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Sophiechen und der Riese

Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:

Das Waisenkind Sophiechen beobachtet eines Nachts im Waisenhaus eine seltsame Szene: Ein Riese mit großen Ohren bläst mit einer Trompete in ein Kinderzimmer. Schlimmerweise bemerkt er, daß er beobachtet wurde und nimmt Sophiechen mit ins Land der Riesen. Dort muß Sophiechen Schreckliches entdecken: Während sie mit dem GuRie, dem Guten Riesen unterwegs ist, sind die andereren neun Riesen weniger nett: Jede Nacht ziehen sie auf der Suche nach Menschenfleisch aus und schlagen sich den Bauch voll. Sophiechen ist klar, daß etwas geschehen muß, doch was soll ein kleines Mädchen gegen riesige Monster ausrichten?
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«Nur noch einen einzigen!» sagte Sophiechen. «Den hier.»

Und sie las folgendes:

Ich hob ein Buuch geschrihben das iß soo schban-nend daß mann middem lehsn eimfach nich auf-höhrn kann. Wenn mann di ersde Zeile gelehsen hadd iß mann soo gefesseld daß mann biss zur lez-den Saidhe weiderlehsen muß. Inn jehder Schdadd laufen di Loide sich auf der Schdrahsse über den Haufen weil si können ire Augen nichd lohsreisen fonn dehm Tex inn meim Buuch. Sogaa di Zaan-erze lehsn eß beim boan aba daß machd niggs weil di Bazienden auch immer lehsn. Di Audofarrer lehsn eß beim Audofahn unt nadyllich gnalld eß anndauernd überall. Di Gehirrnschirurgeln lehsn eß beim Gehirrnopperihren. Di Pielohden lehsn eß unt flihgen aus Ferseen nach Honnulolli schdadd nach Kingkong. Di Fußballschbihler lehsn eß auf dehm Schbihlfelld weil si eß eimfach nich wegglee-gen könn. Unt auch di Marratonnloifer auf der Ollümpchaade lehsn eß beim Marratonnlaufm. Alle alle alle wolln ummbedinkt wißn wihs weider geed inn meim Buuch. Unt wenn ich aufwach binn ich noch ganz schdollz unt aufgereekt weil ich binn der grösde Dichder aller Zeiden - biß meine Mammi reinkommd unt saachd: «Ich hob mihr gessdern ahbend mal dein Aufsazzheff anngekuckt unt ich muschschon sahgen deine Rechd-schreibung iß harschdroibend unt deine Inder-brunxion auch.»

«Das reicht für heute», sagte der GuRie. «Es gibt noch zahllose und aberzahllose davon, aber mein Arm wird lahm vom Hochhalten.»

«Was sind das da drüben für welche?» fragte Sophiechen. «Warum haben die so kleine Aufkleber?» «Das», erklärte der GuRie, «kommt daher, daß ich an einem Tag manchmal so viele Träume fange, daß ich keine Zeit habe oder keine Lust, große Zettel vollzuschreiben. Dann schreib ich nur im Tellegrampfstil ein paar Strichwörter auf, damit ich mich verinnern kann.» «Darf ich bitte mal sehen?» fragte Sophiechen. Geduldig trug der GuRie sie auf Händen quer durch die Höhle zu den Gläsern hinüber, auf die sie gezeigt hatte. Sophiechen las die Traumtelegramme schnell herunter, eines nach dem andern:

Ich gledder auf den Mannt Ewwerest gans alleine nuhr midd meiner Muschikazze.

Ich binn der Erfinnder fonn eim Audo daß midd Zaangrehm gedangd wird.

Ich kann di Lammbe ann unt ausmachen nuhr durch Wünnschen.

Ich binn ersd achd Jaare alld aba ich haap einen saagenhaffden follen Follbahd unt die andern sind gans neidisch.

Ich kann inn jehdem Hochhaus aus dehm höxden Fensder schbringen unt schwehbe lanxam nach unnden.

Ich besizze eine Bihne bei der gips wenn sie fliechd Roggmusiek.

«Ich frage mich», sagte Sophiechen, «wie du überhaupt schreiben gelernt hast.»

«Aha», sagte der GuRie. «Ich warte schon die ganze Zeit darauf, daß du mich danach fragst.»

«Wenn man denkt, daß du ja nie das Glück genossen hast, in die Schule gehen zu dürfen, dann finde ich das einfach ein Wunder», sagte Sophiechen. «Wie hast du das nur gelernt?»

Der GuRie durchquerte die Höhle und öffnete eine kleine Geheimtür in der Wand. Aus dem Geheimfach dahinter holte er ein Buch, das war sehr alt und zerfleddert. In der Hand eines Menschen wäre es ein ganz normales Buch gewesen, wie die meisten Bücher eben sind. Aber in der gewaltigen Riesenhand nahm es sich aus wie eine Briefmarke.

«Eines Nachts», sagte er, «hab ich einen Traum durch ein Fenster gepustet und sehe in dem Kinderzimmer dieses Buch hier auf dem Tisch liegen. Und ich hab mir das so furchtbar gewünscht, weißt du? Aber ich wollte es natürlich nicht stehlen. Stehlen würde ich niemals.» «Und wie hast du es dann trotzdem bekommen?» wollte Sophiechen wissen.

«Ich hab's mir nur geleiht», sagte der GuRie mit einem schlauen Lächeln. «Ich hab es mir nur schnell mal eben ausgeleiht.» «Und wie lange hast du es dir jetzt schon ausgeliehen?» fragte Sophiechen.

«Achtzig Jahre vielleicht, mehr bestimmt nicht», sagte der GuRie. «Ich werd es wohl allmählich mal zurückgeben müssen.»

«Und damit hast du dir das Schreiben beigebracht?» fragte Sophiechen.

«Das Buch habe ich bestimmt hundert und hundertmal gelesen», sagte der GuRie. «Und ich lese es immer wieder neu und lerne immer neue Worte und wie man sie schreiben muß. Die Geschichte in dem Buch ist aber auch extrasuper.»

Sophiechen nahm das Buch aus seiner Hand und las den Titel laut vor: «Der abenteuerliche Simplizissimus». «Von Himmels Grausen», ergänzte der GuRie. «Von wem?» fragte Sophiechen.

In diesem Moment war von draußen vor der Höhle ein ungeheueres Getrampel zu hören. «Was ist das?» schrie Sophiechen.

«Das sind die andern Riesen, die galoppieren jetzt los in irgendein Land, um da ordentlich menschliche Leberwesen zu spachteln», sagte der GuRie. Ruckzuck schob er Sophiechen in seine Westentasche, sprang zum Höhleneingang und rollte den Stein beiseite. Sophiechen linste durch das Guckloch hinaus und sah, wie die schrecklichen Riesen alle neune in vollem Galopp vorüberdonnerten.

«Wohin geht's denn heut abend?» rief der GuRie. «Heut abend machen mir alle einen Flitzer nach Eng-land», rief der Fleischfetzenfresser im Vorbeitrampeln. «England ist was für Schweinschmecker, und wir haben alle Hunger auf ein paar leckerschlotzige engländische Kinderchen.»

«Ich», brüllte der Mädchenmanscher, «ich weiß, wo da ein Kinderreim für Mädchen ist, und da haue ich mir den Bauch voll wie eine Haubitze!»

«Und ich kenn da ein Landschwulheim für Jungs!» grölte der Klumpenwürger. «Ich brauch nur die Hand auszustrecken und mir eine Handvoll genehmigen! Engländische Jungs schmecken ja so unheimlich leckerschlot-zig!»

Sekunden später waren die neun galoppierenden Riesen schon nicht mehr zu sehen.

«Was hat der gesagt?» fragte Sophiechen und reckte den Kopf aus der Westentasche heraus. «Ein Kinderreim für Mädchen - was ist das denn?»

«Damit meint er ein Hinternaht für Schülerinnen», sagte der GuRie. «Da will er gleich ganz viele Schülermädchen essen.»

«Nein!» schrie Sophiechen: «Nein!» «Und Jungs aus einem Jungs-Hinternaht», sagte der GuRie.

«Aber das dürfen sie nicht!» rief Sophiechen. «Wir müssen sie daran hindern! Wir können nicht einfach dasitzen und nichts tun!»

«Es gibt aber nichts, was wir tun könnten», sagte der GuRie. «Wir sind so ohnmächtig wie der Ochs vorm Berg.»

Er ließ sich auf einem großen blauen Felsen in der Nähe seines Höhleneingangs nieder, angelte Sophiechen aus seiner Westentasche und stellte sie neben sich auf den Stein. «Jetzt kannst du ruhig draußen sein, bis sie zurück sind», sagte er.

Inzwischen war die Sonne untergegangen, und es wurde dunkel.

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