Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Auch die Pferde waren seit länger als einer Woche übel daran: sie bekamen nur das Stroh von den Hausdächern zu fressen, waren entsetzlich abgemagert und trugen noch ihr Winterhaar, das sich in Klümpchen zusammenballte.
Trotz dieses argen Elends lebten die Soldaten und die Offiziere genauso wie immer. Wie sonst, so traten die Husaren auch jetzt, wenn auch mit blassen, geschwollenen Gesichtern und in zerrissenen Uniformen, zum Appell an, gingen zum Haarkämmen und -schneiden, säuberten die Pferde und die Ausrüstungsgegenstände, schleppten statt des Futters das Stroh von den Dächern herbei und gingen, um ihr Mittagbrot zu essen, zu den Kesseln, von denen sie hungrig wieder aufstanden, wobei sie über ihre garstige Nahrung und über ihren Hunger noch ihre Späßchen machten. Ebenso wie sonst zündeten sich die Soldaten in ihrer dienstfreien Zeit offene Feuer an, um daran nackt zu schwitzen, rauchten ihre Pfeifen, verlasen die ausgewachsenen, fauligen Kartoffeln, kochten sie und erzählten sich Geschichten von den Potjomkinschen und Suworowschen Feldzügen oder Märchen von dem schlauen Alexei oder von dem Popenknecht Nikolai.
Die Offiziere wohnten wie gewöhnlich zu zweit oder zu dritt in den abgedeckten, halbzerstörten Häusern. Die älteren sorgten für die Beschaffung von Stroh und Kartoffeln, überhaupt für die Lebensbedürfnisse der Mannschaften, die jüngeren vergnügten sich wie immer teils mit Kartenspiel (Geld war in Hülle und Fülle da, wenngleich es an Proviant fehlte), teils mit harmlosen Spielen wie »Ring und Nagel«1 und Knüttelwerfen. Von dem allgemeinen Gang der Dinge wurde nur wenig gesprochen, teils weil man nichts Positives wußte, teils weil man dunkel ahnte, daß der allgemeine Verlauf des Krieges kein günstiger war.
Rostow wohnte wie früher mit Denisow zusammen, und ihr Freundschaftsbund war seit ihrem Urlaub noch enger und inniger geworden. Denisow sprach nie von Rostows Angehörigen; aber aus der geradezu zärtlichen Freundschaft, die der Vorgesetzte ihm, seinem Untergebenen, bewies, ersah Rostow, daß des alten Husaren unglückliche Liebe zu Natascha zu diesem hohen Grad von Zuneigung mitwirkte. Denisow war offenbar bemüht, Rostow möglichst selten Gefahren auszusetzen und ihn nach Kräften zu behüten, und wenn Rostow aus einem Gefecht heil und unversehrt zurückkam, begrüßte er ihn immer mit ganz besonderer Freude. Auf einem Dienstritt fand Rostow in einem verlassenen, zerstörten Dorf, wohin er gekommen war, um Lebensmittel zu suchen, einen alten Polen und dessen Tochter mit einem Säugling. Sie entbehrten der nötigsten Kleider, hungerten, konnten das Haus nicht verlassen und hatten keine Mittel, um fortzufahren. Rostow transportierte sie ins Lager, brachte sie in seinem Quartier unter und sorgte einige Wochen lang, bis der alte Mann sich einigermaßen erholt hatte, für ihren Unterhalt. Da machte sich einmal ein Kamerad Rostows, als von Frauen die Rede war, über Rostow lustig und sagte, der sei doch der schlauste von allen; es wäre aber nur in der Ordnung, wenn er nun auch die Kameraden mit der von ihm geretteten hübschen Polin bekanntmachte. Rostow faßte diesen Scherz als Beleidigung auf, bekam einen roten Kopf unangenehme Dinge, daß Denisow nur mit Mühe ein Duell zwischen den beiden verhindern konnte. Als der Offizier weggegangen war und Denisow, der selbst Rostows Beziehungen zu der Polin nicht kannte, ihm wegen seiner Heftigkeit Vorwürfe machte, da sagte Rostow zu ihm:
»Schilt mich nur aus … Aber sie ist mir wie eine Schwester, und ich kann dir nicht beschreiben, wie mich das beleidigt hat … weil … nun, und deshalb …«
Denisow schlug ihm auf die Schulter und begann, ohne Rostow anzusehen, mit schnellen Schritten im Zimmer auf und ab zu gehen, was er in Augenblicken starker Erregung zu tun pflegte.
»Seid ihr Rostows ein närrisches Volk!« sagte er dabei, und Rostow bemerkte Tränen in seinen Augen.
Fußnoten
1 Es kommt darauf an, mit der Spitze eines großköpfigen Nagels in einen auf der Erde liegenden Ring zu treffen.
Anmerkung des Übersetzers.
XVI
Im April versetzte die Nachricht von der Ankunft des Kaisers bei der Armee die Truppen in freudige Erregung. Rostow hatte nicht das Glück, an der Truppenschau teilnehmen zu können, die der Kaiser in Bartenstein abhielt: die Pawlograder befanden sich auf Vorposten, weit vor Bartenstein.
Sie lagen dort im Biwak. Denisow und Rostow wohnten in einer Erdhütte, die die Soldaten für sie ausgegraben und mit Reisig und Rasen gedeckt hatten. Die Erdhütte war in folgender Weise, die damals in Aufnahme gekommen war, konstruiert: es wurde ein Graben ausgehoben, etwa ein Meter breit, anderthalb Meter tief und zweieinhalb Meter lang. An dem einen Ende des Grabens wurden Stufen angelegt, und dies war der Zugang; der Graben selbst bildete das Zimmer; in diesem befand sich bei besonderen Günstlingen des Glücks, wie es der Eskadronchef war, an dem fernsten, den Stufen gegenüberliegenden Ende ein auf Pfählen ruhendes Brett, das den Tisch vorstellte. Auf den beiden Langseiten des Grabens war die Erde in einer Breite von zwei Dritteln Meter abgestochen, so daß zwei Betten oder Sofas entstanden. Das Dach war so konstruiert, daß man in der Mitte stehen konnte, und auf den Betten konnte man sogar sitzen, wenn man nahe an den Tisch heranrückte. Bei Denisow, der eine luxuriöse Wohnung hatte, da ihn die Soldaten seiner Eskadron gut leiden konnten, war an der Giebelseite des Daches noch ein Brett angebracht, und in dieses Brett war eine zerbrochene, aber wieder zusammengeklebte Fensterscheibe eingesetzt. Wenn es sehr kalt war, wurde auf die Stufen (in das Wartezimmer, wie Denisow diesen Teil der Hütte nannte) Glut von den Feuern der Soldaten auf einem gebogenen Eisenblech gestellt, und es wurde davon so warm, daß die Offiziere, von denen immer eine ganze Menge bei Denisow und Rostow zu Besuch war, in Hemdsärmeln zu sitzen pflegten.
Im April hatte Rostow eines Tages Dejour gehabt. Gegen acht Uhr morgens kehrte er nach einer schlaflosen Nacht nach Hause zurück, ließ Glut bringen, wechselte die vom Regen durchnäßte Wäsche, sprach sein Gebet, trank Tee, wärmte sich an den Kohlen, legte seine Sachen in seinem Winkelchen und auf dem Tisch in Ordnung, streckte sich in Hemdsärmeln auf dem Rücken aus und schob die Hände unter den Kopf. Die Gesichtshaut brannte ihm von dem Wind, dem er die Nacht über ausgesetzt gewesen war; aber er überließ sich angenehmen Gedanken über die Beförderung, die ihm nächster Tage als Lohn für seinen letzten Rekognoszierungsritt zuteil werden müsse, und wartete auf Denisow, der irgendwohin gegangen war. Rostow wollte gern mit ihm sprechen.
Hinter der Hütte wurde die laut kreischende Stimme Denisows hörbar, der offenbar sehr erregt war. Rostow rückte an das Fenster heran, um zu sehen, mit wem Denisow denn so zusammengeraten sei, und erblickte den Wachtmeister Toptschejenko.