Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
»Eine solche Stärke ist selten«, meinte Ista. War dy Cabon vielleicht erst vor kurzem Zeuge einer solch außergewöhnlichen Szene am Sterbebett geworden? Es machte den Eindruck. Kein Wunder, dass er bei der Erinnerung daran ehrfürchtig und demütig wirkte.
Mit einem knappen Schulterzucken pflichtete dy Cabon ihr bei. »Ja. Ich wüsste nicht, ob ich selbst … Doch zum Glück sind frei umherziehende Dämonen selten. Obwohl …«
»Obwohl was?«, bohrte Liss nach, als der immer spärlichere theologische Vortrag allem Anschein nach ganz ins Stocken kam.
Dy Cabon schürzte die Lippen. »Der Erzprälat war überaus beunruhigt. Mein Fall war der dritte entwichene Dämon, der in diesem Jahr allein in Baocia aufgegriffen worden ist.«
»Wie viele fangt Ihr denn normalerweise?«, wollte Liss wissen.
»Nicht mal einen im Jahr in ganz Chalion. Jedenfalls war es seit langer Zeit so. Die letzte große Heimsuchung gab es in den Tagen König Fonsas.«
Dem Vater von Ias und Iselles Großvater, der vor fünfzig Jahren gestorben war.
Ista dachte über dy Cabons Worte nach. »Und was geschieht, wenn der Dämon schon zu stark geworden ist?«
»Ja, was dann?«, sagte dy Cabon. Er schwieg einige Augenblicke und starrte auf die Ohren seines Maultiers, die wie Ruder zu beiden Seiten des Kopfes herabhingen. »Eben deshalb verwendet meine Kirche so große Mühe und so viel Überlegung darauf, die Dämonen zu bannen, solange sie noch schwach sind.«
Die Straße verengte sich wieder und wand sich zu einer kleinen Steinbrücke hinunter, die sich über einen Strom mit grünlichem Wasser wölbte. Mit einem höflichen Gruß zu Ista trieb dy Cabon sein Maultier an und setzte sich an die Spitze.
4
Am nächsten Morgen brachen sie früh auf und waren lange unterwegs; schließlich aber blieb das Ödland von Baocia hinter ihnen zurück. Die Landschaft wurde sanfter, weniger trocken, und war immer häufiger von Wäldern durchzogen, wobei sie zu den Bergen hin anstieg, die am westlichen Horizont eben noch zu erkennen waren. Doch unter der nun lieblicheren Oberfläche verbarg sich immer noch ein steiniges Skelett.
Die Stadtmauer von Casilchas schmiegte sich an eine kahle Felsnase; darunter trug ein schnell fließender Strom klares, kaltes Schmelzwasser von den fernen Höhen heran. Sowohl die Wälle wie auch die Gebäude waren aus grauen und ockerfarbenen Steinen errichtet, nur hier und da von rosafarbenem oder fahlgrünem Putz aufgelockert, oder von bemalten Türen und Fensterläden aus Holz, die im schräg einfallenden Schein der Abendsonne rot oder blau oder grün aufglühten. Man könnte diesen Anblick wie Wein genießen und trunken werden vor Farben, dachte Ista, während der klappernde Hufschlag ihrer Pferde in den schmalen Gassen widerhallte.
Der Tempel der Stadt lag einem kleinen Marktplatz gegenüber, der mit unregelmäßigen Granitplatten gepflastert war, die perfekt ineinander gefügt waren. Auf der anderen Seite befand sich das Priesterseminar des Bastards. Das Gebäude schien das alte Stadthaus eines einheimischen Adligen gewesen zu sein, das irgendwann der Kirche vermacht worden war.
Auf dy Cabons Klopfen hin öffnete sich eine kleine Pforte in dem schweren, eisenbeschlagenen Doppelportal, und der Pförtner trat heraus. Der ersten Begrüßung des Geistlichen begegnete er mit einem abweisenden Kopfschütteln, und dy Cabon verschwand mit ihm für eine Weile im Innern des Anwesens Dann schwangen unvermittelt beide Türflügel weit auf, und Stallknechte und Novizen eilten heraus, um sich der Reittiere und des Gepäcks der Reisegruppe anzunehmen. Istas Pferd wurde hineingeführt. Drei Stockwerke mit reich geschmückten hölzernen Galerien erhoben sich über dem gepflasterten Innenhof. Ein weiß gewandeter Akolyth kam herbei und stellte eine Trittbank bereit. Der Tempelvorsteher verneigte sich und entbot seinen ergebensten Willkommensgruß. Er redete Ista zwar mit Sera dy Ajelo an, doch sie gab sich keinen Illusionen hin: Er wusste, dass er vor Ista dy Chalion katzbuckelte: Dy Cabon war vielleicht weniger verschwiegen gewesen, als Ista es sich gewünscht hatte. Doch es brachte ihnen zweifellos bessere Räumlichkeiten ein, eifrigere Bedienstete und die bestmögliche Versorgung für ihre erschöpften Reittiere.
Man geleitete Ista und Liss zu ihrem Gemach und brachte ihnen sogleich das Waschwasser hinterdrein. Ista nahm an, dass es in dieser Akademie überhaupt keine geräumigen Gemächer gab, aber ihres war zumindest groß genug für ein Bett, ein Beistellbett sowie einen Tisch mit mehreren Stühlen. Zudem verfügte es über einen Balkon, der einen Ausblick auf die Stadtmauer und auf den Fluss hinter dem Hauptgebäude gewährte. Kurze Zeit später wurde den beiden Frauen eine Mahlzeit gereicht, die auf Servierbrettern gebracht wurden und der Jahreszeit entsprechend mit Blumengebinden in Blau und Weiß geschmückt waren.
Nach dem Abendessen nahm Ista ihre Zofe sowie Ferda und Foix als Eskorte und bummelte im verblassenden Tageslicht durch die Stadt. Mit ihren blauen Tuniken und den grauen Mänteln, die Schwerter mit Umsicht und nicht prahlerisch getragen, boten die beiden Ritter einen schmucken Anblick. Nicht wenige der Jungfrauen von Casilchas — und auch einige ältere Damen — schauten sich nach ihnen um, wenn sie vorübergingen.
Der Tempel war in der üblichen Bauweise errichtet, wenn auch in recht bescheidenem Maßstab: Vier Gebäudeflügel mit Kuppeldach, jeweils eins für jedes Mitglied der Heiligen Familie, gruppierten sich um einen offenen Innenhof, in dessen Mitte das Heilige Feuer brannte. Der Turm des Bastards stand ein wenig abseits hinter dem Sitz Seiner Mutter. Die Gebäude waren aus dem einheimischen grauen Gestein gemauert; die Dachgewölbe jedoch bestanden aus reich beschnitztem Holz, und entlang der Balken tollte eine wirre, kleine Schar farbenfroh bemalter Dämonen. Hinzu kamen Heilige sowie Tiere und Pflanzen, die zum jeweiligen Gott passten. Da die Stadt kaum eine andere Möglichkeit zur Zerstreuung bot, nahmen alle am abendlichen Gottesdienst in diesem Tempel teil. Ista war der Götter müde, musste aber zugeben, dass der Gesang ihr Freude bereitete, denn die Akademie des Bastards konnte einen hervorragenden Chor aufbieten. Der fromme Gesamteindruck wurde allerdings ein wenig gestört, da die weiß gewandete Chorleiterin immer wieder zu Ista herüberschaute und herauszufinden versuchte, was diese von der Darbietung hielt. Ista seufzte innerlich und achtete darauf, stets gebührend zu lächeln und zu nicken und die Sorgen der Frau zu zerstreuen.
Nach den drei Tagen auf der Straße waren Mensch und Tier erschöpft. Morgen würden sie alle hier Rast machen. Ista empfand ein Gefühl der Leichtigkeit — ob es nun von der Sonne herrührte, von der Anstrengung, von ihren fröhlichen jungen Begleitern oder einfach nur vom Abstand zu Valenda, vermochte sie nicht zu sagen. Doch sie war dankbar für diese Empfindung. Sie schmiegte sich unter das Federbett; sie empfand dieses Lager behaglicher als so manches schmuckvolle, aber weniger gemütliche Bett in den königlichen Schlössern. Sie schlief ein, noch ehe Liss auf ihrer Liegestatt zur Ruhe gekommen war.
Ista träumte, und sie wusste, dass es ein Traum war.
Sie überquerte den gepflasterten Innenhof einer Burg. Es war Mittag, irgendwann im späten Frühling oder frühen Sommer. Ein von steinernen Bögen überwölbter Wandelgang umsäumte den Hof; die zierlichen Säulen waren aus Alabaster und nach Art der Roknari mit einem filigranen Muster aus Weinreben und Blumen geschmückt. Die Sonne brannte heiß und hoch am Himmel, und die Schatten zeichneten sich schwarz und tief zu ihren Füßen ab. Sie stieg — nein, sie schwebte eine der Treppen empor, bis ganz hinauf, bis die Stufen oberhalb des Wandelgangs auf einer hölzernen Galerie endeten, und weiter … Am Ende der Galerie gab es einen Raum: Sanft glitt sie hinein, ohne die Tür zu öffnen. Das mit Schnitzwerk verzierte Holz teilte sich vor ihr wie Wasser, umschmeichelte ihre Haut und floss hinter ihr wieder zusammen.