Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Hier irgendwo mußte Hardy zu finden sein … links tauchte die riesige Wand mit den unzähligen in Platten gedruckten Schaltungen auf, rechts gähnten die Öffnungen der Klimaanlage, die neben der präzise temperierten Luft auch oberflächenaktive Stoffe hereintrugen – sie dienten zur selbsttätigen Verbesserung von Isolationsschäden, die infolge der Alterung der Materialien hier und da auftraten und früher ein ernsthaftes Problem gewesen waren.
Noch um zwei Ecken herum … aber da versperrte ihm eine Gruppe von Menschen den Weg, auf dem Geleise stand eine Transportlore mit einem blinkenden roten Kreuz. Die Automatik schaltete das Transportsystem aus, bevor ein Zusammenstoß erfolgen konnte. Ein Mann im weißrot gestreiften Overall der Sanitäter lief Ben entgegen und brüllte ihn an: »Siehst du das Alarmzeichen nicht! Mach den Weg frei, aber rasch!«
Ein anderer erschien hinter dem ersten, stieß ihn warnend an. »Nicht doch, Paul! Das ist doch der angekündigte Besucher.« Er wandte sich an Ben: »Sie kommen zu spät, Hardy hat es erwischt. Er war es doch, den Sie befragen wollten – nicht wahr?«
Ben stieg aus der Lore, zwei Männer traten vor und hoben sie aus den Schienen. Die Transportlore setzte sich wieder in Bewegung, und während sie an Ben vorbeifuhr, blickte der in das Gesicht, das er noch vor einer Stunde auf dem Bildschirm studiert hatte: das häßliche, schmale Gesicht, das weder alt noch jung aussah, dem man aber selbst in der Ohnmacht noch die Verachtung für die Umwelt anzusehen glaubte …
Ben wandte sich an den Mann im blauen Overall, der die Funktion eines Truppführers innezuhaben schien. »Was ist mit ihm passiert?«
»Er wurde eben erst gefunden. Aber wir werden es prüfen.«
»Fangen Sie gleich damit an!« forderte Ben.
Inzwischen kam aus Nebengängen, deren Mündungen er in der Dämmerung der radiolumineszierenden Streifen nicht gesehen hatte, aus Winkeln und Nischen eine ganze Horde verwegen aussehender, schmutziger, mit undefinierbaren Werkzeugen ausgestatteter Männer. Von manchen von ihnen konnte man nur das Weiße ihrer Augen erkennen. Sie drängten sich zusammen, ein leises Murmeln klang auf. Ben hatte das Gefühl als wäre er in Gefahr, als hätten sich hier Emotionen aufgestaut, die sich jeden Moment gegen ihn entladen könnten – obwohl er nicht wußte, warum. Unwillkürlich trat er einen Schritt beiseite, auf die Stufe des Schienenzugs hinauf, von der er einen besseren Ausblick hatte – und die bessere Möglichkeit, im Dunkel zu verschwinden.
Der Mann im blauen Overall machte ein Zeichen, und das Gemurmel erstarb. »Wer hat Hardy gefunden?« fragte er.
»Ich!« Einer der Männer trat vor – er hielt eine lange, in drei Spitzen auslaufende Stange in der Hand und stemmte sie gegen den Boden wie eine Lanze.
»Wo war das?«
»Dort drüben, beim Verteiler. Ich habe Bill gerufen, und der hat die Sanitäter alarmiert.«
»Hat jemand gesehen, was passiert ist?« Der Leiter des Trupps blickte die Männer forschend an, ein Gesicht nach dem andern. Niemand, den sein Blick traf, rührte sich, doch Ben hatte den Eindruck, in einer hinteren Reihe eine Bewegung wahrgenommen zu haben, und als er hinblickte, bemerkte er, daß ein großer, breit gebauter Mann einen anderen, kleineren am Oberarm festhielt, als wollte er jede Handlung ersticken, die vielleicht beabsichtigt sein mochte.
»He – komm vor … ja, dich meine ich!« Ben wandte sich an den Anführer: »Ich will selbst ein paar Fragen stellen!«
Als der Kleine zögernd näher trat, sagte Ben: »Ich bin ein Angehöriger des Kontrolldienstes; du weißt, daß du mir antworten mußt.«
Der andere nickte und sah zu Boden.
»Ich weiß, daß du etwas beobachtet hast. Sag es!«
Der kleine Mann schüttelte den Kopf. Ben wartete eine Weile, dann sagte er zum Truppleiter, und zwar so laut, daß es alle hören konnten: »Ich nehme ihn mit. Und auch du kommst mit – du garantierst dafür, daß es dabei keinerlei Schwierigkeiten gibt. Du bist dir sicher im klaren darüber, daß ich mit einem Telekommunikator Verbindung mit der Zentrale habe.«
Dieser Hinweis half, Wenn er auch nicht auf Wahrheit beruhte – doch der Respekt vor den übergeordneten Instanzen lag den Männern zu tief im Blut. Die drei Männer bestiegen eine Lore und setzten sich in Bewegung – dem Einstiegsschacht entgegen.
Ben war sich klar darüber, daß der Mann, aus welchen Gründen auch immer, vor seinen Kollegen nicht sprechen würde, und daß es vor allem darauf ankam, ihn von den anderen zu entfernen.
Am Schacht angekommen, gingen sie in die Glaskabine des Pförtnerhauses, und Ben stellte noch einmal seine Frage. Der kleine Mann sah den Truppführer fragend an, und dieser nickte ihm zu und sagte: »Du mußt antworten.«
»Es stimmt, ich habe es beobachtet. Es war kein Unfall. Hardy hat zwei Zuleitungen aus der Stromschiene gerissen. Er hat sie an den Isolierenden angefaßt, an seinen Kopf gehoben, und dann mit den blanken Kontaktplatten an seine Schläfen gelegt, eine links, die andere rechts. Es war scheußlich, es hat ihn geschüttelt, hin- und hergerissen. Er hatte einen irren Ausdruck im Gesicht. Dann fiel er zu Boden.« Er schwieg.
»War das alles?«
»Ja!«
»Es ist gut«, sagte Ben. »Und nun möchte ich Hardy sehen – wo ist er?«
Mit dem Truppführer ging er in den Sanitätsraum. Hardy lag auf einem Notlager, ein Arzt saß neben ihm. Dieser stand auf, als er Ben eintreten sah, und ging ihm entgegen. »Ein schwerer Elektroschock«, erklärte er. »Es ist nicht zu verstehen, wie so etwas geschehen konnte, doch er muß mit beiden Schläfen zugleich an spannungführende Teile gekommen sein.«
Ben sah, daß Hardy die Augen geöffnet hatte, doch er lag bewegungslos, das Gesicht zur Decke gewandt. »Ist er bei Besinnung?«
»Er ist wach«, bestätigte der Arzt. »Hätte die Spannung andere Körperteile erfaßt, wäre er nun vielleicht gelähmt, doch das läßt sich in Ordnung bringen. So aber hat es sein Gehirn getroffen. Ja, er ist wach. Aber ob er bei Besinnung ist? Ob er noch erkennt, was um ihn herum vorgeht? Ob er noch Erinnerungen hat? – wer weiß es?«
Ben trat leise an das Lager heran und beugte sich über den Verletzten. Als er in Hardys Blickfeld kam, bäumte sich dieser plötzlich auf und schrie: »Ich weiß nichts, geh fort! Ich weiß nichts, nichts, nichts. Ich weiß nichts …«
Der Arzt zog Ben zurück, doch die Schreie hielten an.
»Worum geht es?« fragte der Arzt.
»Ich weiß es selbst noch nicht«, antwortete Ben. Er verabschiedete sich und ging zum Lift hinaus, Dieser trug ihn empor, zurück in den gesicherten Lebensraum der Freien Gesellschaft.
Notizen über das Symposium
›Ordnung und Antiordnung‹
Vorbemerkungen zur Begriffsbestimmung
Ordnung: Gesetzmäßigkeit. Regelhaftigkeit
Antiordnung: Zufall, Chaos, Entropie
Antithesen: Ordnung – Chaos
Information – Redundanz
Bestimmtheit – Unbestimmtheit
Das Geschehen in der Makrowelt, in der der Mensch lebt, ist durch Ordnungsbeziehungen diktiert. Die einzige Quelle von Unbestimmtheit ist die Mikroweit (Quantenprozesse). Auswirkungen im sozialen Gefüge können nur durch Ereignisse nach dem Modell des Quantenverstärkers erfolgen. Man versteht darunter eine Anordnung, die ein Mikroereignis in ein Makroereignis umwandelt. Ein Beispiel dafür ist das Verstärkersystem, das in Zählrohren aufgefangene Impulse hör- oder sichtbar macht. Auch in biologischen Organismen kommen Effekte dieser Art zustande, beispielsweise durch zufällige Änderungen in den Genen, wodurch Mutationen hervorgerufen werden. Entsprechende Prozesse greifen ins Gehirngeschehen ein – sie führen zu Spontanreaktionen, unvorhersehbaren Einfällen, unlogischen Entscheidungen usw.