Sophiechen und der Riese
- Автор: Даль Роальд
- Год: 1990
- Язык: немецкий
- Жанр: Детская проза
Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:
«Und ob ich das kann. Verlaß dich darauf. Aber zuallererst muß ich dir eine wahnsinnig wichtige Frage stellen, und zwar folgende: Kannst du jemand dazu zwingen, daß er eine ganz bestimmte Sache träumt?»
«Alles was du willst», sagte der GuRie voller Stolz.
«Wenn ich dir zum Beispiel sagen würde, ich will träumen, wie ich in der Badewanne sitze und damit durch die Luft fliege, und die Badewanne hat silberne Flügel - könntest du mich genau das träumen lassen?»
«Ja, das könnte ich», sagte der GuRie.
«Und wie?» fragte Sophiechen. «Denn vielleicht hast du ja ausgerechnet diesen Traum nicht in deiner Traumothek.»
«Den hab ich vielleicht wirklich nicht auf Lager», sagte der GuRie. «Aber ich könnte ihn in Nullkommanix zusammenmixen.»
«Zusammenmixen? Und wie machst du das?» «Etwa so, wie man einen Kuchenteich anrührt», sagte der GuRie. «Wenn du von allen Zutaten die richtige Menge zusammenmixt, dann kriegst du jeden Kuchen hin, wie du ihn haben willst: zuckrig, hefig, rosinig, weinachtig, tortig oder keksig. Genauso ist das mit den Träumen.»
«Und weiter?» fragte Sophiechen.
«In meiner Traumothek hab ich doch Millionen von Träumen, stimmt's oder hab ich recht?» «Genau», sagte Sophiechen.
«Ich hab Träume von Badewannen - jede Menge. Ich hab Träume von silbernen Flügeln. Und ich hab Träume vom Fliegen. Ich brauch also nur diese Träume fein säuberlich zusammenzumixen, und schon haben wir den Salat. Ich kann dir also im Hansumdrehen einen Traum anrühren, wo du in einer Badewanne mit silbernen Flügeln durch die Gegend düst.»
«Ich verstehe, was du meinst», sagte Sophiechen. «Ich hatte nur keine Ahnung, daß du Träume miteinander mischen kannst.»
«Oh, die Träume mögen sogar gerne zusammengemixt werden», sagte der GuRie. «So ganz allein in ihrer gläsernen Flasche fühlen sie sich sehr einsam.» «Ach so», sagte Sophiechen. «Hast du denn in deiner Traumothek auch Träume über die Königin von England?»
«Massig», sagte der GuRie.
«Und auch über Riesen?»
«Natüllich», sagte der GuRie.
«Und auch über Riesen, die Menschen fressen?»
«Aber immer», sagte der GuRie.
«Und auch über kleine Mädchen?»
«Das sind sogar die häufigsten», sagte der GuRie. «Träume über Mädchen - davon hab ich ganze Regale voll.» «Und könntest du die nun miteinander mischen? Genau nach meinem Rezept?» fragte Sophiechen und glühte vor Begeisterung.
«Natüllich könnte ich das», sagte der GuRie. «Und was bringt das? Ich glaub, du bist auf dem Holzweg.» «Abwarten, abwarten», sagte Sophiechen. «Paß mal auf. Ich möchte gern, daß du einen bestimmten Traum zubereitest, den du dann in das Schlafzimmer der Königin von England pustest, während sie schläft. Und zwar soll der Traum folgendermaßen gehen ...»
«Nicht so schnell, nicht so schnell!» bat der GuRie. «Und wie soll ich so nah an das Schlafzimmer der Königin von England herankommen, daß ich den Traum da reinpusten kann? Du redest Schnickschnack.»
«Später, später», sagte Sophiechen. «Jetzt mußt du bitte erst einmal gut aufpassen. Ich sage dir jetzt, was in dem Traum, den du zusammenbraust, vorkommen soll. Hörst du auch gut zu?»
«Auch sehr gut zu», sagte der GuRie. «Ich möchte, daß die Königin von England träumt, wie neun ekelhafte Riesen - jeder ungefähr sechzehn Meter dreiundzwanzig lang - bei Dunkelwerden nach England galoppieren. Sie soll auch ihre Namen träumen. Wie waren noch gleich die Namen?»
«Fleischfetzenfresser», sagte der GuRie. «Menschenpres-ser. Knochenknacker. Kinderkauer. Hackepeter. Klumpenwürger. Mädchenmanscher. Blutschlucker. Und Metzgerhetzer.»
«Laß sie alle diese Namen träumen», sagte Sophiechen. «Und laß sie träumen, wie diese Typen sich einschleichen nach England mitten in der Nacht, zur Geisterstunde, und wie sie sich kleine Jungen und Mädchen aus den Betten grapschen. Laß sie träumen, wie die Riesen durch die Schlafzimmerfenster greifen, wie sie die kleinen Jungen und Mädchen aus den warmen Betten zerren und sie dann . » Sophiechen mußte abbrechen. Aber dann kam sie doch mit der Frage heraus: «Wie ist das eigentlich? Werden sie gleich an Ort und Stelle verspeist oder erst einmal woandershin gebracht?»
«Die schmeißen sie sich immer direkt ins Maul wie Kartoffelchips», sagte der GuRie.
«Das muß also vorkommen in dem Traum», sagte Sophiechen. «Und dann . dann muß der Traum zeigen, wie sie knallvolle Bäuche haben und nun zurücktrampeln nach Riesenland, wo kein Mensch sie jemals finden kann.» «Alles?» fragte der GuRie.
«Noch lange nicht», sagte Sophiechen. «Du mußt dann der Königin doch noch im Traum erklären, daß es einen GuRie gibt, einen Guten Riesen, der ihr verraten kann, wo diese gräßlichen Unholde wohnen, damit sie ihre ganzen Soldatenarmeen da hinschicken kann, um sie ein für allemal gefangenzunehmen. Und dann laß sie noch eine letzte Sache träumen, die aber sehr wichtig ist. Nämlich laß sie träumen, daß bei ihr auf der Fensterbank ein kleines Mädchen sitzt, das heißt Sophiechen, und die kann ihr sagen, wo sich der Gute Riese versteckt hat.» «Versteckt hat? Wer? Wo?» fragte der GuRie. «Darüber reden wir später», sagte Sophiechen. «Also: die Königin träumt jetzt diesen Traum, nicht wahr?»
«Doch, nicht wahr», sagte der GuRie.
«Und dann wacht sie auf und denkt sofort: <Was war das nur für ein unschöner Traum! Ich bin ja so froh, daß es nur ein Traum war!> Und dann schlägt sie im Liegen die Augen auf, und was sieht sie da?»
«Und was sieht sie da?» fragte der GuRie.
«Sie sieht ein Mädchen mit Namen Sophiechen auf der Fensterbank sitzen, ganz echt und wirklich sieht sie das mit ihren eigenen Augen.»
«Aber darf ich mal fragen, wie du das machen willst: bei der Königin auf der Fensterbank sitzen?» «Ist doch klar, daß du mich da hinbringst», sagte Sophiechen. «Das ist ja gerade der Witz an der ganze Sache! Wenn jemand träumt, daß bei ihm im Zimmer ein kleines Mädchen auf der Fensterbank sitzt, und wacht auf und sieht das Mädchen wirklich da sitzen, dann ist doch der Traum in Erfüllung gegangen, oder nicht?»
«Ich verstehe allmählich, worauf du hinauswillst», sagte der GuRie. «Wenn die Königin merkt, daß eine Sache, die sie geträumt hat, wahr ist, dann glaubt sie vielleicht, das andere ist auch alles wahr.»