Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
Die Ampel an der Parkhurst Road schaltete auf Grün. Noreen McKay trat vom Bürgersteig herab. Dann blickte sie noch einmal zurück, um eine letzte Bemerkung zu machen. »Es sind siebzehn Jahre, Constable. Sie ist die Einzige unter den Frauen im Gefängnis, die ich je angerührt habe. Sie ist die einzige Frau, die ich dort je geliebt habe.«
»Warum?«, fragte er, als sie sich anschickte, die Straße zu überqueren.
»Weil von ihr keine Gefahr ausgeht«, antwortete Noreen McKay. »Und weil sie stark ist. Niemand kann Katja Wolff zerbrechen.«
»Gottverdammter Mist. Das ist echt toll«, brummte Barbara Havers in sich hinein. Sie begann gerade, sich der Gefahr ihrer Situation bewusst zu werden: Erst vor zwei Monaten wegen Insubordination und tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten degradiert, konnte sie sich ein weiteres Schlagloch auf ihrer holprigen Berufslaufbahn nicht leisten. »Wenn Leach das mit dem Computer an Hillier weitergibt, sind wir erledigt, Inspector. Das ist Ihnen wohl klar?«
»Wir sind nur erledigt, wenn sich in diesem Computer etwas findet, was für die Ermittlungen wichtig ist«, erwiderte Lynley, während er den Bentley am Rosslyn Hill in den dichten abendlichen Verkehr lenkte. »Und das ist nicht der Fall, Havers.«
Seine unerschütterliche Ruhe reizte sie. Sie waren mit solch einem Tempo zu seinem Wagen marschiert, nachdem sie Leachs Büro verlassen hatten, dass sie nicht dazu gekommen war, eine zu rauchen, und sie gierte nach einer Dosis Tabak zur Beruhigung ihrer Nerven und ihrer Befürchtungen.
»Ach, das wissen Sie so genau?«, fragte sie gereizt. »Und was ist mit den Briefen vom Superintendent an Eugenie Davies? Wenn wir die Briefe als Beweismittel gegen Richard Davies brauchen, um zu erklären, warum er es auf Webberly abgesehen hatte - warum er den Anschein erwecken wollte, dass die Wolff hinter den Anschlägen steckt . « Sie fuhr sich mit der Hand durch die Haare, die schon wieder viel zu lang waren. Gleich heute Abend würde sie sie schneiden, mit der Nagelschere, gründlich. Vielleicht ganz kurz, und dann mit Haargel hochfrisieren wie ein Punk. Das müsste Hillier doch von allen Gedanken über ihre Rolle bei dieser Manipulation von Beweismitteln ablenken.
»Es geht immer nur das eine oder das andere, Havers.«
»Und was bitte soll das heißen?«
»Er kann nicht einerseits Eugenie getötet haben, weil sie Gideons Karriere bedrohte, und andererseits aus Eifersucht Webberly aufs Korn genommen haben. Wo bleibt da die Sextherapeutin Kathleen Waddington?«
»Na ja, vielleicht liege ich mit meiner Theorie über Gideons Karriere falsch«, meinte sie. »Vielleicht hat er Eugenie tot gefahren, weil sie sich mit Webberly eingelassen hatte.«
»Nein, Sie haben schon Recht. Sein Ziel war Eugenie, die Einzige, die er getötet hat. Die Anschläge auf Webberly und Waddington hat er nur verübt, um unsere Aufmerksamkeit auf Katja Wolff zu lenken.« Lynley schien so sicher und absolut unbeeindruckt von der Gefahr, in der sie sich befanden, dass Barbara ihm am liebsten eine runtergehauen hätte. Er konnte es sich leisten, unbeeindruckt zu bleiben. Wenn man ihn in Scotland Yard an die Luft setzte, brauchte er nur in seinem dicken Schlitten nach Cornwall runterzufahren, wo sich der Familienstammsitz befand, und dort bis an sein seliges Ende das unbeschwerte Leben eines Landjunkers zu führen. Sie dagegen hatte solche Möglichkeiten nicht.
»Sie scheinen sich Ihrer Sache ja verdammt sicher zu sein«, nörgelte sie.
»Davies hatte den Brief bekommen, Havers.«
»Welchen Brief?«
»Den Brief, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass Katja Wolff aus dem Gefängnis frei gelassen worden war. Er wusste, dass ich ihn verdächtigen würde, wenn er mir den Brief zeigte.«
»Also fährt er zuerst diese Waddington über den Haufen und dann den Superintendent, damit es so aussieht, als wäre Eugenie aus Rache umgebracht worden und als wäre das Katja Wolffs Werk, die es den Leuten heimzahlen will, die sie in den Knast gebracht haben, ja?«
»Das ist meine Vermutung.«
»Aber vielleicht ist es ja wirklich Rache, Inspector. Nicht Katja Wolffs, sondern seine. Vielleicht hat er von Eugenie und Webberly gewusst. Vielleicht hat er es immer gewusst und hat nur abgewartet, krank vor Eifersucht und finster entschlossen, eines Tages -«
»Das funktioniert so nicht, Havers. Webberlys Briefe an Eugenie Davies sind alle an die Adresse in Henley gerichtet. Sie stammen aus einer Zeit lange nach Eugenies Trennung von ihrem Mann. Davies hatte keinen Grund zur Eifersucht. Er hat wahrscheinlich sogar nie von der Beziehung der beiden gewusst.«
»Aber warum dann Webberly? Warum nicht eine andere Person, die im Prozess eine Rolle spielte? Den Ankläger, den Richter, irgendeinen Zeugen.«
»Ich nehme an, Webberly war einfach leichter ausfindig zu machen. Er lebt seit fünfundzwanzig Jahren in demselben Haus.«
»Aber Richard Davies muss auch die Adressen der anderen kennen, wenn er die Waddington gefunden hat.«
»Welche anderen meinen Sie?«
»Die Leute, die gegen Katja Wolff ausgesagt haben. Robson, zum Beispiel. Was ist mit Robson?«
»Robson war immer nur für Gideon da. Das hat er mir selbst gesagt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Davies irgendetwas tun würde, was seinem Sohn schaden könnte. Ihre ganze Theorie - die, die Sie bei Leach im Büro vorgetragen haben - hängt an der Voraussetzung, dass Davies nur zur Rettung seines Sohnes aktiv geworden war.«
»Okay. Gut. Vielleicht bin ich auf dem falschen Dampfer. Vielleicht hat es mit Eugenie und Webberly und ihrer Beziehung überhaupt nichts zu tun. Vielleicht sind die Briefe und der Computer Beweisstücke, mit denen wir das hätten nachweisen können. Und vielleicht sitzen wir jetzt richtig im Dreck.«
Er sah sie von der Seite an. »Nein, Barbara, tun wir nicht.« Als sein Blick nach unten glitt, wurde ihr bewusst, dass sie tatsächlich die Hände rang wie die tragische Heldin in einem Melodram. Er sagte: »Nehmen Sie sich ruhig eine.«
»Was?«, fragte sie.
»Eine Zigarette. Rauchen Sie eine. Sie haben es verdient. Ich werd's überstehen.« Er drückte sogar den Zigarettenanzünder des Bentley ein und reichte ihn ihr, als er heraussprang. »Genießen Sie sie«, sagte er. »So bald erleben Sie das nicht wieder.«
»Das will ich hoffen«, antwortete Barbara brummig.
»Ich sprach eigentlich vom Rauchen in meinem Wagen.«
»Ah ja. Ich nicht.« Sie kramte ihre Players heraus und zündete sich eine an. Während sie den Rauch tief inhalierte, dankte sie im Stillen ihrem Chef, dass er ausnahmsweise einmal Toleranz für ihre Schwäche zeigte. Langsam krochen sie die Hauptstraße entlang, und Lynley sah auf seine Taschenuhr. Er reichte Barbara sein Handy und sagte: »Rufen Sie St. James an und bitten Sie ihn, den Computer bereit zu halten.«
Barbara wollte der Aufforderung gerade nachkommen, als das Handy in ihrer Hand klingelte. Sie drückte auf den Knopf, und Lynley bedeutete ihr mit einem Nicken, dass sie den Anruf entgegennehmen solle.
»Havers«, sagte sie deshalb.
»Constable?«, brüllte Leach ihr ins Ohr. »Wo, zur Hölle, sind Sie?«
»Auf dem Weg, den Computer zu holen, Sir«, antwortete sie und flüsterte, die Hand auf dem Mikrofon, zu Lynley gewandt:
»Leach. Schon wieder total ausgeflippt.«
»Vergessen Sie den Computer«, bellte Leach. »Fahren Sie rüber zur Portman Street. Zwischen Oxford Street und Portman Square. Sie werden die Sauerei sehen, wenn Sie hinkommen.«
»Portman Street?«, sagte Barbara. »Aber Sir, wollten Sie denn nicht -«