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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Sie sind sehr aufgeregt.«

Das bin ich auch, dachte Dunworthy. »Sagen Sie ihnen, daß ich bemüht bin, Näheres über die Situation in Erfahrung zu bringen, und zurückrufen werde.« Er sah den kleinen Bildschirm erlöschen.

»Sie können es nicht erwarten, Basingame darüber zu informieren, was Sie für einen Fehler meines Fachbereichs halten, nicht wahr«, sagte Gilchrist. »Und das ungeachtet der Tatsache, daß es Ihr Techniker war, der dieses Absetzen durch den Konsum von Drogen oder Endorphinen gefährdet hat — einer Tatsache allerdings, von der ich Mr. Basingame bei seiner Rückkehr informieren werde. Dessen können Sie versichert sein.«

Dunworthy sah auf seine Digitaluhr. Es war halb fünf. Finch hatte gesagt, sie seien kurz nach drei aufgehalten worden. Anderthalb Stunden. Oxford hatte in den vergangenen Jahren nur zwei kurzzeitige Quarantänefälle erlebt. Beim ersten hatte der Anlaß sich als eine allergische Reaktion erwiesen, und der zweite war auch ein blinder Alarm gewesen. Beide waren aufgehoben worden, sobald die Resultate der Blutuntersuchungen vorgelegen hatten. Mary hatte schon im Krankenwagen Blut entnommen, und Dunworthy hatte gesehen, wie der Arzt die Probe noch in der Notaufnahme einem Laboranten übergeben hatte. Sie hatten reichlich Zeit gehabt, die Ergebnisse zu bekommen.

»Ich bin sicher, Mr. Basingame wird es auch interessieren, daß die unterlassene Überprüfung Ihres Technikers durch Sie zur Gefährdung dieses Projekts geführt hat«, sagte Gilchrist.

Dunworthy grübelte weiter und ließ ihn reden. Im Krankenwagen hatte Mary gesagt, daß Badris hohe Temperatur auf eine Infektion hindeute, aber er hatte angenommen, daß sie eine lokale Infektion gemeint hatte, vielleicht einen entzündeten Blinddarm. Aber welche Krankheit konnte es sein? Pocken und Typhus waren schon im 20. Jahrhundert ausgelöscht worden, und Tuberkulose in diesem. Bakterielle Infektionen hatten keine Chance gegen neuzeitliche Medikamente, und die antiviralen Mittel wirkten so sicher, daß niemand mehr Erkältungskrankheiten hatte.

»Es scheint entschieden seltsam, daß Sie nicht die offensichtliche Sicherheitsvorkehrung trafen, Ihren Techniker auf Drogenkonsum zu überprüfen, sich andererseits aber so besorgt um die Sicherheitsvorkehrungen des Fachbereichs Mittelalter geben, daß Sie vor keiner Einmischung zurückschrecken«, fuhr Gilchrist fort.

Es mußte eine Krankheit aus der Dritten Welt sein. Mary mußte den Verdacht gehabt haben, sonst hätte sie nicht gefragt, ob Badri im Ausland gewesen sei oder Besuch pakistanischer Verwandter gehabt habe. Aber Pakistan war nur bedingt der Dritten Welt zuzurechnen, und Badri hätte die Europäische Gemeinschaft nicht ohne eine ganze Serie von Impfungen verlassen können. Und er hatte sie nicht verlassen. Außer dem ungarischen Aufenthalt war er das ganze Semester in England gewesen.

»Ich würde gern telefonieren«, sagte Gilchrist. »Ich bin ganz Ihrer Meinung, daß wir Basingame hier brauchen, um die Dinge in die Hand zu nehmen.«

Dunworthy hielt das Telefon noch immer in der Hand. Er sah es überrascht an.

»Wollen Sie mich daran hindern, Basingame anzurufen?« fragte Gilchrist.

Latimer stand auf. »Was gibt es?« sagte er, die Hände halb vorgestreckt, als befürchtete er, Dunworthy könnte vornüber fallen. »Was ist los?«

»Badri nimmt keine Drogen«, sagte Dunworthy zu Gilchrist. »Er ist krank.«

»Ich sehe nicht, wie Sie das behaupten können, ohne ein Untersuchungsergebnis zu haben«, sagte Gilchrist. Er blickte auffordernd zum Telefon.

»Wir sind unter Quarantäne«, sagte Dunworthy. »Es ist irgendeine ansteckende Krankheit.«

»Es ist ein Virus«, sagte Mary von der Tür her. »Wir haben es noch nicht identifiziert, aber die vorliegenden Ergebnisse zeigen, daß es sich um eine Virusinfektion handelt.«

Sie hatte ihren Kittel aufgeknöpft, und er wehte hinter ihr, als sie in den Raum geeilt kam. Sie trug ein Tablett, das mit Instrumenten, Watte und Papiertüchern beladen war.

»Die Untersuchungen deuten darauf hin, daß es wahrscheinlich ein Myxovirus ist«, sagte sie. Sie stellte das Tablett auf einen Tisch. »Badris Symptome stimmen damit überein: hohes Fieber, Desorientierung, Kopfschmerz. Es ist eindeutig kein Retrovirus oder Picornavirus, was eine gute Nachricht ist, aber es wird noch einige Zeit dauern, bis wir eine vollständige und genaue Diagnose haben werden.«

Sie zog einen Stuhl unter dem Tisch heraus und setzte sich. »Wir haben die Gesundheitsbehörden und das Institut für Grippeerkrankungen in London verständigt und Proben zur Kontrolle eingesandt. Bis wir eine endgültige Identifikation haben, ist nach den Bestimmungen der Gesundheitsbehörden für Fälle mit möglicher epidemischer Gefahr eine zeitweilige Quarantäne verhängt worden.« Sie zog ein paar Gummihandschuhe an.

»Epidemische Gefahr!« Gilchrist schoß einen zornigen Blick zu Dunworthy, als wollte er ihn anklagen, die Quarantäne herbeigeführt zu haben, um den Fachbereich Mittelalter in Mißkredit zu bringen.

»Mögliche epidemische Gefahr«, sagte Mary. »Es gibt vorläufig keine Epidemie. Badri ist bisher der einzige Fall. Wir haben über den medizinischen Datenverbund festgestellt, daß im Stadtbereich keine anderen Fälle mit Badris Profil gemeldet worden sind, was auch eine gute Nachricht ist.«

»Wie kann er zu einer unbekannten Virusinfektion gekommen sein?« fragte Gilchrist, ohne den zornigen Blick von Dunworthy zu wenden. »Ich nehme an, Mr. Dunworthy hat sich auch nicht der Mühe unterzogen, seinen Techniker darauf überprüfen zu lassen.«

»Badri ist Angestellter der Universität«, sagte Mary. »Er sollte an den üblichen turnusmäßigen Untersuchungen und Vorsorgemaßnahmen teilgenommen haben.«

»Sie wissen es nicht?« fragte Gilchrist.

»Die Registratur ist über Weihnachten geschlossen«, antwortete sie. »Es ist mir nicht gelungen, dort jemanden zu erreichen, und ohne seine Krankenversicherungsnummer kann ich Badris Krankengeschichte nicht abrufen.«

»Ich habe meinen Sekretär beauftragt, nachzusehen, ob wir Kopien der Personalakte haben«, sagte Dunworthy. »Dann sollten wir wenigstens seine Versicherungsnummer erfahren.«

»Gut«, sagte Mary. »Wir werden mehr über den Virustyp wissen, mit dem wir es zu tun haben, wenn wir wissen, welche Virusschutzimpfungen Badri hatte, und wann. Vielleicht hat er eine Krankengeschichte anomaler Reaktionen, außerdem besteht die Möglichkeit, daß er eine Nachimpfung verpaßt hat. Wissen Sie etwas über seine Religionszugehörigkeit, Mr. Dunworthy? Ist er womöglich ein Neuer Hindu?«

Dunworthy schüttelte den Kopf. »Er ist Anglikaner.« Er wußte, worauf Mary abzielte. Die Neuen Hindus glaubten, daß alles Leben heilig sei, und lehnten die Abtötung von Bakterien und Viren ab. Sie verweigerten auch Schutzimpfungen und Behandlungen mit Antibiotika und antiviralen Mitteln. Die Universität befreite sie aus religiösen Gründen von der Teilnahme an den vorgeschriebenen Impfaktionen, aber sie durften nicht in den Studentenwohnheimen leben. »Badri muß die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt haben, sonst hätte er nicht am Netz arbeiten dürfen.«

Mary nickte, als wäre sie bereits zu dieser Schlußfolgerung gelangt. »Wie ich sagte, wahrscheinlich liegt eine Anomalie vor.«

Gilchrist wollte etwas sagen, unterließ es aber, als die Tür geöffnet wurde und die Schwester hereinkam, die draußen Wache gehalten hatte. Sie trug eine Schutzmaske vor Mund und Nase und hatte ein Bündel Papiere und Schreibstifte in den behandschuhten Händen.

»Als Sicherheitsvorkehrung müssen wir alle Personen, die mit dem Patienten in Berührung gekommen sind, auf Antikörper untersuchen. Dazu benötigen wir Blutproben und Temperaturmessungen. Außerdem bitten wir Sie, alle Kontaktpersonen aufzulisten, mit denen Sie und Mr. Chaudhuri in Verbindung gekommen sind.«

Die Schwester gab Dunworthy einen Stift und mehrere Blätter Papier. Das oberste Blatt war ein Aufnahmeformular des Krankenhauses. Das darunter trug die Überschrift »Kontaktpersonen« und war unterteilt in Spalten mit den Kennzeichnungen »Name, Ort, Zeit«. Das unterste Blatt war wie das zweite, nur lautete die Überschrift »Mögliche sekundäre Kontaktpersonen«.

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