Die Pflicht zu schweigen
- Автор: Шелдон Сидни
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die Pflicht zu schweigen». Краткое содержание книги:
Über den Autor
Sidney Sheldon, geboren 1917, war ein absolutes Phänomen in der internationalen Buchwelt. Erst mit fünfzig schrieb er seinen ersten Roman Das nackte Gesicht. Seither sind von zahlreiche Bücher erschienen, jedes ein Weltbestseller, jedes in viele Sprachen übersetzt und alle verfilmt. Sidney Sheldon lebte abwechselnd in Los Angeles, Palm Springs und London. 2007 verstarb der Autor.
Ungekürzte Ausgabe Titel der Originalausgabe: Nothing Lasts Forever Originalverlag: William Morrow and Company, Inc., New York
Paige und Alfred waren unzertrennlich. Als sie älter wurden, fuhren sie zusammen zum Markt in ein Dorf, das einige Meilen ent-fernt lag. Und sie sprachen von ihren Plänen für die Zukunft.
Für Paige war die Medizin von klein auf Teil ihres Lebens. Sie lernte, für Patienten zu sorgen, ihnen Spritzen zu geben und Medikamente auszuhändigen; oft ahnte sie im voraus, wie sie ihrem Vater zur Hand gehen könnte.
Paige liebte ihren Vater. Curt Taylor war der fürsorglichste, selbstloseste Mensch, den sie sich vorstellen konnte. Er empfand echte Zuneigung für seine Mitmenschen, er sah seine Lebensaufgabe darin, denen zu helfen, die ihn brauchten, und dies weckte die gleiche leidenschaftliche Anteilnahme in Paige. Trotz seiner langen Arbeitsstunden fand er für seine Tochter Zeit. Mit ihm machten sogar die Unannehmlichkeiten des primitiven Lebens Spaß.
Paiges Beziehung zur Mutter stand auf einem ganz anderen Blatt. Die Mutter war eine reiche, verwöhnte Schönheit. Sie war kühl und hochnäsig - das hielt Paige auf Distanz. Die Ehe mit einem Arzt, der in entlegenen, exotischen Gegenden arbeiten wollte, war ihr romantisch erschienen; aber die harte Realität hatte sie verbittert. Sie war kein warmherziger, liebevoller Mensch. Paige hatte den Eindruck, daß sie immer nur jammerte und klagte.
»Warum sind wir bloß in dieses gottverlassene Nest gekommen, Curt?«
»Hier leben die Menschen ja wie Tiere. Wir werden uns noch eine von ihren schrecklichen Krankheiten einfangen.«
»Warum kannst du nicht in den USA arbeiten und Geld verdienen wie andere Ärzte auch?«
So ging es den ganzen Tag.
Je mehr die Mutter am Vater herummäkelte, um so inniger bewunderte ihn Paige.
Als Paige fünfzehn Jahre alt war, brannte die Mutter mit einem reichen brasilianischen Plantagenbesitzer durch.
»Sie kommt nie mehr zurück, nicht wahr?« fragte Paige.
»Nein, Liebling. Tut mir leid.«
»Ich bin ja so froh!« Das hatte sie gar nicht sagen wollen, aber es hatte sie verletzt, daß ihre Mutter sich so wenig um sie und ihren Vater kümmerte und sie mit dem Vater sitzengelassen hatte.
Diese Erfahrung brachte sie Alfred Turner noch näher. Sie spielten zusammen, sie gingen gemeinsam auf Expeditionen, sie teilten ihre Träume.
»Ich will auch Arzt werden, wenn ich groß bin«, hatte Alfred ihr anvertraut. »Wir werden heiraten und zusammenarbeiten.«
»Und werden eine Menge Kinder haben.«
»Klar. Wenn du willst.«
Am Abend vor Paiges sechzehntem Geburtstag gewann die lebenslange Vertrautheit der beiden plötzlich eine neue Dimension. Sie wohnten in einem kleinen Dorf in Ostafrika, und die Ärzte waren wegen einer Epidemie fortgerufen worden; im Lager zurückgeblieben waren nur Alfred, Paige und ein Koch.
Sie hatten zu Abend gegessen und waren dann schlafen gegangen, doch mitten in der Nacht war Paige in ihrem Zelt wach geworden von dem fernen Donnern flüchtender Tierherden. Und während sie wach dalag und die Minuten verstrichen und das Geräusch des wilden Ansturms immer näher kam, wurde ihr langsam angst, und ihr Atem ging immer schneller - es war völlig ungewiß, wann ihr Vater und die anderen zurückkehren würden.
Sie stand auf. Alfreds Zelt lag nur wenige Schritte entfernt. In ihrer Angst hob Paige die Zeltklappe und lief hinein zu Alfred.
Er schlief.
»Alfred!«
Er war sofort wach und richtete sich auf. »Paige? Etwas nicht in Ordnung?«
»Ich hab' Angst. Darf ich ein Weilchen zu dir ins Bett kommen?«
»Sicher.«
Die beiden lagen wach und horchten auf die Tiere, die in wilder Panik über die Steppe jagten.
Nach einer Weile begannen die Laute zu verebben.
Alfred wurde sich des warmen Körpers bewußt, der sich an ihn schmiegte.
»Paige - ich glaube, es wäre besser, wenn du jetzt wieder in dein eigenes Zelt zurückgehen würdest.«
Paige konnte die männliche Erregung spüren, die sich fest und steif gegen sie drückte.
Die körperlichen Bedürfnisse, die sich in beiden seit langem aufgestaut hatten, brachen durch.
»Alfred.«
»Ja?« Seine Stimme klang rauh.
»Wir werden doch heiraten, ja?«
»Ja.«
»Dann ist es doch in Ordnung.«
Und die Laute und Geräusche des Dschungels ringsum versanken, und sie begannen eine Welt zu erforschen und zu entdecken, die außer ihnen noch niemand besessen hatte. Sie waren die ersten Liebenden auf der Welt, sie genossen das herrliche Wunder der Liebe.
Im Morgengrauen kroch Paige in ihr Zelt zurück und dachte glücklich: Jetzt bin ich eine Frau.
Curt Taylor schlug Paige von Zeit zu Zeit vor, sie solle in die Vereinigten Staaten zurückreisen und in dem schönen Haus in Deer-field im Norden von Chicago bei seinem Bruder wohnen.
»Aber warum?« hatte Paige dann gefragt.
»Damit du zu einer richtigen jungen Dame heranwachsen kannst.«
»Ich bin aber doch eine richtige junge Dame.«
»Richtige junge Damen spielen nicht mit wilden Affen und versuchen nicht, auf kleinen Zebras zu reiten.«
Ihre Antwort war immer die gleiche. »Ich werde dich nicht verlassen.«
Als Paige siebzehn Jahre alt war, reiste das WHO-Team in ein Dschungeldorf in Südafrika, um eine Typhusepidemie zu bekämpfen. Noch gefährlicher wurde die Sache dadurch, daß kurz nach Ankunft der Ärzte zwischen zwei Stämmen der Region ein Krieg ausbrach. Curt Taylor erhielt den Rat, die Gegend zu verlassen.
»Aber das kann ich doch nicht tun! Um Gottes willen! Ich habe hier Patienten, die sterben müßten, wenn ich sie allein ließe.«
Vier Tage danach wurde das Dorf angegriffen. Paige kauerte zusammen mit ihrem Vater in der kleinen Hütte, hörte das Brüllen und die Gewehrschüsse draußen.
Paige war entsetzt. »Sie werden uns töten!«
Der Vater hatte sie in den Arm genommen. »Sie werden uns nichts tun, Liebling. Wir sind doch da, um ihnen zu helfen. Sie wissen, daß wir ihre Freunde sind.«
Und er hatte recht behalten.
Der Häuptling eines der beiden Stämme war mit seinen Kriegern in die Hütte geplatzt. »Fürchtet euch nicht. Wir werden euch beschützen.« Und das hatten sie auch getan.