Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Ist das hier das Gepäck des Grafen? Das trage dorthin«, sagte sie, ohne jemand zu begrüßen, indem sie auf die Koffer wies. »Die Fräulein kommen dorthin, nach links. Na, was macht ihr da für unnütze Komplimente!« rief sie den Dienstmädchen zu. »Zündet den Samowar an! Du bist voller und hübscher geworden«, bemerkte sie und zog die von der Kälte gerötete Natascha an der Pelzkappe zu sich heran. »Hu, wie kalt bist du!« Und dem Grafen, der herantreten wollte, um ihr die Hand zu küssen, schrie sie zu: »So zieh dir doch nur schnell erst den Pelz aus! Du bist ja wohl ganz durchgefroren. Stellt zum Tee Rum auf den Tisch! Bon jour, Sonja!« sagte sie zu dieser und deutete durch diese französische Begrüßung ihre bei aller Freundlichkeit doch ein wenig geringschätzige Gesinnung gegen Sonja an.
Nachdem alle Ankömmlinge ihre winterlichen Reisehüllen abgelegt und sich von der Reise wieder in Ordnung gebracht hatten, erschienen sie zum Tee, und nun küßte Marja Dmitrijewna alle der Reihe nach.
»Ich freue mich von ganzem Herzen, daß ihr nach Moskau gekommen seid und daß ihr bei mir logiert«, sagte sie. »Es ist hohe Zeit«, fuhr sie mit einem bedeutsamen Blick auf Natascha fort. »Der Alte ist hier, und der Sohn wird von Tag zu Tag erwartet. Ihr müßt euch unter allen Umständen mit dem Alten bekanntmachen. Na, darüber reden wir später noch«, fügte sie hinzu, indem sie Sonja mit einem Blick streifte, welcher besagte, daß sie in deren Gegenwart nicht darüber reden möge. »Nun höre«, wandte sie sich an den Grafen, »was hast du denn für morgen für Wünsche? Wen soll ich dir einladen? Schinschin?« Sie bog einen Finger ein. »Die weinerliche Anna Michailowna? Zwei. Sie hat jetzt ihren Sohn hier bei sich und verschafft ihm eine Frau! Dann Besuchow, nicht wahr? Der ist auch mit seiner Frau hier. Er war ihr weggelaufen; aber sie ist ihm schleunigst nachgereist. Er ist Mittwoch bei mir zu Tisch gewesen. Na, und diese beiden«, sie zeigte auf die jungen Damen, »die werde ich morgen in die Iberische Kapelle führen, und dann wollen wir zu der Ober-Schelmin fahren. Ihr werdet euch ja doch wohl lauter neue Garderobe machen lassen? Nach mir könnt ihr euch darin nicht richten; jetzt werden Ärmel getragen – so! von der Größe! Neulich besuchte mich die junge Prinzessin Irina Wasiljewna: es sah ganz verdreht aus; als ob sie sich zwei Fässer über die Arme gezogen hätte. Es ist ja jetzt alle Tage eine andere Mode. Na, und du, was hast du für Geschäfte?« wandte sie sich mit strenger Miene zum Grafen.
»Es ist auf einmal alles zusammengekommen«, antwortete der Graf. »Plunderzeug muß ich einkaufen, und dann habe ich hier einen Käufer für das Landhaus vor der Stadt und für das Stadthaus in Aussicht. Wenn Ihre Güte mit das gestatten sollte, so würde ich mir eine passende Zeit aussuchen und auf einen Tag nach Marinskoje hinausfahren und Ihnen solange meine Mädchen aufpacken.«
»Gut, gut; sie werden bei mir wohlbehütet sein. Bei mir sind sie wie im Vormundschaftsrat selbst. Ich werde sie ausführen, wohin es nötig ist, und werde sie nach Bedarf schelten und streicheln«, sagte Marja Dmitrijewna und tippte mit ihrer großen Hand Natascha, die ihr Liebling und Patenkind war, an die Wange.
Am andern Tag führte Marja Dmitrijewna vormittags die beiden jungen Mädchen in die Iberische Kapelle und zu Madame Auber-Chalmé, die vor Marja Dmitrijewna solche Angst hatte, daß sie ihr ihre Putzsachen und Kostüme immer mit Verlust abließ, nur um diese resolute Kundin möglichst schnell wieder loszuwerden. Marja Dmitrijewna bestellte dort fast die ganze Aussteuer. Als sie wieder nach Hause gekommen waren, trieb sie alle außer Natascha aus dem Zimmer und forderte ihren Liebling auf, sich dicht neben ihren Lehnstuhl zu setzen.
»Na, also jetzt wollen wir ein bißchen miteinander reden. Ich wünsche dir Glück zu deinem Bräutigam. Da hast du dir einen recht braven Menschen geangelt! Ich freue mich um deinetwillen; ich kenne ihn von der Zeit her, wo er noch so klein war.« Sie zeigte etwa zwei Fuß von der Erde. Natascha errötete vor Freude. »Ich habe ihn und seine ganze Familie sehr gern. Nun höre zu. Du weißt ja, der alte Fürst Nikolai ist sehr dagegen, daß sein Sohn sich wieder verheiratet. Ein wunderlicher alter Mann! Es versteht sich von selbst: Fürst Andrei ist kein Kind und kann ohne Zustimmung seines Vaters tun, was er will; aber wenn du gegen den Willen des Vaters in die Familie einträtest, so wäre das doch ein übles Ding. Das muß in Frieden und Freundschaft geschehen. Du bist ja klug und wirst wissen, wie du dich zu benehmen hast. Benimm dich herzlich und verständig. Dann wird schon alles gut werden.«
Natascha schwieg, wie Marja Dmitrijewna meinte, aus Schüchternheit; aber in Wirklichkeit war es ihr unangenehm, daß sich jemand in ihr und des Fürsten Andrei Liebesverhältnis einmischte. Dieses Verhältnis erschien ihr als etwas von allen andern menschlichen Verhältnissen derart Verschiedenes, daß, nach ihrer Auffassung, niemand dafür ein Verständnis haben konnte. Sie liebte und kannte nur den Fürsten Andrei, und er liebte sie und mußte in den nächsten Tagen eintreffen und sie holen. Von weiteren Dingen wollte sie nichts wissen.
»Siehst du wohl, ich kenne ihn schon lange, und auch deine Schwägerin Marja habe ich sehr gern. Man sagt sonst: Schwägerin, Verklägerin; aber diese tut keiner Fliege etwas zuleide. Sie hat mich gebeten, sie mit dir bekanntzumachen. Du wirst morgen mit deinem Vater zu ihr fahren; da schmeichle dich nur recht artig ein: du bist jünger als sie. Wenn dann dein Bräutigam kommt, so sieht er, daß du schon mit seiner Schwester und mit seinem Vater bekannt bist und sie dich liebgewonnen haben. Hab ich recht oder nicht? So ist es doch wohl am besten?«
»Gewiß, so ist es am besten«, antwortete Natascha ohne rechte Herzensfreudigkeit.
VII
Am folgenden Tag fuhr Graf Ilja Andrejewitsch auf Marja, Dmitrijewnas Rat mit Natascha zum Fürsten Nikolai Andrejewitsch. Der Graf schickte sich in recht mißvergnügter Stimmung zu diesem Besuch an: es war ihm bänglich zumute. Er mußte an seine letzte Begegnung mit dem Fürsten anläßlich der Einberufung der Landwehr denken, wo ihm als Antwort auf seine Einladung zum Diner von dem Fürsten ein sehr scharfer Verweis zuteil geworden war, weil er seine Mannschaften nicht gestellt hatte. Natascha dagegen, die ihr schönstes Kleid angelegt hatte, befand sich in heiterster Gemütsverfassung. »Es ist ja unmöglich, daß sie mich nicht liebgewinnen sollten«, dachte sie; »bis jetzt haben mich immer alle Leute gern gehabt. Und ich bin von Herzen bereit, ihnen alles zuliebe zu tun, was sie nur wünschen mögen, bin willens, ihn zu lieben, weil er der Vater, und sie, weil sie die Schwester ist, so daß sie keinen Grund haben werden, mir ihre Liebe zu verweigern!«
Sie fuhren bei dem alten, finsterblickenden Haus in der Wosdwischenka-Straße vor und traten in den Flur.
»Nun, Gott gebe uns seinen Segen!« sagte der Graf halb im Scherz, halb im Ernst; aber Natascha bemerkte, daß ihr Vater nicht mit seiner sonstigen Ruhe und Gemächlichkeit in das Vorzimmer trat und schüchtern mit leiser Stimme fragte, ob der Fürst und die Prinzessin zu Hause seien.
Nach der Meldung von ihrer Ankunft war bei der Dienerschaft des Fürsten eine gewisse Unruhe und Bestürzung wahrzunehmen. Der Diener, der hineingeeilt war, um die Meldung abzustatten, wurde auf dem Rückweg von einem andern, alten Diener im Saal angehalten, und sie flüsterten miteinander. Auch kam ein Stubenmädchen in den Saal gelaufen und sagte hastig etwas, worin der Name der Prinzessin vorkam. Endlich kam der alte Diener mit ernster, strenger Miene in das Vorzimmer, in dem die beiden Rostows warteten, und meldete ihnen, der Fürst könne sie nicht empfangen, aber die Prinzessin lasse bitten, auf ihr Zimmer zu kommen.
Die erste, die die Gäste begrüßte, war Mademoiselle Bourienne. Sie befleißigte sich gegen Vater und Tochter ganz besonderer Höflichkeit und führte sie zu der Prinzessin. Die Prinzessin, mit aufgeregtem, erschrockenem, von roten Flecken überdecktem Gesicht, kam mit ihren schweren Schritten ihren Gästen entgegen, indem sie den vergeblichen Versuch machte, unbefangen und erfreut zu erscheinen. Natascha machte beim ersten Blick auf Prinzessin Marja keinen angenehmen Eindruck; sie kam ihr zu geputzt, leichtfertig und eitel vor. Prinzessin Marja war sich dessen nicht bewußt, daß sie schon, ehe sie ihre künftige Schwägerin noch erblickt hatte, aus mehreren Gründen schlecht gegen sie gestimmt gewesen war: weil sie sie unwillkürlich wegen ihrer Schönheit, ihrer Jugend und ihres Glückes beneidete, und weil sie ihr aus Eifersucht die Liebe ihres Bruders nicht gönnte. Abgesehen von diesem unüberwindlichen Gefühl der Abneigung gegen Natascha war Prinzessin Marja in diesem Augenblick auch noch dadurch aufgeregt, daß der Fürst bei der Meldung von der Ankunft der Rostows geschrien hatte, er wolle von ihnen nichts wissen; wenn Prinzessin Marja wolle, so möge sie sie empfangen; in sein Zimmer aber sollten sie nicht hereingelassen werden. Prinzessin Marja hatte bei der Meldung gesagt, sie wolle Rostows empfangen, fürchtete nun aber jeden Augenblick, der Fürst könne irgendeinen Akt der Unhöflichkeit und Feindseligkeit begehen, da ihn die Ankunft der beiden Rostows sehr aufgeregt zu haben schien.