Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Medicus - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
1 ... 19 20 21 22 23 24 25 26 27 ... 162
Перейти на страницу:

Der Bader blieb im Bett und nippte an dem Metheglin. Als es schon den zweiten Abend schneite, wanderte er schwerfällig zum Wirtshaus und brachte eine stille, blonde Hure namens Heien mit. Rob versuchte, die beiden von seinem Bett auf der anderen Seite des Feuers aus zu beobachten, denn obwohl er die üblichen Bewegungen nun schon oft gesehen hatte, verwirrten ihn doch gewisse Einzelheiten, die in letzter Zeit seine Gedanken und Träume beschäftigten. Aber er war nicht imstande, das Dunkel mit den Augen zu durchdringen, und so studierte er nur ihre vom Feuer schwach beleuchteten Köpfe. Der Bader war verzückt und ganz bei der Sache, aber die Frau wirkte gelangweilt und melancholisch, als verrichte sie eine freudlose Arbeit.

Nachdem sie gegangen war, holte Rob eine Rindenplatte und ein Kohlestück. Statt die Pflanzen zu zeichnen, versuchte er, die Züge einer Frau festzuhalten.

Der Bader, der unterwegs zum Nachttopf war, blieb stehen, um die Zeichnung zu begutachten, und zog die Stirn in Falten. »Dieses Gesicht kommt mir bekannt vor«, brummte er. Kurz darauf, als er wieder im Bett lag, hob er den Kopf vom Fell. »Das ist ja Heien!« Rob freute sich darüber sehr. Er versuchte, den Salbenverkäufer Wat möglichst gut zu treffen, aber der Bader erkannte den Porträtierten erst, als Rob die kleine Gestalt von Bartram dem Bären hinzufügte. »Du solltest den Versuch, Gesichter möglichst genau wiederzugeben, fortsetzen, denn ich glaube, das ist eine Fertigkeit, die uns nützlich sein kann«, meinte der Bader. Doch er wurde es bald müde, Rob zuzusehen, und trank wieder, bis er einschlief.

Am Mittwoch hörte es zu schneien auf. Der Bader nahm die Felle ab, die die Fensteröffnungen schützten, und ließ kühle, frische Luft ins Haus. Er feierte diesen Tag, indem er eine Lammkeule briet, die er mit Minzengelee und Apfelkuchen auf den Tisch brachte. Donnerstag morgens nahm Rob die Schlittschuhe und hängte sie sich an ihren Lederriemen um den Hals. Er ging zum Stall, legte Tatus nur Zaum und Halfter an, bestieg das Pferd und ritt aus der Stadt. Die Luft knisterte vor Kälte, die Sonne strahlte, und der Schnee war blendend weiß.

Rob verwandelte sich in einen Römer. Es hatte keinen Sinn, sich als Caligula zu fühlen, der auf dem Vorfahr von Incitatus ritt, denn er wusste, dass Caligula verrückt gewesen war und ein schlimmes Ende genommen hatte. Er beschloss, Caesar Augustus zu sein, der die Prätorianergarde über die Via Appia nach Brundisium führte. Es fiel ihm nicht schwer, das Gehöft der Talbotts zu finden. Das Haus stand schief und sah schäbig aus, sein Dach war eingesunken, aber das Stallgebäude war groß und schön. Die Tür stand offen, und er hörte, wie drinnen jemand zwischen den Tieren herumging.

Er blieb unsicher auf seinem Pferd sitzen, aber Tatus wieherte, und es blieb ihm keine andere Wahl, als sich zu melden.

»Garwine?« rief er.

Ein Mann erschien in der Tür des Stalles und kam langsam auf ihn zu. Er hielt eine Holzgabel voll Mist in der Hand, der in der kalten Luft dampfte. Er ging sehr vorsichtig, und Rob merkte, dass er betrunken war. Das konnte nur Garwines Vater sein.

»Wer bist du?« fragte er.

Rob sagte es ihm.

Der Mann schwankte. »Du hast kein Glück, Rob Cole. Sie ist nicht hier. Sie ist durchgebrannt, diese dreckige kleine Hure. Verschwinde von meinem Hof!« Talbott weinte.

Rob ritt langsam nach Carlisle zurück. Er fragte sich, wohin sie wohl gegangen sein mochte, und ob sie durchkommen würde.

Nun war er nicht mehr Caesar Augustus, der die Prätorianergarde anführte: Er war nur ein in Zweifel und Angst verstrickter Junge.

Der Jude von Tettenhall

Sie konnten nichts anderes tun, als auf den Frühling zu warten. Ein neuer Vorrat des Universal-Spezificums war bereits gemischt und in Flaschen gefüllt. Alle Kräuter, die der Bader gesammelt hatte, waren getrocknet und pulverisiert oder in Alkohol eingelegt, nur Portulak zur Bekämpfung des Fiebers fehlte noch. Sie hatten genug jongliert und Magie geübt, und der Bader hatte genug vom Norden, aber auch vom Trinken und Schlafen. »Ich bin zu ungeduldig, um herumzutrödeln, bis der Winter zu Ende geht«, erklärte er eines Morgens im März, und sie verließen Carlisle vorzeitig, obwohl sie nur langsam nach Süden vorankamen, weil die Straßen noch in schlechtem Zustand waren.

In Beverley trafen sie auf den Frühling. Die Luft war lau, die Sonne tauchte auf, und mit ihr eine Schar Pilger, die die große Steinkirche der Stadt besucht hatten, die Johannes dem Evangelisten geweiht war. Rob und der Bader veranstalteten eine Vorstellung, und ihr erstes Publikum m der neuen Saison zeigte sich begeistert.

Während der Behandlungen

ging alles gut, bis Rob die sechste Patientin hinter des Baders Wandschirm führte und die Hände der gutaussehenden Frau ergriff. Sein Puls hämmerte. »Kommt, Mistress«, sagte er schwach. Seine Haut kribbelte vor Angst an den Stellen, wo ihre Hände einander berührten. Er wandte sich um und begegnete dem Blick seines Meisters.

Der Bader wurde blass. Fast grob zog er Rob außer Hörweite unbefugter Lauscher. »Gibt es keine Zweifel? Du musst dir vollkommen sicher sein.«

»Sie wird bald sterben«, antwortete Rob.

Der Bader kehrte zu der Frau zurück, die nicht alt war und gesund aussah. Sie klagte auch nicht über irgendein Leiden, sondern war hinter den Wandschirm gekommen, um einen Liebestrank zu kaufen. »Mein Mann wird zusehends älter. Seine Leidenschaft lässt nach, doch er verehrt mich sehr.« Sie sprach ruhig, und ihre Vornehmheit und der Verzicht auf falsche Bescheidenheit verliehen ihr Würde. Sie trug Reisekleidung aus feinem Tuch und war sichtlich eine reiche Frau.

»Ich verkaufe keine Liebeselixiere. Das fällt in den Bereich der Magie und nicht der Medizin, Mylady.«

Sie murmelte etwas Bedauerndes. Der Bader erschrak, als sie seine Form der Anrede nicht richtig stellte. Beim Tod einer Adeligen der Hexerei angeklagt zu werden, bedeutete sicheres Verderben. »Ein Schluck Alkohol erzielt oft die erwünschte Wirkung, wenn er stark ist und heiß vor dem Schlafengehen getrunken wird.« Der Bader wollte keine Bezahlung annehmen. Sobald sie gegangen war, entschuldigte er sich bei den Kranken, die er noch nicht untersucht hatte. Rob packte bereits den Wagen. Und so flohen sie wieder.

Diesmal sprachen sie während der Flucht kaum ein Wort. Als sie weit genug entfernt waren und beruhigt das Nachtlager aufschlagen konnten, brach der Bader das Schweigen.

»Wenn jemand binnen eines Augenblicks stirbt, wird sein Blick leer«, flüsterte er. »Das Gesicht verliert den Ausdruck oder wird manchmal purpurrot. Ein Mundwinkel hängt herab, ein Augenlid erschlafft, die Glieder werden starr.« Er seufzte. »Der Tod ist barmherzig.« Rob antwortete nicht.

Sie machten ihre Betten und versuchten zu schlafen. Der Bader stand auf und trank, doch diesmal ließ er seinen Lehrling nicht seine Hände halten.

Rob wusste, dass er kein Hexer war. Doch es gab eine einzige andere Erklärung, und er verstand sie nicht. Er betete: Bitte, willst du diese scheußliche Gabe nicht von mir nehmen und sie dorthin zurückgeben, woher sie kam? Wütend und niedergeschlagen konnte er nicht anders als schimpfen, denn seine Sanftmut hatte ihm bisher nicht weitergeholfen. Es ist eine Fähigkeit, die vom Satan stammen könnte, und ich will sie nicht mehr haben, erklärte er seinem Gott.

Scheinbar wurde sein Gebet erhört. In diesem Frühjahr gab es keinen Zwischenfall mehr. Das gute Wetter hielt an, wurde sogar noch besser und brachte sonnige Tage, die wärmer und trockener als für gewöhnlich und vorteilhaft für das Geschäft waren. »Schönes Wetter am St.-Swithin-Tag«, triumphierte der Bader eines Morgens. »Jeder wird dir bestätigen, dass das weitere vierzig Tage Schönwetter bedeutet.« Allmählich legten sich ihre Befürchtungen, und ihre Laune besserte sich. Sein Meister erinnerte sich an seinen Geburtstag! Am dritten Morgen nach dem St.-Swithin-Tag machte ihm der Bader ein schönes Geschenk in Form von drei Gänsekielen, Tuschpulver und einem Bimsstein. »Jetzt kannst du die Gesichter mit etwas Geeigneterem kritzeln als mit einem Kohlestück«, meinte er.

1 ... 19 20 21 22 23 24 25 26 27 ... 162
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)