normandie oder der Bretagne. Es gibt massenhaft Juden in Frankreich, und manche sind hierher gekommen, darunter natürlich auch Ärzte.«

»Ich habe von Hebräern in der Bibel gelesen, hatte aber noch nie einen gesehen.«

»Es gibt noch einen jüdischen Medicus in Malmesbury, Isaak Adoles-centoli heißt er. Ein berühmter Arzt.

Vielleicht bekommst du ihn zu Gesicht, wenn wir nach Salisbury kommen«, sagte der Bader. Malmesbury und Salisbury lagen im Westen von England. »Dann können wir also nicht nach London?«

„Nein.« Der Bader hatte einen Unterton in der Stimme seines Lehrlings gehört und wusste längst, dass der Junge sich nach seinen Verwandten sehnte. »Wir fahren geradewegs nach Salisbury«, entgegnete er streng, »um den Umstand auszunützen, dass bei dem Jahrmarkt in Salisbury viele Menschen zusammenkommen. Von dort fahren wir nach Exmouth, denn dann wird es langsam Herbst. Verstehst du?« Rob nickte.

»Aber im Frühjahr, wenn wir wieder auf die Reise gehen, fahren wir nach London.«

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