Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
»Ich wusste gar nicht, dass Ihr theologische Bücher lest, Foix.«
»Ach, ich lese fast alles. Aber nicht alles hier hat mit Theologie zu tun. Es gibt Hunderte anderer Themen, und manche sind ziemlich merkwürdig. Es gibt einen abgeschlossenen Raum mit Büchern über Zauberei und Dämonen, und … äh, anzüglichen Titeln. Diese Bücher sind angekettet.«
Ista runzelte die Stirn. »Damit man sie nicht aufschlagen kann?«
Ein Lächeln huschte über Foix’ Gesicht. »Damit man sie nicht davontragen kann, würde ich eher sagen.« Er hielt ihr das Buch entgegen, in dem er gerade las. »Es gibt noch weitere Versromane wie diesen hier. Ich könnte einen für Euch heraussuchen.«
Liss blickte sich ehrfürchtig um. Hier waren vermutlich mehr Bücher auf einem Fleck, als sie in ihrem ganzen Leben gesehen hatte. Hoffnungsvoll schaute sie zu Ista, die jedoch den Kopf schüttelte und erklärte: »Vielleicht ein andermal.«
Dy Cabon steckte den Kopf durch die Türöffnung. »Ah. Herrin. Ausgezeichnet. Ich habe Euch gesucht.« Er schob seine gesamte Körperfülle in den Raum. Ista hatte ihn seit ihrer Ankunft nicht mehr gesehen, ja, nicht einmal während des abendlichen Gottesdienstes, wie ihr nun auffiel. Dy Cabon wirkte erschöpft und blass, und er hatte Ringe unter den Augen. Hatte er sich letzte Nacht zu lange in mühevolle Studien vertieft? »Ich möchte gern … möchte Euch um eine Unterredung unter vier Augen bitten, wenn Ihr erlaubt.«
Liss hatte Foix bisher über die Schulter gesehen und blickte nun auf. »Soll ich Euch allein lassen, Majestät?«
»Nein. Wenn eine Herrin eine private Unterredung mit einem Herrn wünscht, der nicht zu ihrer engeren Verwandtschaft zählt, würde ein richtiges Kammerfräulein sich korrekterweise außer Hörweite begeben, doch stets in Sicht- und Rufweite bleiben.«
»Ah.« Liss nickte verstehend. Ista würde diese Unterweisung niemals wiederholen müssen. Es mochte Liss an Bildung fehlen, doch sie hatte Verstand. Und es war eine Freude, endlich wieder eine solche Begleiterin zu haben — bei den fünf Göttern!
»Ich könnte ihr etwas vorlesen, hier oder im Nebenzimmer«, bot Foix sich sogleich an.
»Ah …« Dy Cabon zeigte auf einen Tisch und die dazugehörigen Stühle, die durch einen Torbogen hindurch im Nebenraum zu sehen waren. Ista nickte und ging voran. Foix und Liss machten es sich in der gemütlichen Fensternische bequem.
Eine weitere Erörterung ihres heiligen Reiseweges, vermutete Ista, gefolgt von ein paar langweiligen Schreiben an dy Ferrej, um ihn von der neuen Route in Kenntnis zu setzen. Dy Cabon rückte Ista den Stuhl zurecht, dann umrundete er den Tisch und nahm selbst Platz. Sie hörte Foix’ Stimme aus dem Nebenraum; sie war zu leise, um einzelne Worte verstehen zu können, doch Ista vernahm den unverkennbaren Rhythmus kraftvoll dahineilender Strophen.
Der Geistliche bildeten mit den Händen eine kleine Pyramide auf dem Tisch, die Fingerspitzen aneinander gedrückt, starrte einen Augenblick auf die Tischplatte und schaute Ista dann ins Gesicht. Mit ruhiger Stimme fragte er: »Was ist der wirkliche Grund für diese Pilgerfahrt, Majestät?«
Ista runzelte die Stirn über diesen unverblümten Einstieg ins Gespräch. Sie beschloss, seiner Offenheit ebenso offen zu begegnen; so etwas war selten in Gegenwart einer Königin, und es verdiente Ermutigung. »Es war eine Flucht vor meinen Aufsehern. Und vor mir selbst.«
»Ihr habt und hattet also niemals die Absicht, für einen Enkel zu beten?«
Ista verzog das Gesicht. »Alle Götter Chalions zusammen könnten mich nicht dazu bringen, Iselle so sehr zu beleidigen. Oder meine neu geborene Enkeltochter Isara. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich selbst getadelt wurde, weil ich Ias nur eine Tochter geschenkt hatte. Neunzehn Jahre ist das nun her. Dasselbe Mädchen gilt nun als die strahlendste Hoffnung, die das Königreich von Chalion in den letzten vier Generationen gekannt hat!« Ihr heftiger Tonfall hatte dy Cabon sichtlich überrascht, und Ista zügelte sich. »Wenn ich einen Enkel bekomme, zur angemessenen Zeit«, fuhr sie ruhiger fort, »würde es mich sehr glücklich machen. Aber niemals werde ich die Götter um einen Gefallen bitten.«
Er nahm diese Worte in sich auf und nickte. »Ja. So etwas hatte ich erwartet.«
»Es mag ein wenig lästerlich sein, eine Pilgerfahrt auf diese Weise zu missbrauchen, und auch die treuen Ritter der Tochter, die der Orden mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Aber ich bin sicher nicht die Erste, die sich auf Kosten der Götter ein paar Feiertage macht. Meine Spende wird die Aufwendungen der Kirche mehr als ausgleichen.«
»Das geht mich nichts an.« Dy Cabon wischte diese finanziellen Erwägungen mit einer Handbewegung beiseite. »Majestät, ich habe in den Büchern gelesen. Und mit meinen Vorgesetzten gesprochen. Und nachgedacht. Ich habe sogar … nun, das muss Euch nicht bekümmern.« Er atmete tief ein. »Wisst Ihr vielleicht, Majestät … Seid Ihr Euch bewusst … Nun, ich habe Grund zu der Annahme, dass Ihr möglicherweise mit einer außergewöhnlichen spirituellen Begabung gesegnet seid.« Er schaute ihr ins Gesicht und musterte sie durchdringend.
Grund zu der Annahme? Woher? Was für verzerrte, verstohlene Gerüchte hatte der Mann gehört? Ista lehnte sich zurück, wich seinem Blick aber nicht aus. »Ich fürchte, da irrt Ihr Euch.«
»Und ich glaube, Ihr unterschätzt Euch, Majestät. Unterschätzt Euch gewaltig. Ich gebe zu, so etwas findet sich selten bei einer Dame Eures Standes, aber ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass Ihr eine überaus ungewöhnliche Frau seid. Ich bin fest davon überzeugt, mit Gebet, Anleitung, Meditation und der rechten Unterweisung könntet Ihr ein Maß an spiritueller Empfindsamkeit erreichen, eine Berufung erfüllen, die … Nun, von der selbst die meisten Priester nur träumen können, und nach der wir uns alle sehnen. Das ist eine Gabe, die man nicht leichtfertig ausschlagen sollte.«
Nicht leichtfertig, allerdings. Sondern ganz entschieden. Bei den fünf Göttern, wie war er nur auf diese Hirngespinste verfallen? In seinem Gesicht sah sie das Feuer eines Mannes, der ganz im Bann einer großen Idee stand. Sah er sich selbst bereits als ihren stolzen geistlichen Mentor? Er war davon überzeugt, dass er berufen war, ihr zu einem Leben im geheiligten Dienste der Götter zu verhelfen. Mit unbestimmten Ausflüchten würde sie ihn nicht davon abbringen können, ja, er würde sich durch nichts davon abbringen lassen, es sei den, sie enthüllte ihm die ungeschminkte Wahrheit. Ihr wurde flau im Magen.
Das nicht.
Doch.
Es war schließlich nicht das erste Mal, dass sie ein volles Geständnis ablegte. Sie hatte es schon einmal getan, vor einem Mann, der von den Göttern vereinnahmt worden war. Vielleicht zählte es zu den Dingen, die von Mal zu Mal leichter fielen.
»Ihr irrt Euch, dy Cabon. Diese Straße habe ich bereits hinter mir gelassen, nachdem ich ihr bis zum bittersten Ende gefolgt war. Ich war einmal eine Heilige.«
Diesmal war es dy Cabon, der überrascht zurückwich. Er schnappte nach Luft. »Ihr habt den Göttern als Gefäß gedient?« Bestürzung spiegelte sich auf seinem Gesicht. »Das erklärt einiges, das heißt … nein, tut es nicht.« Kurz griff er in sein Haar, ließ es dann wieder los, ohne es sich auszuraufen. »Majestät, das verstehe ich nicht. Weshalb wurdet Ihr von den Göttern berührt? Wann war dieses Wunder?«
»Vor langer, langer Zeit.« Sie seufzte. »Einst war diese Geschichte ein Staatsgeheimnis. Ein Staatsverbrechen. Ich nehme an, heute ist es das nicht mehr. Ob es als Gerücht fortbesteht oder als Legende, oder ob es vergessen wird, weiß ich nicht. Auf jeden Fall werdet Ihr mit niemandem darüber sprechen, nicht einmal mit Euren Vorgesetzten. Wenn Ihr es allerdings für notwendig erachtet, so mögt Ihr Euch Anweisungen von Kanzler dy Cazaril geben lassen. Er weiß alles darüber.«