Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Er verscheuchte den Gedanken, drehte sein Schwert herum und begann mit dem Knauf den Boden abzuklopfen. Garth sah einen Moment stirnrunzelnd in seine Richtung, schüttelte den Kopf und wandte sich dann beleidigt wieder ab, beteiligte sich jedoch nicht an der Suche. Torian schluckte die scharfe Bemerkung, die ihm auf der Zunge lag, hinunter und setzte seine Bemühungen verbissen fort.
Nach einer halben Stunde hatte er jeden Fußbreit des Bodens abgeklopft; ohne das geringste Ergebnis. Entweder war der Schachtdeckel so dick, daß er auf diese Weise den Unterschied zwischen ihm und dem übrigen Boden nicht feststellen konnte – oder es gab keinen geheimen Eingang.
»Na?« fragte Garth boshaft. »Zufrieden?«
Torian funkelte ihn an. »Statt dich zu freuen, solltest du dir lieber deinen Dickschädel darüber zerbrechen, wie wir hier herauskommen«, schnappte er. Wieder fühlte er diesen heißen, sinnlosen Zorn, und wieder war es ihm unmöglich, ihn zu bekämpfen. Weniger denn je.
Garth Augen flammten. »Vielleicht war es ein Fehler, überhaupt hierherzukommen«, zischte er. »Vielleicht hätte ich dir den Hals umdrehen sollen, als noch Zeit dafür war.«
Torian schob kampflustig das Kinn vor. »Das kann man ja nachholen«, sagte er. »Warum versuchst du es nicht?«
Garth grinste böse, ballte die Faust und machte einen einzigen, schwerfälligen Schritt in seine Richtung, blieb aber sofort wieder stehen. Torian hob kampfbereit das Schwert. Sein Blick tastete die hünenhafte Gestalt des ändern ab und suchte nach einer günstigen Stelle, an der er zustoßen konnte, ohne in die Reichweite seiner schrecklichen Hände zu kommen.
Garth’ Fäuste begannen zu zittern. Seine Lippen zuckten. In seinen Augen erschien ein erschrockener, fast verblüffter Ausdruck. »Torian«, keuchte er. Seine Stimme hörte sich flach und gepreßt an, als koste es ihn unendliche Überwindung, die Worte hervorzustoßen »Was... tun wir...!« Seine Augen weiteten sich. »Wir... müssen zusammenhalten, statt uns zu... zu streiten...«
Ein dumpfer Schmerz begann sich hinter Torians Stirn breitzumachen. Garth’ Worte echoten seltsam verzerrt in seinem Schädel, und irgend etwas in ihm schien mit aller Macht verhindern zu wollen, daß er ihren Sinn begriff.
»Du... hast recht«, stieß er stockend hervor. Er senkte das Schwert, aber seine Hand zitterte, als wäre da noch ein anderer, stärkerer Wille, der von seinen Muskeln Besitz ergriffen hatte. Auf seinem Handrücken pochte eine Ader, und sein Arm zuckte ununterbrochen.
»Wehr dich«, krächzte Garth. »Wir müssen... dagegen kämpfen, Torian. Sonst... bringen wir uns gegenseitig um...«
Torian versuchte es. Aber der Druck hinter seiner Stirn wurde stärker, erreichte die Grenzen des Erträglichen und wuchs weiter. Es war ein Gefühl, als würde in seinem Schädel eine gewaltige Stahlfeder gespannt... gespannt und gespannt und immer weiter und weiter gespannt. Sein rechter Arm bewegte sich ruckweise nach oben. Das Schwert verschwamm vor seinen Augen, aber nicht stark genug, daß er nicht mehr erkennen konnte, wie sich seine Spitze Garth’ Halsschlagader näherte...
Garth schrie auf, prallte im letzten Moment vor der Waffe zurück und versetzte ihm einen gewaltigen Schlag ins Gesicht. Torian strauchelte, ließ sein Schwert fallen und brach mit einem heiseren Schmerzlaut in die Knie. Sein Schädel dröhnte, und seine Wange brannte wie Feuer. Garth mußte mit aller Kraft zugeschlagen haben. Aber der Schmerz vertrieb auch den mörderischen Bann, der sich um sein Bewußtsein gelegt hatte. Der Druck verschwand von einer Sekunde auf die andere, und Torian starrte betroffen und entsetzt zu Garth hinauf, der breitbeinig vor ihm stand und ihn gleichermaßen mißtrauisch wie besorgt musterte. »Alles wieder in Ordnung?«
Torian nickte zögernd, preßte die Hand gegen die Wange und spürte warmes Blut über sein Gesicht laufen. »Ja«, antwortete er verwirrt. »Aber was... bei allen Göttern, Garth – was war das?«
Garth zuckte wortlos mit den Achseln und streckte die Hand aus, um ihm auf die Füße zu helfen. »Garth, ich... ich hätte dich um ein Haar getötet!« keuchte Torian.
Garth grinste. »Kaum«, antwortete er. »Da müssen schon fünfundzwanzig wie du kommen, um Garth, Die Hand, umzubringen.«
Er wurde übergangslos wieder ernst, bückte sich und reichte Torian das Schwert, das er fallen gelassen hatte. »Aber mittlerweile werde ich das Gefühl nicht los, daß uns jemand an den Kragen will«, fuhr er fort. »Wir sollten wirklich von hier verschwinden. Wenn es nicht anders geht, müssen wir eben versuchen, durch die Decke zu brechen oder...«
Er sprach nicht weiter. Sein Blick glitt an Torian vorbei in den hinteren Teil des Saales. Sein Auge weitete sich ungläubig. Torian fuhr herum und unterdrückte im letzten Moment einen ungläubigen Ausruf.
Mit dem sechseckigen Saal ging eine bizarre Veränderung vonstatten. Die Luft flirrte, als wäre sie heiß, und die von Staub und Jahrhunderten verkrusteten Wände schienen sich auf unmögliche, widersinnige Weise in sich selbst zu bewegen, zu biegen und zu verdrehen, als wären sie zu eigenem Leben erwacht und versuchten, die Form, in die sie gepreßt worden waren, zu sprengen. Für einen zeitlosen Moment glaubte Torian Gold durch den wabernden Vorhang blitzen zu sehen, prachtvolles Geschmeide und Zierat, schwere, samtene Vorhänge, die den grauen Stein der Wände verbargen und Bilder, die Szenen aus einer längst vergangenen Zeit beschworen. Ein knisternder, unwirklicher Laut erfüllte die Luft, und die Farbe des Sonnenlichtes, das noch immer durch die Fenster hereinströmte, wechselte von Rot zu Gold.
»Dort!« Garth ergriff ihn mit schmerzhafter Kraft am Oberarm und deutete mit der anderen Hand auf eine Stelle des Fußbodens, wenige Schritte vor der gegenüberliegenden Wand. Der Boden bestand nicht länger aus verkrusteten, geborstenen Platten, sondern aus kunstvoll angelegten Mosaiksteinen, die ein sinnverwirrendes Muster zeigten. Und dort, wo Garth’ ausgestreckter Arm hinwies, schienen sie auf unbegreifliche Weise zu leben.
Torian verharrte reglos. Schwerfällige, wellenförmige Bewegungen verzerrten das Mosaikmuster, von einem unsichtbaren Mittelpunkt ausgehend und – wies Kreise, die ein ins Wasser geworfener Stein zieht – in einiger Entfernung verebbend.
Langsam, ganz langsam, wie der Rachen eines versteinerten Ungeheuers, öffnete sich der Boden. Zuerst war es nur ein kaum handgroßer, dunkler Fleck, der sich aber rasch zu einem Loch und schließlich zu einer metergroßen, runden Öffnung v/eitete. Darunter waren die ersten Stufen einer steinernen Treppe zu erkennen, die steil in die Tiefe führte. Das Geräusch schneller, schwerer Schritte drang an ihre Ohren.
Torian erwachte einen Sekundenbruchteil vor Garth aus seiner Erstarrung. Mit einem entschlossenen Knurren streifte er Garth’
Hand ab, packte sein Schwert fester und huschte geduckt auf den Schacht zu. Er vermied es bewußt, irgend etwas anderes wahrzunehmen. Rings um ihn herum verbog und verwandelte sich der Saal weiter, aber er konzentrierte sich ausschließlich auf den Schacht und verscheuchte jeden anderen Gedanken. Der Schacht war etwas Reales, und ganz egal, wer oder was aus ihm hervorkommen mochte, er würde wenigstens nicht den Verstand verlieren, wenn er sich auf ihn konzentrierte. Und vielleicht war es eine Möglichkeit, den Turm zu verlassen.