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Электронная книга - «Der Findling». Краткое содержание книги:

Als ein umherziehender Schausteller in Irland seine beweglichen Puppen vorführt, kommt man schnell seinem Geheimnis auf die Spur: In einem winzigen Kasten muß ein Junge diese Figuren bedienen. Er kommt so zu einer wahren Hexe in die Obhut, in die Armenschule, dann zu einer reichen Schauspielerin, aber nirgends wird dem Findling eine echte Heimat geboten. So schlägt er sich wieder allein durchs Leben und beweist dabei bald seinen unternehmerischen Geist. Ein unaufhaltsamer Aufstieg aus dem Elend beginnt für ihn, bei dem ihm aber nichts geschenkt wird.
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Die Vorbereitungen nahmen ihren Anfang und der kleine Knabe mußte den letzten Proben beiwohnen.

Das erste Mal erstaunte er ungemein über alles, was er da sah und hörte. Miß Anna Walston nannte ihn wohl, gemäß dem Texte der Rolle, »mein Kind«, es schien ihm aber, als ob sie ihn nicht so innig wie sonst umschlänge und keine Thränen vergösse, wenn sie ihn an ihr Herz zog. Wozu auch weinen bei Theaterproben? Wozu die Augen abnutzen? Dazu war's bei der Aufführung Zeit genug.

Auf den kleinen Knaben machte übrigens alles einen tiefen Eindruck. die sperrigen Gestelle der Coulissen, die etwas feuchtmodrige Luft, der große, leere Zuschauerraum, in den nur kleine Fenster über der höchsten Gallerie wenig Licht eindringen ließen, das Ganze sah so traurig aus, wie ein Haus mit einem Todten darin. Immerhin that Sib - so hieß der Kleine in dem Stücke - was man von ihm verlangte, und Miß Anna Walston prophezeite ihm schon den schönsten Erfolg. und sich natürlich mit.

Vielleicht wurde diese Zuversicht nicht allgemein getheilt. Der Künstlerin fehlte es ja, vor allem unter den Colleginnen, nicht an Neidern. Sie hatte diese verletzt durch ihre eigenwillige Persönlichkeit, ihre Launen, gewiß ohne Absicht und ohne daß sie es merkte, und wer hätte ihr das auch mittheilen sollen? Jetzt erklärte sie nun, eine Folge der Erregbarkeit ihres Temperaments, gar noch, der Kleine, der jetzt kaum so hoch wie ein Ritterstiefel war, werde noch einen Kean, einen Macready und andre Größen der heimischen Bühne ausstechen. Das ging doch über alles Maß hinaus.

Endlich kam der Tag der ersten Aufführung.

Es war am 19. October, an einem Donnerstage. Miß Anna Walston befand sich natürlich in hochgradiger Aufregung. Einmal ergriff sie Sib, umarmte ihn und schüttelte ihn mit nervöser Gewalt, dann wieder reizte sie seine Gegenwart und sie schob ihn weg, während dieser nichts von allem begriff.

Am Abende der ersten Aufführung strömten die Leute in hellen Haufen nach dem Theater in Limerick. Der Theaterzettel hatte eine ganz außergewöhnliche Zugkraft geübt.

Gastvorstellung der Miß Anna Walston, Die Reue einer Mutter. Schauspiel von dem berühmten Furpil. Personen:

Die Herzogin von Kendalle..........Miß Anna Walston.

Sib, dargestellt von deren Pflegesohne, der »Findling« genannt, z. Z. 5 Jahre 9 Monate alt. u. s. w.

Wie stolz wäre der kleine Bursche gewesen, wenn er vor diesem Anschlage gestanden hätte. Er konnte ja lesen, und hier stand sein Name schwarz auf weiß in großen Buchstaben.

Dieser Stolz wäre freilich bald gedemüthigt worden. In der Garderobe der Miß Anna Walston erwartete ihn ein wirklicher Kummer.

Bis zum heutigen Abend hatte er keine »Costümprobe« gehabt, weil man das für unnöthig erachtete. Er war also stets mit seinen besten Kleidern nach dem Theater gegangen. Jetzt brachte aber Elisa, während sich Miß Anna als Herzogin von Kendalle schmückte. für ihn eine ganz zerfetzte Tracht herbei,

die sie ihm anzulegen begann, scheinbar schmutzige, zerrissene Lumpen, die freilich auf der Innenseite völlig sauber waren. In dem rührseligen Stücke ist Sib in der That ein verlassenes Kind, das seine Mutter in den dürftigsten Verhältnissen wiederfindet, seine Mutter eine Herzogin, eine Schönheit in Sammet, Seide und duftigen Spitzen.

Als er den Anzug sah, glaubte der kleine Knabe zuerst, er solle nach der Lumpenschule zurückgeschickt werden.

»Miß Anna. Miß Anna! rief er schluchzend.

- Was willst Du? fragte die Künstlerin.

- Schicken Sie mich nicht wieder zurück, bitte, bitte!

- Dich zurückschicken?. Warum denn?

- Hier die alten, schlechten Kleider.

- Nein. was er sich gleich einbildet!

- Ach was, halte still, kleiner Querkopf! fiel Elisa ein, die ihn mit fester Hand anfaßte.

- Ach, die Engelsliebe!« sagte Miß Anna tiefgerührt.

Und mit seiner Pinselspitze malte sie sich leicht geschwungne Augenbrauen.

»Das süße Herz. wenn das jemand von den Zuschauern wüßte!«

Sie legte etwas Roth auf die Wangen.

»Die Leute sollen's aber erfahren, Elisa. Morgen schon steht es in den Blättern, daß er hat glauben können.«

Sie warf sich eine kostbare weiße Hülle um die Schultern.

»O über den seltsamen Babish!. Jene schlechten Kleider. ach, es ist zum Lachen.

- Zum Lachen, Miß Anna?.

- Ja, weinen darf man ja nicht.«

Sie hätte wohl Thränen vergossen, fürchtete aber ihre künstliche Färbung zu beschädigen.

Elisa bemerkte jedoch kopfschüttelnd:

»Sie sehen, Miß Anna, daß wir aus dem nie einen Komödianten machen werden!«

Der Findling ließ sich indeß, eingeschüchtert und recht schweren Herzens, die Lumpen für die Rolle Sibs anlegen.

Da kam Miß Anna Walston auf den Gedanken, ihm eine glänzende Guinee zu schenken, das sollte ihn beim ersten Auftreten ermuntern. Schnell getröstet, nahm der Kleine das Goldstück hastig an und steckte es, nach gehöriger Besichtigung, tief in seine Tasche.

Nachher streichelte ihm die Künstlerin noch einmal die Wangen und begab sich nach der Bühne hinunter, indem sie Elisa beauftragte, ihn in der Garderobe zu behalten, da er erst im dritten Acte aufzutreten hatte.

Heute Abend füllten die seine Welt und die bessern Kreise überhaupt das Theater vom Orchester bis zum Schnürboden, obgleich dieses Stück keine Novität war. Schon seit zwölf bis dreizehn Jahren hatten es alle Bühnen des Vereinigten Königreichs aufgeführt, was effectreichen Stücken selbst untergeordneten Werthes ja nicht selten widerfuhr.

Der erste Act verlief nach Vorschrift. Miß Anna Walston erntete rauschenden Beifall, den sie durch die Leidenschaft ihres Spiels und den Glanz ihres Talents von den hingerissenen Zuschauern gewiß verdiente.

Nach dem ersten Acte begab sich die Herzogin von Kendalle nach ihrer Garderobe zurück und legte hier, zum größten Erstaunen Sibs, ihre Seiden- und Sammetkleidung ab, um diese mit der Tracht einer einfachen Magd zu vertauschen - wie es die, übrigens recht altersgraue Entwickelung des Dramas verlangte.

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