Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Idiot - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Idiot

Электронная книга - «Der Idiot». Краткое содержание книги:

Der Idiot
1 ... 175 176 177 178 179 180 181 182 183 ... 221
Перейти на страницу:

»Vielleicht war das nur ein Scherz, der heiteres Gelächter hervorrufen sollte.«

»Ich verstehe. Eine unschuldige Lüge, die heiteres Gelächter hervorrufen soll, kann, wenn sie auch plump ist, ein Menschenherz nicht beleidigen. Mancher lügt auch sozusagen nur aus Freundschaft, um demjenigen, mit dem er sich unterhält, ein Vergnügen zu machen; aber wenn aus einem solchen Benehmen Respektlosigkeit durchschimmert und wenn namentlich der Erzähler durch eine solche Respektlosigkeit zeigen will, daß ihm der Umgang mit dem andern lästig wird, dann bleibt einem anständigen Mann nichts anderes übrig, als dem Beleidiger den Standpunkt klarzumachen, sich von ihm abzuwenden und die Beziehungen zu ihm abzubrechen.«

Der General war, während er sprach, ganz rot geworden.

»Aber Lebedjew konnte doch im Jahre 1812 gar nicht in Moskau sein, dazu ist er ja zu jung; das ist lächerlich.«

»Erstens das; aber selbst angenommen, daß er damals schon geboren war, wie kann er mir ins Gesicht behaupten, ein französischer Chasseur habe eine Kanone auf ihn abgefeuert und ihm so zum Amüsement ein Bein abgeschossen; er habe dieses Bein aufgehoben, nach Hause getragen und nachher auf dem Wagankowschen Friedhof begraben. Er sagt, er habe ein Denkmal darüber errichten lassen, mit einer Inschrift, auf der einen Seite: ›Hier ruht ein Bein des Kollegiensekretärs Lebedjew‹, und auf der andern: ›Ruhe sanft, liebe Asche, bis zum frohen Tag der Auferstehung!‹ und schließlich noch, er lasse jährlich für dieses Bein eine Seelenmesse lesen (so etwas zu sagen ist geradezu eine Blasphemie) und fahre zu diesem Zweck jährlich nach Moskau. Und zum Beweis fordert er mich auf, nach Moskau mitzukommen; da wolle er mir das Grab zeigen und sogar im Kreml jene selbe französische Kanone, die nachher erbeutet worden sei; er behauptet, es sei die elfte vom Tor aus, ein französisches Falkonettgeschütz alter Konstruktion.«

»Und dabei sind, wie der Augenschein lehrt, seine beiden Beine heil und gesund!« sagte der Fürst lachend. »Ich versichere Ihnen, daß das ein harmloser Spaß ist; ärgern Sie sich doch nicht darüber!«

»Aber erlauben Sie auch mir, die Sache so aufzufassen, wie ich es für richtig halte. Was den augenscheinlichen Zustand seiner Beine anlangt, so ist seine Angabe freilich nicht ganz undenkbar; es wird versichert, daß das Tschernoswitowsche Bein ...«

»Ach ja, mit einem Tschernoswitowschen Bein soll man ja sogar tanzen können.«

»Das weiß ich ganz genau; als Tschernoswitow sein Bein erfunden hatte, war das erste, was er tat, daß er schleunigst zu mir kam, um es mir zu zeigen. Aber das Tschernoswitowsche Bein ist erst viel später erfunden worden ... Und außerdem behauptet er, daß sogar seine verstorbene Frau während ihrer ganzen Ehe nicht gewahr geworden sei, daß er, ihr Mann, ein Holzbein habe. ›Wenn du‹, sagte er, als ich ihn auf all diese Ungereimtheiten hinwies, ›wenn du im Jahre 1812 bei Napoleon Kammerpage warst, dann mußt du auch mir erlauben, mein Bein auf dem Wagankowschen Friedhof zu begraben.‹«

»Aber sind Sie denn ...«, begann der Fürst und wurde verlegen.

Der General schien ebenfalls beinah verlegen zu werden; sah aber gleich im selben Augenblick den Fürsten sehr von oben herab und fast spöttisch an.

»Sprechen Sie zu Ende, Fürst«, sagte er, indem er die Worte mit besonderer Ruhe dehnte; »sprechen Sie zu Ende! Ich bin nicht empfindlich; sagen Sie alles: bekennen Sie nur, daß es Ihnen ein komischer Gedanke ist, einen Menschen in seinem jetzigen Zustand der Erniedrigung und Unbrauchbarkeit vor sich zu sehen und zugleich zu hören, daß dieser Mensch persönlich ein Zeuge großer Ereignisse gewesen ist. Er hat Ihnen noch nichts davon hinterbracht?«

»Nein, ich habe von Lebedjew nichts gehört ... wenn Sie von Lebedjew reden ...«

»Hm ...! Ich nahm das Gegenteil an. Eigentlich ging unser Gespräch gestern von diesem sonderbaren Artikel im Archiv aus. Ich wies auf dessen Absurdität hin, und da ich selbst persönlich Zeuge gewesen bin ... Sie lächeln, Fürst, Sie betrachten mein Gesicht?«

»N-nein, ich ...«

»Ich habe noch ein jugendliches Äußeres«, sagte der General langsam; »aber ich bin erheblich älter als ich aussehe. Im Jahre 1812 war ich zehn oder elf Jahre alt. Ich weiß mein Lebensalter selbst nicht ganz genau. In der Dienstliste ist es zu gering angegeben, und ich selbst hatte im Laufe meines Lebens die Schwäche, mir ein paar Jahre abzurechnen.«

»Ich versichere Sie, General, ich finde es durchaus nicht seltsam, daß Sie im Jahre 1812 in Moskau waren und ... Gewiß können Sie darüber mancherlei mitteilen ... ebenso wie alle, die damals dort waren. Einer unserer Landsleute beginnt seine Selbstbiographie gerade mit der Erzählung, daß er im Jahre 1812 als Säugling in Moskau von französischen Soldaten mit Brot gefüttert worden sei.«

»Nun, da sehen Sie es!« bemerkte der General beifällig und herablassend. »Was mir begegnet ist, geht allerdings über die gewöhnlichen Erlebnisse hinaus, enthält aber nichts Unerhörtes. Sehr oft macht die Wahrheit den Eindruck des Unmöglichen. Kammerpage! Das hört sich freilich sonderbar an. Aber daß ein zehnjähriger Knabe ein solches Abenteuer erlebte, erklärt sich vielleicht gerade durch sein Alter. Mit fünfzehn Jahren hätte mir das nicht begegnen können, unbedingt nicht, da ich als Fünfzehnjähriger nicht aus unserm Holzhaus in der Alten Basmannaja-Straße am Tage von Napoleons Einzug in Moskau von meiner Mutter weggelaufen wäre, die sich mit der Abreise aus Moskau verspätet hatte und vor Furcht zitterte. Als Fünfzehnjähriger hätte auch ich Angst gehabt; aber als Zehnjähriger fürchtete ich mich nicht und drängte mich durch die Menge hindurch bis dicht an das Portal des Schlosses, als Napoleon vom Pferd stieg.«

»Ohne Zweifel haben Sie sehr treffend bemerkt, daß sich Ihre Furchtlosigkeit gerade aus Ihrem Alter von zehn Jahren erklärt«, schaltete der Fürst schüchtern ein; ihn quälte der Gedanke, daß er sogleich erröten werde.

»Ohne Zweifel, und alles vollzog sich so einfach und natürlich, wie es sich eben nur in der Wirklichkeit vollziehen kann; wenn ein Romanschriftsteller dasselbe vortrüge, würde es wie ein Geflecht von Unmöglichkeiten und Unwahrscheinlichkeiten klingen.«

»Ja, so ist es!« rief der Fürst. »Das ist ein Gedanke, von dem auch ich einmal überrascht gewesen bin, und zwar erst neulich. Ich weiß von einem wirklich geschehenen Mord wegen einer Uhr; die Geschichte steht jetzt in den Zeitungen. Hätte das ein Schriftsteller ersonnen, so würden die Kenner unseres Volkslebens und die Kritiker sofort ein großes Geschrei erheben, das sei unglaublich; aber wenn man es in den Zeitungen als Tatsache liest, dann spürt man, daß man gerade aus solchen Tatsachen das wahre russische Wesen kennenlernt. Das war eine sehr hübsche Bemerkung von Ihnen, General!« schloß der Fürst eifrig; er freute sich sehr, daß er auf diese Art die helle Röte seines Gesichtes motivieren konnte.

»Nicht wahr, nicht wahr?« rief der General, dessen Augen vor Vergnügen blitzten. »Ein Knabe, ein Kind, das für die Gefahr kein Verständnis hat, drängt sich durch die Menge, um das Gepränge, die Uniformen, das Gefolge und schließlich den großen Mann zu sehen, von dem es schon so viel Geschrei gehört hatte. Denn damals redeten alle Leute mehrere Jahre lang nur von ihm. Die Welt war voll von diesem Namen; ich hatte ihn sozusagen mit der Muttermilch eingesogen. Als Napoleon in einer Entfernung von zwei Schritten an mir vorüberging, fiel es ihm zufällig auf, wie ich ihn ansah; ich trug adlige Tracht und war gut gekleidet. Ich war der einzige von dieser Art in der großen Menge; Sie werden selbst zugeben ...«

»Ohne Zweifel mußte ihm das auffallen und ein Beweis dafür sein, daß nicht alle geflüchtet, sondern daß auch Edelleute mit ihren Kindern dageblieben waren.«

1 ... 175 176 177 178 179 180 181 182 183 ... 221
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)