Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
Laura Hillier folgte den beiden Frauen.
Der Assistant Commissioner betrachtete Barbara nur eine Spur weniger missbilligend als gewöhnlich, und sie wurde sich ihrer Kleidung peinlich bewusst. Sie gab sich nun schon seit Monaten die größte Mühe, ihm nicht unter die Augen zu kommen, und wenn sich eine Begegnung nicht vermeiden ließ, achtete sie stets darauf, möglichst korrekt gekleidet zu sein. Aber jetzt… Sie hatte das Gefühl, ihre roten Baseballstiefel leuchteten wie eine Neonreklame, und die grüne Hose, die sie am Morgen angezogen hatte, schien kaum weniger unpassend.
Sie sagte: »Wir haben einen Verdächtigen festgenommen, Sir. Ich dachte mir, ich komme her und sage es .«
»Leach hat mich schon angerufen.« Hillier trat zu einer Tür auf der anderen Seite des Korridors und nickte ihr auffordernd zu. Sie folgte ihm in einen Warteraum, wo er zu einem Sofa ging und sich setzte. Erst jetzt bemerkte Barbara, wie müde er aussah, vermutlich war er seit der vergangenen Nacht fast ununterbrochen von der Familie in Anspruch genommen worden. Ihre misstrauische Abwehr ließ ein wenig nach. Vielleicht war Hillier doch nicht der Unmensch, für den sie ihn immer gehalten hatte.
Er sagte: »Gute Arbeit, Barbara. Von Ihnen beiden.«
Sie erwiderte vorsichtig: »Danke, Sir«, und wartete, wie es weitergehen würde.
Er sagte: »Setzen Sie sich.«
Sie sagte: »Sir«, und setzte sich, obwohl sie sich viel lieber nach Hause verzogen hätte, in ihren Sessel von zweifelhaftem Komfort. In einer besseren Welt, dachte sie, würde Hillier in diesem Augenblick höchster emotionaler Erschütterung erkennen, wie sehr er sich in ihr geirrt hatte. Er würde sie ansehen, ihre edleren Qualitäten wahrnehmen - zu denen modisches Bewusstsein entschieden nicht gehörte - und ihnen samt und sonders seine Anerkennung schenken. Er würde sie auf der Stelle wieder in ihren früheren Rang hinaufstufen und damit die Strafe löschen, die er am Ende des Sommers über sie verhängt hatte.
Aber dies war keine bessere Welt, und Hillier tat nichts dergleichen. Er sagte nur: »Es ist möglich, dass er es nicht schafft. Wir tun so, als stünde das außer Frage - besonders vor seiner Frau -, aber man muss der Möglichkeit natürlich ins Auge sehen.«
Barbara, die nicht wusste, was sie darauf sagen sollte, murmelte:
»Ach, verdammt«, weil sie sich so fühlte, zur Hilflosigkeit und, zusammen mit dem Rest der Menschheit, zu endlosem Warten verdammt.
»Ich kenne ihn seit einer Ewigkeit«, sagte Hillier. »Es gab Zeiten, da konnte ich ihn überhaupt nicht leiden, und verstanden habe ich ihn nie. Aber er war immer da, eine vertraute Gestalt, bei der ich mich irgendwie darauf verlassen konnte, dass er - nun, dass er einfach da sein würde. Und der Gedanke, dass er nun vielleicht geht, ist mir gar nicht recht.«
»Vielleicht bleibt er ja«, sagte Barbara. »Vielleicht wird er wieder gesund.«
Hillier warf ihr einen kurzen Blick zu. »Nach so etwas wird man nicht wieder gesund. Er wird vielleicht am Leben bleiben. Aber gesund werden? Nein. Er wird nie mehr der Alte sein. Er wird nicht gesund werden.« Er schlug ein Bein über das andere, und zum ersten Mal nahm Barbara von seiner Kleidung Notiz, die er, in der Nacht zuvor hastig angezogen, seither offensichtlich nicht gewechselt hatte. Ausnahmsweise sah sie ihn nicht als Vorgesetzten, sondern als Mensch: Tweed und Hahnentritt und ein Pulli mit einem Loch im Ärmel. Hillier sagte: »Leach hat mir erzählt, dass der Mann das alles nur getan hat, um falsche Spuren zu legen.«
»Ja, das jedenfalls glauben Inspector Lynley und ich.«
»So ein Irrsinn.« Und dann sah er sie mit zusammengekniffenen Augen an. »Was anderes steckt nicht dahinter?«
»Wie meinen Sie das?«
»Es gibt keinen anderen Grund für den Anschlag auf Malcolm?«
Sie erwiderte ruhig seinen Blick und las die Frage darin, die Frage, ob das, was Assistant Commissioner Hillier über die Webberlys und ihre Ehe vermutete, glaubte oder glauben wollte, richtig war. Barbara hatte nicht die Absicht, dem Assistant Commissioner diesbezüglich irgendeine Information zu liefern. Sie antwortete:
»Nein, es gibt keinen anderen Grund. Es war einfach so, dass der Superintendent für Davies leicht ausfindig zu machen war.«
»Das ist Ihre Vermutung«, stellte Hillier fest. »Leach hat mir erzählt, dass Richard Davies nicht redet.«
»Ich denke, er wird schon noch reden«, meinte Barbara. »Er weiß doch besser als die meisten, wohin es hinführen kann, wenn man den Mund nicht aufmacht.«
»Ich habe Lynley zum stellvertretenden Superintendent ernannt, bis diese Geschichte geklärt ist«, sagte Hillier. »Das wissen Sie, nicht wahr?«
»Dee Harriman hat uns informiert.« Barbara holte Luft und hielt sie an, während sie all ihr Hoffen, Wünschen und Träumen auf das richtete, was dann nicht geschah.
Hillier sagte lediglich: »Winston Nkata macht seine Sache insgesamt gesehen recht gut.«
Was heißt hier, insgesamt gesehen?, fragte sie sich, sagte aber:
»Ja, Sir. Er ist wirklich gut.«
»Ich denke, er kann mit einer baldigen Beförderung rechnen.«
»Da wird er sich freuen, Sir.«
»Ja, das denke ich auch.« Hillier sah sie lange an, dann schaute er weg. Die Augen fielen ihm zu, und sein Kopf sank zurück an die Sofalehne.
Barbara saß stumm da und überlegte, was jetzt von ihr erwartet wurde. Schließlich sagte sie: »Sie sollten nach Hause fahren und sich ausruhen, Sir.«
»Das habe ich vor«, antwortete Hillier. »Das sollten wir alle tun, Constable.«
Es war halb elf Uhr abends, als Lynley seinen Wagen in der Lawrence Street abstellte und das Stück Weg zum Haus der St. James zu Fuß ging. Er hatte sich bei seinen Freunden nicht angemeldet und auf der Fahrt von der Earl's Court Road hierher beschlossen, sie nicht zu stören, sollte bei seiner Ankunft im Haus kein Licht mehr brennen. Er wusste, dass hinter dieser Entscheidung hauptsächlich Feigheit steckte. Es wurde höchste Zeit, sich den Sünden und Versäumnissen der Vergangenheit zu stellen und endlich reinen Tisch zu machen, und vor diesem Schritt scheute er zurück. Dabei spürte er, wie seine Vergangenheit wie ein schleichendes Gift in die Gegenwart eindrang, und wusste, dass er der Zukunft eine Radikalkur schuldete, die nur durchgeführt werden konnte, wenn er redete. Trotzdem hätte er das gern noch eine Weile hinausgeschoben. Und als er um die Ecke bog,
hoffte er auf dunkle Fenster als Vorwand für weiteres Zögern.
Aber er hatte Pech. Das Licht über der Haustür brannte hell, und aus den Fenstern von St. James' Arbeitszimmer fielen gelbe Lichtstreifen auf den schmiedeeisernen Zaun, der das Grundstück umschloss.
Er ging die Treppe hinauf und klingelte. Drinnen bellte als Antwort der Hund. Er bellte immer noch, als Deborah St. James die Tür öffnete.
Sie sagte: »Tommy! Du meine Güte, du bist ja völlig durchnässt. Hast du deinen Schirm vergessen? - Peach, hierher!« Sie hob den kläffenden kleinen Dackel hoch und klemmte ihn unter den Arm. »Simon ist nicht da«, sagte sie, »und Dad schaut sich einen Film über Schlafmäuse an - frag mich nicht, warum. Da nimmt Peach seine Pflichten als Wachhund etwas ernster als sonst. Komm jetzt, Peach, hör auf zu knurren.«
Lynley trat ins Haus und zog seinen nassen Mantel aus. Er hängte ihn an die Garderobe rechts neben der Tür und streckte dem Hund die Hand hin, um ihn schnuppern zu lassen. Peach hörte auf, zu bellen und zu knurren, und zeigte sich bereit, Lynleys Huldigung in Form von ein paar Streicheleinheiten entgegenzunehmen.
»Er ist wahnsinnig verwöhnt«, bemerkte Deborah.
»Er tut nur seine Pflicht. Du solltest nicht jedem gleich die Tür aufmachen, jedenfalls nicht nach Einbruch der Dunkelheit, Deb. Das ist unvorsichtig.«