Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
»Und was heißt das?«
»Das heißt, dass sie einige Sakramente empfing und andere nicht; einige Lehren akzeptierte und andere nicht.«
»Aber muss man denn beim Eintritt in die Kirche nicht auf die Bibel schwören, dass man sich an die Regeln halten wird oder so was? Ich meine, wir wissen, dass sie nicht katholisch erzogen wurde - nimmt denn die Kirche Mitglieder auf, die sich an einige Regeln halten und an andere nicht?«
»Sie dürfen nicht vergessen, dass die Kirche nicht über eine Geheimpolizei verfügt, die ihre Mitglieder überwacht, Constable«, antwortete die Nonne. »Gott hat jedem von uns ein Gewissen gegeben, damit wir unser Verhalten überprüfen können. Es ist eine Tatsache, dass es viele Themen gibt, zu denen einzelne Katholiken eine andere Meinung haben als die heilige Mutter Kirche, aber ob deshalb ihr Seelenheil gefährdet ist, das könnte nur Gott selbst uns sagen.«
»Mrs. Davies hat aber offenbar geglaubt, dass Gott die Sünder schon zu ihren Lebzeiten straft, sonst wäre sie doch nicht auf die Idee gekommen, Virginia könnte Richard und Lynn von Gott als Strafe gesandt worden sein.«
»Nun, wir wissen doch, dass es von den Leuten häufig so interpretiert wird, wenn jemanden ein Schicksalsschlag trifft. Aber denken Sie an Hiob. Welche Sünde hatte er begangen, dass er von Gott so schwer geprüft wurde?« »Beischlaf zur Linken?«, meinte Barbara. »Ich kann mich nicht erinnern.«
»Sie können sich nicht erinnern, weil es keine Sünde gab. Nur die grausamen Prüfungen seines Glaubens an Gott.« Schwester Cecilia wischte sich die Kekskrümel an den Fingern am groben Stoff ihres Rocks ab und griff nach ihrer Teetasse.
»Haben Sie das damals Mrs. Davies so erklärt?«
»Ich sagte ihr, wenn Gott sie strafen wollte, hätte er ihr sicher nicht als erste Frucht ihrer Ehe mit Richard Davies Gideon gegeben, ein kerngesundes Kind.«
»Und wie war es mit Sonia?«
»Sie meinen, ob sie das Kind als die Strafe Gottes für ihre Sünden betrachtete? Gesagt hat sie es nie, aber ihrer Reaktion nach zu urteilen, als sie von der Krankheit der Kleinen erfuhr… Und als sie dann nach dem Tod des Kindes überhaupt nicht mehr zur Kirche kam…« Schwester Cecilia hob seufzend ihre Tasse zum Mund und hielt nachdenklich inne. Schließlich sagte sie: »Wir können nur Mutmaßungen anstellen, Constable. Wir können nur aus den Fragen, die sie in Bezug auf Lynn und Virginia gestellt hat, zu schließen versuchen, wie es ihr selbst erging und was sie möglicherweise glaubte, als ihr eine ähnliche Prüfung auferlegt wurde.«
»Was war mit den anderen?«
»Mit welchen anderen?«
»Den übrigen Mitgliedern der Familie. Hat sie darüber gesprochen, wie sie reagierten? Auf die Sache mit Sonia, als sie davon erfuhren…?«
»Nein, darüber hat sie nie etwas gesagt.«
»Lynn Davies hat mir erzählt, dass sie auch wegen Richard Davies' Vater gegangen ist. Bei dem waren angeblich mehrere Schrauben locker, aber wiederum nicht so locker, dass er ihr und dem Kind das Leben nicht zur Hölle machen konnte.«
»Eugenie hat nie über die Familie gesprochen.«
»Sie hat nie erwähnt, dass es Leute gab, die Sonia nicht haben wollten? Wie, zum Beispiel, Richard oder sein Vater oder sonst jemand?«
Schwester Cecilias blaue Augen weiteten sich. »Heilige Maria und Josef«, sagte sie. »Nein. Aber nein! In diesem Haus lebten keine bösen Menschen. Menschen mit Sorgen, ja. So wie wir alle von Zeit zu Zeit unsere Sorgen haben. Aber ein kleines unschuldiges Kind nicht haben zu wollen, so dass vielleicht einer von ihnen… ? Nein. Das kann ich von keinem von ihnen glauben.«
»Aber jemand hat die Kleine getötet, und Sie selbst sagten mir gestern, Sie glaubten nicht, dass es Katja Wolff war.«
»Ich glaubte es damals nicht, und ich glaube es heute nicht«, erklärte die Nonne.
»Aber jemand muss es getan haben! Oder wollen Sie mir sagen, das die Hand Gottes herabstieß und das Kind unter Wasser drückte? Wer war es also? Eugenie selbst? Richard? Der Großvater? Der Untermieter? Gideon?«
»Er war acht Jahre alt!«
»Und vielleicht eifersüchtig, dass plötzlich ein zweites Kind da war und ihm die Schau stahl.«
»Also, das konnte Sonia nun wirklich nicht tun.«
»Aber sie konnte ihm die allgemeine Aufmerksamkeit rauben. Sie beanspruchte eine Menge Zeit. Und eine Menge Geld. Vielleicht so viel, dass irgendwann nichts mehr dagewesen wäre. Und was wäre dann aus Gideon geworden?«
»Ein Achtjähriger denkt nicht so weit voraus.«
»Aber jemand anders hat es vielleicht getan, jemand, der ein maßgebliches Interesse daran hatte, dass Gideon weiterhin im Mittelpunkt des Familieninteresses stand.«
»Ja. Hm. Ich wüsste nicht, wer das gewesen sein soll.«
Barbara schwieg, während die Nonne einen halben Keks auf ihre Untertasse legte. Sie schwieg weiter, als Schwester Cecilia zum Wasserkocher ging und ihn einschaltete, um sich eine zweite Tasse Tee zu machen. Bemüht, ihre Vorurteile gegenüber Nonnen zu vergessen, dachte sie über die Auskünfte nach, die sie von dieser Frau hier erhalten hatte, und über die Art, wie sie ihr gegeben worden waren, und gelangte zu dem Schluss, dass die Nonne absolut offen mit ihr war und ihr alles sagte, was sie wusste. Sie hatte berichtet, dass Eugenie Davies nach dem Tod ihrer kleinen Tochter Sonia nicht mehr zur Kirche gekommen war. Und wahrscheinlich hatte sich danach keine Gelegenheit mehr zu den vertrauten Gesprächen geboten, bei denen Eugenie Davies ihr ihr Herz ausgeschüttet und wichtige Dinge mitgeteilt hatte. Sie sagte: »Was ist aus dem anderen Kind geworden?«
»Welches meinen Sie? -Ach so, Sie sprechen von Katjas Kind?«
»Mein Chef hat mich beauftragt, es ausfindig zu machen.«
»Der Junge ist in Australien, Constable. Schon seit seinem zwölften Lebensjahr. Und wie ich Ihnen bereits sagte, als wir uns das erste Mal miteinander unterhielten - wenn Katja den Wunsch hätte, etwas über ihn zu erfahren, wäre sie gleich nach ihrer Freilassung zu mir gekommen. Das müssen Sie mir glauben. Der Adoptionsvertrag macht es den Adoptiveltern zur Auflage jährlich über das Kind zu berichten, ich habe daher stets gewusst, wo er ist, und ich hätte Katja jederzeit alle Auskünfte gegeben, wenn sie darum gebeten hätte.«
»Aber sie hat es nicht getan?«
»Nein.« Schwester Cecilia ging zur Tür. »Bitte entschuldigen Sie mich einen Moment. Ich hole nur rasch etwas, das Sie vielleicht interessieren wird.«
Als die Nonne die Tür hinter sich schloss, begann dass Wasser im Elektrokocher zu sprudeln, und das Gerät schaltete sich aus. Barbara stand auf und goss Schwester Cecilia eine zweite Tasse Earl Grey auf und nahm sich selbst noch ein Päckchen Kekse. Sie hatte drei Stück Zucker in den Tee gegeben und die Kekse hinuntergeschlungen, als Schwester Cecilia mit einem braunen Umschlag in der Hand zurückkehrte.
Sie setzte sich, Füße und Knie aneinander gedrückt, und breitete den Inhalt des Umschlags auf ihrem Schoß aus. Es waren Briefe und Fotografien, sowohl Momentaufnahmen als auch Atelierporträts.
»Der Junge heißt Jeremy«, sagte Schwester Cecilia. »Er wird im Februar zwanzig Jahre alt. Er wurde von einer Familie Watts adoptiert, zusammen mit drei weiteren Kindern. Sie leben jetzt alle in Adelaide. Ich finde, er hat große Ähnlichkeit mit seiner Mutter.«
Barbara nahm die Fotos, die Schwester Cecilia ihr hinhielt, alle zusammen so etwas wie eine Lebensgeschichte des Jungen in Bildern. Jeremy war blond und blauäugig, wenn auch das helle Blond der Kindheit in der Adoleszenz dunkler geworden war. Etwa zu der Zeit, als die Adoptiveltern mit ihm und seinen Geschwistern nach Australien ausgewandert waren, hatte er eine pummelige Phase durchgemacht, sich dann aber zu einem gutaussehenden Jungen entwickelt - gerade Nase, kantiges Kinn, dicht am Kopf anliegende Ohren, ein guter Arier, dachte Barbara.
Sie sagte: »Und Katja Wolff weiß nicht, dass Sie die hier haben?«
»Ich habe es Ihnen ja schon erklärt, sie war kein einziges Mal bei mir. Nicht einmal, als Jeremys Adoption vorbereitet werden musste, wollte sie mit mir sprechen. Es lief alles über die Gefängnisverwaltung. Die Aufsichtsbeamtin teilte mir mit, dass Katja eine Adoption wünschte, und sie benachrichtigte mich, als es soweit war. Ich weiß nicht, ob Katja das Kind je gesehen hat. Ich weiß nur, dass sie den Jungen sofort bei einer Familie untergebracht haben wollte, und ich sollte dafür sorgen, dass das klappte.«