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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Er schüttelte den Gedanken ab. Der Krieger konnte noch nicht erwacht sein. Sein Schwerthieb hätte selbst einen Riesen wie Garth für Stunden ins Reich der Träume geschickt.

»Und... wenn wir sie um Hilfe bitten?« fragte Garth unsicher. »Sie...«

Torian lachte humorlos. »Sicherlich«, gab er grimmig zur Antwort. »Du mußt ihnen nur erklären, warum wir einen von ihren Kriegern getötet und einen anderen bewußtlos geschlagen haben. Und wie wir hierherkommen.« Er schüttelte den Kopf, wandte sich wieder der Tür zu und versuchte, durch den schmalen Spalt zwischen Angel und Wand hinauszuspähen. Auf dem Hof bewegten sich Schatten, und ein paarmal sah er schwarzgekleidete Krieger vorüberhuschen. Ein Posaunensignal wehte zu ihnen herüber, dünn und seltsam traurig in der heißen, klaren Luft, dann glaubte er, aufgeregte Stimmen zu hören. Die Festung war nicht leer, ganz und gar nicht. Sie hatten reines Glück gehabt, in einem Augenblick aus dem Turm zu treten, in dem diese Seite des Hofes verlassen war. »Irgend etwas stimmt hier nicht«, murmelte er.

Garth lachte hysterisch auf. Torian sah ihn an, überlegte einen Moment und blickte sich erneut um, als könne er die Antwort auf alle Fragen auf den braungrauen Sandsteinwänden rings um sie herum ablesen. Er wußte selbst nicht, wie er das, was er zu spüren glaubte, in Worte fassen und vor allem Garth erklären sollte. Es war nur ein Gefühl, nichts, was er logisch zu begründen in der Lage gewesen wäre. Aber er war oft genug in belagerten Städten gewesen, um die Atmosphäre, die sich über der Wüstenfestung ausgebreitet hatte, sofort zu erkennen. Die Luft schien vor unsichtbarer Spannung zu knistern.

»Laß uns zurückgehen«, schlug er vor.

Garth widersprach nicht. Nebeneinander eilten sie den Gang zurück, erreichten die kleine Kammer und liefen rasch die Treppe wieder hinauf.

Der Saal hatte sich verändert. Was Torian vorhin wie eine Vision hatte aufblitzen sehen, war Wahrheit geworden – wo zuvor Abfälle und der Staub von Jahrhunderten gelegen hatten, waren jetzt kostbares Mobiliar und Teppiche, Schmuck, Zierat und wertvolle Bilder. An den Wänden hingen Waffen und prachtvoll bemalte, wuchtige Schilde, und neben den Fenstern staken Fackeln in kunstvoll geschmiedeten Wandhaltern.

Und der Tote war verschwunden.

Garth blieb stehen, stieß einen seltsamen, krächzenden Laut aus und starrte Torian aus weit aufgerissenen Augen an. »Er ist weg!« keuchte er. »Der... der Krieger ist weg, Torian!«

»Das sehe ich auch«, erwiderte Torian gereizt. »Jemand muß ihn fortgeschafft haben.«

»Dann wissen sie, daß wir hier sind.«

Torian zuckte mit den Achseln, zögerte einen Moment und ging dann ohne ein weiteres Wort an Garth vorbei zu der Tür auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes. Er war nicht sehr überrascht, eine zweite, steil in die Höhe führende Treppe zu finden, die dort war, wo sich zuvor eine massive Wand befunden hatte. Die Stufen waren glatt und glänzten, als wären sie vor kurzem frisch gescheuert worden, und als sie die Treppe hinaufeilten, schlug ihnen der Geruch von gebratenem Fleisch entgegen.

Sie gelangten in einen zweiten, etwas kleineren Saal, fast ebenso prachtvoll eingerichtet wie der erste, nur daß hier statt Bildern und Zierat schwere hölzerne Ständer mit Speeren, Schwertern und langen, nicht gespannten Bögen die Wände säumten. Auf einer runden Tafel in der Mittel des Raumes standen die Reste einer Mahlzeit, und an der gegenüberliegenden Seite führte eine Treppe weiter in die Höhe.

Garth schüttelte verwirrt den Kopf. »Hier war eine Plattform«, flüsterte er. »Ich... habe selbst hier oben Wache gehalten.«

Torian antwortete nicht. Rasch durchquerte er den Raum, näherte sich vorsichtig der Treppe und spähte mit angehaltenem Atem hinauf. Ein gutes Dutzend ausgetretener Steinstufen führte nach oben und endete vor einer niedrigen, mit handbreiten eisernen Riemen beschlagenen Tür.

»Bleib hier«, murmelte er. Garth nickte knapp. Er schien fast erleichtert, sich nicht weiter an der Erkundung dieses sonderbaren Gebäudes beteiligen zu müssen.

Torian eilte die Treppe hinauf, legte das Ohr gegen die Tür und lauschte. Im ersten Moment hörte er nichts, dann glaubte er das Heulen des Windes zu vernehmen, dahinter, eher zu ahnen als wirklich zu hören, ein dumpfes, an- und abschwellendes Raunen, ein Laut, der nicht hierherpaßte und den er trotzdem fast erwartet hatte. Seine Hand tastete nach dem Riegel, verharrte einen Augenblick und zog ihn dann, sehr behutsam, zurück.

Die Tür schwang nahezu lautlos nach außen. Heller Sonnenschein und die Geräusche der Festung drangen in den kurzen Treppenschacht, und als Torian nach abermaligem Zögern vollends durch die Tür trat, schlug ihm warmer Wind ins Gesicht und ließ ihn blinzeln.

Er stand auf einer sechseckigen, von einer brusthohen Wehrmauer eingefaßten Plattform, leer bis auf den niedrigen, ebenfalls sechseckigen Aufbau, aus dem er herausgetreten war. Torian blieb einen Moment stehen, sah sich sichernd nach allen Seiten um und umrundete zusätzlich das Treppenhaus, ehe er vorsichtig an die äußere Begrenzung der Plattform trat.

Der Anblick war überwältigend. Der Wind trug den Geruch der Wüste heran, und unter ihm erstreckten sich die Gebäude und Mauern Radors, so weit der Blick reichte.

Von der Zerstörung und dem Verfall, den sie vorgefunden hatten, war nichts mehr zu erkennen – die Mauern der Stadt erhoben sich wehrhaft und grau in den Himmel, unversehrt und mächtig, als hätte selbst die Zeit hier ihr Recht verloren und vor diesem Bollwerk aus grauem Fels kapituliert.

Die Stadt war viel größer, als er geglaubt hatte. Der Turm schien sich ziemlich genau in ihrem geometrischen Zentrum zu befinden, und er war auch gleichzeitig das höchste Bauwerk Radors. Der Innenhof, auf den sie vorhin hinausgeblickt hatten, umschloß ihn wie eine Festung in der Festung, und wahrscheinlich war er auch genau dies – eine zusätzliche, letzte Trutzburg, in die sich die Bewohner der Stadt flüchten konnten, sollten die äußeren Verteidigungsanlagen fallen. Die eigentliche Stadt – ein unglaubliches Labyrinth aus Gassen, Plätzen und Straßen, Häusern und Türmen, die in scheinbarem Chaos angeordnet waren, im großen aber doch wieder ein ausgeklügeltes Muster bildeten — lag ein gutes Stück tiefer als diese innere Festung; zehn, vielleicht fünfzehn Manneslängen unter dem Niveau der Wüste, durch die sie auf dem Weg hierher gekommen waren.

Aber nicht nur Rador hatte sich verändert. Als Torian den Blick hob und nach Norden sah, war die Wüste verschwunden, und statt ihrer erstreckte sich eine sanft gewellte, grasbewachsene und hier und da von kleinen Baumgruppen und Hainen bestandene Ebene bis zum Horizont.

Und zwischen ihm und der Stadt, zu weit entfernt, um Einzelheiten zu erkennen, aber nicht weit genug, um es übersehen zu können, lag etwas Großes und Dunkles, ein schwarzes Etwas, das voll Ungewisser Bewegung und Leben war...

Torian unterdrückte einen Fluch. Sein Gefühl hatte ihn nicht getrogen. Aber er konnte nicht gerade behaupten, daß er sehr glücklich darüber war.

Mit einem Ruck wandte er sich um, ging zum gegenüberliegenden Rand der Plattform und beugte sich vor, so weit er konnte. Unter ihm, am Fuße des Turmes, bewegten sich zur Spielzeuggröße zusammengeschrumpfte Menschen. Ihre Bewegungen wirkten durch die große Entfernung noch hektischer und schneller, als sie ohnehin waren, aber Torian hätte sie nicht einmal zu sehen brauchen, um die angespannte Nervosität zu fühlen, die über der Stadt lag. Es war kein Zufall, daß viele der Menschen, die auf den Straßen zu sehen waren, das Schwarz der Krieger trugen.

Eine der Gestalten erregte seine besondere Aufmerksamkeit. Torian wußte nicht zu sagen, was an ihr Besonderes war – aber er spürte, daß sie sich von den anderen unterschied.

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